Wenn’s kracht: Unfall auf dem Arbeitsweg

Wenn’s kracht: Unfall auf dem Arbeitsweg

OP-Kosten mit Pendlerpauschale abgegolten


Einige durch einen Unfall entstandene Kosten müssen Sie nicht allein tragen, sondern können sie dem Finanzamt in Rechnung stellen. Zur Frage, ob auch ärztliche Behandlungskosten zusätzlich zur Entfernungspauschale abzugsfähig sind, urteilt nun das Finanzgericht.

Unfall: Kosten in der Steuer

Die Unfallkosten können Sie als Werbungskosten steuerlich absetzen. Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein: Der Unfall ist auf einer beruflich veranlassten Fahrt passiert, und Sie haben die Kosten für den Unfall tatsächlich selbst gezahlt. Als berufliche Fahrt gilt:

  • der Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte
  • eine Familienheimfahrt im Rahmen der doppelten Haushaltsführung oder
  • eine Auswärtstätigkeit (z. B. Dienstreise).

Welche Kosten für den Unfall sind absetzbar?

Abzugsfähig sind alle Aufwendungen, die durch einen Unfall auf dem Arbeitsweg entstehen und nicht erstattet werden. Insbesondere sind dies:

  • Reparaturkosten des eigenen Fahrzeugs
  • Reparaturkosten des Unfallgegners
  • Selbstbeteiligung in der Kaskoversicherung
  • Schadensersatzleistungen
  • Aufwendungen für Gutachter
  • Aufwendungen für Anwalt und Gericht

soweit nicht von dritter Seite Ersatz geleistet wird (z. B. durch die Haftpflicht- oder Kaskoversicherung oder den Schädiger).

Im Gesetz heißt es zwar, dass „durch die Entfernungspauschale sämtliche Aufwendungen abgegolten sind, die durch die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte veranlasst sind“ (§ 9 Abs. 2 EStG). Doch was ist mit den ärztlichen Behandlungskosten, die durch einen Unfall auf dem Arbeitsweg verursacht werden?

Auf diesen Wortlaut berufend, entschied Finanzgericht Baden-Württemberg dazu, dass diese als außergewöhnliche Aufwendungen nicht neben der Entfernungspauschale als Werbungskosten abgezogen werden können (Urteil vom 19.01.2018, Aktenzeichen 5 K 500/17).

Der Fall

Im konkreten Fall klagte eine Angestellte, die auf dem Arbeitsweg einen Unfall mit dem Auto erlitt. In der Folge wurde eine operative Nasen- und Ohrmuschelkorrektur durchgeführt, die sie selbst bezahlte. Die Kosten dafür in Höhe von 2.400 Euro machte sie in ihrer Steuererklärung neben der Entfernungspauschale als Werbungskosten geltend. Dies lehnte das Finanzamt ab und verwies darauf, dass mit der Entfernungspauschale sämtliche Kosten für den Arbeitsweg abgegolten seien.

Revision beim BFH 

Aktuell ist die Finanzverwaltung dazu angewiesen, Unfallschäden zusätzlich zur Entfernungspauschale als Werbungskosten anzuerkennen. Doch das FG Baden-Württemberg erklärt, dass diese Weisungslage nicht mit dem Gesetz vereinbar ist. Die Revision ist beim BFH anhängig (Aktenzeichen VI R 8/18). Ähnlich hat der BFH aber schon in der Vergangenheit entschieden (Urteil vom 20.03.2014, Aktenzeichen VI R 29/13).

 

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