Haben Sie Kinder? Dann können Sie sicher bestätigen, dass der Nachwuchs ganz schön was kostet. Der deutsche Staat greift Familien mit steuerlichen Vergünstigungen ein wenig unter die Arme. Dazu zählen Kindergeld, Freibeträge und die steuerliche Anerkennung von Kosten rund um den Nachwuchs.

Wer erhält Kindergeld?

Das Kindergeld steht den Eltern zu. Die Familienkasse zahlt es unabhängig vom elterlichen Einkommen. Grundsätzlich steht die Förderung jeder in Deutschland lebenden Familie mit nicht volljährigen Kindern zu. Doch auch volljährige Kinder werden berücksichtigt – vorausgesetzt sie befinden sich in einer Ausbildung.

Wie hoch ist das Kindergeld?

Das Kindergeld wird jährlich etwas erhöht. In 2018 beträgt es monatlich:

  • für das erste und zweite Kind jeweils 194 Euro,
  • für das dritte und das vierte Kind jeweils 200 Euro und
  • für jedes weitere Kind 225 Euro.

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Was sind die Voraussetzungen für Kindergeld?

Voraussetzung für den Bezug von Kindergeld ist, dass der Elternteil

  • in Deutschland seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat. Zudem muss er die deutsche Staatsangehörigkeit oder die eines anderen Mitgliedstaates der EU bzw. des EWR oder der Schweiz besitzen oder als Staatsangehöriger eines Drittstaates (z.B. Türkei) bestimmte Bedingungen des Aufenthaltsrechts erfüllen oder im Ausland arbeitet und dort weder Kindergeld noch vergleichbare Leistungen bekommen kann oder
  • im Ausland wohnt, aber in Deutschland entweder unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist. Auch kann er Anspruch auf Kindergeld aufgrund eines zwischenstaatlichen Abkommens haben. Oder aber er übt als Arbeitnehmer in Deutschland eine Beschäftigung aus, deren Beitragspflicht der Bundesagentur für Arbeit unterliegt.

Wichtig: Um Kindergeld zu erhalten, müssen Sie einen Antrag bei der Familienkasse stellen. Dafür füllen Sie einen Antrag hier online aus und übermitteln diesen vorab verschlüsselt der Familienkasse. Daneben drucken Sie den Antrag aus, unterschreiben diesen und versenden diesen nochmals per Post an die Familienkasse.

Hinweis: Seit 2016 verlangt die Familienkasse beim Antrag Ihre Steueridentifikationsnummer und die Ihrer Kinder.

Wann wird ein Kind berücksichtigt?

Kindergeld wird für ein Kind bezahlt, das

  • in Deutschland seinen Wohnsitz hat oder sich hier gewöhnlich aufhält oder
  • in einem anderen Mitgliedstaat der EU oder EWR oder in der Schweiz lebt.

Volljährige Kinder werden nur unter bestimmten zusätzlichen Voraussetzungen berücksichtigt, z. B. wenn sie sich in Ausbildung befinden oder arbeitslos sind und bestimmte Altersgrenzen nicht übersteigen.

Wann gibt es kein Kindergeld mehr?

Der Anspruch auf Kindergeld endet mit Ablauf des Monats, in dem das Kind das 18. Lebensjahr vollendet. Hat ein Kind am 1. eines Monats seinen 18. Geburtstag, dann endet der Anspruch auf das Kindergeld bereits mit dem Vormonat.

Was ist der Kinderzuschlag zum Kindergeld?

Der Kinderzuschlag bietet Familien mit kleinem Einkommen eine finanzielle Unterstützung. Mit bis zu 170 Euro monatlich wird ein Kind unterstützt, längstens für 36 Monate.

Der Kinderzuschlag ist an folgende Voraussetzungen geknüpft:

  • Sie erhalten Kindergeld (oder eine vergleichbare Leistung) für das Kind.
  • Ihr Bruttoeinkommen beträgt mindestens 900 Euro (Elternpaare) oder 600 Euro (Alleinerziehende).
  • Ihr Bruttoeinkommen übersteigt nicht die Höchsteinkommensgrenze.
  • Zusammen mit dem Kinderzuschlag haben Sie so viel Einkommen, dass Sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld haben.

Den Antrag auf Kinderzuschlag stellen Sie bei der Familienkasse der Agentur für Arbeit, in dessen Bezirk Sie wohnen.

Kindergeld oder Kinderfreibetrag: Was ist der Unterschied?

Die Familienkasse zahlt das Kindergeld unabhängig vom Einkommen der Eltern. Eltern haben jedoch einen Rechtsanspruch darauf, dass ihr Einkommen in Höhe des Existenzminimums eines Kindes steuerfrei bleibt. Das Finanzamt prüft daher bei der Steuerveranlagung , ob diese erfüllt ist. Dazu zieht es die Freibeträge für Kinder heran, sofern Anspruch darauf besteht.

Die Freibeträge für Kinder, also den Kinderfreibetrag und den Erziehungsfreibetrag können Sie unter denselben Voraussetzungen wie das Kindergeld erhalten. Mit einem kleinen Unterschied: Während die Familienkasse das Kindergeld nur für Kinder mit einem Wohnort im Inland oder der EU/ EWR zahlt, gewährt das Finanzamt die Freibeträge auch für Kinder mit einem ausländischen Wohnsitz in einem Drittstaat (z.B. Türkei).

Automatische Günstigerprüfung

Was ist günstiger? Kindergeld oder Freibetrag? Hierüber müssen Sie sich absolut keine Gedanken machen, dies übernimmt das Finanzamt für Sie. Einen extra Antrag dafür brauchen Sie nicht zu stellen. Denn mit Abgabe Ihrer Steuererklärung vergleicht das Finanzamt für jedes Kind automatisch, ob der steuerliche Vorteil durch die Freibeträge für Kinder höher ist als das Kindergeld. Meist liegt dies bei Eltern mit höherem Einkommen vor.

Ist dies der Fall, werden bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens die Kinder- und Erziehungsfreibeträge berücksichtigt. Wegen dieser Günstigerprüfung müssen alle Eltern die Anlage Kind ausfüllen. Wie die Günstigerprüfung bei Ihnen ausgefallen ist? Das Ergebnis lesen Sie in den Erläuterungen am Ende Ihres Steuerbescheides.

Kindergeld bei mehreren Kindern

Haben Sie mehrere Kinder, beginnt die Prüfung mit dem ältesten Kind und kann bei jedem Kind anders ausfallen. Nicht möglich ist es, statt der Einzelprüfungen eine Gesamtprüfung für alle Kinder vorzunehmen, selbst wenn dies wegen der Fünftelregelung unterliegenden Einkünfte der Eltern günstiger wäre.

Kindergeld und Kinderfreibetrag werden immer nur alternativ gewährt. Wird ein Kinderfreibetrag angesetzt, ist daher die tarifliche Einkommensteuer um das Kindergeld zu erhöhen, was einer Rückzahlung des Kindergeldes an den Staat entspricht. Dies kommt aber nur in circa fünf Prozent der Haushalte aller Steuerzahler vor, die ein sehr hohes Einkommen haben.

Bei der Günstigerprüfung zählt der Kindergeldanspruch und nicht das tatsächlich gezahlte Kindergeld. Haben Sie Ihren Anspruch nicht geltend gemacht, wird das Finanzamt trotzdem das Kindergeld mit Ihrer Steuererstattung Steuererstattung verrechnen.

Sie sollten daher immer einen Antrag auf Kindergeld stellen, auch wenn Sie wissen, dass die Freibeträge günstiger sind.

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Wie hoch sind die Freibeträge?

Pro Jahr betragen die Freibeträge wie folgt:

KinderfreibetragErziehungsfreibetragSumme Jahresfreibeträge
4.788 Euro (voll)2.640 Euro (voll)7.428 Euro (voll)
2.394 Euro (halb)1.320 Euro (halb)3.714 Euro (halb)

Grundsätzlich erhält jeder Elternteil den halben Kinderfreibetrag in Höhe von 2.394 Euro und den halben Erziehungsfreibetrag in Höhe von 1.320 Euro.
Den vollen Kinder- und Erziehungsfreibetrag erhalten jedoch

  • Verwitwete ab dem Sterbemonat des anderen Elternteils oder
  • der Steuerpflichtige, wenn der andere Elternteil nicht unbeschränkt steuerpflichtig ist, oder
  • Steuerpflichtige, wenn der Wohnsitz des anderen Elternteils nicht ermittelt werden kann.

Für alle Freibeträge gilt das Kindergeld das Monatsprinzip. Heißt, diese werden für die Monate zeitanteilig gewährt, in denen die Voraussetzungen mindestens an einem Tag erfüllt waren.

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