Handwerkerleistungen absetzen

Handwerkerleistungen absetzen

Erweiterung der Wohnfläche begünstigt


Ausgaben für Handwerkerarbeiten sind mit 20 Prozent, höchstens 1.200 Euro, direkt von der Steuerschuld abziehbar. Manche Finanzämter sind jedoch der Ansicht, dass nur Erhaltungsaufwendungen begünstigt seien, nicht jedoch Herstellungskosten, mit denen etwas Neues, bisher Nichtvorhandenes geschaffen wird. Stimmt das?

Richtig ist, dass nicht nur regelmäßige Renovierungsarbeiten, sondern auch einmalige Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen begünstigt sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich steuerlich um Erhaltungsaufwand oder um Herstellungsaufwand handelt. Nicht begünstigt sind allerdings handwerkliche Arbeiten im Rahmen einer Neubaumaßnahme.

Was ist eine Neubaumaßnahme?

Der Begriff der Neubaumaßnahme hat sich zwischenzeitlich geändert:

Bis 2013 galten als Neubaumaßnahmen „alle Maßnahmen, die im Zusammenhang mit einer Nutz- oder Wohnflächenschaffung bzw. -erweiterung anfallen“ (BMF-Schreiben vom 15.02.2010, Tz. 20). Dies betrifft Arbeiten für einen Neubau, Anbau, Ausbau oder eine Aufstockung, weil damit stets eine Erweiterung oder Schaffung von Nutz- oder Wohnfläche verbunden ist. Für solche Handwerksarbeiten gab’s damals also keinen Steuerbonus.

Seit 2014 ist der Begriff der Neubaumaßnahme neu definiert: Jetzt gehören zu einer Neubaumaßnahme „alle Arbeiten im Zusammenhang mit der Errichtung eines Haushalts bis zu dessen Fertigstellung“ (BMF-Schreiben vom 10.01.2014, Tz. 21). Das bedeutet: Ab dem Zeitpunkt der Fertigstellung sind Handwerkerarbeiten steuerbegünstigt, auch wenn damit die Nutz- oder Wohnfläche erweitert wird.

Was heißt „Fertigstellung“?

Fertig gestellt ist ein Gebäude, wenn die wesentlichen Bauarbeiten abgeschlossen sind und der Bau so weit errichtet ist, dass der Bezug der Wohnungen zumutbar ist oder das Gebäude für den Betrieb in all seinen wesentlichen Bereichen nutzbar ist. Alle Arbeiten danach sind begünstigt. Also profitieren davon auch Bauherren, die in ihren Neubau zuerst einziehen und danach noch restliche Arbeiten ausführen lassen.

Was heißt „Errichtung eines Haushalts“?

Begünstigt sind nun alle Arbeiten in einem vorhandenen Haushalt. Wenn Sie dadurch neue Wohn- oder Nutzflächen schaffen lassen, spielt dies keine Rolle mehr. Falls durch die Baumaßnahmen der Gebrauchswert der Immobilie nachhaltig verbessert wird, so ist auch dies unschädlich für die Steuervergünstigung.

Egal, ob Erhaltungsaufwand oder Herstellungsaufwand

Bei der Beurteilung der begünstigten Arbeiten spielt es also keine Rolle, ob es sich steuerlich um Erhaltungsaufwand oder um Herstellungsaufwand handelt. Letzteres ist der Fall, wenn Sie etwas Neues, bisher Nichtvorhandenes schaffen lassen. Begünstigt sind daher beispielsweise auch die Arbeitslöhne für folgende Maßnahmen:

  • nachträglicher Einbau eines Kachelofens und Kamins
  • Anbringen einer Sonnenmarkise
  • erstmalige Anlage eines Gartens
  • Pflanzen einer Hecke
  • Bau einer Grundstücksmauer
  • Erneuerung des Badezimmers
  • Wärmedämmmaßnahmen.

Zudem ist unbedeutend, ob Sie die Wohn- oder Nutzfläche nach Fertigstellung des Gebäudes erweitern. Begünstigt sind beispielsweise folgende Maßnahmen:

  • Anbau eines Wintergartens
  • Einbau einer Dachgaube
  • Ausbau des Dachgeschosses
  • Ausbau des Kellers
  • Anbringen einer Terrassenüberdachung
  • Aufstellen einer Fertiggarage

9 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    Günter und Monika Voß

    2016 hatten wir keine Handwerkerkosten.
    2017 waren die Gewerke Elektriker, Maler, Dachdecker und Fensterbauer für Renovierungsarbeiten am Haus bei uns.
    Kosten für Lohn, Fahrten und Maschinen:
    Elektiker 550€
    Maler 1880€
    Dachdecker 12646€
    Fenster und Türen montieren und abdichten 490€
    Summe= 15566€

    Wir dürfen 1200€ Handwerkerkosten im Jahr anrechnen.

    Frage: Kann ich in den Folgejahren 2018 bis …. die Ausgaben von 2017 anrechnen oder verfällt der Aufwand von 14366€
    2018 haben wir warscheinlich wieder Handwerker beschäftigt oder aber auch nicht.
    Mit freundlichen Grüßen

    • 2
      Helmut Schmittmann

      Hallo Familie Voß,
      sie können von den 15566€ maximal 6000€ im Jahr 2017 als Handwerkerleistungen absetzen. Von diesen 6000€ bekommenn sie dann 20% = 1200€ vom Finanzamt rückerstattet. Der Restbetrag (9566€) verfällt und kann leider nicht ins nächste Jahr mitgenommen werden. Entscheidend ist immer das Überweisungsdatum. Ist der Höchstbetrag von 6000€ am Ende des Jahres bereits ausgeschöpft, empfiehlt es sich u.U. einen Teil der Rechnungsbeträge erst im folgenden Jahr zu überweisen (natürlich nur wenn der Handwerker einverstanden ist). Alternativ könnte man natürlich die Handwerkerarbeiten entsprechend auf mehrere Jahre verteilen.

  2. 4
    Egerter Hedwig

    Guten Tag,
    ich habe folgende Frage zur Einkommensteuererklärung:
    Wir haben 1974 gebaut. Die Straße vor unserem Haus wurde 2015 hergestellt und dafür haben wir 2017 eine Rechnung über Eerschließungskosten bekommen.
    Können wir die Rechnung bei der Einkommensteuererklärung aufführen.
    Vielen Dank für Ihre Rückantwort.

  3. 5
    Dietrich Janzen

    Im zuge der Heizungsmodernisierung habe ich für das Eigenheim Bj. 1966 einen Gasanschluss bekommen.
    Kann ich die Kosten dafür steuerlich geltend machen?
    Danke für die Antworten.

  4. 6
    Reinhard Haupt

    Guten Tag,
    wir haben an unser vorhandenes Haus, Bezug 1979, zwischen Mai 2014 und September 2015 einen Wintergarten angebaut. Für die Steuererklärung 2014 habe ich die entsprechenden Handwerkerleistungen eingereicht. Das Finanzamt hat das nicht anerkannt. Für 2015 habe ich dann keine Handwerkerleistungen mehr geltend gemacht.
    Frage: Ist es möglich die Handwerkerleistungen noch nachträglich für 2014 und 2015 abzusetzen?
    Danke für die Rückantwort
    VG

  5. 7
    RolandKkalke

    Meine Frage lautet: Im April 2017 wurde duch eine Fa. in unserem Haus eine neue Heiztherme eingebaut. Kostenpunkt: 5826,00 Euro. Haben diese Kosten Einfluß auf unsere Steuererkärung?

    • 8
      TB

      Grundsätzlich können handwerkliche „Lohnkosten“ in der Steuererklärung angesetzt werden. Damit das FA diese auch auf Anforderung der Rechnung ohne Probleme anerkennt , sollten die Lohnkosten immer ausgewiesen sein. Gilt auch für haushaltsähnliche Dienstleistungen. Hier sind die Nebenkostenabrechnungen interessant. Denn Hausmeisterkosten und Schornsteinfeger (diese Aufwendung sind immer Lohnleistungen im Bereich der Nebenkostenabrechnung) und können in jedem Fall auch in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

  6. 9
    R.Heitmann

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    gehören Vermessungsleistungen steuerlich begünstigt absetzbar?
    Vielen Dank im Voraus für Ihre Bemühungen.
    R.Heitmann

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