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Erbschaftssteuer

Erben, vererben und dabei Steuern sparen

Wer sich frühzeitig über die Erbschaftssteuer informiert, bleibt vor unangenehmen Überraschungen bewahrt. Denn es ist ärgerlich, wenn auch das Finanzamt ordentlich miterbt. Wie hoch die Steuer ausfallen kann und welche Freibeträge zustehen, zeigen wir in diesem Beitrag.

Kurz & knapp

  • Für die Steuer sind der Wert des Vermögens und der Grad der Verwandtschaft entscheidend
  • Dank Freibeträge bleibt ein großer Teil des Erbes oder der Schenkung steuerfrei
  • Die Höhe der Erbschaftssteuer bestimmen 3 Steuerklassen — nicht verwandte Erben zahlen den höchsten Prozentsatz
  • Bei großem Erbe kann eine Erbschaftssteuererklärung notwendig werden

Wer muss Erbschaftssteuer zahlen?

Werden Vermögenswerte vererbt oder verschenkt, möchte auch der Staat ein Stück vom Kuchen haben: Daher wird das erhaltene Vermögen mit der Erbschaftssteuer belastet.

Grundsätzlich muss also jeder der erbt, auch Steuern zahlen. Aber die gute Nachricht lautet: Tatsächlich gezahlt werden müssen die Steuern erst dann, wenn ein bestimmter Freibetrag überschritten ist. Ob Steuern fällig werden und wie hoch sie ausfallen hängt ab:

  • vom Grad der Verwandtschaft und
  • von der Höhe des Erbes.

Erbe frühzeitig planen

Durch frühzeitige Planung lassen sich hohe Zahlungen für Erbschaftssteuer  vermeiden. Wie Sie am besten vorgehen, lesen Sie in unserem Beitrag: Schenkungssteuer.

Information zum Thema

Vererben oder verschenken: Was ist der Unterschied?

Erbschaft, Schenkung – eigentlich das gleiche, oder?

In beiden Fällen erhältst du zwar Vermögen, ohne dafür zu bezahlen. Doch der große Unterschied ist: Eine Schenkung gibt es nur unter lebenden Personen. Im Todesfall wird von einem Erbe gesprochen. Damit ist eine Schenkung prinzipiell mehrmals im Leben möglich, Vererben kann man aber nur einmal.

Steuerfrei erben — mit Freibeträgen

Da die Freibeträge unter nahen Verwandten großzügig ausfallen, bleibt das Erbe oder die Schenkung häufig komplett steuerfrei. Das, was nach Abzug der Freibeträge übrigbleibt, muss versteuert werden. Dabei entscheiden 3 Steuerklassen, wie hoch die Erbschaftssteuer ausfällt.

Persönlicher Freibetrag

Erbe: Persönlicher Freibetrag Verwandtschaftsgrad Infografik

Der persönliche Freibetrag ist abhängig von der Steuerklasse – ganz egal, welche Vermögensgegenstände man erhält.

SteuerklasseVerwandtschaftsgradFreibetrag
IEhepaare, Lebenspartner

Kinder, Enkelkinder (deren Eltern verstorben sind), Stief- und Adoptivkinder

Enkelkinder

(Groß)Eltern, Urenkelkinder
500.000 €

400.000 €

200.000 €

100.000 €
IIGeschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder20.000 €
IIINicht verwandte Personen20.000 €
Information zum Thema

Erschaft & Freibeträge pro Person

Die Freibeträge gelten pro Person. Bei mehreren Geschwistern, steht jedem der Freibetrag von 20.000 Euro zu. Die Freibeträge für Geschwister, Bekannte, Freunde oder Personen entfernterer Verwandtschaft fallen vergleichsweise niedrig aus. Wer ein großes Vermögen wie zum Beispiel ein Grundstück verschenkt, sollte sich vorher unbedingt über die Freibeträge informieren.

Versorgungsfreibetrag bei der Erbschaftssteuer

 

Erbe: Versorgungsfreibetrag Infografik

Einen weiteren Freibetrag gibt es für überlebende Ehepartner und Kinder. Diesen Versorgungsfreibetrag kan man ausschließlich für ein Erbe, also Vermögen einer verstorbenen Person, anwenden. Steuerfrei bleiben dann für den Ehepartner 256.000 Euro – gekürzt um eventuelle Versorgungsbezüge.

Bei Kindern richtet sich die Höhe des Versorgungsfreibetrags nach dem Alter:

Alter in JahrenVersorgungsfreibetrag
bis 5 52.000 €
5 bis 1041.000 €
11 bis 1530.700 €
16 bis 2020.500 €
21 bis 2710.300 €

Freibetrag für Hausrat und andere bewegliche Güter

Geburtstagsgeschenke müssen also versteuert werden? Nicht, wenn man Geschenke im „üblichen Wert“ verschenkt. Das Schenkung- und Erbschaftssteuergesetz sieht nämlich auch Befreiungen vor. Wichtig ist vor allem die Steuerbefreiung für private Gegenstände.

Steuerfrei sind:

  • Übliche Geschenke im Rahmen von Geburtstagen, Jubiläen oder anderer sozialen Ereignisse
  • Hausrat, Wäsche und Kleidungsstücke bis zu einem Wert von 41.000 Euro (Steuerklasse I)
  • Andere Gegenstände wie Autos, Schmuck oder Elektrogeräte bis zu einem Wert von 12.000 Euro (Steuerklasse I)
  • Hausrat, Wäsche, Kleidungsstücke und andere bewegliche Gegenstände (wie Autos) bis zu einem Wert von 12.000 Euro (Steuerklasse II und III)
Beispiel Familie

Beispiel Erbschafsteuer & Freibeträge

Stefan erbt von seinem Bruder ein Vermögen von insgesamt 50.000 Euro. Darunter befinden sich Haushaltsgeräte im Wert von 10.000 Euro und ein Auto im Wert von 15.000 Euro.

1. Haushaltsgeräte
Wert
Freibetrag
steuerfrei
10.000 €
12.000 €
10.000 €
2. Auto
Wert
verbleibender Freibetrag
steuerfrei
15.000 €
2.000 €
2.000 €
3. Persönlicher Freibetrag
Erbe
steuerfreie Beträge
verbleiben
persönlicher Freibetrag
50.000 €
12.000 €
38.000 €
20.000 €
Steuerpflichtiges Erbe 18.000 €

Pflegefreibetrag

Der Pflegefreibetrag honoriert Erben, die die Pflege des Erblassers übernommen haben. Er wird zusätzlich zum persönlichen Freibetrag gewährt. Wie hoch der Pflegefreibetrag ist, hängt von Umfang der Pflegeleistung ab. Maximal sind jedoch 20.000 Euro abziehbar.

Das sollten Erben beim Pflegefreibetrag beachten:

  • Der Erblasser wird unentgeltlich oder nur gegen ein geringes Entgelt gepflegt.
  • Die Pflege ist nicht rechtlich verpflichtend.
  • Der Erbe muss die Hilfsbedürftigkeit des Erblassers und die tatsächliche Pflegeleistung nachweisen.
  • Die pflegende Person muss nicht zwangsläufig mit dem Erblasser verwandt sein.

Der Pflegefreibetrag kann auch von den Kindern des Erblassers abgezogen werden. Der Freibetrag kann auch genutzt werden, wenn die Erben gesetzlich zum Unterhalt des Erblassers verpflichtet waren (BFH im Urteil vom 10.05.2017, II R 37/15)

Wie viel Steuer muss ich zahlen?

Steuerklasse­­

Wie viel Erbschaftssteuer oder Schenkungsteuer man auf das erhaltene Vermögen zahlen muss, hängt von der Steuerklasse ab. Die Steuerklasse bei der Erbschaftssteuer hat allerdings nichts mit der Lohnsteuerklasse zu tun, sondern steht für das Verhältnis, in dem man zum Erblasser oder Schenkenden steht.

Es gibt 3 Erben-Steuerklassen:

SteuerklasseVerwandtschaftsgradFreibetrag
IEhepaare, Lebenspartner

Kinder, Enkelkinder (deren Eltern verstorben sind), Stief- und Adoptivkinder

Enkelkinder

(Groß)Eltern, Urenkelkinder
500.000 €

400.000 €

200.000 €

100.000 €
IIGeschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder20.000 €
IIINicht verwandte Personen20.000 €

Steuersatz

Bleibt nach Abzug der Freibeträge noch was übrig? Dann kommt der Steuersatz ins Spiel. Das steuerpflichtige Erbe wird mit dem Steuersatz multipliziert. Daraus ergibt sich dann die Steuer, die man ans Finanzamt zahlen muss.

Der Steuersatz ist abhängig von der Steuerklasse und dem Wert der Schenkung bzw. des Erbes nach Anrechnung der Freibeträge.

Wert des steuerpflichtigen Vermögens Steuersatz in der Steuerklasse I (%)Steuersatz in der Steuerklasse II (%)Steuersatz in der Steuerklasse III (%)
bis 75.000 €71530
bis 300.000 €112030
bis 600.000 €152530
bis 6.000.000 €193030
bis 13.000.000 €233550
bis 26.000.000 €274050
über 26.000.000 €304350

Wann wird die Steuer fällig?

In diesen Fällen kann Steuer auf das erhaltene Vermögen anfallen:

Erwerb von Todes wegen

Das ist das typische Erbe oder der Pflichtteil. Andere Formen sind der Erbvertrag oder ein Vermächtnis.

Schenkungen unter Lebenden

Man spricht hier auch von einer „freigiebigen Zuwendung“. Das sind  Vermögenswerte, die man unentgeltlich – also geschenkt – erhält. Und zwar aus freien Stücken des Schenkenden. Das ist jedoch nicht der Fall, wenn er dazu verpflichtet ist — zum Beispiel bei Unterhaltszahlungen oder wegen eines Gerichtsbeschlusses.

Zweckzuwendungen

Wird Geld geschenkt oder vererbt mit dem Auftrag, es an eine Organisation weiterzugeben? Dann handelt es sich um eine Zweckzuwendung. Auch wenn du dadurch persönlich gar nicht bereichert wirs, schuldet du dem Finanzamt Steuern.

Vermögen einer Familienstiftung

Eine Stiftung selbst kann nicht sterben und somit nicht erben. Deswegen erhebt der Staat eine “Erbersatzsteuer”. Auf das Vermögen einer Familienstiftung muss alle 30 Jahre die Erbschaftssteuer gezahlt werden.

Muss ich die Erbschaft dem Finanzamt melden?

Ja. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass eine Erbschaft innerhalb von 3 Monaten ab dem Todestag dem Finanzamt gemeldet werden muss. Häufig ist das Finanzamt aber schon darüber informiert, denn viele Behörden wie Banken, Versicherungen oder Standesämter sind verpflichtet, entsprechenden Meldungen weiterzugeben.

Diese Angaben benötigt das Finanzamt:

  • Persönliche Daten: Vorname, Familienname, Beruf, Wohnung des Erblassers und des Erben
  • Datum, Ort: Todestag und Sterbeort des Erblassers
  • Gegenstand und Wert des Erbes
  • Rechtsgrund der Erbschaft wie Erbfolge, Vermächtnis, Ausstattung
  • Persönliches Verhältnis des Erben zum Erblasser wie Verwandtschaftsgrad
  • Frühere Zuwendungen des Erblassers an den Erben nach Art, Wert und Zeitpunkt

Muss ich das Erbe in der Steuererklärung angeben?

Für die Erben gibt es keine allgemeine Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung. Die Erbschaftssteuererklärung musst du erst dann abgeben, wenn das Finanzamt dich dazu auffordert.

Ob sie überhaupt notwendig wird, prüft das Finanzamt, sobald es von der Erbschaft erfahren hat. Dann heißt es:

  • Liegt das geerbte Vermögen unter den persönlichen und sachlichen Freibeträgen, fallen darauf keine Steuern an und man muss gar nicht aktiv werden. Bei nahen Verwandten ist das häufiger der Fall, da die Freibeträge großzügig ausfallen.
  • Übersteigt das geerbte Vermögen aber die Freibeträge, muss dieser Teil versteuert werden. Dafür verlangt das Finanzamt eine Erbschaftssteuererklärung.

Erbschaftssteuererklärung

Die Erbschaft unterliegt nicht der Einkommenssteuer. Das bedeutet: Musst du die Erbschaft versteuern, machst du das nicht über die Einkommensteuererklärung. Für die Erbschaftssteuererklärung gibt es gesonderte Formulare, die in der Regel das zuständige Finanzamt dir zukommen lässt.

Experten Tipp

Steuern beim Erbe reduzieren – mit Nachlassverbindlichkeiten

In die Erbschaftssteuererklärung solltest du alle Kosten eintragen, die dein geerbtes Vermögen verringern – hier spricht man auch von Nachlassverbindlichkeiten. Dazu gehören zum Beispiel Ausgaben für die Beerdigung oder die Testamentseröffnung. Dafür erkennt das Finanzamt eine Erbfallkostenpauschale von 10.300 Euro an. Erbst du Schulden, wie offene Darlehen oder andere Verbindlichkeiten, gibst du diese ebenfalls in der Erbschaftssteuererklärung an.

Kosten, die für die Beerdigung entstehen, können zusätzlich auch die Einkommensteuer senken. Und zwar dann, wenn das Erbe geringer als die Ausgaben ausfällt. Diese Differenz kannst du dann in der jährlichen Steuererklärung angeben. Welche Kosten das sein können, erklären wir hier: Beerdigungskosten absetzen

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