26. Oktober 2016

Das miese Geschäft mit der Liebe

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Etwa 18 Millionen Alleinstehende zählte das Statistische Bundesamt 2014 in Deutschland. Eine interessante Zielgruppe für Agenturen, die den Singles einen Partner vermitteln möchten, in der Offline- wie in der Online-Welt. Allerdings sind längst nicht alle Anbieter seriös. Wer den Falschen erwischt, zahlt viel Geld – und bekommt nichts dafür.

Beate und Ullrich aus Berlin sind seit fast zehn Jahren ein Paar. Sie haben dem Schicksal auf die Sprünge geholfen: Obwohl sie viele Jahre kaum zwei Kilometer voneinander entfernt lebten, lernten sie sich erst kennen, nachdem sie ihre Daten auf einer Singleplattform im Internet eingetragen hatten. Auch Susanne und Jürgen aus der Nähe von Köln haben sich vor über einem Jahrzehnt durch das Netz gefunden und sind seither ein Paar. Es gibt sie also tatsächlich, Paare, die ihr Glück durch entsprechende Internetseiten finden. Aber es kann auch ganz anders laufen.

Ein geschiedener Berliner Frührentner, 60, hatte die Telefonnummer unter einer Annonce einer gleichaltrigen Frau in einem Anzeigenblatt gewählt. Er erreichte eine Mitarbeiterin eines Singletreffs. Um festzustellen, ob er zu der Dame in der Anzeige passe, müsse er einige Fragen beantworten, sagte sie ihm – seine Anschrift wurde abgefragt. Nur kurze Zeit später bekam der Frührentner Besuch von einer Agenturmitarbeiterin. Sie erklärte ihm, er passe nicht zu der Dame in der Anzeige. „Stattdessen erzählte sie, es gebe da jemanden, der viel besser passe“, schildert Rechtsanwalt Thomas Hollweck aus Berlin den Fall. Er hat monatlich mit Abzocke aus dieser Branche zu tun. Besonders in Ostdeutschland laufe sie häufig nach dem geschilderten Muster ab: Den oft älteren Suchenden wird dann so lange erzählt, dass sie doch noch etwas vom Leben zu erwarten haben, dass sie noch gutaussehend sind, bis diese einen Vertrag unterschreiben.

Damit den Abzockern kein Geld entgeht, legen diese den Kunden vorausgefüllte Überweisungsträger vor, die nur noch unterschrieben werden müssen. Nach und nach wird dann Geld vom Konto der Kunden abgebucht. „Manchmal haben die Agenturmitarbeiter auch ein Gerät dabei, mit dem das Geld direkt über die Girokarte abgebucht werden kann“, weiß Hollweck. Und er kenne auch Fälle, in denen man gemeinsam zum Geldautomaten gegangen sei, um die Summe in bar zu begleichen. 1500 Euro, 2000 Euro oder sogar bis zu insgesamt 4000 Euro wechselten in der Regel den Besitzer auf der Suche nach ein bisschen Lebensglück, sagt der Rechtsanwalt.

Die Geschädigten bekommen so gut wie nichts für ihr vieles Geld, weiß Hollweck: „Wer einen Akademiker sucht, bekommt drei bis vier mögliche Partner vorgestellt, doch ganz sicher keinen Akademiker.“ Nichtraucher bekämen sicher Raucher präsentiert, wer jemanden aus der Nähe kennenlernen möchte, bekomme nur Leute vorgestellt, die weiter weg wohnen. So könne es nie passen. Hollweck vermutet dahinter System. Alternativ dazu gibt es Singleclubs, bei denen man lediglich eine Mitgliedschaft für das gezahlte Geld erwirbt und damit verbunden das Recht, an gemeinsamen Unternehmungen teilzunehmen, die nochmals kosten. Doch auch dort laufe man meist nie dem Traumpartner über den Weg.

Wie sagen Ihnen in verbraucherblick 10/2016, wie Sie sich schützen können.

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