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Berliner Testament

Streit ums Erbe vermeiden


Streit um das Erbe – kommt in den besten Familien vor. Um ihn zu vermeiden, braucht es eine gute Planung. Klarheit kann hier das Berliner Testament schaffen. Damit können sich Ehepaare und eingetragene Lebenspartner als Alleinerben einsetzen. Die wichtigsten Fragen rund ums Berliner Testament beantworten wir Ihnen hier.

Kurz & knapp

  • Ehepaare und eingetragene Lebenspartner können sich mit dem ein Berliner Testament zum Alleinerben bestimmen
  • Der länger lebende Partner erbt zunächst das gesamte Vermögen
  • Bei großem Vermögen sind steuerliche Nachteile möglich

Was ist das Berliner Testament?

Berliner Testament Erklärung Infografik

Das Berliner Testament ist ein gemeinschaftliches Testament mit Ihrem Ehe- oder eingetragenem Lebenspartner. Darin bestimmen Sie, dass nach dem Tod des zuerst verstorbenen Ehepartners der Nachlass zunächst auf den hinterbliebenen Ehepartner übergeht. Mit dem Berliner Testament können sich Ehepaare und eingetragene Lebenspartner gegenseitig zum Alleinerben bestimmen.

Damit wird die gesetzliche Erbfolge unterbrochen und die Kinder gehen – zunächst – leer aus. Sie oder andere Angehörige erben erst, wenn auch der andere Elternteil verstorben ist. In der Rechtssprache werden sie deshalb als sogenannte Schlusserben bezeichnet.

Welche Vorteile hat ein Berliner Testament?

Das Berliner Testament ist dann sinnvoll, wenn für Sie Folgendes wichtig ist:

  •  Erbstreitigkeiten vermeiden  Durch die Bestimmung, dass der gesamte Nachlass auf den überlebenden Partner übergeht, gibt es keine Erbauseinandersetzung. So vermeiden Sie Streitigkeiten unter den Erbberechtigten.
  •  Finanzielle Absicherung des Hinterbliebenen  Mit dem Berliner Testament sichern Sie die Existenzgrundlage des verbliebenen Partners. Beispielsweise gehört das Eigenheim, in dem Sie gemeinsam leben, zur Erbmasse und müsste bei der Erbauseinandersetzung auf die Erben verteilt werden. Durch das Berliner Testament verbleibt das Haus oder die Wohnung zunächst beim überlebenden Ehe- bzw. eingetragenen Lebenspartner.

Voll- oder Vorerbe?

Die Erbfolge im Berliner Testament ist klar: Zuerst erbt der überlebende Ehepartner, dann die Kinder. Für diese Erbfolge haben Sie allerdings 2 Optionen.

  1. Einheitsprinzip
    Sie können den überlebenden Ehepartner als Vollerben bestimmen. Das bedeutet: Er erhält zunächst Ihr gesamtes Vermögen zur freien Verfügung. Mit seinem Tod geht dann das verbleibende Vermögen an die Schlusserben.
  2. Trennungsprinzip
    Der überlebende Ehepartner erhält den Teil, der später an die Schlusserben gehen soll, nur zur Verwahrung. Er wird sozusagen Vorerbe für die Kinder. Das bedeutet aber auch, dass er über den Teil des Vermögens nicht frei verfügen kann. Erst mit dessen Tod geht das Vorerbe des zuerst verstorbenen Ehepartners an die Kinder über.

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Wo ist der Unterschied zum Erbvertrag?

Das Berliner Testament ist allerdings nicht die einzige Möglichkeit, den letzten Willen gemeinsam mit Ihrem Ehepartner festzuhalten. Auch mit einem Erbvertrag lässt sich der gemeinsame Nachlass bestimmen. Es gibt aber einige Unterschiede zu beachten:

Gemeinschaftliches Testament – nur für offizielle Paare

Sie sind verheiratet oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft? Dann kommt das Berliner Testament grundsätzlich für Sie in Frage. Es ist eine spezielle Form des gemeinschaftlichen Testaments, das nur von Ehepartnern oder eingetragenen Lebenspartnern erstellt werden kann. Für nicht verheiratete Paare kommt das also nicht in Betracht.

Erbvertrag – auch für ledige Paare

Ein Erbvertrag hingegen ist auch möglich, wenn Sie mit der Person, mit der Sie das Testament zusammen aufsetzen möchten, nicht verpartnert oder verheiratet sind. Hier handelt es sich allerdings um einen Vertrag und nicht um ein Testament im klassischen Sinne.

Das bedeutet: Grundsätzlich wird diese Vereinbarung wie ein zivilrechtlicher Vertrag behandelt.

  • Deshalb kann ein Erbvertrag in der Regel nur durch eine gemeinsame Erklärung wieder aufgehoben werden.
  • Ein Widerruf des Erbvertrags durch nur einen Ehepartner ist also nicht möglich.
  • Allerdings können Sie den Erbvertrag – wie alle Verträge – unter bestimmten Voraussetzungen anfechten oder von ihm zurücktreten.

Wenn ein einseitiger Widerruf nicht möglich ist, können Sie stattdessen einfach ein anderslautendes Testament aufsetzen? Das kann im Zweifel unwirksam sein. Und zwar dann, wenn der Testamentsinhalt für den im Erbvertrag begünstigten Ehepartner nachteilig auswirkt. Möchten Sie also bei der Erbeinsetzung flexibel bleiben, empfiehlt es sich, von vornherein ein Testament statt Erbvertrag aufzusetzen.

Info Icon GrafikFür die Erstellung eines Erbvertrags müssen Sie immer einen Notar mit ins Boot holen, der den Vertrag im Anschluss auch verwahrt. Alternativ ist auch eine amtliche Verwahrung möglich.

Welche Nachteile hat das Berliner Testament?

Bei der Frage nach der Testamentsgestaltung spielt nicht immer nur die Erbfolge eine wichtige Rolle. Vor allem bei größeren Vermögenswerten kann das Berliner Testament steuerliche Nachteile bringen.

Wer muss was versteuern?

Kurz gesagt: Nur der, der tatsächlich das Erbe bekommt, muss es auch versteuern. Geht das Erbe zunächst vollumfänglich an den überlebenden Ehepartner, so muss dieser Steuern auf das Erbe zahlen. Die Kinder müssen sich zu diesem Zeitpunkt nicht um die Steuer kümmern – denn sie haben ja noch nicht geerbt. Für sie fällt die Steuer erst mit dem Erbe des letztsterbenden Erblassers an.

Steuerklasse der Schlusserben

Die Steuerklasse bei der Erbschaftssteuer richtet sich nach dem verwandtschaftlichen Verhältnis, in dem Erblasser und Erben zueinanderstehen. Von der Steuerklasse hängen der persönliche Freibetrag sowie der Steuersatz ab, der für das erhaltene Erbe gilt.

SteuerklasseVerwandtschaftsgradFreibetrag
IEhepaare, Lebenspartner

Kinder, Enkelkinder (deren Eltern verstorben sind), Stief- und Adoptivkinder

Enkelkinder

(Groß)Eltern, Urenkelkinder
500.000 Euro

400.000 Euro

200.000 Euro

100.000 Euro
IIGeschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder20.000 Euro
IIINicht verwandte Personen20.000 Euro
Wert des steuerpflichtigen Vermögens Steuersatz in der Steuerklasse I (%)Steuersatz in der Steuerklasse II (%)Steuersatz in der Steuerklasse III (%)
bis 75.000 Euro71530
bis 300.000 Euro112030
bis 600.000 Euro152530
bis 6.000.000 Euro193030
bis 13.000.000 Euro233550
bis 26.000.000 Euro274050
über 26.000.000 Euro304350

Beim Berliner Testament erben die Kinder als Schlusserben immer vom zuletzt verstorbenen Ehepartner. Das heißt: Der persönliche Freibetrag richtet sich nach dem Verwandtschaftsgrad mit dieser Person. Sind die Kinder als Schlusserben eingesetzt, gilt für jedes Kind ein Freibetrag von 400.000 Euro. Nachteilig könnte es sich aber auswirken, wenn keine Kinder als Schlusserben eingesetzt sind, sondern beispielsweise Geschwister.

Für diese Fälle, in denen die Erblasser zu den Erben nicht im gleichen Verwandtschaftsverhältnis stehen, sieht das Erbschaftsteuergesetz vor:Unter bestimmten Voraussetzungen kann für die Steuerklasse das Verhältnis zum zuerst verstorbenen Ehepartner zugrunde gelegt werden.

Steuerliche Nachteile

Neben Vorteilen hat das Berliner Testament auch Nachteile, die vor allem aus steuerlicher Sicht bei großen Vermögenswerten ins Gewicht fallen.

Dazu vergleichen wir zwei Fälle eines Ehepaares mit 2 Kindern in stark vereinfachter Form.

Kein Berliner Testament

Ohne das Berliner Testament erben die Kinder jeweils mit dem Tod eines Ehepartners. Dabei kommt in jedem Erbfall der persönliche Freibetrag der Erben im Verhältnis zum Erblasser zum Tragen. Der Freibetrag für das Erbe an die eignen Kinder beträgt 400.000 Euro pro Kind.

Das bedeutet: Sowohl im ersten als auch im zweiten Erbfall mindert dieser Freibetrag das steuerpflichtige Erbe. Dadurch bleiben pro Kind 800.000 Euro (400.000 Euro pro Erbfall) steuerfrei.

Mit Berliner Testament

Mit dem Berliner Testament geht zunächst das gesamte Erbe auf den überlebenden Ehepartner über. Die Kinder sind für dieses Erbe enterbt. Das heißt: Auch der Freibetrag entfällt. Mit dem Tod des überlebenden Ehepartners fällt dann das gesamte Erbe an.

Für diesen Erbfall kommt der persönliche Freibetrag zum Tragen. Für das Erbe an die Kinder kann bei jedem Kind nur ein Freibetrag von 400.000 Euro abgezogen werden. Damit fällt im Vergleich zum Fall ohne Testament auf das Erbe wesentlich mehr Steuer an.

Freibetragsvermächtnis mildert Nachteile ab

Es gibt einige Möglichkeiten, die steuerlichen Nachteile des Berliner Testaments abzumildern. Eine dieser Optionen bietet das Berliner Testament mit Freibetragsvermächtnis. Ziel dabei ist es, dass Ihre Kinder als Erben ihr volles Freibetragspotenzial ausschöpfen können. Dafür setzen Sie bereits beim ersten Erbfall ein Vermächtnis aus, das der überlebende Ehepartner gewährt.

Damit das Vermächtnis beim überlebenden Ehepartner nicht sofort finanziell zu Buche schlägt, kann es auch mit einem späteren Fälligkeitstermin (zum Beispiel 5 Jahre nach dem Erbfall) ausbezahlt werden.

Info GlühbirneWird das Vermächtnis um mehr als 1 Jahr nach dem Erbfall hinausgeschoben oder in Raten gezahlt, muss eine Abzinsung erfolgen. Als steuerpflichtiges Erbe gilt also der abgezinste Betrag des Vermächtnisses. Umgekehrt ist eine per Testament angeordnete Verzinsung des Vermächtnisses beim Erben als Kapitalertrag steuerpflichtig (BFH VIII R 40/13).

Der überlebende Ehepartner kann bei der Erbschaftssteuer das Vermächtnis als Nachlassverbindlichkeit von dem geerbeten Vermögen abziehen. Damit verringert sich seine Steuerbelastung. Gleichzeitig können die Kindern (Vermächtnisempfänger) für das erhaltene Vermächtnis den Freibetrag im Verhältnis zum erststerbenden Ehepartner voll ausnutzen.

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Wie setze ich das Berliner Testament auf?

Sie möchten mit Ihrem Ehepartner zusammen das Berliner Testament aufsetzen? Dann müssen Sie dafür nicht zwangsläufig einen Notar hinzuziehen. Sie können es auch eigenständig erstellen. Wichtig ist, dass Sie im Testament ausdrücklich die Erbfolge bestimmen.

So können Sie beispielweise folgenden Satz einbringen: „Wir setzen uns gegenseitig als Alleinerben ein. Nachdem wir beide verstorben sind, sollen unsere Kinder zu gleichen Teilen erben.“

Achtung Steuer Hinweis IconWichtig ist, dass Sie es  handschriftlich aufsetzen. Ein digital erstelltes Testament ist nicht wirksam – auch wenn es dann handschriftlich unterschrieben ist. Es reicht, wenn ein Partner das Testament schreibt und der andere lediglich unterschreibt. Nummerieren Sie die Seiten und geben Sie Ort und Datum der Unterschrift an.

Rechtssicherheit mit dem Notar

Damit Sie allerdings auf der sicheren Seite sind und auch wirklich nichts schief gehen kann, empfehlen wir Ihnen trotzdem, einen Notar zu beauftragen. Dieser setzt Ihr gemeinschaftliches Testament auf und lässt es amtlich verwahren. Man nennt das auch „öffentliches Testament“.

Wie viel kostet das Berliner Testament beim Notar?

Wie viel Sie für das Aufsetzen eines Berliner Testament zahlen müssen, richtet sich nach dem Wert Ihres voraussichtlichen Vermögens. Bei der Festlegung der Kosten muss sich der Notar an das Gerichts- und Notarkostengesetz halten. Für einen Nachlass im Wert von 20.000 Euro fallen beispielsweise 230 Euro an (Stand: 2020).

Zudem müssen Sie Gebühren für die Hinterlegung des Testaments beim Amtsgericht zahlen.

Kann ich das Berliner Testament widerrufen?

Sofern beide Ehepartner noch leben: ja. Das Berliner Testament kann jeder jederzeit widerrufen werden.

  • Haben Sie das Berliner Testament mit der Unterstützung eines Notars aufsetzen lassen, muss der Widerruf allerdings ebenfalls notariell erfolgen.
  • Der Widerruf muss gegenüber dem anderen Ehepartner erklärt werden.
  • Sobald einer von Ihnen das Berliner Testaments widerruft, wird das gesamte Testament unwirksam.

Ist einer der Ehepartner bereits verstorben, kann der überlebende Partner das Testament nicht mehr widerrufen.

Aber: Sie können bereits im Testament eine sogenannte Freistellungklausel festhalten. Diese besagt dann, dass der überlebende Ehepartner seine Verfügungen widerrufen oder auch ändern kann.

Was passiert, wenn ein Kind seinen Pflichtteil fordert?

Mit dem Berliner Testament setzen Sie sich als Ehepartner gegenseitig zu Alleinerben ein. Das bedeutet für die Kinder, dass sie zunächst enterbt sind. Trotzdem haben sie das Recht, ihren (halben) Pflichtteil zu fordern.

Verzichten Ihre Kinder nicht auf diesen Pflichtteil, muss der überlebende Ehepartner ihn aus dem erhaltenen Erbe bezahlen. Das kann für ihn finanzielle Schwierigkeiten bedeuten. Um zu vermeiden, dass die Kinder ihren Pflichtteil bereits bei Tod des zuerst sterbenden Ehepartners fordern, können Sie im Berliner Testament bestimmte Formulierungen verwenden – die Pflichtteilsstrafklauseln.

Pflichtteilsstrafklausel

Die Pflichtteilsstrafklausel soll erbberechtigte Kinder davon abhalten, bereits beim Tod des erststerbenden Ehepartners ihren Pflichtteil zu fordern. Der Inhalt dieser Klausel ist: “Fordert ein Kind bei Tod des erststerbenden Ehepartners bereits seinen Pflichtteil, so erhält es auch beim Tod des überlebenden Ehepartners nur den Pflichtteil.”

Info Glühbirne

Die Klausel ist allerdings nur dann zielführend, wenn das Erbe, welches das Kind als Schlusserbe erhalten würde, tatsächlich höher ist als sein Pflichtteilsanspruch. Nachteilig kann es nämlich dadurch sein, dass das fordernde Kind im Grunde doppelt am Erbe profitiert:

      • Zunächst erhält es nämlich den Pflichtteil auf das Erbe des zuerst sterbenden Ehepartners.
      • Dessen Erbe wird allerdings im zweiten Schritt zum Vermögen des noch lebenden Ehepartners.
      • Behält der hinterbliebene Ehepartner das Erbe des verstorbenen Partners, kann es also später zu seinem eigenen Nachlass werden.
      • Mit dem Tod des zweiten Ehepartners kann es passieren, dass für dasselbe Erbe nochmals der Pflichtteil ausbezahlt wird. Damit kann der Pflichtteil insgesamt sogar höher ausfallen als der gesetzliche Erbteil.

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Beispiel

Die Eheleute EM und EF haben sich gegenseitig zu Alleinerben eingesetzt (Berliner Testament). Ihre zwei Kinder K1 und K2 sind folglich die Schlusserben. In ihrem Testament haben EM und EF eine Pflichtteilsstrafklausel formuliert. EF verstirbt zuerst und hinterlässt ein Vermögen von 400.000 Euro. Nach dem Tod von EF fordert K1 den Pflichtteil. Diesen zahlt EM sofort aus. Ein paar Monate später verstirbt auch EM. Bei seinem Tod hat EM neben dem Nachlass der EF kein eigenes Vermögen mehr. Vom Nachlass der EF sind (inkl. Pflichtteilauszahlung K1) noch 150.000 Euro übrig.

Berechnung Pflichtteilanspruch K1 nach Tod von EF:

Der gesetzliche Erbteil von K1 beträgt ¼, wovon K1 als Pflichtteil die Hälfte – also 1/8 – erhält.
1/8 von 400.000 Euro = 50.000 Euro

Die andere Hälfte des Pflichtteils fällt mit dem Tod des EM an.

Berechnung Pflichtteilsanspruch K1 nach Tod von EM:

Der gesetzliche Erbteil von K1 beträgt nun ½, wovon K1 als Pflichtteil die Hälfte – also ¼ – erhält.
¼ von 150.000 Euro = 37.500 Euro

Insgesamt erhält K1 durch die Pflichtteilsansprüche also 87.500 Euro (50.000 Euro Pflichtteil EF + 35.000 Euro Pflichtteil EM).
K2 hingegen erhält seinen gesetzlichen Erbteil – also ½ vom Nachlass des EM.
½ von 150.000 Euro = 75.000 Euro

In diesem Szenario bewirkt die Pflichtteilstrafklausel also entgegen der Absicht der Erblasser, dass das Kind, das den Pflichtteil fordert, besser gestellt ist, als mit dem gesetzlichen Erbteil.

Jastrowsche Klausel

Eine stärkere Variante der Pflichtteilsstrafklausel ist die Jastrowsche Klausel. Damit verringert sich der Pflichtteilsanspruch eines Kindes , sollte es diesen bereits bei Tod des erststerbenden Ehepartners fordern.

Das pflichtteil-fordernde Kind und seine Nachfahren werden mit der Jastrowschen Klausel von der Erbfolge des länger lebenden Ehepartners ausgeschlossen. Für den Fall, dass Sie mehrere Kinder haben, die ihren Pflichtteil nicht gefordert haben, wird ein weiterer Teil eingebaut: Die anderen erbberechtigten Kinder erhalten im Erbfall nicht ihren Pflichtteil, sondern ein Vermächtnis in der Höhe des gesetzlichen Erbteils.

Info Glühbirne

Was ist ein Vermächtnis?

Mit einem Vermächtnis kann eine Person begünstigt werden, die nicht Erbe sein soll. Das Vermächtnis stellt für den Erben eine Verbindlichkeit dar. Von der Erbmasse, die an die Erben geht, wird diese Verbindlichkeit abgezogen. Damit verringert sich auch die Berechnungsgrundlage für den Pflichtteilsanspruch.

Mit der Jastrowschen Klausel passiert also in dem Moment, in dem ein Kind beim Tod des erststerbenden Ehepartners seinen Pflichtteil fordert, Folgendes:

  • Das fordernde Kind und seine Nachfahren werden aus der Erbfolge des länger lebenden Ehepartners ausgeschlossen.
  • Der gesetzliche Erbteil der Kinder, die ihren Pflichtteil nicht fordern, verwandelt sich in ein Vermächtnis in gleicher Höhe, welches mit Tod des zuletzt sterbenden Ehepartners ausbezahlt wird.
  • Das Vermächtnis reduziert die Erbmasse.
  • Der Pflichtteilsanspruch des fordernden Kindes verringert sich.

Was passiert bei einer Scheidung?

Ein gemeinschaftliches Testament wie das Berliner Testament können Sie nur zusammen mit Ihrem Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner erstellen. Was passiert jedoch mit dem Testament, wenn Sie sich scheiden lassen? Immerhin verschwindet so die Voraussetzung für das Berliner Testament.

Testament vernichten

Das Berliner Testament verliert im Scheidungsfall grundsätzlich seine Wirksamkeit. Bewahren Sie das Testament bei sich zu Hause auf, sollten Sie es trotzdem aus der Welt schaffen. Falls das Testament amtlich verwahrt wird, können Sie es vom Amtsgericht zurückfordern und danach vernichten.

Im Vorfeld handeln

Sind im Berliner Testament auch Kinder in der Erbfolge berücksichtigt, kann im Zweifel unklar sein, ob das Testament nach der Scheidung wirklich nicht mehr gültig sein soll. Deshalb gilt es, bereits im Vorfeld Klarheit zu schaffen — auch wenn Sie bei der Erstellung des Testaments nicht an eine Scheidung denken möchten.

So können Sie beispielsweise schon ins Testament die Formulierung mit aufnehmen, dass es im Scheidungsfall nicht mehr gültig sein soll. Damit gehen Sie erst gar kein Risiko ein, dass der Ex-Partner versucht, trotz Unwirksamkeit Ansprüche geltend zu machen.

Was passiert bei erneuter Heirat des überlebenden Partners?

Wenn Sie mit Ihrem Partner gemeinsame Kinder haben, möchten Sie sicherstellen, dass diese auch was von Ihrem vererbten Vermögen haben. Heiratet der überlebende Partner nach dem Tod des zuerst sterbenden Partners neu, kann es sein, dass es auch in dieser Ehe erbberechtigte Kinder gibt.

Mit dessen Tod kommen als Schlusserben also nicht nur die Kinder der ersten Ehe, sondern auch die Kinder der zweiten Ehe und der neue Ehepartner ins Spiel. Das ist nicht immer gewollt. Deshalb können Sie im Berliner Testament die Wiederverheiratungsklausel einbauen.

Wiederverheiratungsklausel

Es gibt viele mögliche Formulierungen für eine Wiederverheiratungsklausel. Eine Möglichkeit ist, im Berliner Testament festzuhalten, dass der Nachlass bereits bei erneuter Heirat des überlebenden Ehepartners an die Kinder als Schlusserben übergehen soll.

Anfechtung des Berliner Testaments

Nicht immer wird der Fall der erneuten Heirat bereits im Testament bedacht. Deshalb hat der überlebende Ehepartner die Möglichkeit, das gemeinschaftliche Testament anzufechten. Das geht innerhalb eines Jahres nach seiner erneuten Heirat. Zur Folge hat die Anfechtung, dass ab dem Tod des zuerst verstorbenen Ehepartners die gesetzliche Erbfolge anstelle des Berliner Testaments tritt.

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14 Kommentare

Kommentar hinterlassen
  1. 1
    Angelika C.

    Guten Tag, kann ein Stievkind vom letztlebenden Ehepartner = Stievvater sein Pflichtteil fordern nachdem die leibeigene Mutter verstarb?
    Ich gehe davon aus, dass das Stievkind keinen Anspruch hat? Es hat auch Jahrzehnte nicht in der Familiengemeinschaft gelebt.

  2. 2
    Frase

    Hallo und erstmal vielen Dank für diese umfassenden Informationen.
    Wie sieht es mit dem Berliner Testament aus, wenn ein Ehepaar keine gemeinsamen Kinder hat, jeder aber aus erster Ehe zwei Kinder mitgebracht hat?

  3. 3
    Henke

    Ganz kurz ich habe mich von meiner Frau Scheiden 2000 in Trennung gelebt in dieser Zeit Stirbt der Vater meiner Frau und hinterlässt ein Berliner Testament (Haus mit Grundstück)
    2020 Stirbt die Stiefmutter meiner Frau und Sie Erbt alles und verkauft. Wie verhält sich das mit der Zugewinngemeinschaft in der Ehe? Meine Rentenpunkte 1/2 und Ehegatten unterhalt habe ich gezahlt. Was ist mit der Erbschaft meiner Frau deren Vater ja in unserer Ehe gestorben war und das Erbe jetzt zur Auszahlung kommt?

    • 4
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      leider darf ich Ihnen zu steuerlichen Fragen zu Ihrem privaten Fall aus rechtlichen Gründen keine Antwort geben. Dies ist nur bestimmten Berufsgruppen wie u.a. Steuerberatern oder Lohnsteuerhilfevereinen erlaubt.
      Ich bitte deshalb um Ihr Verständnis.

      Viele Grüße
      Carina Hagemann von Steuern-Sparen

  4. 5
    Maria De Salve

    Guten Tag,
    Sie schreiben „ Für die Erstellung eines Erbvertrags müssen Sie immer einen Notar mit ins Boot holen, der den Vertrag im Anschluss auch verwahrt. Alternativ ist auch eine amtliche Verwahrung möglich.“ Durch Zufall habe ich bei meinen Eltern dieses Dokument ( Erbvertrag -durch den Noter unterschrieben) gesehen. Eigendlich sollte dich dieses original Dokument beim Notar verwahrt werden müssen? Oder bedeutet das, dass meine Eltern diesen Erbvertrag annulliert haben und es so zu meinen Eltern per Post verschickt worden ist? Meine Eltern möchte ich nicht darauf ansprechen weil in diesem Dokument steht, das mein mein Bruder Alleinerbe werden soll.

    • 6
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      ich bitte um Ihr Verständnis, dass ich Ihnen zu privaten Fallfragen aus rechtlichen Gründen keine Auskunft geben darf.
      Bei rechtlichen Fragen wenden Sie sich deshalb am besten an eine sachkundige Rechtsberatung.

      Viele Grüße
      Carina Hagemann von Steuern-Sparen

  5. 7
    Guenther

    Beim Freibetragsvermächtnis im Berliner Testament bestimmt der überlebende Ehepartner das Vermächtnis z.B. an das Kind. Was ist in diesem Fall aber, wenn der überlebende Ehepartner keine Chance mehr hat, das Vermächtnis festzulegen? Z.B. wenn bei einem Verkehrsunfall der eine Ehepartner im Fahrzeug und der andere Ehepartner einen Tag später im Krankenhaus verstirbt? Gilt dann für das Kind wieder als Schlusserbe, dass er nur einmal 400.000 EUR Freibetrag hat?

    • 8
      Jochen Breunig

      Guten Tag Guenther,

      leider darf ich Sie aus rechtlichen Gründen steuerlich nicht beraten. Weitere Informationen zu den Steuerklassen und -freibeträgen sowie zur steuerlichen Beratung finden Sie in den Informationen und Erläuterungen zum Erbrecht des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz unter „Müssen Sie Erbschaftsteuer zahlen?“.

      Vielen Dank und Grüße
      Jochen Breunig
      Tax Specialist bei steuernsparen

  6. 9
    Sonja

    Ein Ehepaar hat keine Kinder. Ein Testament gibt es auch nicht. Sollte ein Ehepartner sterben, erben die Geschwister des Verstorbenen auch einen Teil des Vermögens?

    • 10
      Carina Hagemann

      Guten Tag,
      gibt es kein Testament oder Erbvertrag, so tritt die gesetzliche Erbfolge ein. Das gesetz sieht folgende Rangfolge vor (jeweils aus Sicht des Verstorbenen):
      Erben 1. Ordnung: Kinder und Enkelkinder
      Erben 2. Ordnung: (geschiedene) Eltern, Geschwister, Nichten bzw. Neffen
      Erben 3. Ordnung: Großeltern, Onkel bzw. Tanten, Cousins bzw. Cousinen

      Das bedeutet: Sind keine Erben 1. Ordnung vorhanden, so geht das Erbe an die Erben 2. Ordnung usw.

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann von steuernsparen

  7. 11
    Tobias Müller

    Meine Großeltern schreiben auch gerade ihr Testament. Meine Oma möchte auch ein Berliner Testament einrichten, als Absicherung nachdem einer der beiden verstirbt. Es ist schon interessant, dass das Berliner Testament das meist verbreitete Testament in Deutschland ist.

  8. 12
    Uwe

    Meine Großeltern planen derzeit die Zeit nach ihrem Ableben. Darunter gehört eben die Errichtung eines Testaments. Wir waren der Meinung, dass die Zinserträge des Vermächtnisses steuerfrei seien. Doch Dank Ihres Artikels sind wir nun schlauer, dass dem nicht so ist.

  9. 13
    Maria

    5% ZInsen für Geldeinlagen ist für Otto N. in heutiger Zeit ein utopischer Betrag. Es ist tatsächlich kein Geld geflossen, der Zinsertrag auch nicht erwirtschaftet worden. Wieso soll dieses fiktive Einkommen verteuert werden?

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