Nachbarschaftshilfe oder Schwarzarbeit?

Die Grenzen zwischen Gefälligkeit und Straftat


Eben mal dem Nachbarn die Heizung reparieren. Da kann man die Kiste Wein als Dankeschön ja nicht ablehnen. Oder was, wenn eine Friseurin nach Feierabend noch für Haarschnitte kleines Geld von ihren Bekannten nimmt. Wo endet die Nachbarschaftshilfe und wo beginnt die Schwarzarbeit?

Was ist Schwarzarbeit?

Bei der Friseurin, die noch eben kurz der Nachbarin die Haare frisiert, handelt es sich bereits um Schwarzarbeit. Doch was ist das überhaupt?

Laut Gesetz liegt eine Ausübung von Werk- oder Dienstleistungen vor, die gegen das Steuer- und Sozialversicherungsrecht verstößt. Danach werden auch Mitteilungspflichten gegenüber Behörden wie Sozialamt, Bundesagentur für Arbeit, Gewerbeamt und Handwerksrolle umgangen.

Da unsere Friseurin kein Gewerbe für ihre Tätigkeit angemeldet und dementsprechend keine Steuern abgeführt hat, liegt bereits ein Straftatbestand vor. Und damit ist nicht zu scherzen. Denn Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt: Bußgelder von bis zu € 300.000 drohen. In schweren Fällen kann es gar zu einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren kommen.

Und was ist Nachbarschaftshilfe?

Unter Nachbarschaftshilfe fallen Tätigkeiten, die meist unentgeltlich erbracht werden. Hier ist es jedoch auch nicht illegal dafür ein paar Euro zu erhalten. Aber der Betrag muss angemessen zur Tätigkeit sein. Bei den Tätigkeiten müssen Gefälligkeit und Hilfsbereitschaft eindeutig im Vordergrund stehen. Wie bei unserem Hobby-Heizungsmechaniker: Dieser muss keine Angst haben, eine Straftat zu begehen.

Grundsätzlich gilt: Der Helfer darf mit seiner Tätigkeit keinen finanziellen Gewinn erzielen wollen. Durch diese Art der Hilfe wird weder ein Arbeitsverhältnis noch eine Unternehmereigenschaft begründet. Sie ist damit auch sozialversicherungsrechtlich ohne Bedeutung.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Nachbarschaftshilfe vorliegt, wenn:

    • die Arbeiten für das nähere Umfeld erbracht werden. Dazu zählen Verwandte, Freunde oder eben Nachbarn.
    • die Arbeiten auf gegenseitiger Unterstützung beruhen.
    • kein oder nur geringes Entgelt für die Arbeit erhalten wurde.

Wichtig

Treffen die Merkmale der Nachbarschaftshilfe nicht auf Ihre Tätigkeit zu, müssen Sie Ihr Gewerbe bei der örtlich zuständigen Stelle anmelden.

Helfen Sie beispielsweise jemanden, sein Auto abzuschleppen, ist dies eine Gefälligkeit und keine Schwarzarbeit. Ebenso wenn Sie die tropfende Heizung eines Bekannten abdichten oder einem Nachbarn, der seinen Wohnungsschlüssel verloren hat, helfen, die Tür zu öffnen. Auch wenn Sie einem Bekannten helfen, den Sturmschaden am Dach zu reparieren, handelt es nicht um Schwarzarbeit- es sei denn, Sie wollen dafür Bares sehen.

Grauzone Schwarzarbeit

Die Grenze zwischen Nachbarschaftshilfe und Schwarzarbeit ist sehr schmal. Eben auch, weil Schwarzarbeit gerne unter dem Vorwand der Nachbarschaftshilfe vollzogen wird.

Vorsicht: Auch wenn Sie für Ihre Leistung kein Geld, sondern stattdessen „Naturalien“ erhalten, kann es sich dabei um Schwarzarbeit handeln! Dies liegt vor, wenn Sie diese für eine Tätigkeit von Dauer regelmäßig bekommen oder wenn diese deutlich über dem Wert der Leistung liegt.

Was sind die Folgen bei Schwarzarbeit?

Einem Handwerker, der nach Feierabend noch ein Badezimmer fliest, droht ein Strafverfahren des Zolls wegen Steuerhinterziehung und Vorenthaltung von Sozialabgaben. Ein Hartz-IV-Empfänger, der ohne Anmeldung arbeitet, begeht zusätzlich Sozialbetrug.

Doch nicht nur derjenige, der die Arbeit ausgeführt hat, kann dafür belangt werden. Auch der Auftraggeber begibt sich in schwieriges Fahrwasser. Denn er hat die so genannte „gesteigerte Erkundungspflicht“, sprich: er ist dazu verpflichtet zu prüfen, ob bei seinem Beauftragten alles mit rechten Dingen zugeht. „Ich habe nicht gewusst, dass das Schwarzarbeit ist“ zählt als Ausrede nicht. Wie die Ausführung ist auch die Beauftragung von Schwarzarbeit ein Straftatbestand, welche mit bis zu € 50.000 Strafe geahndet werden kann.

Auch müssen Privatpersonen Rechnungen von Handwerkern zwei Jahre lang aufheben – bei Schwarzarbeit ist dies mangels Nachweis jedoch schwer möglich.

Tipp

Informieren Sie sich vor Beauftragung der Tätigkeit genau, ob es sich eventuell um Schwarzarbeit handeln könnte.

Keine Steuervorteile und Mängelansprüche

Beauftragen Sie eine Person schwarz, erhalten Sie keine Rechnung. Diese ist aber der Knackpunkt für die Ermäßigung bei der Einkommensteuer.

Ohne ordnungsgemäße Rechnung können Ihnen bei Minijobs so jährlich bis zu € 510 im Jahr durch die Finger rinnen. Schlimmer noch bei normalen haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen: Hier gehen € 4.000 verloren.

Ein weiterer Grund, keine Schwarzarbeiter zu engagieren: Der Bundesgerichtshof entschied nun, dass Sie als Auftraggeber bei mangelhaft ausgeführten Leistungen keinen Anspruch auf Gewährleistung haben. (Urteil des Bundesgerichtshofs, Aktenzeichen VII ZR 6/13).

Auch für den Ausführenden kann eine bereits erfolgte, nicht angemeldete Arbeit weitere böse Folgen haben: Ein Recht auf Bezahlung hat er nämlich nicht (Urteil des Bundesgerichtshofs, Aktenzeichen VII ZR 241/13).

Steuerberatung?

Einzelfragen zu Ihrer Steuererklärung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch über Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne für zukünftige Beiträge auf.

Auch wenn die kostenlosen und frei zugänglichen Inhalte dieser Webseite mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt wurden, übernehmen wir keine Gewähr für deren Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität. Der Aufruf dieser Inhalte begründet mangels Rechtsbindungswillens unsererseits keinerlei Vertragsverhältnis. Außer im Falle von Vorsatz übernehmen wir keine Haftung für etwaige aus der Verwendung der Inhalte resultierende Schäden.

Übrigens: In unserer Steuer-Software finden Sie eine ausführliche Hilfe und Tipps zu allen Themen rund um Ihre Steuererklärung.

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

Kommentar hinterlassen