Belege vergessen?

Belege vergessen?

Bis wann Sie die Unterlagen nachreichen können


Die besten Ideen kommen meist hinterher. Das ist auch bei der Steuererklärung so: Kaum hat man sie beim Finanzamt abgegeben, tauchen wie aus dem Nichts Belege auf, die man noch hätte ansetzen können.

Steuerbescheid noch nicht erhalten

Sie haben die Steuererklärung gerade erst in den Briefkasten eingeworfen. Prompt entdecken Sie Unterlagen über Versicherungen oder Arbeitsmittel, die Ihre Steuern mindern können. Kein Problem: Reichen Sie die Belege einfach mit einem formlosen Brief beim Finanzamt nach. Diese werden dann zu Ihrer Steuererklärung gelegt – und alle Unterlagen zusammen geprüft.

Innerhalb der Einspruchsfrist

Den Bescheid schon in den Händen haben Sie tief in der Schublade noch steuerrelevante Unterlagen entdeckt? Hier haben Sie zwei Möglichkeiten: Stellen Sie einen Antrag auf schlichte Änderung oder legen Sie Einspruch ein.

Antrag auf schlichte Änderung

Bei einer schlichten Änderung können Sie die Änderung in nur einem bestimmten Punkt der Steuererklärung beantragen. Ihr Steuerfall wird nicht nochmals im vollen Umfang geprüft. Der Sachbearbeiter im Finanzamt schaut sich nur die von Ihnen neu eingereichten Beleg an- mehr nicht. Eine Änderung zu Ihren Ungunsten ist somit nicht möglich.

Vorgehen: Stellen Sie einen formlosen Antrag auf schlichte Änderung. Teilen Sie darin dem Finanzamt genau bestimmte Änderungen mit und legen Sie die entsprechenden Belege bei.

Beim Einspruch: Risiko der „Verböserung“

Geläufiger aber risikoreicher ist der Einspruch. Hier wird Ihre gesamte Steuererklärung meist nochmals von A bis Z geprüft. Entdeckt der Finanzbeamte dabei Unstimmigkeiten, kann er die betreffenden Ausgaben aus der Erklärung streichen – und Sie müssen möglicherweise mehr Steuern zahlen als noch vor dem Einspruch. Dies nennt man im Fachjargon „Verböserung“.

Doch allzu schlimm ist es dann doch nicht: Das Finanzamt muss Sie über die geplante „Verböserung“ informieren und Ihnen Gelegenheit geben, sich zu äußern. Jetzt können Sie nachrechnen: Stehen Sie nun schlechter da als vor dem Einspruch? Ziehen Sie Ihren Einspruch zurück! Dadurch bleibt alles beim Alten – der ursprüngliche Steuerbescheid wird endgültig wirksam.                     

Handeln Sie innerhalb vier Wochen

Mit dem Antrag auf schlichte Änderung oder dem Einspruch sollten Sie nicht zu lange trödeln: Das Schreiben muss binnen der so genanntenEinspruchsfrist“ von ca. einem Monat beim Finanzamt sein!

Faustformel Einspruchsfrist

Zählen Sie zum Datum Ihres Steuerbescheides die darauf folgenden drei Werktage hinzu. Darauf rechnen Sie noch einen Monat. Bis zu diesem Termin muss Ihr Einspruch beim Finanzamt liegen. Ist dieser Termin ein Samstag, Sonntag oder Feiertag? Dann endet die Frist am nächsten Werktag.

Nach der Einspruchsfrist

Ist die Einspruchsfrist schon abgelaufen, wird es schwieriger. Hier gibt es wiederum zwei Möglichkeiten, die Sie binnen der Festsetzungsfrist von vier Jahren nach Erlass des Steuerbescheids haben:

Einspruch aufgrund neuer Tatsachen

Neue Tatsachen liegen vor, wenn Sie Ihre Steuerspar-Möglichkeit tatsächlich beim Erstellen Ihrer Steuererklärung nicht kannten. Wichtig hierbei: Sie dürfen daran kein grobes Verschulden haben, dass diese Tatsache Ihnen erst nachträglich bekannt wurde. Laut Rechtsprechung liegt dies vor, wenn weder im Formular der Steuererklärung noch in der Anleitung die vergessenen Ausgaben ausdrücklich erwähnt werden. Da mittlerweile die meisten Kostenpositionen im engeren oder weiteren Sinne in den Vordrucken oder der Anleitung zu finden sind, dürfte dies ziemlich schwierig werden.

Bessere Chancen im Vergleich zu heute hatte ein KFZ-Mechaniker im Jahre 1986: Er wollte nachträglich die Kosten für sein Arbeitszimmer anerkennen lassen. Infolge mangelnder Steuerrechts-Kenntnisse und fehlender Erläuterungen sowohl in Vordrucken als auch der Anleitung der Steuererklärung gab der Bundesfinanzhof ihm Recht: Ihn traf kein grobes Verschulden – und er konnte die Kosten nachträglich in Abzug bringen. Dies wäre heute dank ausführlicher Anleitung nicht mehr möglich.

Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand

Haben Sie die Einspruchsfrist versäumt, besteht noch die Möglichkeit, Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand zu beantragen. Dabei werden Sie so gestellt, als ob Sie die Frist nie versäumt hätten.

Voraussetzung: Sie haben die ursprüngliche Einspruchsfrist unverschuldet versäumt. Gründe hierfür sind zum Beispiel eine schwere akute Erkrankung oder hohes Alter und dadurch körperliche und geistige Gebrechen. Nicht darunter fallen hingegen eine leichte Erkrankung, Arbeitsüberlastung oder eine fehlerhafte Fristberechnung.

Wichtig: Den Antrag auf Widereinsetzung in den vorherigen Stand müssen Sie innerhalb eines Monats, nachdem der Hinderungsgrund weggefallen ist, stellen.

Belege einfach im nächsten Jahr absetzen?

Das geht leider nicht. Schuld: Das Zufluss-Abfluss-Prinzip. Dies besagt, dass Ausgaben nur in dem Jahr angesetzt werden können, in dem sie auch bezahlt wurden.

6 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    Daniel

    Guten Tag,
    heute habe ich meinen Steuerbescheid erhalten. Dort werde ich darauf hingewiesen, dass zur Anerkennung meiner Studiengebühren (±500€/Monat) Kontoauszüge fehlen und diese daher nicht anerkannt werden können. Habe ich die Möglichkeit, diese Kontoauszüge entsprechend nachzureichen und eine Wiederbearbeitung bzw. „Schichte Änderung“ zu beantragen?

    Herzlichen Dank und Beste Grüße,
    Daniel

    • 2
      Melanie Baumiller

      Guten Tag,
      Sie können binnen einem Monat nach Bescheiddatum Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen. Reichen Sie dazu die fehlenden Kontoauszüge ein und bitten um Berücksichtigung der Studiengebühren.

  2. 3
    Patrick

    Hallo Buhl-Team, ich bearbeite gerade meine Umsatzsteuer- und Einkommensteuererklärung 2016 und lasse alle meine Belege von 2015 einfließen jedoch habe ich einen wichtigen von 2014 gefunden. Kann ich diesen 2014 Beleg noch einarbeiten?
    Ausserdem möchte ich gern wissen ob ich Belege für ein Gewerbe das ich beim Gewerbeamt noch nicht eintragen lassen habe trotzdem schon bei der Umsatzsteuererklärung verwenden kann? Mfg Patrick

  3. 4
    Tobias Wichtrey

    Was mache ich denn wenn ich Belege erst Ende des Folgejahres bekomme? Zum Beispiel die Betriebskostenabrechung der Wohnanlage, die haushaltsnahe Dienstleistungen enthält. Einen Einspruch aufgrund neuer Tatsachen? Oder sollte ich diese Beträge im Voraus schätzen und ohne Beleg in der Steuererklärung angeben?

  4. 5
    M.Schulze

    Hallo,
    habe meinen Steuerbescheid erhalten mit dem Vermerk “ Unterhaltsleistungen wurden nicht berücksichtigt, weil die Zahlungen bzw. die Bedürftigkeit der unterstützenden Person(en) nicht ausreichend nachgewiesen wurden.“
    Mein Sohn ist 24 Jahre alt und lebt bei uns im Haushalt. Er hat keine Erwerbstätigkeit und keine Einkünfte und bezieht weder ALG1, ALG2, Bafög oder sonst eine staatlich Unterstützung. Habe der Steuererklärung lediglich eine von meinem Sohn unterzeichnete Erklärung über Mittellosigkeit beigefügt. Welche anderen Nachweise wollen die denn noch ?
    Danke im Vorraus

  5. 6
    Stefan

    Hallo,
    Ich habe Anfang des Jahres angefangen Belege zu digitalisieren und aufgrund einer fehleinstellung in der Software nur ein Drittel aller Belege eingereicht. Keine Chance auf Erstattung? Ich finde es tragisch dass man als Neuunternehmer mit weniger Erfahrung als Großunternehmen, die jeden Cent wissen einsparen zu können nicht einmal zu viel bezahlte Steuern zurück fordern kann. Das ist ein Armutszeugnis für alle Kleinen, die sich keine Sekretärin leisten können. In jeder anderen Geschäftbeziehung erhält man zu viel bezahltes Geld zurück.

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