20. Januar 2020

Gesunder Schlaf, aber wie?

Was bei Schlaf-Apps zählt

Eine Verbraucherin erzählte mir neulich in der Beratung: „Seitdem mein Mann so viel Stress bei der Arbeit hat, kann er nicht mehr gut schlafen. Also hat er sich eine Schlaf-App geholt in der Hoffnung, diese könnte ihm zu einem guten Schlaf verhelfen. Statt der Hilfe ist bis jetzt jedoch nur Folgendes passiert: Er nutzt die App-Auswertungen, um uns zu beweisen, dass er wirklich so schlecht schläft.“ Die Verbraucherin schmunzelte.

Die sogenannten Schlaf-Apps sollen Patienten helfen. Sie überwachen unter anderem die nächtlichen Ruhestunden und werten sie aus. Zudem sollen sie herausfinden, wann der beste Zeitpunkt ist, den Schlafenden aufzuwecken. Manche Schlaf-Apps versprechen schöne Träume. Andere analysieren den Schlaf hinsichtlich Schlafphasen, Dauer und Effizienz. In einem digitalen Tagebuch kann man festhalten, welche Gewohnheiten im Alltag den Schlaf erschweren könnten, zum Beispiel der Genuss von Kaffee- oder Alkohol.

Im oben beschriebenen Beispiel hat die App jedoch nicht zu einem besseren Schlaf verholfen, sondern den Betroffenen nur in seiner Überzeugung bestärkt, er würde schlecht schlafen. Wir haben von Verbrauchern auch schon gehört, dass sie sich irgendwann von ihrer Schlaf-App verabschiedet haben, nachdem diese ihnen eine Tiefschlaf-Phase angezeigt hat, obwohl sie gerade sehr wach eine Party feierten.

Die meisten Schlaf-Apps sind nicht evidenzbasiert auf ihren Nutzen hin untersucht. Selbst wenn die Apps im eigentlichen Sinne fehlerfrei funktionieren, kann es aufgrund unterschiedlicher Faktoren zu Fehlern beim Gebrauch kommen. Anwendungsfehler können zu Informationsfehlern führen. Wenn aber Informationen nicht verlässlich oder unverständlich sind, können sie zu weitreichenden Konsequenzen in der Gesundheit der Nutzer führen, weil sie als Grundlage für Entscheidungsprozesse genutzt werden können. Daher sollten Verbraucher grundsätzlich den Nutzen einer App gegen mögliche Risiken abwägen, denn gerade vor dem Hintergrund des Datenschutzes sind Apps kritisch zu bewerten. Viele insbesondere kostenlose Apps finanzieren sich über Datenhandel und Werbung.

In der EU fehlt es bisher an einer Qualitätskontrolle der Apps. Wünschenswert wäre auch eine Informationsplattform im Internet, die anbieterunabhängig geführt wird und die den Verbrauchern als eine Art Wegweiser dienen kann.

Joanna Batista Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein

Joanna Batista ist Referentin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Sie berät Verbraucher unter anderem zu Gesundheits- und Pflegerecht und ist eine der Patientenvertreter in unterschiedlichen Gesundheitsausschüssen des Landes Schleswig-Holstein.

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