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Bogen rund

Krankenversicherung vorauszahlen und Steuern sparen

So einfach geht’s


Die Krankenversicherung ist unerlässlich – und teuer. Vor allem Privatversicherte müssen mit mehreren hundert Euro monatlich rechnen. Wenn Sie Ihre Krankenversicherung vorauszahlen, gibt es oft Nachlässe bei der Prämie. Doch es gibt darüber hinaus noch mehr Tricks, mit denen Sie Geld sparen können. Ob gesetzlich oder privat – wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Ihren Krankenkassenbeiträgen Steuern sparen.

Kurz & Knapp

  • Vorauszahlungen können die Steuer reduzieren
  • Steuerlich werden Vorauszahlungen bis zum 3-fachen akzeptiert
  • 10-Tages-Regel beachten
  • Keine Höchstbeträge für Beiträge zur Basiskrankenversicherung

Krankenversicherung vorauszahlen: Wie funktioniert das?

Nur mit Beiträgen zur Basiskranken- und Pflegeversicherung funktionieren die in diesem Artikel erläuterten Steuervorteile. Die Basiskrankenversicherung meint die Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Mit Vorauszahlungen, die auf Zusatzleistungen entfallen, profitieren Sie steuerlich also nicht. Darunter fallen zum Beispiel das Einzelbett-Zimmer oder die Behandlung durch den Chefarzt.

Mit der Krankenversicherung Steuern sparen? Unser Video erklärt Ihnen wie das geht.

*Video Stand 2019

Um die Krankenversicherung vorauszahlen zu können, setzt das zunächst voraus, dass die jeweilige Krankenkasse Vorauszahlungen akzeptiert. Je nach Krankenkasse kann die Höhe der Vorauszahlungen unterschiedlich ausfallen. Vorauszahlungen sind vor allem bei privaten Krankenkassen möglich. Eventuell geht das auch, wenn Sie freiwillig gesetzlich krankenversichert sind.

Sie sollten sich also bei Ihrer Krankenkasse darüber informieren, inwieweit Vorauszahlungen akzeptiert werden. Das kann das 2-, 3- oder 4-fache der Jahresbeiträge sein.

Keine Höchstbeträge für Beiträge zur Basiskrankenversicherung

Die jährlichen Beiträge zur Basiskranken- und Pflegeversicherung können Sie immer in voller Höhe von der Steuer absetzen. Wenn Sie also diese Versicherungen vorauszahlen, deckelt das Finanzamt die Höhe nur ab dem dreifachen Jahresbetrag.

Das gilt aber nicht für sonstige Vorsorgeaufwendungen. Hierzu zählen etwa Zusatzleistungen zur Krankenversicherung, Arbeitslosen-, Unfall-, Haftpflicht- und bestimmte Lebensversicherungen. Wird der für Vorsorgeaufwendungen geltende Höchstbetrag von 1.900 Euro (sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, Familienversicherte, Beamte und die meisten Rentner)/ 2.800 Euro (andere) bereits durch die Beiträge zur Basiskrankenversicherung erreicht, werden sonstige Vorsorgeaufwendungen nicht mehr berücksichtigt.

Wenn Sie das beachten, können Sie Ihre Steuerlast senken:

Beispiel: A ist als Arbeitnehmer privat krankenversichert. Die Beträge zur Basiskranken- und Pflegeversicherung betragen 2020, 2021 und 2022 jeweils 5.000 Euro. Für sonstige Vorsorgeaufwendungen zahlt A jährlich 3.000 Euro.

Fall 1: A leistet für 2021 und 2022 keine Vorauszahlungen: Der Höchstbetrag von 1.900 Euro ist 2020, 2021 und 2022 mit den Beträgen zur Basiskranken- und Pflegeversicherung von 5.000 Euro bereits erreicht. Die sonstigen Vorsorgeaufwendungen bleiben 2020, 2021 und 2022 daher unberücksichtigt. 2020, 2021 und 2022 kann A also insgesamt 15.000 Euro abziehen und 9.000 Euro laufen ins Leere.

Fall 2: A leistet 2020 Vorauszahlungen für 2021 und 2022: Der Höchstbetrag von 1.900 Euro ist 2020, mit den Beträgen zur Basiskrankenversicherung von 15.000 Euro bereits erreicht. Die sonstigen Vorsorgeaufwendungen bleiben 2020 daher unberücksichtigt und werden 2021 und 2022 mit dem Höchstbetrag von jeweils 1.900 Euro abgezogen. 2020, 2021 und 2022 kann A also insgesamt 18.800 Euro abziehen und 5.200 Euro laufen ins Leere.

Vergleich: Durch die Vorauszahlungen kann A für 2020, 2021 und 2022 zusammen 3.800 Euro höhere Ausgaben abziehen. Bei einem Steuersatz von 42 Prozent bringt das einen Steuervorteil von insgesamt rund 1.600 Euro.

Welchen Steuervorteil kann ich erwarten?

Steuerermäßigend lässt der Gesetzgeber ab dem Jahr 2020 das 3-fache an Vorauszahlungen zu. Zahlen Sie noch mehr voraus, werden diese Beiträge zur Basiskranken- und Pflegeversicherung steuerlich erst in dem Jahr angesetzt, für die sie geleistet wurden.

Eingetragen werden Vorauszahlungen von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen in der Anlage Vorsorgeaufwand.

Über die geleisteten und steuerlich abzugsfähigen Beitrage erhalten Sie von Ihrer Krankenkasse in der Regel eine Bescheinigung. In WISO Steuer tragen Sie die bescheinigten Werte dann bei „Weitere Ausgaben“ > „Versicherungen und Altersvorsorge“ > „Private Kranken- und Pflegeversicherungen“ ein.

Vorauszahlungen von Krankenversicherungsbeiträgen

Vorauszahlungen von Krankenversicherungsbeiträgen

Sie können es sich aber auch noch einfacher machen und die Daten beim Finanzamt abrufen. Denn dort liegen die Daten im Regelfall bereits vor. Mit dem steuer:Abruf können Sie sich die Versicherungsbeiträge automatisch in die Steuererklärung eintragen lassen.

Besonderheit: die 10-Tage-Regel

Bei den Vorauszahlungen ist das sogenannte Abflussprinzip zu beachten. Eine Zahlung an die Krankenkasse wird im Jahr der Zahlung berücksichtigt. Das Prinzip ist einfach. Es wäre aber nicht das Steuerrecht, wenn es nicht auch hier ein paar Ausnahmen gäbe.

Bei regelmäßig wiederkehrenden Ausgaben wird das Prinzip erweitert. Also etwa bei regelmäßigen Krankenversicherungsbeiträgen. Hier sind 10 Tage vor und nach dem 31.12. genau zu betrachten. Wenn Sie innerhalb dieser 10 Tage solche fälligen Ausgaben zahlen, dann müssen Sie diese in dem Jahr ansetzen, in das sie tatsächlich gehören.

10 Tage Regel Krankenversicherung vorauszahlen

10 Tage Regel

In der Praxis bedeutet das, dass Sie beispielsweise Vorauszahlungen zur Krankenversicherung für 2021 und 2022 vor dem 22.12.2020 leisten sollten, damit sie im Steuerbescheid 2020 abgezogen werden können.

Was gilt es zu beachten?

  • Maximal das 3-fache: Finanzamt akzeptiert maximal 3fache Vorauszahlungen.
  • Nur Basiskrankenversicherung Die Regelung zu den Vorauszahlungen bezieht sich nur auf Beiträge zur Basiskrankenversicherung.
  • 10-Tage-Regel: Vorauszahlungen von Krankenversicherungsbeiträgen vor dem 22.12. zahlen.
  • Steuervorteile planen: Das Zusammenspiel von Altersvorsorgeaufwendungen und sonstigen Vorsorgeaufwendungen intelligent nutzen.

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8 Kommentare

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  1. 1
    Olaf Hotte

    Muss die Vorauszahlung ganze Jahre (z.B. 1,2 oder 3 Jahre) umfassen? Oder kann ich die Vorauszahlung so wählen, dass ich genau über die Jahresgrenze “rutsche”? Aktuell zahle ich im Jahresrhythmus, um einen 4%igen Rabatt zu erhalten. Zu zahlen jeweils am 01.09. des Jahres. Einen steuerlichen Vorteil erhalte ich dadurch noch nicht. Könnte ich nun für weiter 5-6 Monate vorauszahlen, damit sich die Zahlung über zwei Kalenderjahre erstreckt und ich den Steuervorteil erhalte?

  2. 2
    JDI

    Ich hätte die umgekehrte Frage. Als Freiberufler hatte ich beim Einbruch der Einnahmen durch Corona meine Krankenkasse gebeten mir die Beiträge zu senken. Die Kasse ist mit freundlich entgegengekommen. Nun habe ich – zum Glück – doch viel mehr eingenommen als erwartet. Ich würde jetzt gerne meine Krankenkassenbeiträge für 2020 nachzahlen, um den Betrag noch in der Steuererklärung für 2020 einrechnen zu können. Ist das möglich?
    Vielen Dank im Voraus für Ihre Expertise.

    • 3
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      leider darf ich Ihnen aus rechtlichen Gründen keine Antwort auf Fragen zu privaten steuerlichen Sachverhalten beantworten. Das ist nur bestimmten Berufsgruppen wie Steuerberatern oder Lohnsteuerhilfevereinen vorbehalten.
      Grundsätzlich gilt – wie im Beitrag erwähnt – das Abflussprinzip bei der Zahlung von privaten Versicherungen. Das bedeutet, dass Zahlungen (wie z. B. Vorauszahlungen) in dem Wirtschaftsjahr angegeben werden, in dem sie tatsächlich geflossen sind. In welches Jahr die Zahlung aber wirtschaftlich gehört, spielt – mit Ausnahme der 10-Tage-Regelung – beim Zufluss-Abfluss-Prinzip grundsätzlich keine Rolle.

      Viele Grüße
      Carina Hagemann von Steuern-Sparen

  3. 4
    ERich Münstermann

    Ich habe noch zwei Fragen:

    1.Ich werde 2025 in Rente gehen. Kann ich in den nächsten 4 Jahren von dieser Möglichkeit gebrauchen und habe steuerliche Vorteile. Die Beitragsbefreiung werde ich aber erst ab 2025 In Anspruch nehmen.
    2. Ich welcher Zeile der EstG-Erklärung, werden die Einmalzahlungen erfaßt?

  4. 6
    Jürgen Nellis

    Da stimmt doch was nicht! Wieso hat ein aus Altersgründen aus dem Berufsleben ausscheidender Beamter des gehobenen Dienstes z.B. keine nennenswerte Pension mehr als steuerpflichtiges Einkommen aufzuweisen und wie kann dieser letztendlich die vom Staat ihm auferlegten Steuern konkret mindern. Für Pensionäre geht Wiso leider geziehlt kaum darauf ein.

    • 7
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      bitte beachten Sie, dass ich Ihnen aus rechtlichen Gründen leider im Einzelfall keine steuerliche Beratung anbieten darf.
      Grundsätzlich ist es jedoch so, dass für Pensionäre im Hinblick auf die Werbungskosten die gleichen Regeln gelten, wie für Rentner.
      Welche Werbungskosten Sie genau ansetzen dürfen und welche Pauschalen es gibt, die die Steuer senken, lesen Sie auf unserer Themenseite: Rente & Pension
      Im Themenbereich der Rentner finden Sie ebenfalls Hinweise zu Werbungskosten in der Steuer-Hilfe zu WISO Steuer. Werfen Sie gerne einen Blick hinein: Hier geht’s zur Hilfe.

      Viele Grüße,

      Carina Hagemann von Steuern-Sparen

  5. 8
    H.-G. Söcker

    Die Vorauszahlung lohnt sich vor allem dann, wenn man in den Folgejahren keine nennenswerten steuerpflichtigen Einkünfte mehr hat, wenn man beispielsweise aus Altersgründen aus dem Berufsleben ausscheidet.

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