Steuererklärung rückwirkend abgeben

Wir zeigen Ihnen, wann das geht


Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben? Zum Glück nicht immer. Denn wenn Sie sich doch für die Abgabe einer Einkommensteuererklärung entschieden haben, muss es noch nicht zu spät sein. Lesen Sie hier, wie und vor allem wann Sie Ihre Steuererklärung rückwirkend abgeben können. Denn Ihre Steuererstattung müssen Sie schließlich nicht verschenken.

Was zählt: freiwillig oder nicht?

Oft rechnet das Finanzamt damit, dass Sie eine Steuernachzahlung leisten müssen. Daher fordert das Amt Sie auf eine Steuererklärung abzugeben. Sind Sie nun aber Arbeitnehmer ohne sonstiges Einkommen, fordert das Finanzamt Sie nicht dazu auf eine Steuererklärung zu erstellen. Das liegt daran, dass Sie als Arbeitnehmer meistens eine Steuerrückerstattung bekommen. Das Finanzamt möchte Sie in diesem Fall nicht zwingen eine Erklärung abzugeben. Je nachdem, welcher Fall auf Sie zutrifft, gelten im Steuerrecht verschiedene Regeln. Diese erklären wir Ihnen in den nächsten Abschnitten. Sie möchten wissen, ob Sie eine Steuererklärung abgeben müssen? Lesen Sie hierzu unseren Beitrag zur Antragsveranlagung.

Fall 1: Freiwillige Abgabe

Das Finanzamt wird Sie nicht auffordern, eine Steuererstattung zu beantragen. Sie müssen daher selbst im Blick haben, bis wann Sie Ihre Steuererklärung abgeben können, um vom Fiskus Geld zurückzubekommen.

Faustregel: Um Ihre Steuererklärung rückwirkend abzugeben, haben Sie 4 Jahre Zeit! Danach sagt das Finanzamt rien ne va plus. Eine freiwillige Abgabe und Steuererstattung ist dann nicht mehr möglich.

Für 4 Jahre können Sie also Ihre Steuererklärung rückwirkend abgeben. Hierzu folgendes Beispiel:

Sie rechnen für 2016 mit einer Steuererstattung? Dann geben Sie Ihre Steuererklärung bis zum 31.12.2020 ab. Wenn Sie für 2019 eine Erstattung erwarten, dann können Sie die Steuererklärung bis zum 31.12.2023 abgeben.

Fall 2: Verpflichtung zur Abgabe

Das gilt zum Beispiel, weil Sie selbständig sind oder vermieten, Lohnersatzleistungen bezogen haben oder Steuerklasse 3 und 5 haben. Dann müssen Sie die Abgabefristen beachten: Wenn Sie ihre Steuererklärung selbst erstellen, müssen Sie diese bis zum 31.7. des Folgejahres abgeben. Für die Steuererklärung 2019 haben Sie also noch Zeit bis zum 31.7.2020. Wenn Sie ihre Steuererklärung von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein erstellen lassen, müssen Sie diese bis 28./29.2. des übernächsten Jahres abgeben. Ihre Steuererklärung 2019 muss in dem Fall also bis zum 28.2.2021 beim Finanzamt sein. Abgesehen davon kann das Finanzamt eine Steuererklärung allerdings auch bereits vorab anfordern.

Bei verspäteter Abgabe versteht das Finanzamt keinen Spaß. Es kann Sie dann mit Verspätungszuschlägen bestrafen – das sind monatlich mindestens 25 Euro. Verschenken Sie kein Geld und geben Sie rechtzeitig ab!

Aufgrund der zwingenden Abgabefristen erübrigt es sich ja grundsätzlich die Steuererklärung rückwirkend abzugeben. Sie müssten eigentlich abgeben, davon hat das Finanzamt bisher aber keinen Wind bekommen? Achtung: Das Finanzamt hat 7 Jahre Zeit und kann Sie auffordern, Ihre Steuererklärung rückwirkend abzugeben. Im Fall einer Steuerhinterziehung, kann das Finanzamt sogar 10 Jahre zurückgehen.

Sonderfall: Gesonderte Verlustfeststellung

Ihnen sind beispielsweise durch ein Studium Verluste entstanden? Dann haben Sie 7 Jahre Zeit sie dem Finanzamt mitzuteilen. Hat das Finanzamt Ihre Verluste festgestellt, können Sie sie mit künftigen Einkünften verrechnen und so in späteren Jahren Steuern sparen. Mehr zum Thema Verlustvortrag finden Sie in unserem Beitrag Studienkosten absetzen.

Muss ich meine Steuererklärung immer rückwirkend abgeben?

Nein. Die Steuererklärung rückwirkend abgeben müssen Sie nicht. Sie können Ihre Steuererklärung auch jährlich abgeben. Oder in einem anderen Rhythmus, z. B. alle zwei Jahre. Sie müssen nur die 4 Jahre im Auge behalten.

Steuererklärung rückwirkend abgeben: Verpassen Sie nicht die Frist!

Für eine freiwillige Steuererklärung haben Sie also 4 Jahre Zeit. Aber Achtung: Auf die Frist müssen Sie selbst achten, das Finanzamt erinnert Sie leider nicht daran. Haben Sie Verluste, die Ihre künftige Steuerlast mindern, können Sie diese sogar noch 7 Jahre rückwirkend erklären.

Im Übrigen können Sie jedes Jahr aufs Neue entscheiden, ob Sie eine freiwillige Steuererklärung abgeben oder nicht. Unabhängig davon, ob Sie im Vorjahr freiwillig eine Steuererklärung abgegeben haben.

Unser Tipp: Nutzen Sie doch einfach WISO steuer:Web. Damit ist Ihre Steuererklärung kinderleicht und im Handumdrehen erledigt.
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Steuerberatung?

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Übrigens: In unserer Steuer-Software finden Sie eine ausführliche Hilfe und Tipps zu allen Themen rund um Ihre Steuererklärung.

4 Kommentare

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  1. 1
    K. G.

    Guten Tag, müssen die Steuererklärungen in der richtigen Reihenfolge eingehen, damit alle Verlustvorträge richtig übernommen werden, solange ich noch kein versteuerbares Einkommen habe bzw. noch Vollzeit-Student bin?

    • 2
      Jochen Breunig

      Guten Tag K.G.,

      leider darf ich Sie aus rechtlichen Gründen steuerlich nicht beraten. In der Regel ist aber vorgesehen, dass die Steuererklärungen jahresweise abgegeben werden. Dies macht vorallem bei Verlustvorträgen Sinn. Denn diese “bauen” aufeinander auf und wirken sich beispielsweise in Folgejahren aus.

      Vielen Dank und Grüße
      Jochen Breunig
      Tax Specialist bei steuernsparen

  2. 3
    Hanns

    Ich würde gerne mehrere Steuerjahre rückwirkend einreichen, im Idealfall 2019, 2018, 2017 und 2016. Wenn ich es richtig verstanden habe, brauche ich bei der Desktop-Software für jedes Jahr eine Version. Ich habe gelesen, dass die älteren Versionen nicht mehr die aktuelle Elster-Schnittstelle unterstützen. Funktioniert das Mehrfache abgeben mit WISO-Web? Wie kann ich das am Besten mit WISO-Software erledigen?

    • 4
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      Leider kann ich Ihnen zur programmtechnischen Unterstützung keine Auskunft geben.
      Bei Fragen rund um unsere WISO Software wenden Sie sich am Besten an unser Kundencenter.
      Die Software-Experten stehen Ihnen zur Lösung Ihrer Frage gerne mit Rat und Tat zur Seite.

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann von steuernsparen

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