Steuersatz als Beratender Betriebswirt

  • Hi,


    ich wollte heute meine Steuererklärung über das WISO Steuer Sparbuch 2021 verfassen und war etwas überrascht von meinem scheinbar anzusetzenden Steuersatz. Ich habe im vergangenen Jahr im Sommer freiberuflich als Berater (Freier Beruf beratender Betriebswirt) gearbeitet und mich dabei zwischen zwei Anstellungen finanziert.


    Das Ganze lief besser als erwartet und ich habe mit meiner Arbeit knapp 10.000€ erwirtschaftet. Ich hatte Anfang und Ende des Jahres dann wieder eine Festanstellung und nicht vor meine selbststsändige Tätigkeit weiter laufen zu lassen, deswegen wollte ich in meiner Steuererklärung die Gewinnermittlung über Einnahmen-Überschuss-Rechnung ansetzen und habe meine Verdienste unter "Einkünfte" unter Anwendung der Kleinunternehmer-Regelung und umsatzsteuerbefreit angeben. Vor der Eingabe hätte ich eine Erstattung von knapp 1.000€ erhalten, mit meinem selbstständigen Verdienst muss ich jetzt aber 1.800€ nachzahlen?


    Mich wundert die Höhe der Nachzahlung ehrlich gesagt etwas, da ich von einem "Einstiegssteuersatz" von 14% ausgegangen war. Habe ich dabei etwas falsch angegeben, oder ist der entsprechende Steuersatz einfach so hoch?



    Vielen Dank für eure Hilfe! :)

  • deswegen wollte ich in meiner Steuererklärung die Gewinnermittlung über Einnahmen-Überschuss-Rechnung ansetzen

    Wieso wollte, Du musst Deine Einkünfte im Rahmen der ESt-Erklärung angeben und diese Einkünfte sind nun einmal zwingend mittels einer EÜR zu ermitteln.


    habe meine Verdienste unter "Einkünfte" unter Anwendung der Kleinunternehmer-Regelung und umsatzsteuerbefreit angeben.

    Das ist ja auch ok, wenn Du keine USt gesondert ausgewiesen hast. Nur hat die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung rein gar nicht mit dem Ergebnis Deiner EÜR zu tun. Das EStG und das UStG sind voneinander unabhängige Rechtsvorschriften und eben nur für die jeweilige Steuerart maßgeblich.


    Vor der Eingabe hätte ich eine Erstattung von knapp 1.000€ erhalten, mit meinem selbstständigen Verdienst muss ich jetzt aber 1.800€ nachzahlen?

    Hört sich plausibel an.


    Mich wundert die Höhe der Nachzahlung ehrlich gesagt etwas, da ich von einem "Einstiegssteuersatz" von 14% ausgegangen war. Habe ich dabei etwas falsch angegeben, oder ist der entsprechende Steuersatz einfach so hoch?

    Maßgeblich ist der Grenzsteuersatz gemäß anzuwendender ESt-Tabelle (Grundtabelle/Splittingtabelle je nach Familienstand und Veranlagungsart). Und Du kannst alle Zahlen wunderbar der Steuerberechnung nebst detaillierter Erläuterungen Deines Programms entnehmen.

  • Hi,


    vielen herzlichen Dank für die ausführliche Antwort! :)


    Deiner Aussage entnehme ich, dass ein Steuersatz von 30% in dem Zusammenhang gar nicht so abwegig ist?


    Wo würde ich in meinem Steuerprogramm denn diese angesprochene Tabelle finden können?



    Vielen Dank und viele Grüße!

  • Wo würde ich in meinem Steuerprogramm denn diese angesprochene Tabelle finden können?

    In der Steuerberechnung ganz vorne bei der Abrechnung steht dein Grenzsteuersatz. Am Ende findest Du das z.v.E.. Und die Steuertabellen sind oben hinter den Funktionsreitern der Software verlinkt.

  • Vielleicht noch kurz zur Erläuterung: Es gibt keinen eigenen Steuersatz für Deine Einkünfte als Angestellter und einen anderen Steuersatz für Deine freiberufliche Tätigkeit. Beide Einkünfte werden zusammengefasst und dann mit einem Steuersatz bewertet. Und da sind ~ 30% gar nicht so unrealistisch. Der von Dir erwartete "Einstiegssteuersatz" würde nur angewandt, wenn Du in diesem Jahr nur die (vergleichsweise geringen) Einkünfte aus der Beratertätigkeit gehabt hättest. Es gilt aber immer Dein gesamtes >ahreseinkommen als Basis für den Steuersatz.