16. Oktober 2017

Kostenfallen und Datenklau? – Risiken in kindaffinen Apps

© Twin Design/Shutterstock.com
Kinder nutzen heutzutage wie selbstverständlich mobile Endgeräte. Laut KIM-Studie 2016 besitzt die Hälfte der 6-13-jährigen bereits ein eigenes Handy oder Smartphone. Dabei nutzen sie Apps vor allem zum Spielen, Kommunizieren, Fotos machen oder Videos schauen. Insbesondere Spiele-Apps üben auch schon auf jüngere Kinder einen großen Reiz aus. Steuerung und Spielprinzip sind meist schnell erfasst. Animationen, Geräusche, kindlich bunte Spielwelten und -Charaktere erregen ihre Aufmerksamkeit.

Doch so intuitiv die Bedienung mobiler Geräte für Kinder auch sein mag, den sicheren Umgang müssen sie erst erlernen. Zumal nicht jede App, die auf den ersten Blick kindgerecht erscheint, für Kinder empfehlenswert ist. Einige bergen auch Risiken.

Konfrontation mit belastenden Inhalten
Recherchen von jugendschutz.net zeigen, dass Spiele-Apps in den allermeisten Fällen und gemessen an der entsprechenden Alterseinstufung inhaltlich unbedenklich sind. Trotzdem ist es nicht ausgeschlossen, dass Kinder in Spielen mit belastenden Inhalten, z.B. in Form von abstrakter Gewalt oder Werbung für Erwachsenen-Apps, konfrontiert werden. Dies kann insbesondere jüngere Kinder beeinträchtigen.

TIPP: Achten Sie auf die Alterseinstufungen im jeweiligen App-Store und die dortigen Hinweise. Nutzen Sie auf der Suche nach kindgeeigneten Apps Empfehlungsdienste, die von Experten begutachtete Angebote zusammenstellen.

Ungeeignete Verknüpfungen
Über externe Links (z.B. zum App-Store oder zu YouTube) und durch Verknüpfung mit Social Media-Angeboten (z.B. Facebook), können Kinder aus der App herausgeführt werden. Dies ist bedenklich, weil sie im Netz mit dem gesamten Spektrum riskanter Inhalte konfrontiert und Fremdkontakten ausgesetzt sein können. Einige Apps locken sogar mit virtueller Währung für eine Anmeldung bei Facebook. Gerade wenn Spielfortschritte stagnieren, wächst der Anreiz sich bei Erwachsenen-Diensten anzumelden.

TIPP: Beschränken Sie den Zugriff im Store nur auf Apps, die dem Alter des Kindes entsprechen, und schalten Sie die Internetverbindung wenn möglich aus.

Unsichere Chats
Integrierte Chats dienen innerhalb von Spiele-Apps der Kommunikation der Spieler untereinander. Kinder sind hier oft nicht ausreichend geschützt. Sowohl in öffentlichen als auch privaten Chats können sie von fremden Personen angesprochen oder belästigt werden. Oft fehlt es an Sicherheitsmaßnahmen wie Meldemöglichkeiten und Moderation.

TIPP: Informieren Sie sich vor dem Herunterladen, ob die App Kommunikationsfunktionen enthält und besprechen Sie mit dem Kind wichtige Verhaltensregeln.

Kostenfallen durch Kaufdruck
Zahlreiche Apps beruhen auf dem sogenannten Free-to-Play-Prinzip. Ist der Download zunächst kostenlos, können im weiteren Spielverlauf jedoch durch In-App-Käufe Kosten entstehen. Zu Beginn erzielen Spieler rasch Erfolge, die Fortschritte stagnieren jedoch mit steigenden Levels. Ohne den Kauf von z.B. zusätzlichen Items voranzukommen, ist extrem schwer und fordert mindestens eine große Frustrationstoleranz. Rabatt-Aktionen und Zeitlimits erzeugen zusätzlich einen künstlichen Zeitdruck. In ihrer Unerfahrenheit, lassen sich Kinder besonders leicht und schnell zu Käufen verleiten.

TIPP: Um mögliche Käufe zu verhindern, können Sie in den Store-Einstellungen einen Passwortschutz für In-App-Käufe einrichten. Unfreiwillige Käufe können so ausgeschlossen werden.

Spielunterbrechungen und Lockangebote
Werbung ist auch in kindaffinen Apps ein bewährtes Finanzierungsmodell. Problematisch wird es, wenn bestehende Regelungen nicht eingehalten und Kinder durch Werbung vom Spielen abgehalten werden. Bei vielen Apps fehlt die deutliche Kennzeichnung der Werbung als kommerzieller Inhalt. Ist die Werbung gestalterisch zusätzlich als Spielelement integriert, ist eine Unterscheidung vom Inhalt nur schwer möglich. Teilweise erhalten Spieler für das Ansehen von Werbevideos Belohnungen. Kinder werden hier in ihrer Unerfahrenheit ausgenutzt und teilweise sogar mit nicht kindgeeigneten Werbeinhalten (z.B. Trailer für ein USK-16 Spiel) konfrontiert.

TIPP: Wählen Sie werbefreie Apps. Ansonsten sprechen Sie mit Ihrem Kind über Werbung und helfen Sie ihm diese zu erkennen.

Möglicher Datenkontrollverlust
Neben Geld sind Daten zu einer wichtigen Währung geworden. Gerade Kinder gehen jedoch oftmals sehr offenherzig mit ihren privaten Daten um. Sie sind noch nicht in der Lage einzuschätzen, ob die Angabe persönlicher Daten wirklich erforderlich oder sinnvoll ist.
Viele Spiele-Apps fordern sehr umfangreiche Zugriffsberechtigungen ein. Manche dieser Berechtigungen sind notwendig, damit die App funktioniert. Wenn zum Beispiel in der App fotografiert werden kann, muss der Zugriff auf Kamera und Speicher gewährt werden. Sie benötigt aber u.U. keinen Zugriff auf Identität oder die Kontakte. Man sollte immer kritisch hinterfragen, ob eine App die jeweiligen Berechtigungen für einen reibungslosen Spielablauf tatsächlich benötigt. Teilweise ist es nach Herunterladen der App möglich, Berechtigungen in den Einstellungen des Gerätes wieder zu entziehen.

TIPP: Checken Sie kritisch welche Berechtigungen eine App einfordert. Eine gute Kinder-App verlangt im Idealfall keine oder nur die nötigsten Berechtigungen.

Unnötige Datenpreisgabe
In manchen Apps werden persönliche Daten erfragt. Ob das sinnvoll ist oder nicht, hängt vom Angebot ab. Ein sicherer Kindermessenger, der Eltern am Anmeldeprozess beteiligt, fragt z.B. viele Daten (Name, Alter) ab, um Sicherheit zu gewährleisten. Soll ein Kind in einer Spiele-App jedoch persönliche Angaben wie Name, Geburtsdatum oder Herkunftsland machen, ist das kritisch. In einigen Spielen wird zudem die Account-Erstellung oder Facebook-Anmeldung zum Speichern des aktuellen Spielstandes mit virtuellen Gütern belohnt. Der Spieler gibt somit sehr viele Daten von sich preis, die auch an Drittanbieter wie z.B. Facebook gelangen können.

Recherchen von jugendschutz.net zum Datensendeverhalten bei Apps zeigen: Viele Apps weisen einen kritischen Datentransfer zu zahlreichen Servern auf. Apps kontaktieren im Hintergrund Werbenetzwerke und Drittanbieter oder übertragen Tracking-IDs. Mit jeder Übermittlung einer Tracking-ID an einen Drittanbieter können Datensätze zusammengeführt und Nutzerverhalten nachvollzogen werden. Insbesondere wenn dieselbe Tracking-ID mehreren Anbietern bekannt ist und Daten ausgetauscht werden, können detaillierte Nutzerprofile erstellt werden.

TIPP: Wählen Sie Apps, die so wenig Daten wie möglich erfragen und entsprechende Einstellungsmöglichkeiten zur Privatsphäre bereitstellen.

Weiterführende Links

www.app-tipps.net (Empfehlungsdienst für gute und sichere Kinder-Apps)

www.datenbank-apps-fuer-kinder.de (App-Datenbank des Deutschen Jugendinstituts)

www.schau-hin.info (Elternratgeber für Familien)

www.surfen-ohne-risiko.net/mobil (Tipps für die sichere Einstellung mobiler Geräte)

Flyer „Smartphone und Tablet sicher in Kinderhand“ (pdf zum Download)

Testbericht „Pokémon Go, Minecraft & Co: So werden Kids mit Apps abge­zockt“ (Artikel als kostenpflichtiger Download)

Im Rahmen des durch BMFSFJ und BMJV geförderten Projekts „Monitoring und Bewertung von kindaffinen Apps hinsichtlich Jugend-, Daten- und Verbraucherschutzrisiken“ untersucht jugendschutz.net regelmäßig bei Kindern beliebte Apps und informiert Verbraucherinnen und Verbraucher über Jugend-, Daten- und Verbraucherschutzrisiken.

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