10. April 2016

Was hilft gegen Cybermobbing?

© highwaystarz/Fotolia.com
Facebook, Twitter, WhatsApp – online kommunizieren ist für viele Menschen und besonders für Jugendliche selbstverständlich. Das kann praktisch sein, aber auch gefährlich. Denn wer im Internet gemobbt wird, verliert oft an Selbstbewusstsein, wird depressiv, leidet an einer Essstörung oder denkt sogar an Selbstmord. 

Anderthalb Jahre ging Sylvia Hamacher durch die Hölle. Sie wurde an ihrer Schule gemobbt. Und selbst wenn sie nach Hause ging, hatte sie keine Ruhe vor den Angreifern. Denn die Attacken verfolgten sie online, in sozialen Netzwerken, gut sichtbar auf Laptop und Smartphone. Mit Kraftausdrücken sei sie beleidigt worden, erinnert sich Hamacher: „Dass ich leicht zu haben sei, diese Richtung. Dass ich mit jedem an der Schule schon was gehabt hätte. Dass man von mir auch sexuelle Handlungen im Unterricht erwarten könne, man müsse mich nur danach fragen.“ Sie hat es geschafft, ist darüber hinweg. Mittlerweile studiert sie Medizin und hält an Schulen Vorträge über Cybermobbing, um darüber aufzuklären. Gerettet haben sie der Rückhalt ihrer Familie und ein Wechsel der Schule. Dafür war es höchste Zeit, denn die dauernde Hetze hinterließ seelische Wunden. Hamacher erzählt: „Ich hab‘ begonnen, mich selbst zu ritzen. Gedacht, ich kann das nicht mehr lange, es wäre einfacher, wenn ich sterben würde. Da hat nicht mehr viel gefehlt, dann hätte ich vielleicht Suizid begangen.“

Wie Hamacher geht es vielen Kindern und Jugendlichen: 92 Prozent der 12- bis 19-Jährigen haben laut der JIM-Studie 2015 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest ein eigenes Smartphone. Und jeder dritte Schüler ist der Studie zufolge bereits einmal im Internet gemobbt worden. Das Problem: Jugendliche wollen häufig Anerkennung und Anschluss, geben daher private Daten wie ihre Adresse oder Telefonnummer auf Online-Plattformen preis, stellen Bilder oder Videos von sich ins Netz. Und in der Anonymität des Internets finden sich leicht Täter, die damit Schindluder treiben – und das vor einem großen Publikum. „Es ist natürlich viel einfacher, übers Netz irgendjemanden fertig zu machen, weil da muss ich dem ja nicht gegenübertreten. Es ist ein Portal für Feiglinge“, sagt Gesa Stückmann, eine auf IT-Recht spezialisierte Rechtsanwältin. Den Tätern ist oft gar nicht klar, dass das Gesetz verbietet, was sie tun. Stückmann erläutert: „Die häufigsten Straftaten, die eine Rolle spielen, sind Verleumdung, Beleidigung, aber auch Körperverletzung, also seelische Verletzung.“

Auch Hanna ist es passiert, sie will ihren Nachnamen aber nicht online lesen. Denn sie wurde zwar nicht direkt beschimpft, ein Unbekannter gab sich aber auf Dating-Portalen als sie aus. Dafür verwendete er Fotos und Daten von ihr, die sie im Internet veröffentlicht hatte. Mit ihrer gestohlenen Identität machte er Männern in ihrem Namen sexuelle Avancen, gab dabei ihre Telefonnummer und ihren Wohnort an. Die Folge: Fremde Männer riefen die Jugendliche an. Ein traumatisches Erlebnis. Hanna hatte Angst, vergewaltigt zu werden. Doppelt bitter war es durch den Identitätsdiebstahl, denn die Frage, ist das jetzt Hanna oder jemand anders, schwang stets mit. Hanna sagt: „Man denkt, jetzt wenden sich gleich alle von einem ab, auch die besten Freunde. Und dann steht man alleine da.“

Südkorea hat eines, Großbritannien auch: ein Gesetz gegen Cybermobbing. In Deutschland gelten zwar Straftaten wie Nötigung, Beleidigung, Verleumdung oder üble Nachrede auch im Netz – einen speziellen Paragrafen für Cybermobbing gibt es jedoch nicht.

Wie aber soll man als Betroffener oder als Elternteil handeln? Oft sind Mobbing und Cybermobbing nicht voneinander zu trennen. Und der Terror hört nur selten von selbst auf. Die Betroffenen sollten auf jeden Fall Hilfe suchen und sich jemandem anvertrauen, am besten den eigenen Eltern, um dann weitere Schritte zu unternehmen.

Lesen Sie den ganzen Artikel in verbraucherblick 04/2016.

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