Bald 25 Euro Verspätungszuschlag

Bald 25 Euro Verspätungszuschlag

Verspätete Steuererklärung wird härter bestraft


Schlechte Nachrichten für Trödler: Wer ab 2017 seine Steuererklärung zu spät abgibt, muss nun tiefer in die Tasche greifen: dann werden 25 Euro pro Monat fällig.

Bummeln wird teuer

Gemütlich die Steuererklärung auf die lange Bank schieben? Das wird ab Beginn des nächsten Jahres deutlich schmerzvoller: 25 Euro pro Monat will das Finanzamt dann sehen. Wer also seine Steuer am 31. Mai noch nicht abgegeben hat, muss zahlen. Egal, ob sich aus der Steuererklärung nun eine Erstattung ergibt oder Sie Steuern nachzahlen müssen.

Keine Gnade mehr – kraft Gesetzes

Momentan liegt der Verspätungszuschlag im Ermessen des jeweiligen Finanzbeamten. So wurde bisher bei sonst pünktlichen Steuerzahlern meist ein Auge zugedrückt- und keine Strafzahlung verlangt. Dies entfällt nun kraft Gesetzes. Die Strafe soll dann automatisch im Steuerbescheid zur Steuerschuld hinzugerechnet werden – oder aber vom Erstattungsbetrag abgezogen werden.

Darauf hat sich nun der Finanzausschuss des Bundestages bei der Beratung über das Steuermodernisierungsgesetz geeinigt. Am Donnerstag soll dieses Gesetz nun vom Bundestag beschlossen werden. Ziel sei, bestimmte Abläufe in den Finanzämtern zu vereinfachen. So sollen die Steuerzahler dazu erzogen werden, ihre Steuererklärungen künftig nur noch elektronisch abzugeben.

Im ursprünglichen Entwurf des Bundesfinanzministeriums war eine Strafe von 50 Euro vorgesehen. Dieser Betrag wurde bei der Gesetzesberatung im Bundestag nun halbiert. Dies gilt sowohl für die jährliche Einkommensteuererklärung, als auch für gewerbliche Erklärungen wie Umsatzsteuer- oder Körperschaftsteuer.

Das gilt bis 2016

Bisher lag es allein im Ermessen Ihres Finanzbeamten, einen Verspätungszuschlag festzusetzen. Willkürlich sein dürfte er dabei jedoch nicht: Der Verspätungszuschlag dürfte höchstens 25.000 Euro betragen sowie 10 Prozent der festgesetzten Steuer nicht übersteigen. Ein Verspätungszuschlag von über 5.000 Euro würde jedoch nur in Ausnahmefällen festgesetzt.

Nun werden nächstes Jahr pünktlich Ende Mai die Postfächer der Finanzämter zum Bersten voll sein. Denn da liegt der gesetzliche Abgabetermin der Einkommensteuererklärung für den Otto-Normal-Steuerzahler. Personen mit Steuerberater haben bis Dezember Zeit.

Betroffen sind nur Pflichtveranlagungen

Ein Verspätungszuschlag kann nur dann festgesetzt werden, wenn Sie gesetzlich zur Abgabe einer Erklärung verpflichtet sind. Gründe für eine Abgabepflicht bei Arbeitnehmern können beispielsweise sein:

  • Auf Ihrer Lohnsteuerkarte wurde ein Freibetrag eingetragen (ausgenommen Behinderten- und Hinterbliebenenpauschbetrag).
  • Sie und Ihr Ehepartner haben die Steuerklassen III/V oder IV/IV mit Faktor gewählt.
  • Sie haben als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer Arbeitslosengeld I, Kurzarbeitergeld, Krankengeld, Elterngeld, Aufstockungsbeträge bei Altersteilzeit oder ausländische Einkünfte von mehr als 410 Euro bezogen.
  • Sie haben neben Ihrem Arbeitslohn noch weitere Einkünfte, beispielsweise Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung oder sonstige Einkünfte bezogen, die mehr als 410 Euro betragen.
  • Sie haben Einkünfte aus Kapitalvermögen erzielt, für die Sie keine Kapitalertragssteuer (Abgeltungsteuer) zahlen müssen
  • Sie haben nebeneinander von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn (einschließlich Versorgungsbezüge) bezogen.
  • Der Arbeitgeber hat einen sonstigen Bezug von Ihnen ermäßigt besteuert, z.B. Entlassungsentschädigung, Arbeitslohn für mehrere Jahre, Lohnzahlungen durch Dritte.
  • Sie haben einen Betrieb und erzielen damit einen Gewinn von mehr als 410 Euro. Dabei ist es unerheblich, ob Sie diesen nur nebenbei betreiben.

8 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    Wilfried Meyer

    Und wieviel bekommen Steuerpflichtige erstattet, wenn sie lange auf den Bescheid waren müssen? Ist denn wenigstens auch festgelegt, innerhalb welcher Zeit die Einkommensteuererklärung vom FA abgearbeitet sein muss, oder gelten hier nur einseitig festgelegte Fristen?

  2. 2
    Jana Auerswald

    Stimmt – ich habe über ein Jahr warten müssen, bis alles über die Bühne war. Zugegeben, ich bekam eine Erstattung… Wer also kann dem Finanzamt Druck machen, wenn man sich hier scheinbar beliebig viel Zeit lässt? Hier sind die Fronten klar: wir sind die STEUERZAHLER. Das sagt alles 🙁

  3. 5
    Kurt Schweizer

    Von wegen „Vor dem Gesetz sind Alle gleich“. Mir wurde eine BG Rente 13 Jahre lang besteuert, bis eine Mitarbeiterin des Finanzamtes den Fehler entdeckte. Erstattet wurden mir 3 Jahre. Der Rest war verjährt.
    Soviel zum Verursachungsprinzip.

  4. 6
    Kuboschek

    Purer Nonsens des Gesetzgebers und völlig neben der Praxis !
    Ungleichbehandlung – der Steuerzahler muss – das Finanzamt kann – außerdem Sonderfälle en mass, die den Durchblick völlig behindern !
    Armes Deutschland !

  5. 7
    Mike

    Ja da haben wir es wieder… die Fristen sind nicht aufeinander abestimmt. Vermieter haben bis 31.12. des Folgejahr Zeit die Nebenkostenabrechnung zu erstellen und der Steuerzahler könnte so haushaltsnahe Dienstleistungen zum Abzug bringen. Das wird nicht im Gesetz gestichen aber faktisch unmöglich, da die Strafe bei Verspätung der Abgabe höher ist als die Steuerersparnis. Clever die Damen und Herren in der Verwaltung. Das Thema haushaltsnahe Dienstleistungen hat das FA jedes mal genervt…. So wird in meinen Augen die EKST wieder erhöht. Der Bund der Steuerzahler sollte das mal hochrechnen und jeder von uns kann ja seine Bundestagsabgeordneten mal schreiben was er dazu sagt. Wir haben ja wieder Wahlen.

+ Kommentar hinterlassen