Abfindungen

Zwei Seiten einer Medaille


Abfindungen sind oftmals mit einem lachenden und einem weinenden Auge verbunden. Es bedeutet zum einen Abschied nehmen und zum anderen ein Plus auf dem Konto. Ein Anspruch auf Zahlung einer Abfindung besteht jedoch grundsätzlich nicht. Zahlt der Arbeitgeber dennoch eine, stellen sich unmittelbar steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Fragen. Lesen Sie hier, was es zu beachten gilt.

Kurz & Knapp

  • Abfindungen sind sozialversicherungsfrei, aber steuerpflichtig
  • Sie können mit der Fünftelregelung ermäßigt besteuert werden
  • Weitere Einnahmen, Ausgaben und die Veranlagungsart beeinflussen die Steuerermäßigung
  • Es besteht Steuererklärungspflicht

Wann werden Abfindungen gezahlt?

Als Abfindung wird eine Sonderzahlung vom Arbeitgeber an den Arbeitnehmer im Rahmen einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses bezeichnet. Steht eine Kündigung zur Diskussion, dann möchten Arbeitgeber Rechtsstreite grundsätzlich vermeiden. Mit der Abfindung soll der Arbeitnehmer für den Verlust des Arbeitsplatzes und der damit verbundenen Verdienstmöglichkeiten entschädigt werden.

Eine Abfindung ist unter anderem in folgenden Fällen denkbar:

  • Tarifvertrag oder Sozialplan
  • Unzumutbarkeit der Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses
  • Vergleich in Zusammenhang mit einer Kündigung oder einem Aufhebungsvertrag

Wie hoch müssen Abfindungen sein?

Eine gesetzliche Vorgabe, wie hoch die Abfindung sein muss, gibt es nicht. Vielmehr ist das Verhandlungssache und bietet Spielraum. Als Faustformel gehen Gerichte teilweise von einem halben Monatslohn pro Beschäftigungsjahr als angemessene Abfindung aus.

Info Icon GrafikAbfindungen werden üblicherweise brutto verhandelt. Es müssen also noch Steuerabzüge berücksichtigt werden. Sie sollten daher prüfen, was Ihnen netto übrigbleibt. Zwar sind Abfindungen sozialversicherungsfrei. Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung werden also nicht fällig. Steuern müssen Sie aber trotzdem zahlen.

Sie sollten auch darauf achten, dass keine Nachteile für Leistungen wie Arbeitslosengeld und Sozialleistungen entstehen. Beispielsweise kann es bei Nichteinhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist sein, dass der Anspruch auf Arbeitslosengeld bis zum Ablauf der Kündigungsfrist ruht und Krankenversicherungsbeiträge selbst gezahlt werden müssen.

Wie hoch ist die Steuer auf Abfindungen?

Abfindungen sind steuerpflichtig. Aufgrund der Steuerprogression greifen bei höheren Einkommen höhere Steuersätze. Hohe Abfindungen können also schnell viel Steuern kosten und das Netto stark mindern. Abfindungen gelten aber als außerordentliche Einkünfte und können ermäßigt besteuert werden. Mit der sogenannten Fünftelregelung kann die Steuerlast minimiert werden.

Wie funktioniert die Fünftelregelung?

Niedriger Steuersatz

Für die Ermittlung des Steuersatzes werden dabei nur 1/5 der Einkünfte angesetzt. Dieser Steuersatz gilt dann für die gesamte Höhe der Abfindung. In der Regel wird die Abfindung bereits vom Arbeitgeber in der Lohnabrechnung ermäßigt besteuert. Gegenüber dem normalen Steuertarif führt das in der Regel zu einem besseren Ergebnis. Es gibt aber auch Fälle, bei denen sich die Fünftelregelung nachteilig auswirkt.

Info GlühbirneIm Rahmen der Bearbeitung Ihrer Einkommensteuererklärung prüft das Finanzamt automatisch, was für Sie besser ist. Es erfolgt also eine Günstigerprüfung, ob die Fünftelregelung oder die normale Besteuerung günstiger ist.

Wann profitiere ich von der Fünftelregelung?

Voraussetzung für die Anwendung der Fünftelregelung ist, dass die Abfindung in einem Kalenderjahr gezahlt wird und durch die Zusammenballung von Einkünften erhöhte steuerliche Belastungen entstehen.

Vor diesem Hintergrund sollten jahresübergreifende Ratenzahlungen vermieden werden. Denn ansonsten kann das Finanzamt die bei der Gehaltsabrechnung erfolgte Fünftelregelung nachträglich versagen. Um das Kriterium der Zusammenballung zu erfüllen, muss die Abfindung höher sein als das entgehende Jahresgehalt.

Muss ich eine Steuererklärung abgeben?

Wenn Sie eine Abfindung erhalten, die bei der Gehaltsabrechnung ermäßigt besteuert wurde, müssen Sie zwingend eine Steuererklärung abgeben. Eintragen müssen Sie die Abfindung in der Anlage N.

Beispiel: Haben Sie im Jahr 2020 eine ermäßigt besteuerte Abfindung erhalten? Dann müssen Sie im nächsten Jahr Ihre Einkommensteuererklärung ans Finanzamt schicken. Dafür haben Sie Zeit bis zum 31.07.2021 (ohne Steuerberater) bzw. 28.02.2022 (mit Steuerberater). Denn das Finanzamt möchte prüfen, ob die Voraussetzungen der Fünftelregelung erfüllt sind. Falls nein, muss die unterjährig zu wenig gezahlte Steuer nachgezahlt werden.

Was muss ich in Zusammenhang mit der Fünftelregelung beachten?

Um die Vorteile der Fünftelregelung bestmöglich nutzen zu können, sollten Sie einige Punkte beachten. Vor allem kommt es auf Folgendes an:

  • weiteres Einkommen
  • Ausgaben
  • Veranlagungsart

Wie genau Sie damit das Maximum aus Ihrer Steuerersparnis holen können, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Wie wirkt sich weiteres Einkommen aus?

Weiteres Einkommen, das im Jahr der Abfindung bezogen wird, kann den steuerermäßigten Effekt der Fünftelregelung schnell kaputt machen. Beispielsweise Einkommensersatzleistungen.

Einkommensersatzleistungen sind grundsätzlich steuerfrei, unterliegen aber dem Progressionsvorbehalt. Dieser wirkt auf das übrige Einkommen steuererhöhend. Besonders bei Einnahmen, die wie die Abfindung ermäßigt besteuert werden. Wenn diese mit einer Abfindung zusammentreffen, schlägt der Progressionsvorbehalt besonders stark zu.

In extremen Fällen kann es sein, dass der Steuersatz derartig nach oben schnellt, dass plötzlich eine Steuernachzahlung in Höhe des zuvor bezogenen Lohnersatzes fällig wird. Um nicht ins offene Messer zu laufen, sollten Sie diesen Effekt im Auge behalten. In Abfindungsfällen kann es daher sinnvoll sein, das Zusammentreffen der Fünftelregelung mit dem Progressionsvorbehalt zu vermeiden.

Sollte ich Ausgaben vorziehen?

Andererseits könnte es zudem vorteilhaft sein, Ausgaben ins Jahr der Abfindung vorzuziehen. Diese können einen ähnlich extremen Effekt wie der Progressionsvorbehalt haben, dann allerdings steuermindernd. Besonders könnten hier Altersvorsorgeaufwendungen oder Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung wirken, die vorausgezahlt werden. Lesen Sie dazu mehr in unserem Beitrag Krankenversicherung vorauszahlen.

Welche Veranlagungsart ist die richtige?

Ehepartner können zwischen der Einzel- und Zusammenveranlagung wählen. In Abfindungsjahren kann sich eine Günstigerprüfung lohnen. Zum Beispiel können Sie das Einkommen Ihres Ehepartners bei der Fünftelregelung per Einzelveranlagung heraushalten. Das Einkommen Ihres Ehepartners beeinflusst dann nämlich nicht die Steuerermäßigung.

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