Bogen rund

Selbstbehalt bei der Krankenversicherung

Nicht als Sonderausgabe absetzbar?


Beiträge zur Basiskrankenversicherung sowie zur gesetzlichen Pflegeversicherung sind seit 2010 in tatsächlicher Höhe und unbegrenzt absetzbar. Oftmals vereinbaren Privatversicherte mehr oder weniger hohe Selbstbehalte in der Krankenversicherung, um so die Beiträge niedriger zu halten.

Erst zahlen – dann absetzen?

Das bedeutet: Sie können auch nur die niedrigeren Beiträge als Sonderausgaben absetzen. Im Krankheitsfall müssen sie dann wegen des Selbstbehalts erst einmal die Kosten in vereinbarter Höhe selber tragen, ehe die Versicherung einspringt.

Die Frage ist, ob die Kosten in Höhe des Selbstbehalts ebenfalls wie Beiträge als Sonderausgaben absetzbar sind.

Schlechte Karten bei Selbstbehalt

Nun hat das Finanzgericht Köln entschieden, dass selbst getragene Kosten im Krankheitsfall keine Versicherungsbeiträge darstellen und nicht als Sonderausgaben absetzbar sind. Vielmehr stellen sie Krankheitskosten dar und können nur als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden.

“Durch die Vereinbarung eines Selbstbehalts hat der Bürger eine zulässige Gestaltung gewählt, die zu geringeren Sonderausgaben und ggf. höheren außergewöhnlichen Belastungen führt. Dem hat die steuerrechtliche Beurteilung zu folgen” (Urteil des Finanzgericht Köln, Aktenzeichen 15 K 1858/12, Revision VI R 29/14).

Was sind Versicherungsbeiträge?

Versicherungsbeiträge sind nur solche Ausgaben, die im Zusammenhang mit der Erlangung von Versicherungsschutz stehen. Die Selbstbeteiligung aber ist keine Gegenleistung für die Erlangung von Versicherungsschutz, sondern gerade das Gegenteil. Denn in Höhe des Selbstbehalts übernimmt die Krankenversicherung nicht das Risiko, für Schadensfälle eintreten zu müssen.

Die im Krankheitsfall selbst getragenen Aufwendungen sind zwar als außergewöhnliche Belastungen absetzbar – und zwar nach oben in unbegrenzter Höhe. Doch leider wirken sie sich nur dann steuermindernd aus, soweit die zumutbare Belastung überschritten wird. Diese zumutbare Belastung richtet sich nach der Höhe des Einkommens, Anzahl der Kinder, dem Familienstand und beträgt zwischen 1 und 7 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte.

Was Sie tun nun sollten

Obwohl die Entscheidung des Finanzgerichts Köln nachvollziehbar ist, hat der Bundesfinanzhof die Revision zugelassen. Also werden sich die höchsten Finanzrichter noch eingehend mit dieser Frage beschäftigen.

Tragen Sie daher Krankheitskosten in Höhe des Selbstbehalts als Sonderausgaben in der “Anlage Vorsorgeaufwand” ein. Da das Finanzamt dies nicht akzeptieren wird, können sie Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen und unter Hinweis auf das Verfahren VI R 29/14 das Ruhenlassen beantragen.

 

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  1. 1
    W.B.

    Aufgrund des Tipps: “Tragen Sie daher Krankheitskosten in Höhe des Selbstbehalts als Sonderausgaben in der „Anlage Vorsorgeaufwand“ ein. ” habe ich versucht einen entsprechenden Eintrag in der Anlage Vorsorgeaufwand im Elster-Formular vorzunehmen. Das ist aber nicht gelungen; es findet sich keine passende Eintragszeile.
    Kann jemand einen Hinweis geben?

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