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Fahrzeug umrüsten. Geldwerter Vorteil?


Der geldwerte Vorteil für die Privatnutzung eines Firmenwagens wird nach der Pauschalmethode mit monatlich 1 % des Listenpreises angesetzt. Der Listenpreis umfasst auch die Kosten für Sonderausstattungen.

Die Frage ist, ob die Umrüstung des Fahrzeugs von Benzin- auf Flüssiggasbetrieb als Sonderausstattung zu werten ist und deshalb in die Bemessungsgrundlage für die 1 %-Regelung einzubeziehen ist. Finanzamt und Finanzgericht sehen das so.

Umrüstung von Benzin- auf Flüssiggas

Der Bundesfinanzhof hat gegen den Fiskus entschieden, dass die Kosten für die Umrüstung eines Fahrzeugs von Benzin- auf Flüssiggasbetrieb nicht in die Bemessungsgrundlage für die 1 %-Regelung einzubeziehen sind. Denn Sonderausstattungen, die nicht werkseitig zum Zeitpunkt der Erstzulassung eingebaut sind, werden im Listenpreis nicht erfasst, sodass der Arbeitnehmer für diese Kosten keinen privaten Nutzungswert versteuern muss (BFH-Urteil vom 13.10.2010, VI R 12/09).

Die BFH-Richter stellen fest, dass Bemessungsgrundlage für die 1 %-Pauschalmethode der inländische Listenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich der Kosten für Sonderausstattungen einschließlich der Umsatzsteuer ist. „Sonderausstattungen sind dabei aber nur werkseitig zusätzliche eingebaute Ausstattungen im Zeitpunkt der Erstzulassung.“ Der nachträgliche Einbau von zusätzlichen Ausstattungen in ein betriebliches Fahrzeug ist dagegen nicht als Sonderausstattung in die Bemessungsgrundlage einzubeziehen.

Denn:  Zum einen handelt es sich dabei nicht um werkseitig zusätzlich eingebaute Ausstattungen, zum anderen ist die zusätzliche Ausstattung auch nicht im Zeitpunkt der Erstzulassung vorhanden. Weil im Urteilsfall das Firmenfahrzeug im Zeitpunkt der Erstzulassung nicht werkseitig mit einer Flüssiggasanlage ausgestattet war, sind die Kosten für den nachträglichen Einbau der Anlage nicht als Sonderausstattung in die Bemessungsgrundlage einzubeziehen und dafür kein pauschaler Nutzungswert zu versteuern.

Große Bedeutung

Dieses Urteil hat große Bedeutung über den entschiedenen Fall hinaus, denn nun muss die Finanzverwaltung ihre Praxis und eine Vorschrift in den Lohnsteuerrichtlinien ändern:

Bisher erfasst der Fiskus auch nachträglich eingebaute Sonderausstattungenbeim geldwerten Vorteil. Derartige Extras führen ab dem Monat des Einbaus zu einer Erhöhung des Listenpreises und damit zu einem höheren Nutzungswert (R 8.1 Abs. 9 Nr. 1 Satz 6 LStR). Genau eine solche nachträgliche Änderung des Listenpreises hat der BFH jetzt explizit abgelehnt: „Mit der Anknüpfung der Bemessungsgrundlage an den Zeitpunkt der Erstzulassung statt an die tatsächlichen Anschaffungskosten hat der Gesetzgeber erkennbar nachträgliche Wertveränderungen an dem jeweiligen Fahrzeug von der Bemessungsgrundlage der 1 %-Regelung ausnehmen wollen“(BFH-Urteil vom 13.10.2010, VI R 12/09).

Tipp:Nicht zum Listenpreis gehören der Wert eines Autotelefons einschließlich Freisprecheinrichtung, die Kosten für deren Einbau, die Kosten für Überführung und für Zulassung sowie für betriebsbedingte Sonderausstattungen (z. B. Firmenbeschriftung des Fahrzeugs, zweiter Pedalsatz bei einem Fahrschulfahrzeug, Werkstattausrüstung bei einem Wartungsfahrzeug). Außer Ansatz bleibt ebenfalls der Wert eines weiteren Satzes Reifen einschließlich Felgen, sog. „Winterpaket“. Und aufgrund des neuen Urteils jetzt auch Extras, die nach der Erstzulassung eingebaut werden!

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