Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

So erhalten Sie den Steuervorteil


Als alleinerziehender Elternteil vom Staat finanziell unterstützt werden? Das geht mit dem Entlastungsbetrag für Alleinerziehende.
Erfahren Sie in diesem Artikel, wie Sie und Ihr Kind davon profitieren können!

Was ist der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende?

Hierbei handelt es sich um eine Art Steuerfreibetrag, der zusätzlich zum Kindergeld einmal pro Jahr gewährt wird.
Für das erste Kind erhalten Sie 1.908 Euro. Für jedes weitere Kind kommen 240 Euro hinzu.
Den Entlastungsbetrag erhält der alleinerziehende Elternteil, in dessen Haushalt das Kind lebt.

AKTUELL
Beträgt der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende für die Jahre 2020 und 2021 4.008 Euro für das erste Kind. Zudem erhalten Sie weiterhin für jedes weitere Kind 240 Euro dazu.

Wer wird unterstützt?

Anspruch auf den Steuervorteil haben Sie, wenn Sie

    • alleinstehend sind
    • für Ihr Kind Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag haben
    • die Identifikationsnummer für Ihr Kind haben
    • Ihr Kind bei Ihnen im Haushalt lebt

Wenn Sie die Voraussetzungen nicht für das gesamte Kalenderjahr erfüllen, weil Ihr Kind zum Beispiel einen Teil des Kalenderjahres bei dem anderen Elternteil gewohnt hat, wird der Freibetrag zeitanteilig berechnet. Für Sie würde das bedeuten, dass sich der Betrag für jeden vollen Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen nicht erfüllt sind, um 1/12 vermindert.

Beispiel:
Anton und Lisa sind zwar noch verheiratet, leben jedoch getrennt. Bisher lebt ihr gemeinsamer Sohn bei Lisa. Am 11.05.2019 zieht er jedoch zu Anton und wird dort gemeldet.
Anton erhält ab diesem Zeitpunkt das Kindergeld für seinen Sohn.
Mit der Steuererklärung 2019 beantragt Anton erstmalig den Entlastungsbetrag für
Alleinerziehende.
Da er in dem Zeitraum vom 11.05.2019-31.12.2019 alleinerziehend war, ergibt sich folgende Rechnung:Volle Kalendermonate, in denen die Voraussetzungen nicht erfüllt waren: 4 (Januar-April)
Voller Entlastungbetrag: 1.908 Euro
Kürzung um 4/12:             – 636 Euro
Verbleibender Betrag:      1.272 Euro

Welcher Elternteil hat Anspruch auf den Steuervorteil?

Grundsätzlich erhält der Elternteil den Freibetrag, bei dem das Kind gemeldet ist.
Ist das Kind zusätzlich beim zweiten Elternteil gemeldet, steht der Entlastungsbetrag demjenigen zu, bei dem das Kind tatsächlich wohnt.
Lässt sich nicht eindeutig bestimmen, wo sich Ihr Nachwuchs überwiegend aufhält, entscheiden Sie und Ihr Ex-Partner selbst, wer vom Entlastungsbetrag profitiert. Das geht allerdings nur, wenn noch niemand von Ihnen den Entlastungsbetrag über die Wahl der Lohnsteuerklasse 2 beantragt hat (BMF v. 23.10.2017).

Ihr Kind ist bereits in eine eigene Wohnung gezogen? Kein Problem! Sind Sohn oder Tochter noch bei Ihnen gemeldet, zählen sie trotzdem als zu Ihrem Haushalt zugehörig. Dem Entlastungsbetrag steht nichts im Wege.
Ist das Kind hingegen schon in der eigenen Wohnung gemeldet, müssen Sie die Zugehörigkeit zu Ihrem Haushalt nachweisen können. Indizien können zum Beispiel ein eigenes Zimmer und regelmäßige Aufenthalte bei Ihnen sein.

Was genau bedeutet „alleinstehend“?

Der Entlastungsbetrag soll Alleinstehende und ihre im Haushalt lebenden Kinder unterstützen.
Alleinstehend sind Sie, wenn Sie…
• nicht verheiratet, also ledig oder geschieden sind
• zwar verheiratet sind, aber seit dem vorangegangenen Jahr dauerhaft getrennt von Ihrem Partner leben
• zwar verheiratet sind, aber Ihr Ehepartner im Ausland lebt und nicht unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist
• keine Haushaltsgemeinschaft mit einer anderen volljährigen Person bilden, für die Sie keinen Anspruch auf Kindergeld haben (z.B. Lebenspartner, Eltern)

Besonderheiten

Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft

Haben Sie sich von Ihrem Ehepartner oder Lebenspartner getrennt? Selbst wenn alle oben genannten Punkte zutreffen, sind Sie nicht automatisch „alleinstehend“ im Sinne des Steuergesetzes. Waren Sie noch im Kalenderjahr nicht dauernd getrennt lebend von Ihrem Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner, so wird die Voraussetzung nicht erfüllt, da das sogenannte Splitting-Verfahren noch anwendbar ist. Das gilt unabhängig davon, ob Sie sich bereits im Januar oder erst im Dezember getrennt haben.

Verwitwet

Sind Sie im Kalenderjahr verwitwet, wird Ihnen der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zeitanteilig gewährt, auch wenn Sie noch das Splitting-Verfahren anwenden können.

Achtung Ausnahme!

Grundsätzlich gilt: Sobald Sie mit einer weiteren volljährigen Person zusammenleben, für die Sie keinen Kindergeldanspruch haben, verlieren Sie auch den Anspruch auf den Entlastungbetrag. Nicht in allen Fällen bedeutet eine zweite volljährige Person im Haushalt Erleichterung und zusätzliche finanzielle Mittel. Deshalb hat das Steuerrecht ein paar Fälle vorgesehen, in denen Ihnen der Steuervorteil trotzdem erhalten bleibt.

So besteht der Anspruch auf den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende weiter, wenn Sie eine Haushaltsgemeinschaft mit einer anderen volljährigen Person bilden, die blind oder pflegebedürftig ist (Pflegegrade 1-5 , bzw. bis einschließlich 2016: Pflegestufe I, II oder III). Das gleiche gilt, wenn Sie mit einer Person zusammenleben, die finanziell gar nicht im Stande ist, sich an der gemeinsamen Haushaltsführung zu beteiligen. Das wird angenommen, wenn das Vermögen der Person höchstens 15.500 € beträgt.
Der Anspruch fällt ebenfalls nicht weg, wenn Ihr volljähriges Kind
– den gesetzlichen Grundwehr- oder Zivildienst in einem EU-Mitgliedsstaat leistet
– den freiwilligen Grundwehrdienst von maximal 3 Jahren leistet
– die vom Grundwehr- und Zivildienst befreiende Tätigkeit als Entwicklungshelfer ausübt.

Muss der Entlastungsbetrag beantragt werden?

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende wird spätestens automatisch mit der Abgabe Ihrer Steuererklärung beantragt, wenn Sie Angaben in der Anlage Kind machen.
Dennoch müssen Sie nicht bis zum Jahresende warten, um bares Geld zu sparen.
Der Steuervorteil kann vorab im Lohnsteuerabzugsverfahren durch Vergabe der Lohnsteuerklasse II und Eintrag eines Freibetrages berücksichtigt werden.

Der Freibetrag im Lohnsteuerabzugsverfahren ist auf zwei Jahre begrenzt.

 

Steuerberatung?

Einzelfragen zu Ihrer Steuererklärung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch über Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne für zukünftige Beiträge auf.
Übrigens: In unserer Steuer-Software finden Sie eine ausführliche Hilfe und Tipps zu allen Themen rund um Ihre Steuererklärung.

14 Kommentare

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  1. 1
    Christel Leisten

    Sehr geehrte Frau Hagemann
    da beisst sich ja die Katze in den Schwanz. Laut Bundesmeldegesetz ist der Bürger verpflichtet sich innerhalb von 2 Wochen umzumelden wenn er in eine andere Stadt/ Gemeinde umzieht. Dies ist bei beiden Kindern der Fall. Mein Sohn wurde sogar mit Rechtsmittel seitens der Gemeinde genötigt sich umzumelden! Mithilfe einer Rechtsbearatung konnten wir dies jedoch auf die MAximalfrist ausweiten. Aber umgemeldet hat er sich, dazu ist er ja verpflichtet.
    Das Kindergeld wird ja ausgezahlt obwohl die KInder nicht mehr (ausbildungsbedingt) zu Huase gemeldet sind.
    Hinweis bei Elster: In diesem Fall müsse ich die Haushaltszugehörigkeit anders nachweisen. Ist aber bei Elster nicht möglich.
    Ich habe es nun beantragt, sollte es Probleme geben werde ich Widerspruch gegen den Bescheid einlegen.
    Danke für Ihre Antwort

    • 2
      Carina Hagemann

      Sehr geehrte Frau Leisten,

      Hierzu steht im BMF-Schreiben vom 23.10.2017 ab Kennziffer 17 Folgendes: Ein Kind gehört zum Haushalt des Steuerpflichtigen, wenn es in der Wohnung des Steuerpflichtigen gemeldet, dauerhaft in dessen Wohnung lebt oder mit seiner Einwilli-gung vorübergehend, z. B. zu Ausbildungszwecken, auswärtig untergebracht ist.

      Viele Grüße und ein schönes Wochenende,
      Carina Hagemann von steuernsparen

  2. 3
    Christel Leisten

    Ergänzung: Selbstverständlich waren die Kinder in der auswärtigen Wohnung gemeldet. Wie es das Bundesmeldgesetz vorschreibt.

    • 4
      Carina Hagemann

      Sehr geehrte Frau Leisten,

      leider darf ich Ihnen im Einzelfall aus rechtlichen Gründen keine steuerliche Beratung anbieten. Im Allgemeinen ist es jedoch so, dass der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende auch dann gewährt wird, wenn sich die Kinder in Berufsausbildung (auch Studium) befinden oder zeitweise auswärtig untergebracht sind, sofern ein Anspruch auf Kindergeld besteht. Vorausgesetzt allerdings, dass alle anderen Anspruchsvoraussetzungen ebenfalls erfüllt sind. Diese sind:
      – Das Kind ist im Haushalt des Antragsstellers gemeldet
      – Es besteht keine Haushaltsgemeinschaft mit einer weiteren volljährigen Person, für die kein Anspruch auf Kindergeld mehr besteht
      – Der Antragsteller ist alleinstehend
      Den Antrag auf den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende können Sie mit WISO Steuer ganz einfach stellen. Sie können das Programm direkt kostenlos ausprobieren. Dabei werden die Voraussetzungen u. a. auch die Meldung der Kinder bereits abgefragt.
      Wählen Sie dazu einfach im Bereich “Persönliches” die Kategorie “Kinder” und legen entsprechende Einträge an. Sind Ihre Kinder bereits volljährig, können Sie hier ebenfalls Eintragungen zur Berücksichtigung volljähriger Kinder vornehmen. In Ihrem Fall können Sie hier die Berufsausbildung Ihrer Kinder angeben.

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann
      Tax Specialist bei steuernsparen

  3. 5
    Christel Leisten

    Sehr geehrter Herr Müller
    jedes Jahr stolpere ich üüber die Auslegung des Entlastungsbetrages.
    ICh bezog für zwei Kinder Kindergeld. Diese befinden/ befanden sich in der Ausbildung und waren auswärtig untergebracht. Hatten aber regelmässig Familienheimfahrten, bzw mein Sohn verbachte teilweise auch Urlaub und Krnakheitszeiten bei mir im Haushalt.
    Greift in diesem Fall der Entlastungsbetrag noch oder nicht?

  4. 6
    Thomas Stöber

    Sehr geehrte Frau Müller,

    vielen Dank für diese Information. Leider finde ich im Netz kein Urteil dazu.
    In meinem Fall hat der Finanzbeamte das erste Kind bis zum Ende der Ausbildung berechnet und für das zweite Kind dann 12 Monate á 20€. Was nach Ihren Angaben und aus meiner Sicht falsch ist.

    Vielen Dank für Ihre Hilfe
    Thomas

    • 7
      Carina Hagemann

      Hallo Thomas,

      leider darf ich Ihnen in Ihrem Einzelfall aus rechtlichen Gründen keine weiterführende Auskunft in steuerlichen Themen geben.
      Allerdings verweise ich Sie in Sachen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende aufs BMF-Schreiben vom 23.10.2017.
      Vermutlich ist hier die Zeile 22 für Sie interessant.

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann
      Tax Specialist bei steuernsparen

  5. 8
    Marion D.

    Hallo,
    wenn ich 2020 Steuerklasse 2 habe, bin ich dann verpflichtet, eine Steuererklärung für 2020 abzugeben? Danke im Voraus. M.D.

    • 9
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      grundsätzlich sind Sie als ArbeitnehmerIn in Lohnsteurklasse II nicht zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet. Sie können allerdings trotzdem dazu verpflichtet sein, wenn Sie außer Ihren Arbeitnehmereinkünften weitere Einkünfte hatten oder sonstige Gründe vorliegen (z. B. Lohnersatzleistungen), aufgrund derer Sie zur Abgabe verpflichtet sein könnten. Außerdem müssen Sie Ihre Steuererklärung in der Lohnsteuerklasse II dann abgeben, wenn Sie das Finanzamt zur Abgabe auffordert.
      Allers über die Abgabepflicht erfahren Sie in unserem Beitrag: “Ist die Steuererklärung Pflicht?

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann
      Tax Specialist bei steuernsparen

  6. 11
    Malte Bogdon

    Wir leben getrennt. Das gemeinsame Kind lebt bei beiden Eltern. Der offizielle Wohnsitz des Kindes ist bei meiner Exfrau. Somit teilen wir uns den Betrag.
    Meine Exfrau ist Unternehmerin. Hat die Steuererklärung meiner Exfrau Einfluss auf die Höhe des Entlastungsbetrages von 1.908 € oder ergibt sich anteilig exakt der Betrag von 954 €?

    • 12
      Alexander Müller

      Hallo sehr geehrter Herr Bogdon,

      wir dürfen aus gesetzlichen Vorgaben leider keine Steuerberatung im Einzelfall durchführen, da bitte ich um Ihr Verständnis.
      Laut Einkommensteuergesetz steht demjenigen der Entlastungsbetrag zu, der Anspruch auf das Kindergeld hat. Dies gilt, wenn das Kind bei mehreren Steuerpflichtigen gemeldet ist. Der Entlastungsbetrag wird nicht geteilt.

      Viele Grüße,
      Alexander Müller
      Tax Specialist bei steuernsparen.de

  7. 13
    Sabine Jung

    “Für das erste Kind erhalten Sie 1.908 Euro. Für jedes weitere Kind kommen 240 Euro hinzu.”
    Frage: Heißt das, wenn mein erstes Kind in der ersten Jahreshälfte – warum auch immer – keinen Anspruch auf Kindergeld hatte, dann bekomme ich auch für mein zweites und drittes Kind nur für ein halbes Jahr je 20 Euro/Monat Entlastungsbetrag?
    Warum wird für die ersten 6 Monate des Jahres dann das 2. Kind nicht automatisch Kind 1 (so, wie sich auch beim Kindergeld die Ordnungszahl ändert) ?
    Danke für Ihre Erklärung hierzu.

    • 14
      Alexander Müller

      Hallo sehr geehrte Frau Jung,
      vielen Dank für Ihre gute Frage. Streng nach dem Gesetz würde in Ihrem Fall das zweite Kind an die Stelle des ersten rutschen. Denn: Für das erste (zu berücksichtigende Kinde) gibt es die 1.908€, für jedes weitere 240€. Wenn das erste Kind z.B. mit der Ausbildung fertig ist man keinen Anspruch mehr auf Kindergeld/Kinderfreibeträge hat, rutscht das zweite Kind beim Entlastungsbetrag an die erste Stelle (für die 1.908 €). Das “zweite leibliche Kind” wird dann für den Entlastungsbetrag das “erste zu berücksichtigende”.

      Problematisch kann es nur werden, wenn man mit dem volljährigen Kind, das mit seiner Ausbildung fertig ist, noch zusammenlebt. Denn dann greift eventuell die Einschränkung der “Haushaltsgemeinschaft mit einer volljährigen Person”. Die Folge wäre, dass es gar keinen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende gibt. Damit auch nicht für das zweite Kind.

      Viele Grüße,
      Alexander Müller von der buhl:Redaktion

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