15. Mai 2019

Schattenseiten des Sofa-Shoppings

Ob aus dem Zug oder vom Sofa – mobiles Online-Shopping erobert immer mehr Marktanteile. Mit einem Klick: grenzenlose Angebote, riesige Auswahlmöglichkeiten, Preisvergleiche und Produktbewertungen. Selbst nach Ladenschluss ist online immer geöffnet. Übernacht-Express, Wunschort oder bequem nach Hause, das Ausprobieren und Prüfen der Ware sowie die einfache Rückgabe sind die immensen Vorteile gegenüber dem Kauf im Einzelhandel.

Verbraucherzentralen merken aber in der täglichen Beratung, dass nicht jedes Versprechen eingehalten wird. Betrügerische Fake-Shops imitieren Online-Shops täuschend echt, liefern aber keine Ware. Die Betreiber behalten das Geld und tauchen ab. Asia-Shops betreiben deutschsprachige Online-Läden mit einer .de-Domain. Diese Shops liefern durchaus, aber nicht immer genau das Bestellte. Und selbst wenn, ist die Rücksendung im Enttäuschungsfall oft problematisch. Mal fehlt das Impressum, mal soll die Ware nach Fernost zurückgesandt werden. Besonders schwierig wird es, wenn die Ware bereits per Vorkasse bezahlt ist. Solche Shops schießen wie Pilze aus dem Boden.

Auch deutsche Händler strapazieren die Nerven ihrer Kundschaft. Verzögerungen bei der Anerkennung des Mangels oder der Rückzahlung sind nur zwei der gängigen Schwierigkeiten bei Reklamation. Damit noch nicht genug: Das Portal www.post-aerger.de der Verbraucherzentralen NRW und Thüringen zeigt, dass selbst die Lieferung schon für Ärger sorgen kann. Betroffene Verbraucher berichten von Paketboten, die Pakete einfach auf den Fußweg stellen oder bei „Nachbarn“, drei Straßen weiter abgeben. Die häufigste Portal-Beschwerde: „Von wegen nach Hause liefern!“. Verbraucher warteten den ganzen Tag vergeblich zu Hause auf ihre Bestellung. Der Paketbote klingelte nicht, sondern warf nur einen Zettel in den Briefkasten.

Wenn der Online-Handel weiter so rasant wächst, müssen wir uns außerdem insgesamt Gedanken machen: Wie verhindern wir ausufernde Verkehrs- und Umweltbelastungen? Kann der stationäre Handel in Zukunft überhaupt noch mithalten? Sind die kleinen Innenstadtlädchen gefährdet? Verlieren die Innenstädte an Charme? Viele Verbraucher schlendern durch die Läden, schauen, probieren – und kaufen dann online, um ein paar Euro zu sparen. Machen Sie es doch mal umgekehrt: Stöbern Sie online und kaufen dann beim lokalen Händler. Die Schnäppchenjagd lohnt sich auch vor Ort und kann viel Ärger ersparen und die Nerven schonen.

Die Verbraucherzentralen beraten und helfen persönlich, telefonisch sowie online auch bei Kaufverträgen und Reklamationen.

 

Ralph Walther - Verbraucherzentrale Thüringen- verbraucherblick Dr. Ralph Walther ist seit 2007 Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Thüringen. Nach seinem Studium der Chemie in Leipzig und Jena arbeitete er zunächst als Referent für Umwelt, Produkte und Dienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Thüringen.

 

 

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