Einfache Buchführung mit WISO EÜR und Kasse - aber wie genau?

  • Hallo, ich begrüße hier alle als "Neugling" und möchte mich kurz vorstellen, bevor ich mit meiner Frage loslege:


    Ich heiße Daria und bin freiberufliche Sängerin.


    Meine Buchführung, EÜR, USt.-Erklärungen und Lohnsteuererklärungen hat bis jetzt ein Steuerberater erledigt. Ich möchte das jetzt selber übernehmen und habe mir dafür die Programme "WISO EÜR und Kasse" sowie "WISO Steuer Sparbuch" besorg.


    Kurze Randinfos:
    - Freiberuflich
    - einfache Buchführung erlaubt
    - USt-pflichtig, IST-Versteurung, Vorauszahlung 1x / Jahr
    - EÜR nach Zu- und Abflussprinzip
    - Absolut keine Erfahrung mit solchen Themen aber ein großer Wille es zu lernen :D


    Im ersten Schritt habe ich versucht die EÜR und USt-Erklärungen aus dem Jahr 2013 zu reproduzieren und mit den Ergebnissen des Steuerberaters zu vergleichen. Vieles konnte ich verstehen, einige Sachen sind noch unverstanden geblieben. Jetzt aber zu meiner Frage:


    So wie ich verstanden habe wird bei einer einfachen Buchführung in der EÜR alles auf ein Verrechnungs-Gegenkonto gebucht. Bei einer doppelten Buchführung werden verschiedene Gegenkonten verwendet, je nach vorliegender Buchung (Bar, Bank, usw.). Ist das so richtig?
    Jetzt habe ich einfach angefangen, ohne großartig zu überlegen und habe das Modul "Buchungen" zur Erfassung von allen Einnamen und Ausgaben verwendet. Als Muster habe ich mit die Sachkonten genommen, die mein Steuerberater genommen hat und manche Zusammenhänge im Internet recherchiert. Dabei habe ich alles fleißig auf Gegenkonto 1200 (Bank) gebucht.


    Als ich fertig war habe ich mir das Modul "Kasse" genauer angeschaut und festgestellt, dass der Aufbau nahezu identisch ist, ich jedoch keine Möglichkeit habe ein Gegenkonto zu wählen.


    Jetzt frage ich mich, habe ich meine einfache Buchführung richtig gemacht? Sollte ich dafür nicht das Modul "Kasse" verwenden und nicht "Buchungen" und immer 1200 als Gegenkonto? Was ist der Unterschied zwischen den beiden? ?(?(?(


    Vielen Dank und viele Grüße
    Daria

  • Hallo Daria,


    ich will versuchen, deine Fragen zu beantworten.


    So wie ich verstanden habe wird bei einer einfachen Buchführung in der EÜR alles auf ein Verrechnungs-Gegenkonto gebucht. Bei einer doppelten Buchführung werden verschiedene Gegenkonten verwendet, je nach vorliegender Buchung (Bar, Bank, usw.). Ist das so richtig?


    Auch bei einer Einnahmenüberschussrechnung hast du die Möglichkeit, verschiedene Konten anzusprechen - diese sind auch im EKR 03 (was ja sowohl in EÜR & Kasse als auch im WISO Steuersparbuch - Modul Einnahmenüberschussrechnung verwendet wird) auch so vorgesehen. Das bedeutet, alles was du über die Bank bezahlst oder einnimmst, geht über das Konto 1200 (Bank). Analog alles, was bar bezahlt oder eingezahlt wird, über Konto 1000 (Kasse). Wenn das Bankkonto und das Portemonnaie deine privaten Gelder sind, wird alles über 1800 (Privatentnahmen) und 1890 (Privateinlagen) gebucht. Viele nehmen zwar hier das Verrechnungskonto, aber dies ist sachlich nicht ganz richtig, geht aber auch.
    Vorteil bei Konto 1200 ist mögliches online-banking und Abrufen der Kontenumsätze. Erspart das vollständige Eintippen - man muss nur noch die Kategorien zuordnen. Wenn über das Bankkonto auch private Gelder laufen, am besten auf Kategorie 18xx buchen.


    Dabei habe ich alles fleißig auf Gegenkonto 1200 (Bank) gebucht.


    Auf diese Art und Weise kannst du dein Bankkonto aber nie abstimmen - siehe meine Anmerkungen zur ersten Frage.


    Sollte ich dafür nicht das Modul "Kasse" verwenden und nicht "Buchungen" und immer 1200 als Gegenkonto? Was ist der Unterschied zwischen den beiden?


    Das Modul Kasse benötigst du nur, wenn du eine richtige Kasse führst, weil dann die ziemlich rigorosen Vorschriften des Finanzamtes zur Barkassenführung greifen und du im Endeffekt täglich deine Ein- und Auszahlungen eintragen musst und in regelmäßigen Abständen (meistens einmal monatlich) einen "Kassensturz" mit Abstimmung des tatsächlichen Bargeldbestandes mit dem Kassenbestand machen musst. Hierzu gibt es hier im Forum auch schon einige Einträge. Da ich aber annehme, dass es eher dein privates Portemonnaie ist, aus dem die Gelder entnommen werden, würde ich das Modul Kasse ganz vergessen und die Zahlungen über die Privatkonten (18xx) buchen.


    Noch ein Hinweis zum Schluss: wenn du das Steuersparbuch erworben hast, benötigst du eigentlich EÜR & Kasse wirklich nur, wenn du eine Bargeldkasse hättest. Sonst kannst du eigentlich alles im Modul Einnahmenüberschussrechnung machen einschließlich der Umsatzsteuervoranmeldungen und sogar im Folgejahr der Umsatzsteuererklärung. Also solltest du prüfen, ob du wirklich beide Programme benötigst.


    nesciens


    nesciens

    Die besten Grüße aus dem tiefen Süden (wo es fast immer schön ist, auch bei Regen)
    nesciens



    WISO Steuersparbuch seit 1994, Windows 7

  • Hallo nesciens,
    vielen herzlichen Dank für deine ausführlichen Antworten - jetzt sind mir einige Sachen klarer geworden:


    1. Das Modul Kasse brauche ich, wenn ich wirklich eine Barkasse führe, wie z.B. beim Kiosk nebenan oder an der Tankstelle. Weil ich das nicht habe, brauche ich das Modul auch nicht.


    2. Mein Situation ist folgende - ich habe nur ein Bankkonto. Auf diesem kommen und gehen sowohl meine Privatgelder wie auch die beruflichen Einnahmen und Ausgaben. Ein Tel meiner Rechnungen bekomme ich überwiesen, ein Tel gibt es Bar auf die Hand gegen Quittung (aber keine Barkasse wie im Laden). Bar geschieht sehr oft nach dem Auftritt, wo der Kunde einfach die Gage im Umschlag mir in die Hand gibt. Auf der Rechnung ist es vermerkt, dass das Geld am Auftrittstag bar erhalten wurde.
    Um hier den Aufwand zu ersparen, alle Geldbewegungen in der Buchführung zu erfassen (Bargeld auf's Konto einzahlen, abheben, usw.) kann ich hier mit diesen privaten 18xx Geldkonten arbeiten, richtig? Habe ich damit bereits diese "EINFACHE" Buchführung realisiert? Oder muss ich für eine einfache Buchführung im Programm bestimmte Einstellungen treffen?


    3. Ich habe gesehen, dass Steuersparbuch auch die für mich notwendige Modula hat und SKR03 da ist. Ich benötige ein paar Sachkonten mehr, als dort angelegt sind. Zumindest hat mein Steuerberater für mich eigene Sachkonten angelegt mit für mich individueller Bezeichnung. Diese Möglichkeit habe ich leider im Sparbuch nicht, dashalb habe ich mit EÜR und Kasse gekauft.


    Ich werde deine Tipps versuchen umzusetzen und freue mich auf das Ergebniss.


    Danke und viele grüße
    Daria

  • Hallo Daria,


    freut mich, wenn ich helfen konnte. Bei Bedarf einfach wieder melden.


    Noch eine Anmerkung. Du schreibst

    3. Ich habe gesehen, dass Steuersparbuch auch die für mich notwendige Modula hat und SKR03 da ist. Ich benötige ein paar Sachkonten mehr, als dort angelegt sind. Zumindest hat mein Steuerberater für mich eigene Sachkonten angelegt mit für mich individueller Bezeichnung. Diese Möglichkeit habe ich leider im Sparbuch nicht, dashalb habe ich mit EÜR und Kasse gekauft.


    Das Anlegen von neuen Konten geht aber auch im Steuersparbuch, wenn du das Modul Einnahmen-Überschussrechnung benutzt (siehe meinen Screenshot). Du kannst neue Konten anlegen nach den Vorgaben deines Steuerberaters, aber auch unbenutzte ähnliche Konten umwidmen (aber hier bitte dann unbedingt den Steuerberater zu Rate ziehen).


    Viel Erfolg
    nesciens

  • Hallo nesciens,
    nochmals vielen Dank für die Hilfe und die Tipps!


    Ich komme gut voran und habe jetzt auch viel gelesen. So habe ich jetzt den Unterschied zw. einfacher und doppelter Buchführung entgültig verstanden.
    Ich möchte nochmal um deine Hilfe bitten, da ich für diesen Vorgang noch keine Lösung im Netz gefunden habe:


    Meine Situation:

    • ich besitze nur ein Bankkonto für sowohl private wie auch geschäftliche Geldflüße (z.B. Überwiesene Rechnung und Kindergeld kommen an gleichem Bankkonto an; Lebensmitteln und Unternehmensbedarf zahle ich mit der gleichen Geldkarte und es wird von dem selben Konto abgebucht)
    • für meine Dienstleistung bekomme ich geld auf zwei unterschiedlichen Wegen:
    • Begleichung der Rechnungen durch Überweisung von Kunden auf mein Bankkonto
    • Barzahlung des Rechnungsbetrages von Kunden auf die Hand am Ende der Veranstaltung. Dabei bekommt der Kunde eine Rechnung mit dem Vermerk, dass das Geld an dem Tag in Bar erhalten wurde
    • Das Bargeld liegt z.T. zu Hause im Tresor und wird manchmal auf das Bankkonto eingezahlt. Manchmal nehme ich das Bargeld für die private, manchmal für geschäftliche Ausgaben.


    Nachdem was ich jetzt gelern habe stelle ich mir das so for:

    • Einnahmen = Begleichen der Rechnung per Überweisung
      Einnahme; Sachkonto 8300 (Erlöse 7% USt) als "Haben" -> auf Geldkonto 1200 (Bank) als "Soll"
    • Ausgaben = Bazahlen/Überweisen eines Betrages mit Geldkarte/Überweisung
      Ausgabe; Sachkonto z.B. 4980 (Sonstiger Betriebsbedarf) als "Soll" -> auf Geldkonto 1200 (Bank) als "Haben"
    • Einnahmen = Begleichung der Rechnung als Bareinnahmen
      Einnahme;Sachkonto 8300 als "Haben -> auf Geldkonto 1000 (Bar-Kasse) als "Soll" (Dabei habe ich wie gesagt keine Kasse wie im Laden wo eine Quittung gedruckt wird, sondern vermerke das nur auf der Rechnung)
    • Ausgaben = Bezahlen von Betreibsbedarf aus dem Bargeldbestand
      Ausgaben; Sachkonto 4980 als "Soll" -> auf Geldkonto 1000 als "Haben"

    Ist das so richtig oder ist es zu viel Aufwand, da ich ja keine Bargeld-Kasse wie im Laden habe?
    Was mache ich, wenn ich Bargeld nach dem Erhalten auf die Hand auf Geldkonto lege? Soll ich diesen Vorgand als Buchung überhaupt erfassen? Ich kann ja keine Buchungen zw. den Geldkonten abbilden, oder doch?
    Was mache ich, wenn ich für private Zwecke das Geld verwende? Soll ich diese Vorgänge ebenfalls erfassen?
    Wie kann ich es sauber abbilden, dass der Gewinn von mir für mein Lebensunterhalt verwendet wird?


    Ich danke dir nochmal für deine Hilfe!


    Viele Grüße
    Daria

  • Hallo Daria,



    Sieht doch schon ganz gut aus. Kann man so machen, aber:
    1) wie gesagt, bei einem Konto 1000 Kasse wird die Finanzverwaltung hellhörig. Dies würde ich nach Möglichkeit daher ganz vermeiden. Wenn du die Privatkonten 1800 Privatentnahmen und 1890 Privateinlagen nicht bebuchen möchtest, rate ich zum Konto 1560 Verrechnungskonto, um Nachfragen von vornherein zu vermeiden.
    2) Mit dem Konto 1200 kannst du arbeiten, hast aber dann keine Abstimmmöglichkeit, wenn (hauptsächlich?) private Zahlungsflüsse darüber laufen. Am Anfang empfiehlt sich (als Vollständigkeitskontrolle) daher entweder alle Bankbuchungen lückenlos auf dem Konto 1200 zu erfassen, wobei private Zahlungen dann über das Verrechnungskonto (analog zu Kasse) oder den Privatkonten erfasst werden. Wenn dies zu viel Arbeit macht, würde ich auch auf das Konto 1200 Bank verzichten und das Verrechnungskonto (eventuell ein zweites anlegen zur Unterscheidung durch Kopieren des ersten) bzw. die Privatkonten verwenden.
    Es ist aber dringend dazu zu raten, dass du dir bald ein eigenes geschäftliches Bankkonto zulegst - unter Umständen wird dich die Bank bald darauf ansprechen, denn Privatkonten haben andere Konditionen als Geschäftskonten. Dies würde ich dann - sofern du die Möglichkeiten hast - als online-Konto (möglichst HBCI) führen, dann kannst du dir eine Menge Bucherei durch den Kontenabruf im Programm sparen. Überweisungen gehen dann auch aus dem Programm heraus - macht die Sache einfacher, weil nicht gesondert im Programm erfasst werden muss.


    Weiterhin viel Erfolgserlebnisse beim Arbeiten mit dem Programm
    nesciens

    Die besten Grüße aus dem tiefen Süden (wo es fast immer schön ist, auch bei Regen)
    nesciens



    WISO Steuersparbuch seit 1994, Windows 7

  • Hallo nesciens,
    vielen Dank nochmal für deine Unterstützung.


    Ich habe jetzt meinen Steuerberater ausgequetscht und folgendes erfahren:
    Bei der Buchführung hat der Steuerberater nur das Konto 1371 als Geldkonto benutzt. Bank und Kasse Konten hat er überhaupt nicht verwendet. Seiner Aussage nach ist es für mich ausreichend, da die Bedingungen bei mir so sind wie ich die oben bereits beschrieben habe. So hast du es mir ja auch empfohlen.


    Nun bin ich über eine Sache gestolpert, die mich etwas verwirrt. Ich habe im Jahr 2014 eine Webseite beauftragt, die durch zwei Dienstleister erstellt wurden, DL1 hat das Design erstellt und DL2 hat dann die technische Umsetzung gemacht. Jeder jat mir dafür eine separate Rechnung erstellt.
    Nun erfasse ich das im Programm wie folgt:

    Jetzt stehen in der Übersicht laufender Buchungen drei einträge:
    [Blockierte Grafik: http://fs1.directupload.net/images/user/150907/temp/anggvdm8.jpg]
    Ich verstehe, dass das Konto 1371 als Bestandskonto wie einer Art Hilfkonto fungiert und diese Ausgaben für Wirtschaftsgut als Buchungen aufgezeigt werden. Werden jetzt alle drei Einträge Gewinnmindernd gerechnet oder ist es nur die AfA, die Gewinmindernd wirkt?


    Danke und viele Grüße
    Daria

  • AfA über 3 Jahre und erzeuge daraus eine Buchung von Sachkonto 27(Haben) an Geldkonto 1371(Soll):


    ?( Abschreibungen mindern den Anlagegutwert.
    Mit Deiner Buchung (27 an 1371) würde das Anlagegut Konto 27 jedoch an Wert zunehmen.
    Der AfA-Betrag ist ein Aufwand und mindert den Gewinn.
    Also 4822 an 0027 so dass das Anlagegut dann einen Wert von 1.120,94 hat.


  • ?( Abschreibungen mindern den Anlagegutwert.
    Mit Deiner Buchung (27 an 1371) würde das Anlagegut Konto 27 jedoch an Wert zunehmen.
    Der AfA-Betrag ist ein Aufwand und mindert den Gewinn.
    Also 4822 an 0027 so dass das Anlagegut dann einen Wert von 1.120,94 hat.


    Hi Maxi_floor,
    danke für den Hinweis!


    Habe mich ver-kopiert. Sollte lauten:
    "Sachkonto 27(Haben) an Konto 4822(Soll):", also wie du gesagt hast 4822 an 0027.


    Ist das von der Vorgehensweise und den Buchungen richtig so?

  • "Sachkonto 27(Haben) an Konto 4822(Soll):", also wie du gesagt hast 4822 an 0027.


    ;)jo, wenn Du das an in Deinem Buchungssatz weg lässt.

    "an"
    gibt vereinfacht das "gebende" Kto. "Habenkonto" an. Wenn Du Dir dieses Prinzip verinnerlichst, tust Du Dir künftig auch etwas leichter.