Einzeln, zusammen oder besonders?

Einzeln, zusammen oder besonders?

Welche Veranlagungsart haben Sie?


Qual der Wahl?

Bei Ledigen erfolgt eine Einzelveranlagung, Ehepaare haben die Wahl zwischen Zusammenveranlagung und Einzelveranlagung. Geschiedene ab dem Jahr nach der Scheidung sowie Ehepartner, die während des gesamten Jahres dauernd getrennt leben, werden wie Ledige behandelt.

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass auch eingetragene Lebenspartner rückwirkend ab 2001 in allen noch offenen Fällen den Splittingtarif wählen können. Der Gesetzgeber hat daraufhin festgelegt, dass alle Regelungen des Einkommensteuergesetzes zu Eheleuten auch auf eingetragene Lebenspartner anzuwenden sind.

Von der Veranlagungsart hängt es ab, ob der Grundtarif oder der Splittingtarif anzuwenden ist:

  • Einzelveranlagung (Ledige, Verheiratete, eingetragene Lebenspartner): Grundtarif
  • Zusammenveranlagung (Verheiratete, eingetragene Lebenspartner): Splittingtarif

Ledige

Ledige Steuerbürger haben keine Wahlmöglichkeit. Bei ihnen nimmt das Finanzamt immer eine Einzelveranlagung vor. Dabei wird automatisch der Grundtarif angewendet. Bei minderjährigen Kindern gelten keine Besonderheiten. Auch für sie ist eine normale Einzelveranlagung durchzuführen, wenn sie über eigene Einkünfte verfügen.

Verheiratete /Eingetragene Lebenspartner

Wenn im Folgenden von Eheleuten oder Ehepartner die Rede ist, so gilt das entsprechend auch für eingetragene Lebenspartner. Und was für Verheiratete, Geschiedene und Verwitwete gilt, gilt entsprechend auch bei Eintragung bzw. Aufhebung einer Lebenspartnerschaft oder dauerndem Getrenntleben der Lebenspartner.

Ehepartner können ab 2013 zwischen Zusammenveranlagung und Einzelveranlagung wählen. Das Wahlrecht kann jedes Jahr neu ausgeübt werden. Die Einzelveranlagung ersetzt die frühere getrennte Veranlagung. Die besondere Veranlagung im Jahr der Eheschließung gibt es ab 2013 nicht mehr. Eine Sonderregelung gilt für verwitwete Steuerzahler.

[kasten_recht]?

Leben Eheleute das gesamte Jahr dauernd getrennt, werden sie wie Ledige behandelt. Es ist also für jeden Ehepartner zwingend eine Einzelveranlagung durchzuführen und der Grundtarif anzuwenden. Unter „dauernd getrennt leben“ versteht die Finanzverwaltung die Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft (Trennung von Tisch und Bett).

Eine dauernde Trennung liegt nicht vor, wenn die Ehepartner nur vorübergehend – zum Beispiel bei auswärtiger beruflicher Tätigkeit, bei längerem Krankenhausaufenthalt oder bei Verbüßung einer Freiheitsstrafe – nicht zusammen leben und die eheliche Verbindung aufrecht erhalten wird.

Voraussetzung für eine Ehegattenveranlagung ist, dass beide Ehepartner unbeschränkt steuerpflichtig sind. Eine Sonderregelung gilt jedoch für Staatsangehörige eines Mitgliedstaats der Europäischen Union (EU) oder eines Staates, auf den das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) anwendbar ist. Insoweit kommt das Veranlagungswahlrecht auch dann in Betracht, wenn der Ehepartner seinen Wohnsitz im Hoheitsgebiet eines anderen EU- oder EWR-Mitgliedstaats hat, sofern

  • die Einkünfte beider Ehepartner zusammen mindestens zu 90 Prozent der deutschen Einkommensteuer unterliegen oder
  • die nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegenden Einkünfte den Grundfreibetrag (im Jahr 2013: nicht mehr als 16.260 Euro) im Kalenderjahr nicht übersteigen. Der Nachweis ist durch eine Bescheinigung der zuständigen ausländischen Steuerbehörde zu erbringen. Entsprechende Angaben dazu sind im Mantelbogen auf der Seite 4 zu machen.

Zusammenveranlagung

Bei der Zusammenveranlagung werden die von den Eheleuten erzielten Einkünfte zusammengerechnet, den Ehepartner gemeinsam zugerechnet und die Eheleute grundsätzlich gemeinsam als ein Steuerpflichtiger behandelt. Die Einkommensteuer wird nach dem Splittingtarif ermittelt. Dabei wird für die Hälfte des gemeinsamen Einkommens die Steuer nach der Grundtabelle berechnet und die Steuer dann verdoppelt.

Wählen Eheleute im Mantelbogen ihrer Steuererklärung nicht ausdrücklich die Einzelveranlagung, unterstellt das Finanzamt, dass die Ehepartner die Zusammenveranlagung wählen.

[kasten_tipp]?

Bei Zusammenveranlagung müssen die Ehepartner eine gemeinsame Steuererklärung abgeben und beide unterschreiben. Das gilt auch dann, wenn einer der Ehepartner selbst keine eigenen Einkünfte hatte. Die Eheleute erhalten vom Finanzamt einen gemeinsamen Bescheid.

[kasten_wichtig]?

Einzelveranlagung

Die Voraussetzungen für die Einzelveranlagung sind dieselben wie für die Zusammenveranlagung. Insbesondere dürfen die Eheleute nicht dauernd getrennt leben. Ansonsten kommt nur eine Einzelveranlagung wie bei Ledigen in Betracht, die mit der Einzelveranlagung von Verheirateten nicht identisch ist.

Bei der Einzelveranlagung werden jedem Ehepartner die von ihm bezogenen Einkünfte zugerechnet. Die Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen sowie die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, Dienst- und Handwerkerleistungen werden demjenigen Ehepartner zugeordnet, der sie wirtschaftlich getragen, also bezahlt hat.

[kasten_recht]?

Die zumutbare Belastung, die das Finanzamt bei den allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen (z.B. Krankheitskosten) von den geltend gemachten Aufwendungen abzieht, berechnet sich vom individuellen Gesamtbetrag der Einkünfte eines jeden Ehepartners und nicht mehr wie früher bei der getrennten Veranlagung vom gemeinsamen Gesamtbetrag der Einkünfte.

[kasten_wichtig]?

Die Einzelveranlagung kann sich lohnen, wenn

  • nur ein Ehepartner Arbeitnehmer ist und der andere Selbstständiger und bei Letzterem sonst sein Vorwegabzug bei den Vorsorgeaufwendungen im Rahmen der Günstigerprüfung gekürzt wird;
  • ein Verlustrück- oder Verlustvortrag geltend gemacht wird und der andere Ehepartner nicht sehr hohe Einkünfte hat;
  • die Eheleute annähernd gleich hohe Einkünfte haben und sich bei Einzelveranlagung für jeden Ehepartner die Möglichkeit ergibt, bestimmte Höchstbeträge oder Freigrenzen auszunutzen;
  • ein Partner erhebliche steuerfreie Einkünfte mit Progressionsvorbehalt hat (beispielsweise Arbeitslosengeld, Krankengeld, Kurzarbeitergeld sowie Auslandseinkünfte aus einem Nicht-EU-Staat, die nach Doppelbesteuerungsabkommen von der deutschen Einkommensteuer freigestellt sind) und beim anderen Partner relativ niedrige steuerpflichtige Einkünfte vorliegen;
  • ein Partner erhebliche tarifbegünstigte außerordentliche Einkünfte zu versteuern hat, die einem ermäßigten Steuertarif unterliegen (Fünftelregelung ), und der Ehepartner geringe normal besteuerte Einkünfte erzielt hat;
  • beide Eheleute als Ruheständler Nebeneinkünfte haben und jedem bei Einzelveranlagung der Härteausgleich gewährt wird;
  • ein Ehepartner kirchensteuerpflichtig ist und der andere nicht und Letzterer bei Zusammenveranlagung ein besonderes Kirchgeld zahlen müsste;
  • bei Zusammenveranlagung die Einkommensgrenze für die Arbeitnehmer-Sparzulage überschritten würde.

In der Praxis wird die Einzelveranlagung häufig auch deshalb gewählt, weil ein Ehepaar im Vorfeld einer Scheidung die Einkünfte und die daraus resultierende Steuerlast voneinander getrennt halten will.

Eheleute werden einzeln veranlagt, wenn einer der Eheleute die Einzelveranlagung wählt. Hat ein Ehepartner keine Einnahmen oder nur Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit, die wegen ihrer geringen Höhe nicht dem Lohnsteuerabzug unterliegen, so ist nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs ein einseitig gestellter Antrag auf Einzelveranlagung steuerlich unbeachtlich, wenn der andere Ehepartner wegen seiner Einkünfte die Zusammenveranlagung begehrt.

Wählen Eheleute die Einzelveranlagung, muss jeder Ehepartner eine eigene Steuererklärung abgeben. Jeder Ehepartner muss nur seine eigene Erklärung unterschreiben. Aus organisatorischen Gründen erhält jeder eine eigene Steuernummer und auch einen eigenen Steuerbescheid. Zudem schuldet jeder Ehepartner dem Finanzamt nur die Steuer, die sich aufgrund des gegen ihn ergangenen Steuerbescheids ergibt.

[kasten_tipp]?

Verwitwete

Stirbt ein Ehepartner, so ist im Todesjahr eine Ehegattenveranlagung vorzunehmen, wenn die Eheleute nicht dauernd getrennt gelebt haben.

Im Folgejahr ist für den überlebenden Ehepartner zwar eine Einzelveranlagung durchzuführen. Doch wird die Einkommensteuer nach dem Splittingverfahren berechnet, wenn die Ehe im Zeitpunkt des Todes des Ehepartners intakt war. Dies wird als Witwensplitting oder Gnadensplitting bezeichnet. Im zweiten Jahr nach dem Todesfall gibt es für die Witwe/den Witwer nur noch den Grundtarif.

Geschiedene/Getrenntlebende

Nur bei verheirateten Ehepaaren ist eine Ehegattenveranlagung möglich und es besteht ein Wahlrecht zwischen Zusammenveranlagung und Einzelveranlagung. Das Einkommensteuergesetz knüpft für das Bestehen einer Ehe an das Zivilrecht an. Bei Scheidung oder Aufhebung der Ehe ist diese erst mit der Rechtskraft des Urteils aufgelöst.

Eine Ehegattenveranlagung ist auch im Scheidungsjahr vorzunehmen, wenn mindestens an einem Tag die zum Wesen der Ehe gehörende Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft bestand. Daher möchten in der Praxis getrennt lebende Ehepartner häufig noch einmal mit einem Versöhnungsversuch den Vorteil der Zusammenveranlagung beanspruchen. Die Angaben beim Finanzamt widersprechen dann oft den Einlassungen vor dem Familiengericht, das eine Ehescheidung meist erst nach einer Mindesttrennungsdauer von einem Jahr ausspricht.

Die Finanzbeamten sind angehalten, den Angaben der Ehepartner zu folgen, es sei denn, die äußeren Umstände lassen das Bestehen einer ehelichen Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft fraglich erscheinen. Skeptisch reagieren die Sachbearbeiter bei kurzzeitigen Versöhnungsversuchen zur Unterbrechung des dauernden Getrenntlebens.

[kasten_wichtig]? [kasten_tipp]?

Für eine Zusammenveranlagung, die zur Anwendung des Splittingtarifs führt, ist es erforderlich, dass beide (Ex-)Ehepartner diese Veranlagungsform wählen und beide die gemeinsame Steuererklärung unterschreiben.

Hat ein (Ex-)Ehepartner einen Antrag auf Einzelveranlagung gestellt, so erfolgt trotzdem eine Zusammenveranlagung, wenn er keine positiven oder negativen Einkünfte erzielt hat oder seine positiven Einkünfte den Grundfreibetrag nicht übersteigen. Ein Finanzgericht sieht das dann anders, wenn der die getrennte Veranlagung wählende Ehepartner pflichtveranlagt wird, aufgrund seiner geringen Einkünfte aber einen Nullbescheid erhält.

Nichteheliche Lebensgemeinschaften

Paare, die ohne Trauschein zusammenleben, werden vom Finanzamt wie Ledige behandelt. Eine Ehegattenveranlagung und die Anwendung des Splittingtarifs sind für Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft ausgeschlossen. Dagegen gelten für die gleichgeschlechtlichen Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft die gleichen steuerlichen Vorschriften wie für Ehepaare (siehe oben).

1 comment

eigener Kommentar
  1. 1
    Peter Hierl

    Frage : kann ich mit der Steuersoftware WISO steuer:Sparbuch 2018 ausprobieren, welche Veranlagung günstiger ist ? Wir sind verheiratet und haben beide die Steuerklasse 4.

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