13. September 2017

Glücksspielsucht bei Jugendlichen

© Ravil Sayfullin/Shutterstock.com

Glücksspiele sind für Minderjährige verboten. Doch Lücken im System bieten Jugendlichen viele Möglichkeiten, trotzdem um Geld zu zocken. Wenn sich aus dem Spielspaß eine Sucht entwickelt, kann viel Geld und der Anschluss in der Schule verlorengehen. Doch warum sind Glücksspiele so attraktiv und wie können Einstiegsspiele schon Kinder anlocken?

Immer mehr jugendliche Problemspieler

Mehrere Studien aus den vergangenen Jahren zeigen, dass etwa 60 Prozent der deutschen Jugendlichen schon mindestens einmal an einem Glücksspiel teilgenommen haben, obwohl das verboten ist. Der Anteil vergleichsweise harmloser Spiele wie etwa Rubbellose ist dabei in den vergangenen zehn Jahren ungefähr gleich hoch geblieben. Doch immer mehr Jugendliche versuchen sich an Glücksspielen, die eine hohe Suchtgefahr bergen, wie Automaten oder Online-Poker. Etwa 1 bis 3 Prozent spielen so häufig um solch hohe Beträge, dass sie als Problemspieler gelten.

Bei Erwachsenen liegt der Wert bei 0,5 Prozent. „Das ist schon bemerkenswert, dass eine Gruppe, die eigentlich gar nicht um Geld spielen darf, überdurchschnittlich häufig ein riskantes Spielverhalten zeigt“, sagt Tobias Hayer, der als Psychologe an der Universität Bremen zu glücksspielbezogenen Problemen bei Jugendlichen forscht. „Viele probieren sich ja nur mal aus und tun in der Pubertät aus Prinzip vieles, was verboten ist. Doch manche entwickeln ein ernstes Glücksspielproblem.“ Der Fachbegriff dafür lautet pathologisches Spielen oder Gambling Disorder.

Symptome von Gambling Disorder

Das kann sich dann so äußern, dass die Jugendlichen nicht mehr in der Schule, sondern vor einem Spielautomaten sitzen und ihr Taschengeld verzocken. Auch die Ersparnisse können dabei draufgehen. Wenn sich eine Spielsucht entwickelt, tritt dahinter alles zurück. Freunde, Partys und Sport werden zur Nebensache. Die Jugendlichen leihen sich Geld von Freunden, manche beklauen sogar ihre Eltern oder stehlen in Geschäften, um mit dem Verkauf der Ware weiteres Geld zu haben, das sie verspielen können. Dabei sind sie stets angetrieben von der Zockerlogik, erklärt Hayer: „Wenn sie gewinnen, fühlen sie sich gut und wollen weiterspielen. Wenn sie verlieren, wollen sie das verlorene Geld wieder herausspielen.“

Welche Tricks die Branche anwenden, um Ihre Kinder ans Spielen zu gewöhnen, wann aus Spielen eine Spielsucht wird und wie Sie Ihren Kindern helfen können, erfahren Sie in verbraucherblick 09/2017.

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