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Was ist die Mütterrente?

Rentenpunkte für Kindererziehung


„Wie hoch wird meine Rente sein?“ Vereinfacht gesagt hängt die Rentenhöhe von Ihren Erwerbsjahren und Ihrem Einkommen ab. Über die Jahre sammeln Sie so Entgeltpunkte, aus denen sich später Ihre Rente errechnet. Was passiert aber der Zeit, in denen Mütter oder Väter zur Kindererziehung zuhause bleiben? Um finanzielle Nachteile zu vermeiden, werden deshalb auch Erziehungszeiten berücksichtigt. Seit 2014 wurde die Regelung dazu reformiert. Besser bekannt ist diese Reform als Mütterrente.

Rentenanspruch für Erziehungszeiten

Kindererziehungsjahre werden für die Berechnung der Rente wie Erwerbsjahre behandelt. Für Erziehungszeiten „sammeln“ Sie also auch Entgeltpunkte. Auch dann, wenn Sie in dieser Zeit keine Beiträge zur Rentenversicherung zahlen. Je nach Geburtsjahr werden Ihnen aktuell pauschal 2,5 bzw. 3 Jahre als Erziehungszeit angerechnet.

Als Erziehungszeit versteht der Gesetzgeber die Jahre, in denen Sie sie zur Betreuung bzw. Erziehung Ihres Kindes nicht berufstätig waren. Die pauschalen Erziehungsjahre werden Ihnen unabhängig davon angerechnet, wie lang Sie tatsächlich nicht erwerbstätig waren. Für jedes Jahr „sammeln“ Sie in etwa einen Rentenpunkt bzw. Entgeltpunkt. Dabei entspricht ein Entgeltpunkt immer dem aktuellen Rentenwert.

Erziehungszeiten für Kinder ab Jahrgang 1992

Für Kinder, die ab 1992 geboren wurden, werden pro Kind automatisch 3 Jahre Erziehungszeit bei der Rente berücksichtigt. Das entspricht bis zu 3 Entgeltpunkten. Auch für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, werden Erziehungsmonate angerechnet.

Mütterrente ab dem 1. Juli 2014

Der Begriff „Mütterrente“ wurde vor allem durch ein Gesetz zur Leistungsverbesserung der Rentenversicherung zum 1. Juli 2014 geprägt. Man versteht darunter die Erweiterung der Erziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder. Mit dieser Neuregelung werden seit dem 1. Juli 2014 nämlich 24 Monate Erziehungszeit für vor 1992 geborene Kinder bei der Rente berücksichtig. Das entspricht 2 Entgeltpunkten. Nach der alten Regelung waren es nur 12 Monate – also 1 Entgeltpunkt.

Mütterrente II ab dem 1. Januar 2019

Zum 1. Januar 2019 wurde die Erziehungszeit zur Berechnung der Mütterrente erneut ausgeweitet. Die Neuregelung wird auch als „Mütterrente II“ bezeichnet. Für vor 1992 geborene Kinder werden seit diesem Datum nochmals 6 Monate mehr Erziehungszeit berücksichtigt. Das sind dann insgesamt 30 Kalendermonate. Damit kommt nochmal ein halber Entgeltpunkt zur Rente hinzu.

Geburtsjahr der KinderBerücksichtigte Erziehungszeiten bis 30.06.2014Berücksichtigte Erziehungszeiten bis 31.12.2018Berücksichtigte Erziehungszeiten ab dem 01.01.2019
Vor 199212 Monate = 1 Entgeltpunkt24 Monate = 2 Entgeltpunkte30 Monate = 2,5 Entgeltpunkte
Ab 199236 Monate = 3 Entgeltpunkte36 Monate = 3 Entgeltpunkte36 Monate = 3 Entgeltpunkte

Ist die Mütterrente eine eigenständige Rente?

Es mag den Anschein erwecken, als sei die Mütterrente eine eigenständige Rente. Das stimmt allerdings nicht. Sie stellt vielmehr einen Bestandteil der gesetzlichen Altersrente dar. Durch die Anrechnung der Kindererziehungszeiten erhöht sich Ihre Regelaltersrente.

Müssen Sie die Mütterrente beantragen?

Die Erziehungszeit bzw. die Mütterrente wird Ihnen zwar beim Renteneintritt automatisch auf die Altersrente angerechnet. Ein gesonderter Antrag beim Renteneintritt ist also nicht erforderlich.

Allerdings müssen Sie der Rentenversicherung Ihre Kindererziehungszeiten mitteilen. Diese werden dann in Ihrem Rentenkonto gespeichert. Das geht über ein Antragsformular, welches Ihnen die Rentenversicherung in der Regel bereits nach Geburt Ihres Kindes zuschickt. Zudem erhalten Sie das Formular nochmals im Rahmen des Kontenklärungsverfahrens zuschickt.

Alternativ können Sie das Formular zur Feststellung bzw. Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten auch auf der Homepage der Deutschen Rentenversicherung herunterladen.

Ein Formular zur Kontenklärung sowie einen Versicherungsverlauf erhalten Sie von der Deutschen Rentenversicherung automatisch, wenn Sie 43 Jahre alt sind. Der Versicherungsverlauf wird Ihnen zudem erstmalig zugeschickt, wenn Sie 27 Jahre alt sind. Ab dem 55. Lebensjahr erhalten Sie ihn alle drei Jahre zusammen mit der Rentenauskunft.

Ausnahme: Adoptiv- und Pflegekinder

Haben Sie Adoptiv- oder Pflegekinder großgezogen? Dann ist es ausnahmsweise erforderlich, dass Sie für die Mütterrente zusätzlich einen formlosen Antrag beim Rentenversicherungsträger stellen.

Gibt es die Mütterrente nur für Mütter?

Nein. Die im allgemeinen Sprachgebrauch verwendete Bezeichnung „Mütterrente“ lässt vermuten, dass es sich lediglich um eine Zusatzleistung für Mütter handelt. Jedoch ist sie keineswegs exklusiv dem weiblichen Elternteil vorbehalten. Vielmehr hat die bisher in der Gesellschaft vorherrschende Rollenteilung in der Familie die Namensgebung der Rente geprägt.

Auch Väter profitieren

Deshalb betonen wir an dieser Stelle: Auch Väter können von der pauschalen Anrechnung der Erziehungszeit profitieren, wenn sie das Kind überwiegend erzogen haben. Auch eine Aufteilung der angerechneten Erziehungszeit zwischen beiden Elternteilen kommt in Betracht. Hierfür stellen Sie einen gesonderten Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung.

Wie wird die Mütterrente berechnet?

Sie möchten wissen, um wie viel sich Ihre Rente aufgrund der Mütterrente erhöht? Um das herauszufinden, müssen Sie mit der Rentenformel rechnen. Diese lautet:

Entgeltpunkte x Aktueller Rentenwert x Zugangsfaktor x Rentenfaktor = Rentenhöhe

Der Zugangsfaktor spiegelt eventuelle Zu- und Abschläge bei Ihrer Rente wider. Diese werden dann relevant, wenn Sie vorzeitig bzw. verspätet in Rente gehen. Treten Sie mit Erreichen der Regelaltersgrenze in die Rente ein (also ohne Zu- oder Abschläge), beträgt der Faktor 1,0.

JahrgangRegelaltersgrenze
vor 194765
194765 + 1 Monat
194865 + 2 Monate
194965 + 3 Monate
195065 + 4 Monate
195165 + 5 Monate
195265 + 6 Monate
195365 + 7 Monate
195465 + 8 Monate
195565 + 9 Monate
195665 + 10 Monate
195765 + 11 Monate
195866
195966 + 2 Monate
196066 + 4 Monate
196166 + 6 Monate
196266 + 8 Monate
196366 + 10 Monate
ab 196467

Der Rentenfaktor bestimmt sich nach der Art Ihrer Rente. Da es sich bei der Mütterrente um einen Bestandteil der Regelaltersrente handelt, ist der Faktor 1,0. Andere Renten, wie z. B. die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung, haben einen Faktor von 0,5.

Beispiel
Sie leben in Westdeutschland und haben 2 Kinder. Kind 1 ist am 16. Juli 1990 geboren. Kind 2 kam am 12.12.1995 zur Welt. Der aktuelle Rentenwert beträgt seit 1. Juli 2020 für West 34,19 €. Sie gehen mit Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente.

Erziehungszeiten:
Kind 1: Vor 1992 geboren
30 Kalendermonate = 2,5 Entgeltpunkte
Kind 2: Nach 1992 geboren
36 Kalendermonate = 3 Entgeltpunkte
Höhe der Mütterrente:
Entgeltpunkte (5,5) x Aktueller Rentenwert (34,19) x Zugangsfaktor (1) x Rentenfaktor (1) = 188,05 €

Durch die Anrechnung der Kinderbetreuungszeiten erhöht sich Ihre monatliche Rente nach aktuellen Zahlen um 188,05 €. Allerdings handelt es sich hierbei um einen Bruttowert. Von dem Betrag werden noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen.

Ist die Mütterrente steuerpflichtig?

Jein. Die Mütterrente ist ein Bestandteil der Altersrente. Die Besteuerung richtet sich also nach der Besteuerung Ihrer Regelaltersrente. Wieviel von Ihrer Rente besteuert wird ist abhängig davon, wann Sie in Rente gehen. Nach dem Renteneintritt bestimmt sich nämlich der steuerpflichtige bzw. steuerfreie Teil Ihrer Rente. Je früher Sie in Rente gehen, desto höher ist der steuerfreie Teil – und damit auch der Mütterrente.

Jahr des RentenbeginnsBesteuerungsanteil in ProzentJahr des RentenbeginnsBesteuerungsanteil in Prozent
Bis 200550202383
200652202484
200754202585
200856202686
200958202787
201060202888
201162202989
201264203090
201366203191
201468203292
201570203393
201672203494
201774203595
201876203696
201978203797
202080203898
202181203999
2022822040100
Ab dem Renteneintrittsjahr 2040 wird die Altersrente (inklusive Mütterrente) voll steuerpflichtig sein.

Anpassung des Rentenfreibetrags bei nachträglicher Mütterrente

Mit der Reform der Mütterrente in den Jahren 2014 und 2019 waren bereits einige Mütter und Väter in Rente. Mit dem Renteneintritt wurde bereits der steuerfreie Teil der Rente festgeschrieben. Jedoch erhöht sich durch die zusätzlichen Entgeltpunkte durch längere Erziehungszeiten die Rente nachträglich. Deshalb musste auch der steuerfreie Teil der Rente neu berechnet werden. So wird vermieden, dass Berechtigte, die zu diesem Zeitpunkt bereits in Rente waren, die Mütterrente voll versteuern müssen.

Bei der nachträglichen Erhöhung der Mütterrente handelt es sich nicht um eine regelmäßige Rentenerhöhung. Regelmäßige Rentenanpassungen wirken sich nicht auf den steuerfreien Teil der Rente aus. Sie sind immer voll steuerpflichtig.

Erfolgt eine Anrechnung auf die Grundsicherung?

Grundsicherung können Sie als bedürftige Person beantragen, wenn Ihre Einkünfte im Alter oder bei Erwerbsminderung nicht für den Lebensunterhalt ausreichen. Als Faustregel gilt hier eine Grenze von 865 Euro im Monat. Wenn Ihr gesamtes Einkommen (netto) darunter liegt, sollten Sie den Anspruch auf Grundsicherung prüfen lassen.

Doch was hat das mit der Mütterrente zu tun? Renteneinkünfte zählen zu dem Einkommen hinzu, aufgrund dessen die Grundsicherung geprüft wird. Damit erhöht auch die Mütterrente das zu berücksichtigende Einkommen.

Hat die Mütterrente Einfluss auf die Witwenrente?

Ist Ihr Ehepartner verstorben, haben Sie unter Umständen Anspruch auf die Witwen- bzw. Witwerrente. Ihr eigenes Einkommen wird oberhalb eines Freibetrags auf diesen Rentenanspruch angerechnet. Für die Mütterrente bedeutet das: Ihr Anspruch auf Witwenrente kann sich verringern, wenn Sie Mütterrente erhalten.

Da sich die Witwenrente allerdings nach dem Rentenanspruch des Verstorbenen richtet, kann sie sich durch die Mütterrente auch erhöhen. Und zwar dann, wenn der Verstorbene selbst Anspruch auf Mütterrente hatte.

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