Stundung

Wie beantrage ich einen Zahlungsaufschub?


Der Steuer-Albtraum: Der lang ersehnte Steuerbescheid ist endlich da, doch das Ergebnis ist mehr als ernüchternd. Statt einer Erstattung ist eine saftige Nachzahlung fällig – das Geld dafür ist aber nicht da. Zum Glück gibt es zumindest ein kleines Trostpflaster: die Stundung. Wenn Sie sich bei Ihrem Steuerbescheid also fragen „Wie soll ich das denn bezahlen?!“, sind Sie hier genau richtig.

Stundung der Steuern – Was sind die Voraussetzungen?

Antrag Stellen und später zahlen? Ganz so einfach ist das leider nicht. Denn damit eine Steuerstundung genehmigt wird, müssen auch einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die pünktliche Zahlung der Steuer muss für Sie eine erhebliche Härte sein. Das kann sich aus sachlichen oder persönlichen Gründen ergeben.

Wann liegen sachliche Gründe vor?

Sachliche Gründe liegen dann vor, wenn Sie Steuern an das Finanzamt zahlen müssen, aber auch eine Steuer-Erstattung erwarten. Dabei handelt es sich dann um eine Verrechnungsstundung.

Beispiel:
Sie haben Ihre Einkommensteuererklärung 2018 und 2019 gleichzeitig abgegeben. Für 2018 müssen Sie 1.000 Euro nachzahlen, für 2019 bekommen Sie aber 1.200 Euro erstattet. Den Bescheid für 2018 bekommen Sie einige Zeit vor dem 2019er Bescheid. Jetzt müssten Sie zunächst die 1.000 Euro an das Finanzamt zahlen und würden einige Zeit später erst die Erstattung von 1.200 Euro erhalten. In diesem Fall können Sie mit einem Hinweis auf die zu erwartende Erstattung die Stundung der Nachzahlung beantragen.

Was sind persönliche Gründe?

Dazu zählen zum Beispiel wirtschaftliche Gründe. Etwa wenn Sie keine finanziellen Mittel haben, um die Steuern rechtzeitig zu zahlen und keinen Kredit aufnehmen können. Für eine Stundung aus persönlichen Gründen muss man allerdings bedürftig und würdig sein:

Was ist die Stundungsbedürftigkeit?

Steuern können nicht einfach willkürlich von jedem später gezahlt werden. Damit das Finanzamt den Zahlungsaufschub genehmigt, muss eine Stundungsbedürftigkeit vorliegen. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Zahlung der Steuerschuld zu ernsthaften finanziellen Schwierigkeit führen würde. Möchten Sie eine Stundung beantragen, müssen Sie Ihre Gründe dem Finanzamt auch nachweisen können.

Nachweisen können Sie das beispielsweise durch:

  • eine Bestätigung der Bank, dass Sie keinen Kredit erhalten.
  • eine Übersicht Ihrer aktuellen finanziellen Situation.
  • eine Aufstellung Ihres Vermögens.

Was ist die Stundungswürdigkeit?

Stellen Sie einen Antrag auf Stundung, prüft das Finanzamt auch Ihre Stundungswürdigkeit. Der Finanzbeamte achtet dabei vor allem darauf, ob Sie in der Vergangenheit zuverlässig Ihre Steuern gezahlt haben. Er prüft aber auch, ob Sie Ihre finanzielle Notlage selbst verschuldet haben. Ist das der Fall, wird er Ihren Antrag höchstwahrscheinlich ablehnen.

Hat das Finanzamt festgestellt, dass sowohl eine Stundungsbedürftigkeit als auch -würdigkeit gegeben ist, haben Sie gute Chancen auf eine Zusage. Es ist aber auch möglich, dass das Finanzamt auf Nummer sicher gehen will – es kann beispielsweise eine Sicherungshypothek von Ihnen verlangen.

Wie stelle ich einen Antrag auf Stundung?

Den Antrag müssen Sie bei Ihrem Finanzamt stellen und auch mitteilen, in welchen Raten Sie die Steuern zahlen können. Wichtig ist dabei, dass Sie nicht zu lange warten – denn er muss vor Ablauf Ihrer Zahlungsfrist eingehen. Wird er nach der Frist eingereicht, können Säumnisgebühren anfallen.

Ist Ihr Antrag eingegangen, prüft das Finanzamt Ihren Fall und entscheidet, ob ihr Antrag genehmigt wird. Ist die Entscheidung positiv, erhalten Sie einen Stundungsbescheid mit allen Einzelheiten zur Rückzahlung. Wird Ihr Antrag jedoch abgelehnt, erhalten Sie einen Ablehnungsbescheid.

Vergessen Sie nicht, in Ihrem Antrag die Gründe zu beschreiben, weshalb Sie auf eine Stundung angewiesen sind. Das erhöht Ihre Chance auf eine positive Entscheidung.

Welche Stundungs-Modelle gibt es?

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Sie Ihre Steuerschuld begleichen können. Sie können entweder zu einer neuen Frist den gesamten Betrag begleichen. Alternativ können Sie die Steuern auch in einem bestimmten Zeitraum in Teilbeträgen zurückzahlen.

Unser Tipp: Möchten Sie in Raten zahlen, beantragen Sie im Stundungsantrag die Ratenzahlung gleich mit. Darin können Sie auch schon einen Tilgungsplan vorstellen. Das erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Antrag genehmigt wird.

Egal ob auf einen Schlag oder in Raten: die Zinsen betragen pro Monat 0,5 Prozent. Da diese zurzeit aber strittig sind, ergehen Bescheide grundsätzlich vorläufig. Das bedeutet, dass das Finanzamt diesen noch ändern kann, sobald es eine neue Regelung gibt. Mehr dazu erfahren Sie in dem Schreiben des BMF.

Was passiert, wenn der Antrag auf Stundung abgelehnt wird?

Sie haben einen Antrag auf Stundung gestellt, doch der Finanzbeamte hat zu Ihrem Nachteil entschieden? Dann können Sie zunächst einen Einspruch einlegen. Alternativ haben Sie auch die Möglichkeit mit Ihrem Finanzamt einen Vollstreckungsaufschub und einer Ratenzahlung zu vereinbaren.

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