Studienfinanzierung des Kindes

Studienfinanzierung des Kindes

Ein Steuergestaltungsmodell


Studierende Kinder werden häufig noch von den Eltern unterstützt, damit der eigene Lebensunterhalt während des Studiums gedeckt werden kann. Der Normalfall ist dann: Die Eltern überweisen monatlich einen gewissen Obolus an das Kind. Davon bestreitet das Kind dann seinen Lebensunterhalt.

Monatlicher Betrag: Steuerlich unbefriedigend

Praktisch mag dies zwar die einfachste Variante sein, um das Kind zu unterstützen. Aus steuerlicher Sicht ist es jedoch definitiv nicht der beste Weg. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Einmal müssen die Unterstützungsleistungen an das Kind aus den bereits versteuerten Einkommen der Eltern geleistet werden. Eine steuerliche Berücksichtigung kann dabei allenfalls über den Ausbildungsfreibetrag für auswärtig untergebrachte, volljährige Kinder erfolgen. Tatsächlich können die Eltern hier jedoch nur einen Freibetrag in Höhe von 924 Euro je Kalenderjahr steuermindernd abziehen. Selbst bei sparsamen Kindern dürfte das kaum zum Bestreiten des Lebensunterhaltes reichen.

Neben dem Ausbildungsfreibetrag existiert noch ein Unterhaltsfreibetrag von 8.820 Euro. Hier ist Voraussetzung, dass die Eltern keinen Anspruch mehr auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge haben. Ein wirklicher Steuerspareffekt kann daher durch die Unterstützung eines studierenden Kindes nicht erreicht werden.

Besser: Ganze Einkommensquelle verlagern

Ganz anders sieht es aus, wenn die Eltern direkt eine ganze Einkunftsquelle (vorübergehend) auf das Kind verlagern. So könnte man dem Kind beispielsweise an einem Vermietungsobjekt einen zeitlich befristeten Zuwendungsnießbrauch gewähren.

Die Folge einer solchen Vorgehensweise: Zum einen wird der Unterhalt nicht mehr aus versteuerten Einkünften gezahlt, da direkt die ganzen Einkünfte dem Kind zur Verfügung gestellt werden. Zum anderen wird im Familienverbund unterm Strich auch Einkommensteuer gespart. Denn in aller Regel hat ein studierendes Kind noch keine oder nur geringfügige Einkünfte. Aufgrund der steuerlichen Progression wird somit nur eine geringe Einkommensteuer fällig.

Mit anderen Worten: Während die Eltern auf die Vermietungseinkünfte Steuern in Höhe ihres persönlichen Steuersatzes von gegebenenfalls 35, 40, 42 oder gar 45 Prozent zahlen, wird bei dem Kind mit Sicherheit nur ein wesentlich geringerer Steuersatz zu Buche schlagen. Je nach Höhe der Einkünfte könnten diese sogar komplett unter den Grundfreibetrag fallen. Folglich fiele bei dem  Kind überhaupt keine Einkommensteuer an.

Durch die zeitliche Befristung des Zuwendungsnießbrauchs ist gewährleistet, dass nach Abschluss des Studiums die Einkommensquelle wieder zurück zu den Eltern fällt. Da das Kind dann auch in aller Regel selbst ins Berufsleben eintritt, sind entsprechende Unterhaltszahlungen dann auch nicht mehr nötig.

Damoklesschwert: Gestaltungsmissbrauch

Aufgrund des erheblichen Steuerspareffektes, der mit der zuvor beschriebenen Vorgehensweise in einem praktischen Fall erzielt wurde, plädierte der Fiskus auf einen Missbrauch von rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten und wollte die Verlagerung der Einkommensquelle steuerlich nicht anerkennen. Mit dieser fiskalischen Auffassung scheiterte das Finanzamt jedoch bereits in erster Instanz beim Finanzgericht Baden-Württemberg.

Mit ihrem Urteil (Az: 11 K 2951/15) stellen die Richter nämlich klar, dass es Eltern freisteht, zu entscheiden, ob sie ihrem Kind zum Zwecke der Gewährung von Unterhalt Barmittel überlassen oder ob sie ihm (auch befristet) die Einkommensquelle selbst übertragen.

Unmissverständlich führen die Richter aus: Entscheiden sich die Eltern aus steuerlichen Gründen dafür, einen befristeten, unentgeltlichen Zuwendungsnießbrauch an einem vermieteten Grundstück zu bestellen? Dann führt allein dies nicht dazu, dass die zugrundeliegende rechtliche Gestaltung als unangemessen im Sinne des Gestaltungsmissbrauchs anzusehen wäre.

Die erstinstanzlichen Richter aus Baden-Württemberg segneten daher die Steuergestaltung zur Studienfinanzierung des Kindes ab. Besonders hervorzuheben dabei: Obwohl das Finanzgericht die Revision zum Bundesfinanzhof ausdrücklich zugelassen hat, hat das Finanzamt gekniffen und die erstinstanzliche Entscheidung rechtskräftig werden lassen.

Besonderer Clou

Wie sehr die Richter von der Zulässigkeit einer solchen Gestaltung überzeugt sind, zeigt sich weiterhin auch noch an einer Besonderheit des Urteilssachverhalts. Im Streitfall war das betroffene Grundstück nämlich von der Ehefrau als Eigentümerin an den Ehemann für dessen betriebliche Zwecke vermietet.

Ohne Verlagerung der Einkünfte auf das Kind erzielten die Eltern allenfalls einen gewerbesteuerlichen Vorteil. Steuerlich waren die Mietzahlung eher ein Nullsummengeschäft, da der Ehemann die Miete als Betriebsausgaben abzog, während die Ehefrau sie in der gemeinsamen Zusammenveranlagung wieder als Mieteinnahmen ansetzen musste.

Durch die Verlagerung der Mieteinkünfte auf das Kind besteuert der Fiskus nicht nur die Mieteinnahmen geringer. Auch der Vater kann weiterhin die Mietzahlung komplett als steuermindernde Betriebsausgabe absetzen.

Klar und deutlich sagten die Richter dazu, dass auch kein Gestaltungsmissbrauch darin erkannt werden kann, dass das betreffende Grundstück von der Ehefrau als Eigentümerin an den Ehemann für dessen betriebliche Zwecke vermietet wird. Sofern daher bei familienintern vermieteten Grundstücken schon ein solcher Steuerspareffekt problemlos realisiert werden kann, sollte dies ebenso problemlos auch für fremdvermietete Grundstücke gelten.

Kleiner Wermutstropfen

Bei einem unentgeltlichen Zuwendungsnießbrauch verlagern die Eltern nur die Einkünfteerzielung auf das Kind. Es wird dadurch weder zivilrechtlich noch wirtschaftlich Eigentümer der Immobilie. Somit geht die Abschreibung für die Dauer des Zuwendungsnießbrauches steuerlich verloren.

Die Abschreibungsberechtigung verbleibt insoweit beim Eigentümer, der sie jedoch mangels Einkünfteerzielung nicht steuerlich geltend machen kann. Insoweit ist im Einzelfall immer vorab zu prüfen, ob die Abschreibung verloren geht. Und falls ja, ob dieser Verlust durch den Steuerspareffekt der Gestaltung aufgefangen wird.

Insbesondere in Fällen, in dem jedoch Immobilien schon jahrzehntelang im Familienbesitz sind, wird der Verlust der Abschreibung zu verschmerzen sein. Entweder ist die Abschreibung schon entsprechend gering oder die Immobilie ist bereits vollständig abgeschrieben. Der Steuerspareffekt würde dann in solchen Fällen nur geringfügig (oder überhaupt nicht) geschmälert werden.

3 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    Angelika Beck

    Das gibt es nur in Deutschland! Ich zahle meinem Kind aus bereits versteuertem Einkommen einen monatlichen Betrag und darf nichts steuerlich geltend machen. Wäre ich reich und hätte ein Mietshaus, könnte ich die Mieteinnahmen meinem Kind zeitlich begrenzt zur Verfügung stellen. Das dürften nicht viele Eltern sein.

  2. 2
    Rainer Veith

    Was machen die Familien, die keine Zweitwohnung zur Vermietung haben? Oder gibt es nur für vermögende Familien die Möglichkeit Steuern zu sparen (was für unseren Staat typisch wäre)?

  3. 3
    Björn Spiering

    Das deutsche Steuerrecht ist mittlerweile eine Katastrophe. Ungerecht und undurchsichtig. Leider hat bisher keiner den Mut daran etwas zu ändern, weil einfach zu viele Menschen daran profitieren. Aber im Sinne der Bürger ist dies sicher nicht.

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