11. Juli 2016

Private Altersvorsorge für Nicht-Reiche

© Orn Rin/Shutterstock.com
Die gesetzliche Rente wurde so stark gekürzt, dass die private Altersvorsorge quasi Pflicht ist. Doch die Auswahl zwischen staatlich geförderten und nicht geförderten Produkten mit oder ohne Steuerersparnis von Banken, Versicherungen, dem Arbeitgeber und diversen Onlinediensten ist auf den ersten Blick kaum zu durchschauen. verbraucherblick gibt Ihnen eine Taschenlampe und ein Buschmesser für den Kampf durch den Dschungel der Vorsorgeprodukte.

Das deutsche Rentensystem klingt für viele sehr kompliziert. Es kostet Zeit und Nerven, sich mit den eigenen Ansprüchen zu beschäftigen, die Politiker ändern sowieso regelmäßig die Spielregeln und bis man selbst in Rente geht, fließt außerdem noch viel Wasser Rhein, Main und Elbe entlang. Aus diesen und weiteren Gründen beschäftigen sich nur wenige Berufstätige gerne mit ihrer Altersvorsorge. Doch es gibt einige gut durchdachte Finanzprodukte. So können auch Menschen mit wenig Geld und schlecht planbarer Zukunft über einen längeren Zeitraum ein kleines Vermögen ansparen. Die drei wichtigsten Voraussetzungen lauten: Über die eigenen Ziele und Träume nachdenken, gut informieren und dann dranbleiben. Je nach Lebenslage sind verschiedene Produkte sinnvoll.

Kleines Vermögen mit wenig Geld

Wer Sachwerte besitzt, kann dadurch Geld sparen. Das gilt für die Tomatenpflanze auf dem Fensterbrett genauso wie für die Eigentumswohnung. Allerdings können sich zwar die meisten Menschen ein Tomatenpflänzchen leisten, aber nur wenige Wohneigentum. Doch ein geringer Verdienst ist nur bedingt ein Grund, mit dem Sparen gar nicht erst anzufangen. „Es gibt Alleinerziehende, die am zwanzigsten des Monats nicht wissen, wie sie noch etwas Warmes zu essen auf den Tisch bekommen sollen. Diese Leute haben keine Chance, privat vorzusorgen“, so Christoph Butterwegge, Professor für Politikwissenschaften an der Universität zu Köln.

Personen, die ein bisschen mehr verdienen, haben hingegen durchaus Möglichkeiten, etwas für später beiseite zu legen. „Entscheidend ist die Disziplin“, betont Niels Nauhauser, Leiter der Abteilung Altersvorsorge der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Schon mit kleinen Beträgen, die per Dauerauftrag in einen Sparplan fließen, lässt sich ein kleines Vermögen ansparen.“ Allerdings sollte das Girokonto dabei nicht ins Minus rutschen. „Wenn man merkt, dass das Konto öfter überzogen ist, sollte man einen Kassensturz machen und einmal alle Ausgaben kritisch überprüfen“, so Nauhauser. „Denn Sparen auf Pump sollte man vermeiden.“


verbrauchertipp: Wenn Ihr Konto ins Minus gerät, zahlen Sie teilweise hohe Dispo- oder noch höhere Überziehungszinsen, da die Bank Ihnen einen nicht genehmigten Kredit gewährt. Vermeiden Sie längere Zeiten im Minus, indem Sie entweder um einen Ratenkredit bitten oder im Vorhinein mit kleinen Beträgen Geld beiseite legen, damit es gar nicht erst soweit kommt.


Ersparnisse aufbewahren und vermehren

Wer diszipliniert kleine Geldbeträge spart, sollte sie irgendwann nicht mehr auf dem Girokonto parken. Als Richtwert gilt ein Betrag von drei Nettomonatsgehältern. Das weitere Ersparte sollte zunächst auf ein Tagesgeldkonto überwiesen werden. Das kostet keine Gebühren, bringt aber immerhin momentan noch 0,3 Prozent Zinsen im Durchschnitt ein. Aktuelle Konditionen veröffentlicht die Stiftung Warentest alle 14 Tage neu. Wenn einige tausend Euro als Reserve auf dem Tagesgeldkonto liegen, können spontane Reparaturen oder Neuanschaffungen problemlos finanziert werden, ohne dass das Girokonto ins Minus rutscht. Wer darüber hinaus noch Geld anspart, kann es für später anlegen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die je nach Lebenslage besser oder schlechter geeignet sind.

Grundsätzlich lässt sich im Rentenalter kräftig Geld sparen, wenn man in der Eigentumswohnung oder im eigenen Haus wohnt. Doch das Wohneigentum muss erst einmal finanziert und kontinuierlich abbezahlt werden. Nach wie vor kann ein Bausparvertrag dafür sinnvoll sein, wenn man in 10 bis 15 Jahren Wohneigentum erwerben will.

Bausparvertrag

Das Prinzip des Bausparvertrags besteht aus zwei Phasen. Beim Abschluss legt der Sparer eine Summe fest und fängt in der ersten Phase an, mit monatlichen Raten diese Summe anzusparen. Darauf gibt es einen festen, aktuell sehr niedrigen Zinssatz von etwa 0,1 bis 0,25 Prozent. Wenn die Hälfte der Summe erreicht ist, hat der Sparer die Möglichkeit, entweder weiter zu sparen oder sich das Geld auszahlen zu lassen. Die Differenz zur anfangs festgelegten Summe gibt die Bank als Kredit aus. Damit lässt sich beispielsweise ein Teil einer Wohnung oder eines Hauses finanzieren. Auch für ein schickeres Bad, eine neue Kücheneinrichtung oder eine moderne Heizung lässt sich ein Bausparvertrag nutzen. In der zweiten Phase zahlt der Sparer den Kredit in festgelegten Raten zurück.

Der Vorteil an diesem System besteht darin, dass sowohl die Rückzahlung des Kredits als auch die Kreditzinsen schon beim Abschluss des Bausparvertrags feststehen. Bei einem guten Vertrag lassen sich die Ansparraten in der ersten Phase außerdem anpassen, sodass der Sparer den Zeitpunkt individuell wählen kann, zu dem er den Kredit in Anspruch nimmt. Die finanzielle Belastung lässt sich also sehr gut planen und an die aktuelle Lebenslage und den Wohnungsmarkt anpassen. Der Nachteil besteht darin, dass der Abschluss eine Gebühr in Abhängigkeit von der Bausparsumme kostet. Durch die niedrigen Zinsen erhält der Sparer daher bei der Zuteilung meist nicht einmal sein gesamtes eingezahltes Geld zurück. Ein Bausparvertrag lohnt sich daher nicht als Geldanlage, sondern ist nur dann sinnvoll, wenn man den Kredit zur Finanzierung von Eigentum in Anspruch nimmt und dann von den festgelegten niedrigen Kreditzinsen profitiert.


verbrauchertipp: Für einen Bausparvertrag können Sie die Riesterförderung nutzen. Zusätzlich können Sie von der Wohnungsbauprämie profitieren, wenn Ihr Einkommen unter 25.600 Euro (oder bei Verheirateten unter 51.200 Euro insgesamt) pro Jahr liegt.


Abschlussgebühr: ja, in der Regel 1 Prozent der Bausparsumme

laufende Kosten: ja, gering bis mittel

Risiko: gering, lohnt sich allerdings nur, wenn die Kreditzinsen in den kommenden Jahren steigen und man bei Zuteilung von den festgelegten niedrigen Kreditzinsen profitiert

Flexibilität: mittel, Sparbeträge lassen sich anpassen, aber der Kredit muss in festen Raten zurückgezahlt werden

Rendite: sehr gering

Mindestanlage: meist 10.000 Euro Bausparsumme

Banksparplan

Wer in näherer Zukunft keinen Kredit für Eigentum in Anspruch nehmen möchte, fährt mit anderen Produkten zur Altersvorsorge besser. Ein nicht so bekanntes, aber sehr praktisches Produkt ist der Banksparplan. Es gibt ihn in verschiedenen Varianten. Üblich ist, dass der Sparer einen bestimmten Betrag pro Monat einzahlt und das Geld über mehrere Jahre liegen lässt. Ein guter Sparplan sollte die Möglichkeit bieten, die Rate nach unten zu korrigieren, wenn es nötig sein sollte. In der Regel kann man die Rate allerdings nicht raufsetzen. Für den Banksparplan gibt es eine jährliche Verzinsung und zusätzlich einen Bonuszins. Dieser wird entweder am Schluss auf das gesamte angesparte Geld gezahlt oder es gibt einen jährlich steigenden Bonuszinssatz für die letzten zwölf Monatsraten. Somit lässt sich über eine Laufzeit von 5 bis 10 Jahren aktuell eine Rendite von mehr als 1,5 Prozent erreichen. Wer 20 oder 25 Jahre dauerhaft in den Banksparplan einzahlt, kann deutlich mehr herausholen – bei gleichzeitig sehr hoher Sicherheit.

Abschlussgebühr: keine

laufende Kosten: keine oder gering

Risiko: keins

Flexibilität: mittel, meist maximal drei Monate Kündigungsfrist

Rendite: steigend mit der Laufzeit

Mindestanlage: häufig 25 Euro / Monat, manchmal 10 Euro / Monat


verbrauchertipp: Ein Banksparplan lohnt sich, wenn Sie kleine Beträge über einen längeren Zeitraum ansparen wollen, aber trotzdem flexibel bleiben wollen. Besonders renditestark sind die meisten Banksparpläne nach mehr als sieben Jahren Laufzeit, da dann die angestiegenen Bonuszinsen mehr Ertrag bringen.


Aktien und Fonds

Von Aktien und Fonds ist bekannt, dass sie eine hohe Rendite abwerfen können – aber auch ein Verlustrisiko mit sich bringen. Wer eine oder mehrere Aktien kauft, beteiligt sich am Unternehmen. Ein Aktionär bekommt deshalb eine jährliche Dividende, wenn das Unternehmen gut läuft, und hat außerdem die Möglichkeit, die Aktie wieder zu verkaufen und durch die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufswert im Idealfall einen zusätzlichen Gewinn zu machen. Verluste macht man mit der Aktie, wenn ihr Wert dauerhaft unter dem Preis bleibt, zu dem die Aktie gekauft wurde und man sie dann zu diesem niedrigen Preis weiterverkauft. Ein niedriger Kurs kann auch dann zustande kommen, wenn das Unternehmen wirtschaftlich gut arbeitet, aber die Analysten den Markt anders einschätzen oder bestimmte Trends an den internationalen Börsen auftreten. Das ist das sogenannte Marktrisiko. Ein Totalverlust ist möglich, wenn das Unternehmen pleitegeht.


verbrauchertipp: Ein guter Aktienfonds kann Ihnen auch in Zeiten von Magerzinsen noch eine Rendite von sechs oder mehr Prozent bescheren. Er lohnt sich aber nur, wenn die Gebühren niedrig und die Streuung breit sind und Sie das angelegte Geld nicht spontan brauchen.


Ein Fonds stellt eine Mischung aus verschiedenen Aktien dar und verkauft Anteile an dieser Mischung an die Anleger. Eine gute Mischung schafft es, dass der Wert nicht so stark schwankt wie eine einzelne Aktie, da die Gewinne eines Unternehmens die Verluste eines anderen ausgleichen können. Für Privatanleger empfehlen unabhängige Berater und Verbraucherschützer daher immer gut gemischte Fonds. Im Laufe der Zeit kann sich die Zusammensetzung der Fonds ändern, um möglichst hohe Dividenden und Gewinne aus Verkäufen zu erlangen. Ob, wann und wie die Mischung verändert wird, entscheidet in der Regel ein professioneller Fondsmanager. Dessen Arbeit müssen die Anleger – unabhängig vom Erfolg seines Tuns – bezahlen, sodass ein Fonds immer laufende Kosten verursacht. Um Gewinne zu erzielen, müssen Dividenden und Verkaufsgewinne deshalb größer sein als die Kosten des Fonds.

Abschlussgebühr: ja, gering bis hoch

laufende Kosten: ja, gering bis hoch

Risiko: hoch, je nach Marktgeschehen und bei aktiven Fonds je nach Arbeit des Fondsmanagers

Flexibilität: mittel, theoretisch ist ein (Ver)Kauf jederzeit möglich, aber nicht immer sinnvoll

Rendite: kann sehr hoch ausfallen, abhängig vom Marktgeschehen; je länger die Laufzeit, desto wahrscheinlicher wird eine hohe Rendite

Mindestanlage: entweder etwa 500 Euro Einmalzahlung oder etwa 25 Euro monatlich (Fonds- / Aktiensparplan)


ETFs: Günstige Fonds für Einsteiger

Viele Menschen trauen sich nicht, in Aktien oder Fonds zu investieren, weil sie das Verlustrisiko oder die hohen Gebühren scheuen. Tatsächlich sollte man keine Produkte abschließen, die man überhaupt nicht versteht oder die so hohe laufende Kosten verursachen, dass ein Gewinn aus der Geldanlage nahezu unmöglich ist. Allerdings gibt es seit einigen Jahren auch eine gute Lösung für Personen, die es mal mit Aktien probieren wollen: Passiv gemanagte Fonds – auch Indexfonds oder ETFs (Exchange Traded Funds) genannt.

Der Clou bei ETFs besteht darin, dass kein Fondsmanager aktiv die Anteile betreut, sondern dass ein Computerprogramm eine bereits bestehende Mischung „nachbaut“. Ein ETF auf den DAX würde beispielsweise automatisch den gleichen Prozentsatz an Aktien ankaufen und verkaufen wie der DAX gerade enthält. Dadurch fallen kaum Gebühren an.

Um das Risiko zu minimieren, empfiehlt sich ein ETF auf einen breit gestreuten Fonds wie den Index MSCI World. Darin sind 1600 große Unternehmen aus diversen Ländern enthalten. Wer einen breit gestreuten ETF mindestens zehn Jahre behält, hat gute Chancen auf eine hohe Rendite. Der Gewinn des Index MSCI World betrug beispielsweise zwischen den Jahren 1970 und 2014 im Durchschnitt 6,9 Prozent. Wer den Index im gleichen Zeitraum mindestens 15 Jahre lang besaß, hat zu keinem Zeitpunkt Verluste damit gemacht . Für Einsteiger, die sich nicht regelmäßig um ihre Aktien kümmern wollen, hat die Stiftung Warentest sogenannte Pantoffel-Portfolios zusammengestellt. Laut den Verbraucherschützern sind sie sowohl relativ sicher als auch bequem zu managen.


Private Renten- und Lebensversicherung

Eine Rentenversicherung war lange Zeit der Klassiker für die private Altersvorsorge. Der Sparer zahlt einen monatlichen Betrag in die Versicherung ein und erhält entweder zu Rentenbeginn das eingezahlte Geld inklusive Zinsen in einem Rutsch oder bis zum Lebensende eine monatliche Rente ausbezahlt. Auch die Kapitallebensversicherung als Kombination aus Hinterbliebenenschutz und Sparleistung für das Alter erfreute sich großer Beliebtheit. Wer das Rentenalter erreicht, erhält einen Teil des eingezahlten Geldes inklusive Zinsen ausbezahlt. Wenn der Sparer vorher stirbt, bekommen die Hinterbliebenen eine feste Summe.

Mittlerweile raten Verbraucherschützer allerdings vom Abschluss einer privaten Renten- oder Kapitallebensversicherung ab. „Die Rendite einer privaten Rentenversicherung ist wegen der hohen Kosten zu Vertragsbeginn noch Jahre danach negativ“, begründet Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Bei Kapitallebensversicherungen besteht der Nachteil in der Kombination aus Sparleistung und Versicherungsschutz. Denn Zinsen zahlt der Versicherer nur auf das angesparte Geld. Wenn also beispielsweise 20 Prozent des Versicherungsbeitrags für den Hinterbliebenenschutz und die Gebühren abgezogen werden, erhält der Sparer nur auf 80 Prozent des eingezahlten Geldes die versprochenen Zinsen. Hinzu kommt, dass der Garantiezins in den vergangenen Jahren immer weiter abgesenkt wurde. Daher lohnen sich beide Varianten aktuell nicht mehr als Vorsorgeprodukt.

Abschlussgebühr: ja, teils hoch

laufende Kosten: ja, teils hoch

Risiko: gering bis mittel, je nach Arbeit der Rentenversicherung

Flexibilität: unflexibel

Rendite: schwer vorhersehbar aufgrund sehr langer Laufzeiten


verbrauchertipp: Wenn Sie Ihre Familie absichern wollen, ist eine Risiko-Lebensversicherung die bessere Variante. Zwar ist das eingezahlte Geld verloren, wenn Sie das Laufzeitende erleben, doch sind die Kosten niedriger und die Rendite höher als bei einer Kapitallebensversicherung, die absichern und sparen kombiniert. Sichern Sie beide Vorsorgeziele mit getrennten Produkten ab.


Staatliche Förderung und Steuervorteile nutzen

Das eigene Vermögen wird schneller größer, wenn man zusätzlich Steuern spart oder staatliche Zuschüsse erhält. Vor allem für Familien mit mehreren Kindern lohnt es sich, mindestens ein Produkt zur Altersvorsorge abzuschließen, für das man auf Antrag eine Riesterförderung erhalten kann. Dazu zählen beispielsweise der Banksparplan und der Fondssparplan. Wer in ein solches Produkt mindestens 4 Prozent des Bruttoeinkommens aus dem Vorjahr einzahlt, erhält 154 Euro Grundprämie vom Staat. Für jedes Kind gibt es 185 Euro oder 300 Euro (für 2008 oder später geborene Kinder) dazu.


verbrauchertipp: In der Steuererklärung können Sie den Gesamtbetrag aus eigenen Beiträgen und Riesterförderung vom Staat als Sonderausgaben eintragen. Ist die Steuerersparnis dadurch größer als die staatlichen Zuschüsse, wird Ihnen die Differenz mit der Jahresabrechnung ausgezahlt.


Steuern sparen lassen sich bei jedem Produkt, indem man den Sparerpauschbetrag von aktuell 801 Euro für Alleinstehende beziehungsweise 1602 Euro für Verheiratete komplett ausschöpft. Wer den Betrag geschickt aufteilt, behält automatisch sein Erspartes und muss sich die zu viel versteuerten Beträge nicht über die Steuererklärung wiederholen. Liegen die ausgeschütteten Zinsen auf das Ersparte oberhalb des Sparerpauschbetrags, werden 25 Prozent Kapitalertragssteuer fällig zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.


Vermögenswirksame Leistungen

Fast jeder kann zusätzliches Geld für die Altersvorsorge ansparen, indem er vermögenswirksame Leistungen (VL) in Anspruch nimmt. Bis zu 40 Euro im Monat stehen Arbeitnehmern, Beamten, Soldaten, Richtern sowie Studenten im Nebenjob und Azubis zu. Die genauen Voraussetzungen sind in den Tarifverträgen genannt. Das Prinzip der VL funktioniert so: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, einen festen Betrag bis zu 40 Euro pro Monat in einen Sparvertrag einzuzahlen. Das kann beispielsweise eine Betriebsrente, ein Banksparplan oder ein Fondssparplan sein. Vor der Auszahlung wird zunächst das Bruttogehalt um diesen Betrag erhöht. Auf den neuen, höheren Verdienst sind dann Steuern und Abgaben fällig. Nach Abzug dessen fließt der Betrag automatisch in einen VL-Sparvertrag. Auf eigenen Wunsch kann der Sparer diesen Betrag erhöhen. Das lässt nicht nur das Vermögen schneller wachsen, sondern kann auch genutzt werden, um eine höhere staatliche Förderung zu erhalten oder Steuern zu sparen. Nach sechs Jahren muss das VL-Sparprodukt für ein Jahr ruhen. Anschließend wird das Geld ausgezahlt und kann ausgegeben oder privat neu angelegt werden. Während dieser Zeit kann bereits ein neuer VL-Vertrag abgeschlossen werden.

Weitere Informationen und Beispielrechnungen bietet der SZ-Ratgeber „Vermögenswirksame Leistungen“


Betriebsrente

Weitere Steuervorteile erhalten Sparer, die in eine Betriebsrente einzahlen. Bis zu 1800 Euro lassen sich pro Jahr steuerfrei ansparen. Verträge für Betriebsrenten sind allerdings häufig an den Arbeitgeber gebunden und dadurch sehr unterschiedlich und häufig unflexibel. Zudem erfahren Arbeitnehmer nicht immer, in welchen Anlageformen ihre Beiträge angelegt werden oder in wessen Händen der Betriebsfond liegt, wie das Beispiel des Schreibmaschinenherstellers Olympia zeigt. Das Unternehmen fiel nach geschäftlicher Umstrukturierung in die Hände eines ausländischen Investors, der die Auszahlung der Betriebsrente verweigert.

Ein Vertrag für eine Betriebsrente lohnt sich in der Regel nur, wenn man diesen bei einem Jobwechsel zum neuen Arbeitgeber mitnehmen kann. Solche Bedingungen bietet aber längst nicht jede Firma an. Das könnte sich allerdings in den kommenden Jahren ändern, da die Bundesregierung überlegt, die betriebliche Altersvorsorge zu stärken.


verbrauchertipp: Selbstständige, die mit einer riesterberechtigten Person verheiratet sind, haben ebenfalls Anspruch auf die Riesterförderung. Wenn Sie zu diesem Kreis gehören, prüfen Sie Ihre Möglichkeiten, um keine Zuschüsse zu verschenken.


Selbstständige, die in der Regel keinen Anspruch auf Riesterförderung und keine Möglichkeit zur Betriebsrente haben, können nur einen Rürup-Rentenvertrag abschließen, wenn sie eine Förderung erhalten wollen. Das lohnt sich allerdings nur für die wenigsten. Die Verträge sind sehr unflexibel, können nicht gekündigt werden und verursachen hohe laufende Kosten. Daher lohnen sich selbst die besten Produkte nur für Vielverdiener. Sinnvoller ist für die meisten Selbstständigen daher eine staatlich ungeförderte Sparvariante, wie ein Bank- oder ein Fondssparplan, oder ein Vertrag bei einem berufsständischen Versorgungswerk.

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