Behindertenpauschbetrag

Behindertenpauschbetrag

Steuern sparen mit wenig(er) Aufwand


Menschen mit einer (körperlicher, geistiger, psychischer) Behinderung  haben im Alltag höhere Ausgaben für Medikamente, Betreuung und Therapien als Menschen ohne Behinderung. Deshalb dürfen Betroffene behinderungsbedingte (Mehr-)Kosten steuermindernd geltend machen. Entweder können sie die Kosten im Einzelnen nachweisen oder den jährlichen Behindertenpauschbetrag in Anspruch nehmen.

Der Behindertenpauschbetrag spart Steuern und senkt den Aufwand für behinderte Menschen bei ihrer jährlichen Steuererklärung. Denn sie dürfen jedes Jahr einen pauschalen Betrag für behinderungsbedingte  Ausgaben ansetzen. Das Besondere daran: Ob sie in Wirklichkeit niedrigere Kosten hatten, spielt keine Rolle. Sie setzen in Ihrer Einkommensteuererklärung die volle Pauschale an, ohne mühsam Belege sammeln und beim Finanzamt einreichen zu müssen. Lesen Sie, wie Sie diese Erleichterung nutzen können und was Sie dabei beachten müssen.

Wie hoch ist der Behindertenpauschbetrag?

Die Höhe des jährlichen Behindertenpauschbetrags hängt vom Grad der persönlichen Behinderung (GdB) ab, den ein ärztlicher Gutachter oder das Versorgungsamt festgestellt hat und sich aus dem Behindertenausweis ergibt.

Grad der Behinderung und Steuerfreibetrag

Grad der Behinderung (GdB) zwischen …Freibetrag (pro Jahr)
* Merkmal „Bl“ oder „hilflos“ ist im Schwerbehindertenausweis eingetragen
Stand: November 2019
25 und 30 Prozent 310 Euro
35 und 40 Prozent 430 Euro
45 und 50 Prozent 570 Euro
55 und 60 Prozent 720 Euro
65 und 70 Prozent 890 Euro
75 und 80 Prozent1.060 Euro
85 und 90 Prozent1.230 Euro
95 und 100 Prozent1.420 Euro
Blinde oder hilflose Behinderte*3.700 Euro
Achtung! Bei den Pauschbeträgen handelt es sich stets um Jahresbeträge, selbst dann, wenn die Behinderung nur einen Teil des Jahres bestanden hat. Es erfolgt keine monatliche Aufteilung. Ändert sich der Grad der Behinderung im Laufe des Jahres, profitieren Sie für das gesamte Jahr von dem höheren Pauschalbetrag.

Achtung, diese Besonderheiten gelten bei einem GdB unter 50

Für Menschen mit einem GdB unter 50 gilt allerdings eine Einschränkung: Sie können den steuerlichen Behindertenpauschbetrag nur nutzen, wenn eine der beiden folgenden Voraussetzungen zusätzlich erfüllt ist:

  • Sie haben aufgrund der Behinderung einen gesetzlichen Anspruch auf eine Rente, zum Beispiel eine Unfallrente, oder andere laufende Bezüge. Eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung zählt nicht dazu.
  • Die Behinderung hat zu einer dauernden Einbuße der körperlichen Beweglichkeit geführt oder ist durch eine typische Berufskrankheit entstanden.

Welche Kosten in der Behindertenpauschale enthalten sind

Allerdings gibt es einen Pferdefuß: Wenn Sie den Behindertenpauschbetrag ansetzen, sind die (gewöhnlichen) Kosten, die durch die Behinderung entstehen, abgegolten, zum Beispiel

    • Pflegekosten (ambulante Pflegekraft, Pflegedienst, Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflege)
    • Aufwendungen für Hilfe und Unterstützung bei den gewöhnlichen und wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens
    • Kosten für Stärkungsmittel und diätische Lebensmittel (Nahrungsergänzung)
    • Heimkosten (Pflege, Verpflegung und Unterkunft)
    • Kosten für Körperpflege und Hygieneartikel
    • Futter und Pflegekosten für einen Blindenhund
Achtung! Nutzen Sie den Behindertenpauschbetrag, können Sie auch die Kosten wegen (höherer) tatsächlicher Pflegeaufwendungen nicht (zusätzlich) absetzen. Wollen Sie diese steuermindernd nutzen, müssen Sie ebenfalls auf den Pauschbetrag verzichten und alle entstandenen Kosten als außergewöhnliche Belastung geltend machen.
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Was Sie zusätzlich zur Behindertenpauschale absetzen können

Wenn Sie den Pauschbetrag in Anspruch nehmen, dürfen Sie in Ihrer Steuererklärung nur noch bestimmte, tatsächlich angefallene Kosten zusätzlich geltend machen.

Folgende Aufwendungen können neben den Pauschbeträgen für behinderte Menschen als außergewöhnliche Belastung  (Achtung! Eigenanteil) berücksichtigt werden:

  • Operationskosten,
  • Kosten für Heilbehandlungen,
  • Arznei- und Arztkosten,
  • Kraftfahrzeugkosten (Fahrtkosten behinderter Menschen entweder Öffentlicher Nahverkehr oder Pkw 0,30 €/km),
  • Führerscheinkosten für ein schwer geh- und stehbehindertes Kind (BFH Urteil vom 26.3.1993, Az. III R 9/92),
  • Kosten für eine Heilkur (BFH vom 11.12.1987, Az. III R 95/85),
  • Schulgeld für den Privatschulbesuch des behinderten Kindes sowie
  • Kosten für die behindertengerechte Ausgestaltung des eigenen Wohnhauses.

Mehrere Behindertenpauschalen für Partner und Kinder

Der Behindertenpauschbetrag ist personenbezogen. Wenn Sie und Ihr Ehepartner beide behindert sind und bei der Steuererklärung zusammen veranlagt werden, dann stehen Ihnen beide Pauschalen zu. Bei getrennter Veranlagung nutzt jeder Partner seinen eigenen Pauschbetrag.

Behinderte Kinder haben ebenfalls Anspruch auf die Behindertenpauschale. Wenn Sie für Ihr behindertes Kind Kindergeld erhalten, lassen Sie dessen Pauschbetrag auf sich übertragen. Ohne eigene Einkünfte würde die Pauschale ansonsten wirkungslos verpuffen! Bei der Steuererklärung gibt es hierfür eigene Zeilen in der Anlage Kind. Diese Übertragung müssen Sie für jedes Jahr erneut ausfüllen

Behindertenpauschbetrag oder außergewöhnliche Belastungen?

Wie schon erklärt, können Sie wahlweise den Behindertenpauschbetrag nutzen (sehr einfach und unbürokratisch) oder Ihre tatsächlichen Kosten über die außergewöhnlichen Belastungen geltend machen (gewissenhaft alle Belege sammeln und einreichen). Welcher dieser Wege spart mehr Steuern? Da Sie bei den außergewöhnlichen Belastungen (agB) eine Selbstbeteiligung übernehmen müssen, lohnt sich dieser Weg in den meisten Fällen nur für Steuerjahre, in denen Sie diese beiden Voraussetzungen erfüllen:

  • Ihre behinderungsbedingten Ausgaben sind nennenswert höher als der Behindertenpauschbetrag und
  • Ihre sämtlichen außergewöhnlichen Belastungen sind nennenswert höher als Ihre Selbstbeteiligung plus Behindertenpauschbetrag.

Höhere behinderungsbedingte Ausgaben – was tun?

Wenn Ihre Ausgaben in einem Jahr höher waren als der Behindertenpauschbetrag, dürfen Sie wahlweise die tatsächlichen Kosten geltend machen. Nachteil: Ihre Ausgaben fallen dann unter die außergewöhnlichen Belastungen und Sie müssen die Eigenanteilshürde namens „zumutbare Belastung“ überschreiten, um im betreffenden Jahr eine Steuerersparnis zu erzielen. Außerdem müssen Sie in diesem Fall alle Ihre Ausgaben im Zusammenhang mit der Behinderung durch Belege und Rechnungen einzeln nachweisen.

Wird der Behindertenpauschbetrag regelmäßig erhöht?

Seit 1975 hat der Gesetzgeber den Behindertenpauschbetrag nicht mehr erhöht. Und das mit dem Segen des Bundesverfassungsgerichts. Die obersten deutschen Richter entschieden 2007, dass dieses Vorgehen verfassungskonform ist. Die Begründung: Es handele sich bei diesem Pauschbetrag „nur“ um eine Pauschale. Wer höhere Kosten habe, könne diese einzeln als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung geltend machen.

Wie Sie den Behindertenpauschbetrag beantragen

Wenn Sie die jährliche Pauschale steuermindernd in Anspruch nehmen wollen, tragen Sie Ihren eigenen Behindertenpauschbetrag im Mantelbogen Ihrer Einkommensteuererklärung in den Zeilen 61 bis 64 „Steuervergünstigungen für behinderte Menschen und Hinterbliebene“ ein. Als Nachweis fügen Sie eine Kopie Ihres Behindertenausweises, des Bescheids Ihrer Pflegekasse oder eine Bescheinigung des Versorgungsamts oder Sozialamts bei.

Hinweis Demnächst soll das Versorgungsamt, das eine bestehende Behinderung attestieren muss, den Grad der Behinderung des Steuerzahlers elektronisch an das zuständige Finanzamt übermitteln. Doch dies funktioniert oft noch nicht.

 

 

2 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    Evelyn Freidank

    Frage
    Stimmt folgende Notiz der Presse? Fahrtkosten für Privatfahrten bis zu 3000 Kilometer im Jahr bei einem Grad der Behinderung von mindestens 80% zusätzlich zum Behindertenpauschbetrag als weitere allgemeine außergewöhnliche Belastung.

    • 2
      Alexander Müller

      Hallo sehr geehrte Frau Freidank,

      die Information ist richtig. Die Einkommensteuer-Richtlinien sagen zu diesem Thema: Bei einem GdB von mindestens 80 oder GdB von mindestens 70 und Merkzeichen G können Fahrten, die durch die Behinderung veranlasst sind, steuerlich geltend gemacht werden. Aus Vereinfachungsgründen kann im Allgemeinen ein Aufwand für Fahrten bis zu 3.000 km im Jahr als angemessen angesehen werden. Man setzt diese Kosten (Achtung: ggf. will das Finanzamt eine Art Nachweis oder Begründung, in der Regel reicht aber der Nachweis der Behinderung) dann pauschal bei den außergewöhnlichen Belastungen mit 3.000km x 0,30€ = 900€ / Jahr an (ggf. monatliche Kürzung). Alternativ können auch die tatsächlichen Kosten nachgewiesen und angesetzt werden.

      Viele Grüße,
      Alexander Müller von der buhl:Redaktion

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