16. November 2016

Das schnelle Geld aus dem Netz

© Robcartorres/Shutterstock.com
Sie heißen Vexcash, Number26 oder Lendstar: Sogenannte FinTechs bieten Bankprodukte an. Auf den ersten Blick scheinen Sie alles besser zu machen als die Traditionshäuser. Doch wer bei einem der Anbieter einen Vertrag unterschreibt, sollte genau hinsehen.

Das Wort FinTech ist angesagt. „Dabei ist es eigentlich nichts neues, Finanzen und Technologie haben schon immer eine starke Einheit in der Finanzdienstleistungsbranche gebildet“, sagt Hans-Werner Wurzel, Präsident beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater und Geschäftsführungsmitglied bei Bearingpoint. Allerdings üben die FinTech-Anbieter immer mehr Druck auf die etablierten Finanzinstitute aus, beispielsweise mit Produkten, die es bisher nicht gab. Wurzel führt das Beispiel Paypal an: „Durch Technologie und Finanzen entstand ein neues Produkt, durch das die Verbraucher einen großen Vorteil haben“, sagt Wurzel. Sie können nämlich darüber im Internet sehr einfach bezahlen – auch Kleinstbeträge. Heute ist Paypal so akzeptiert, dass es neue Anbieter schwer haben. Paydirekt beispielsweise ist das relativ neue deutsche Pendant der hiesigen Banken und Sparkassen. Doch bisher bieten kaum große Händler den Onlinebezahldienst an – und das, obwohl er für den Kunden den Vorteil hat, dass alle Daten auf als sehr sicher geltenden deutschen Bankservern liegen.

Schuldenfalle Kurzzeitkredite

Wie einst Paypal setzen auch andere FinTechs auf Marktlücken: Vexcash und Cashper beispielsweise bieten Kredite an, und zwar auch für Menschen, die bei der traditionellen Bank eher keine Chance auf ein Darlehen hätten. Kurzzeit- oder Mini-Kredit heißen diese Darlehen, die bei 300 bis 500 Euro liegen und nach 15, maximal 30 Tagen zurückbezahlt sein sollten. Die Kosten scheinen erst einmal überschaubar: Beispielsweise kosten 500 Euro für einen Monat etwas mehr als 5 Euro Zinsen.

„Klingt zunächst gut“, sagt Sylvia Beckerle von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Die Angebote sind insbesondere deshalb so interessant, weil eine Anfrage keine Auswirkungen auf den sogenannten SCHUFA-Score haben soll. Dieser Wert sagt aus, wie kreditwürdig ein Bankkunde ist. Er wird immer dann abgefragt, wenn jemand ein Darlehen aufnehmen möchte. Je mehr Kredite man bedienen muss, umso schwieriger wird es, einen zusätzlichen zu bekommen. Da der Kurzzeitkredit jedoch, wie der Name schon sagt, zumindest in der Theorie nur wenige Wochen läuft, argumentieren die Anbieter damit, dass das Rückzahlungsverhalten bei diesen Darlehen besser sei als bei einem länger laufenden Kredit. Dementsprechend könnten auch Kunden ein Darlehen bekommen, die aufgrund ihres SCHUFA-Scores bei der Bank kein Geld geliehen bekämen. Heißt: Wer Probleme hat, Kreditraten, seine monatliche Handyrechnung oder andere Ausstände zu bezahlen, könnte im Netz trotzdem einen Kurzzeitkredit bekommen.

„Keine gute Idee“, warnt jedoch Sylvia Beckerle. „Oft sind es unseriöse Unternehmen, die mit SCHUFA-freien Krediten locken.“ Sie sind außerdem häufig sehr teuer, eventuell bekommt man weitere Versicherungs- oder Kreditverträge aufgeschwatzt, die einen direkt in die Schuldenspirale führen.

Wie Sie dieser entkommen, verraten wir Ihnen in verbraucherblick 11/2016.

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