8. Mai 2016

Das Zuhause vor Einbrechern schützen

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© SpeedKingz/Shutterstock.com
Haustür zu und ab in den Urlaub. Mit den Gedanken schon im Hotel fahren viele Deutsche in die Ferien. Über so viel Leichtsinn freuen sich Einbrecher besonders. So ist in den vergangenen 5 Jahren laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Zahl der Einbrüche um 35 Prozent gestiegen. Durchschnittlich entstehen dabei Schäden von 3250 Euro. Die aktuelle Kriminalstatistik von Anfang Mai weist einen erneuten Anstieg auf etwa 167.000 Einbrüche deutschlandweit aus – alle drei Minuten ein unerwünschter Wohnungszutritt. verbraucherblick zeigt, wie Sie Ihre Wohnung schützen und urlaubsreif machen können.

Dass Deutschland das Schlaraffenland für Diebe ist, scheint sich bei Langfingern immer mehr rumzusprechen. Zumindest gelangt der Bund Deutscher Kriminalbeamter zu der Erkenntnis. Denn die Zahl der Einbrüche hat nach Jahren der Stagnation wieder stark zugenommen. Zum Glück stieg aber auch die Zahl der gescheiterten Zugriffsversuche: auf 41,4 Prozent im Jahr 2014. Damit musste also fast jeder zweite Langfinger seine Tat abbrechen. Neben einer plötzlichen Störung durch Dritte dürften dazu bessere Abwehrmaßnahmen am Haus beitragen.

Mechanik vor Elektronik

In Zeiten modernster Technik mit viel Elektronik haben weiterhin mechanische Lösungen den Vorrang – aber nur, wenn sie mit neuestem Verschließmechanismus ausgestattet sind. Sogenannte Rollzapfen dienen lediglich dem Festhalten von Fenstern und Türen gegen Wind und Wetter. Einen echten Einbruchschutz stellen nur Pilzkopfsicherungen. Bei dieser Variante verhakt sich der Pilzkopf sehr fest mit der Montageplatte. Selbst mit Schraubendreher oder einer Brechstange haben Einbrecher keine Chance.

verbrauchertipp: Lassen Sie Ihr Zuhause besser mechanisch gegen unerwünschtes Eindringen sichern. Dabei sollten Sie ihren Fokus auf Fenster und Türen legen, denn das sind die Hauptangriffspunkte.

Abschließbare Fenstergriffe gehören in immer mehr Häusern und Wohnungen zum Standard. Oft wird dabei aber die Bandsicherung vergessen, also der Schutz der gegenüberliegenden Fenster- oder Türseite. Eine Möglichkeit ist eine massive Edelstahlstange zwischen zwei fest verankerten Lagern in der Wand. Sie verhindert das Öffnen eines Fensters oder einer Tür, selbst wenn das Schloss geöffnet oder Scharniere entfernt wurden. Ein Anlaufpunkt für Sicherheitsnachrüstungen sind Fachbetriebe und Schlossereien. Sie bieten massive Lösungen und individuelle Konzepte an. Aber auch clevere Heimwerkerlösungen mit handwerklichem Geschick sind eine Variante.

verbrauchertipp: Lassen Sie Fenster nie gekippt. Auch mit abschließbarem Fenstergriff ist und bleibt ein gekipptes Fenster ein offenes Fenster und eine Einladung für Diebe.

Fenster und Türen nachrüsten

Standardbeschläge lassen sich von Einbrechern in wenigen Sekunden aufhebeln. Prüfen Sie zunächst, ob sich die vorhandenen Fenster nachrüsten lassen. Bei neueren Modellen ist das wahrscheinlich. Ist ein Komplettaustausch nötig, sollten zumindest die Türen und Terrassentüren im Erdgeschoss und im ersten Stock Beschläge mit Pilzkopfverriegelung haben. Wichtig sind Prüfzeichen und Zertifikate: DIN EN 1627 oder veraltet DIN V EN V 1627. Die DIN EN 1627 bezieht sich auf geprüfte und einbruchhemmende Türen, Fenster, Tore, Fassaden und Rollläden. Hinter den Kürzeln „RSC“ und häufiger „RC“ stehen die englischen Abkürzungen für resistance class, Widerstandsklasse. RC-1 ist dabei die niedrigste, RC-6 die höchste. Veraltet wird Widerstandsklasse mit WK abgekürzt.

Laut der Präventionsempfehlung der Polizei sollte bei Nachrüstungen und Neueinbau mindestens auf die Widerstandsklasse RC-2 oder RC-3 zurückgegriffen werden. Einem Hebelangriff mit Brechstange und Schraubendreher halten diese Fenster zuverlässig stand. Bei einbruchhemmenden Rollladensystemen werden zudem die Widerstandsklassen RC1N (alte Bezeichnung ER1 = kaum Einbruchhemmung) bis RC6 (alte Bezeichnung ER6 = hohe Einbruchhemmung) verwendet.

verbrauchertipp: Nur ein fach- und sachgerechter Einbau von Fenstern und Türen bietet echten Schutz. Sparen Sie nicht am falschen Ende und lassen Sie Profis von zertifizierten Fachbetrieben ans Werk.

Türen und Schlösser verstärken

Nicht jeder ist Immobilienbesitzer und wohnt in einem Einfamilienhaus. Bei Wohnungen ab der ersten Etage und darüber ist die Eingangstür das Einfallstor Nummer eins. Bei Keller- und Eingangstüren bieten Zusatzsicherungen oder Querriegelschlösser einen verstärkten Schutz. Querriegel werden extra in der Mitte der Tür angebracht und die Schließkästen für den Riegel im Türrahmen oder Mauerwerk verankert. Damit die Sicherung von außen abschließbar ist, muss die Haustür durchbohrt werden. Das Anbringen von Querriegeln ist ein größerer Eingriff in die Bausubstanz. Wer zur Miete wohnt, sollte sich deshalb beim Vermieter informieren, ob dem Umbau zugestimmt wird.

verbrauchertipp: Vereinbaren Sie den Einbau von Querriegeln schriftlich mit Ihrem Vermieter. Achten Sie bei den Produkten auf das Prüfzeichen VdS und DIN-Zertifizierung.

Einfach ablehnen kann der Vermieter die Sicherung zumeist nicht, allerdings hat er das Recht, beim Auszug auf die Wiederherstellung des alten Zustands zu bestehen. Die Beschaffungs- und Einbaukosten muss der Mieter demnach allein tragen. Auch die eventuellen Rückbaukosten fallen auf ihn zurück.

verbrauchertipp: Fragen Sie bei Ihrer Hausratversicherung nach, ob es Empfehlungen für bestimmte Riegelschlösser gibt.

Ein Recht auf Zusatzsicherungen, wie etwa ein Querriegelschloss, besteht für Mieter nur dann, wenn es an der Wohnung schon mehrfach zu Einbruchsversuchen kam. Dann muss der Vermieter für verbesserte Sicherheit sorgen.

Türen werden am besten mit einbruchhemmenden Schlössern gesichert. Spezielle Profilzylinder und Schutzbeschläge mit zusätzlicher Zylinderabdeckung machen es Einbrechern schwer. Empfehlenswert sind einbruchhemmende Schlösser nach DIN 18251 der Klasse 4 oder 5. Schlösser mit Mehrfachverriegelung sind ab der Klasse 3 empfehlenswert. In diese Schlösser sollten Profilzylinder nach DIN 18252 der Angriffswiderstandsklasse 1 oder 2 mit Bohrschutz eingebaut werden. Darüber hinaus ist die Montage eines Schutzbeschlages nach DIN 18257 erforderlich, am besten mit zusätzlicher Zylinderabdeckung. Dieser  Schutzbeschlag ist notwendig, um das Schlossgesperre vor gewaltsamem Abdrehen des Profilzylinders oder des Einsteckschlosses zu bewahren. Schutzbeschläge werden in die nach Stärke ansteigenden Klassen ES0/SK1, ES1/SK2, ES2/SK3 und ES3/SK4 angegeben. Nur in Verbindung mit dem Schloss und der Rahmenkonstruktion gewährleisten sie eine optimale Schutzwirkung einer einbruchhemmenden Tür nach DIN EN 1627.

Fachbetrieb finden

Wem die Schutzklassifizierungen, Normierungen und Prüfzeichen zu viel sind, sollte sich an kompetente Handwerker wenden. Aber wo finden Verbraucher einen zertifizierten Fachbetrieb und wer hat diesen überhaupt geprüft? Die Polizei führt in jedem Bundesland Listen mit sogenannten Errichterunternehmen oder Errichterfirmen.

Auf diesen Listen stehen ausschließlich geprüfte Handwerksfirmen, die ihre Eignung und Qualifikation bewiesen haben. Sie sind beim jeweiligen Landeskriminalamt mit ihren Adressen gelistet und registriert. In regelmäßigen Nachschulungen müssen sie ihre Kompetenz nachweisen und auffrischen.

Eine einfache und schnelle Umkreissuche für Sicherheitsunternehmen bietet die Initiative  Nicht bei mir!. Dahinter verbirgt sich ein Zusammenschluss von Polizei, Elektro- und Sicherheitsverbänden sowie der Sicherheitswirtschaft.

verbrauchertipp: Ist Ihnen die Internetsuche zu kompliziert, können Sie auf Ihrem Polizeirevier  nach dem Zuständigen für die Einbruchschutzprävention fragen.

Vor den Umbaumaßnahmen sollte am besten eine Präventionsberatung der Polizei stehen. Auch wenn noch nicht eingebrochen wurde, ist eine solche Beratung sinnvoll. Einbruchsopfern wird mittlerweile oft routinemäßig eine solche Beratung von den Beamten ans Herz gelegt, die nach dem Einbruch am Tatort erscheinen.

Mitunter dauert es ein paar Wochen, bis man einen Beratungstermin bekommt. Die Geduld zahlt sich allerdings aus, denn zum Termin kommen erfahrene Polizeibeamte, die sich Zeit nehmen und keinerlei Interesse daran haben, Sicherheitstechniken zu verkaufen.

verbrauchertipp: Unter www.k-einbruch.de finden Sie Präventionsberatungsstellen in Ihrer Nähe. Die Initiative K-Einbruch ist eine gemeinsame Initiative der Polizei mit regionalen Unternehmen.

Smart Home fehlt Sicherheit

In vielen neuen Häusern wird immer mehr digitale Technik eingebaut. In Deutschland sind derzeit etwa 500.000 Häuser mit Smart-Home-Lösungen ausgestattet. In den kommenden vier Jahren rechnet die Branche mit einer Verdopplung. Die clevere Hauselektronik ermöglicht zum Beispiel das Bedienen von Licht, Heizung, Rollläden, Musikanlagen bis hin zur Alarm- und Schließanlage. Als Standard für die Datenverarbeitung kommt KNX zum Einsatz, ein System zur Gebäudeautomation. So schön die neuen Möglichkeiten sind, so unausgereift sind sie bei der Sicherheit. Denn statt mit Brechstange oder Schraubenschlüssel können sich Gauner mit digitalen Steuermodulen Zugang zu Haus oder Garage verschaffen. Als Einstiegshilfe dienen Klingel, Gegensprechanlage oder Bewegungsmelder im Außenbereich, die sich recht einfach aufhebeln lassen. Einmal angezapft öffnen sich Einbrecher die Türen oder Tore selbst. Problem: Für  Smart-Home-Lösungen gibt es derzeit keinen verbindlichen Sicherheitsstandard. Firewall oder Virenschutz fehlen noch.

Beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) ist man darüber besorgt. „Oft fehlen elementare Sicherheitsstandards. Oder Sicherheit ist gar nicht vorhanden und jeder, der will, kann sich mit seinem IT-Equipment einloggen in das, was im Haus passiert“, sagt BSI-Vizepräsident Andreas Könen. Die Elektronikhersteller kennen die Kritik. Der Verbund der KNX-Hersteller beteuert, an dem Problem zu arbeiten, beruhigt Anwender damit, dass der technische Aufwand, die Haustechnik zu knacken, höher wäre, als eine Scheibe einzuwerfen.

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