Bogen rund

Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld

Neue Regelung in der Corona-Krise


Auch die Kinderkrankentage und das Kinderkrankengeld gehören zu den Themen, die durch die Corona-Pandemie besonders interessant werden. Denn berufstätige Eltern, die von Kita- und Schulschließungen betroffen sind, werden in Zeiten des Lockdowns vor besondere Schwierigkeiten gestellt. Welche Möglichkeiten Sie jetzt haben und welche Rolle die Kinderkrankentage dabei spielen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Alles auf einen Blick

Kinderkrankengeld Kinderkrankentage Inofgrafik

 

Kinderkrankentage im Detail

Was sind Kinderkrankentage und -geld?

Eltern kennen das nur allzu gut: vor allem in den kalten Monaten lassen Erkältungen bei den Kleinen oft nicht lange auf sich warten. Berufstätige Eltern von Kindern bis 12 Jahren haben in diesem Fall einen Anspruch auf Freistellung: die Kinderkrankentage. Bei manchen Arbeitnehmern zahlt der Arbeitgeber das Entgelt für diese Zeit fort. In vielen Betrieben ist dies aber durch den Arbeitsvertrag ausgeschlossen. Deshalb können gesetzlich Versicherte darüber hinaus eine Entschädigung für diese Tage erhalten, und zwar das Kinderkrankengeld.

Wer zahlt das Geld aus?

Ausgezahlt wird die Leistung von den gesetzlichen Krankenkassen. Genauer: es zahlt die Krankenkasse des Elternteils, der wegen der Betreuung zu Hause bleibt. Bei welcher Krankenkasse das Kind mitversichert ist, spielt dabei keine Rolle.

Wie hoch ist das Kinderkrankengeld?

Das Kinderkrankengeld beträgt 90 Prozent des ausgefallenen Nettolohns.

Was gilt bei privat Versicherten?

Das Kinderkrankengeld ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherungen. Sind Sie also privat krankenversichert, haben Sie lediglich Anspruch auf eine unbezahlte Freistellung und – falls im Arbeitsvertrag nicht ausdrücklich ausgeschlossen – Anspruch auf Lohnfortzahlung. Ein Anspruch auf die Leistung der gesetzlichen Krankenkassen besteht jedoch nicht.

Was gilt, wenn ein Elternteil privat und ein Elternteil gesetzlich versichert ist?

Sind Sie privat versichert, Ihr Partner aber gesetzlich, kommt es darauf an, bei wem Ihr Kind mitversichert ist. Ist Ihr Kind ebenfalls privat versichert, haben Sie keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld — auch wenn Sie selbst gesetzlich versichert sind. Anders sieht es aus, wenn Ihr Kind gesetzlich mitversichert ist. Dann besteht der Anspruch auf Kinderkrankengeld für den gesetzlich versicherten Elternteil.

Anspruch und Beantragung

Habe ich Anspruch auf Kinderkrankengeld?

Sie können die Leistung beantragen, wenn Sie folgende Kriterien erfüllen:

  • Sie und Ihr Kind sind gesetzlich krankenversichert,
  • Ihr Kind ist unter 12 Jahre,
  • Sie haben ein ärztliches Attest, dass die Krankheit Ihres Kindes bescheinigt und
  • keine andere Person in Ihrem Haushalt kann die Kinderbetreuung übernehmen, zum Beispiel weil sie selbst krank oder berufstätig ist.

Wie lange besteht der Anspruch?

Jeder Elternteil erhält pro Kind und Jahr 10 Tage ausgezahlt. Maximal gibt es die Zahlung jedoch für 25 Tage pro Elternteil – das heißt auch bei drei oder mehr Kindern. Für Alleinerziehende gilt: pro Kind haben Sie 20 Tage, maximal jedoch 50 Tage bei mehreren Kindern.

Corona Information Icon

Durch Schul- und Kitaschließungen sollen Eltern entlastet werden, indem der gesetzliche Anspruch auf Kinderkrankentage bzw. Kinderkrankengeld von 10 auf 20 Tage pro Elternteil angehoben wird. Alleinerziehende erhalten die vollen 40 Tage. Mehr dazu erfahren Sie weiter unten im Beitrag.

Wie kann ich Kinderkrankengeld beantragen?

Den Antrag können Sie direkt bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Viele Krankenversicherungen bieten auch die Möglichkeit, den Antrag online zu stellen. Zusätzlich müssen Sie auch das ärztliche Attest einreichen, das die Krankheit Ihres Kindes bestätigt.

Kinderkrankengeld Kinderkrankentage mit WISO Steuer

Kinderkrankentage im Lockdown

Was gilt für die Kinderkrankentage in der Corona-Pandemie?

Durch die erschwerte Situation während der Schul- und Kitaschließung hat die Bundesregierung die Regelungen zu den Kinderkrankentagen gelockert. So stehen gesetzlich Krankenversicherten für das Jahr 2021 20 statt 10 Kinderkrankentagen pro Elternteil und Kind zu. Haben Sie mehrere Kinder, haben Sie Anspruch auf maximal 45 Tage pro Elternteil. Alleinerziehende erhalten die vollen 40 Tage für die Betreuung eines Kindes – bei mehreren Kindern maximal 90 Arbeitstage.

Die neuen Regelungen sollen rückwirkend ab dem 05.01.2021 gelten.

Können Kinderkrankentage und -geld beantragt werden, wenn das Kind nicht krank ist?

Sie haben im Jahr 2021 auch dann Anspruch auf Kinderkrankentage, wenn Sie nicht durch Krankheit des Kindes, sondern durch ausfallende Kinderbetreuung nicht arbeiten können. Haben Sie ein Kind, für das die Betreuung durch Kita- und Schulschließungen weggefallen ist? Viele Eltern werden aktuell vor die große Herausforderung gestellt, Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut zu bringen. Um Eltern zu unterstützen, wird die Regelung der Kinderkrankentage nun gelockert.

Gilt das auch für Eltern im Home-Office?

Auch Eltern, die im Home-Office arbeiten – oder arbeiten könnten – haben Anspruch auf Kinderkrankentage. Hierfür spielt es keine Rolle, ob Sie Ihrer beruflichen Tätigkeit bei Ihrem Arbeitgeber oder zu Hause nachgehen.

Benötige ich trotzdem ein ärztliches Attest, auch wenn mein Kind nicht krank ist?

Beantragen Sie Kinderkrankengeld, um Ihr Kind während des Lockdowns betreuen zu können, müssen Sie keine ärztliche Bescheinigung einreichen.

Um die Antragstellung in dieser Zeit zu vereinfachen, stellen die Krankenkassen einen gesonderten Antrag zur Verfügung. Dennoch müssen Sie auch einen Nachweis einreichen, dass durch behördliche Schließungen keine Betreuung stattfinden kann. Das geht beispielsweise durch eine Bescheinigung der Schule oder Kita.

Kann ich Kinderkrankentage auf meinen Partner übertragen?

Grundsätzlich können die Eltern selbst entscheiden, wer wegen der Betreuung des Kindes zu Hause bleibt. Doch was ist, wenn Sie Ihre Kinderkrankentage ausgeschöpft haben, Ihr Partner jedoch aus beruflichen Gründen nicht zu Hause bleiben kann? In diesem Fall ist es möglich, dass Ihr Partner seine Kinderkrankentage auf Sie überträgt. Dafür muss jedoch Ihr Arbeitgeber zustimmen, dass Sie länger für die Betreuung Ihres Kindes ausfallen. Für nähere Infos wenden Sie sich am besten an Ihre Krankenkassen.

Was gilt: Kinderkrankentage oder Anspruch auf Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz?

Fallen Sie wegen der Betreuung Ihrer Kinder in Ihrem Beruf aus, können Sie laut § 56 Abs. 1a Infektionsschutzgesetz (IfSG) eine Entschädigung für den ausfallenden Lohn erhalten. Dieser beträgt 67 Prozent Ihres Nettolohns. Die Entschädigungsleistung ist zwar steuerfrei – unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt.

Sie können jedoch entweder Kinderkrankengeld oder die Entschädigungsleistung erhalten. Haben Sie also den Antrag auf Kinderkrankengeld gestellt und dieser wurde genehmigt? Dann haben Sie und Ihr Partner so lange keinen Anspruch auf Entschädigungsleistung, solange Sie das Kinderkrankengeld beziehen.

Wie wird die Ausweitung des Kinderkrankengeldes finanziert?

Um den steigenden Anspruch auf Kinderkrankentage bzw. -geld zu finanzieren, stellt die Bundesregierung dem Gesundheitsfond 300 Millionen Euro zur Verfügung.

Kinderkrankengeld und Steuern

Ist das Kinderkrankengeld steuerfrei?

Erhalten Sie Kinderkrankengeld, müssen Sie darauf keine Steuern zahlen. Allerdings handelt es sich dabei um eine Lohnersatzleistungen, die Sie in Ihrer Steuererklärung angeben müssen, sobald die Auszahlungssumme über 410 Euro pro Jahr liegt.

Leider unterliegt nämlich auch das Kinderkrankengeld dem Progressionsvorbehalt. Das heißt: Sie müssen für das Jahr, in dem Sie die Zahlung erhalten haben, eine Steuererklärung abgeben. Dabei geben Sie an, wie viel Kinderkrankengeld Sie erhalten haben. Unter Umständen kann das leider dazu führen, dass Sie Steuern nachzahlen müssen, denn Ihr übriges Einkommen wird dann mit einem höheren Steuersatz besteuert.

Wie gebe ich das Kinderkrankengeld in der Steuererklärung an?

Das Kinderkrankengeld geben Sie direkt im Mantelbogen Ihrer Steuererklärung an. Unter Sonstige Angaben und Anträge finden Sie die Zeile Einkommensersatzleistungen. Unser Tipp: Sparen Sie sich mit WISO Steuer die lästige Formular-Suche. Tragen Sie Ihr Kinderkrankengeld einfach unter Thema hinzufügen > weitere Einkunftsarten > Ersatz für Einkommen ein. Das Programm setzt alle Ihre Angaben an die richtige Stelle in der Steuererklärung.

Kinderkrankengeld Kinderkrankentage

Quelle: BMFSFJ

Steuerberatung?

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Übrigens: In unserer Steuer-Software finden Sie eine ausführliche Hilfe und Tipps zu allen Themen rund um Ihre Steuererklärung.

5 Kommentare

Kommentar hinterlassen
  1. 1
    Felix Schmidt

    Vielen Dank für diesen sehr verständlich geschriebenen Artikel. Mir stellt sich allerdings die Frage, wie es sich mit (freiwillig gesetzlich versicherten) Selbstständigen bzw. Freiberuflern verhält? Haben wir auch Anspruch auf das erweiterte Kinderkrankengeld während des Corona-Lockdowns? Und wie wird das tägliche Einkommen berechnet? Ist das dann 1/365 des Vorjahresgewinns?

    • 2
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      grundsätzlich besteht auch für freiwillig gesetzlich Versicherte Selbstständige Anspruch auf Kinderkrankengeld, wenn der Tarif die Wahlleistung “Krankengeld” umfasst und auch die Kinder gesetzlich versichert. Dies geht aus der Pressemitteilung der Bundesregierung zum Kinderkrankengeld hervor.
      Für die Bemessung des Krankengeldes ist für Selbstständige das Arbeitseinkommen ausschlaggebend, was sich in der Regel nach dem Einkommen bemisst, was der Krankenkasse zur Ermittlung der Beitragshöhe mitgeteilt wird. Um sicherzugehen wenden Sie sich diesbezüglich am besten an Ihre zuständige Krankenversicherung, um die Vertragsdetails bzw. die Anspruchshöhe zu klären.

      Viele Grüße
      Carina Hagemann von Steuern-Sparen

  2. 3
    Sebastian

    Eine wichtige Information fehlt hier leider: Anspruch auf das Kinderkrankengeld besteht nur, wenn auch die Kinder gesetzlich versichert sind. Sind sie über ein Elternteil privat versichert, das andere Elternteil jedoch gesetzlich, bedanken sich die gesetzlichen Krankenkassen höflich und zahlen dem gesetzlich versicherten Elternteil – nichts. Auch gegenüber der privaten Versicherung des anderen Elternteils besteht kein Anspruch seitens des gesetzlich Versicherten. Das gesetzlich versicherte Elternteil geht also ohne finanzielle Hilfe in die Kinderkrankentage. Vielen Dank für nichts.

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