Einnahmenüberschussrechnung

Wie Sie ganz einfach Ihren Gewinn ermitteln


Was unterm Strich zählt, ist der Gewinn. Bis dahin ist es aber ein weiter Weg. Dabei muss aber nicht jeder gleich eine Bilanz aufstellen. Es gibt nämlich noch eine weitere Art zur Gewinnermittlung: Die Einnahmenüberschussrechnung, abgekürzt EÜR. Aber was ist eine EÜR? Warum muss der Gewinn ermittelt werden? Und welche Regeln gelten dafür? Dieser Beitrag liefert Ihnen die Antworten.

Gewinn vs. Überschuss

Schwarze Zahlen, Profit, ein Plus am Ende des Jahres – es gibt unzählige Arten zu sagen, dass man Gewinn gemacht hat. Manchmal ist es nur ein subjektives Gefühl. Manchmal lässt sich ein Gewinn schwarz auf weiß belegen. Im Steuerrecht ist aber nicht alles Gewinn, was wir umgangssprachlich als solchen bezeichnen. Hier wird zwischen Gewinn und Überschuss unterschieden. Das ist wichtig für die Besteuerung. Nur, wer einen Beruf unternehmerisch ausübt, kann einen Gewinn im steuerrechtlichen Sinne erzielen. Das Gesetz spricht von Gewinneinkunftsarten. Dazu zählen Gewerbetreibende, Land- und Forstwirte und Selbstständige. Arbeitnehmer hingegen erwirtschaften keinen Gewinn, sondern einen Überschuss.

Warum das interessant ist

Der Gewinn am Ende des Jahres ist für viele Leute interessant. Vor allem aber für Sie selbst: Sie entscheiden anhand des Gewinns, wie viel Sie Ihren Mitarbeitern bezahlen oder investieren können. Aber auch Banken wollen wissen, wie Ihr Geschäft läuft: Je nachdem, wieviel Gewinn Sie erwirtschaften, kann Ihre Bonität bei der Bank variieren. Zudem können auch Ihre Mitbürger, Geschäftspartner und Mitarbeiter aus Ihrem Gewinn ableiten, wie die Zukunftsaussichten für Ihren Betrieb sind. Zu guter Letzt kommt natürlich noch das Finanzamt ins Spiel.

Der Gewinn als Grundlage für die Besteuerung

Aber wie genau berechnet man jetzt den Gewinn? Dafür gibt es verschiedene Regeln – nach denen Sie zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen können. Die Einnahmenüberschussrechnung ist eine Methode, Ihren steuerlichen Gewinn zu ermitteln. Also den Gewinn, den Sie dem Finanzamt in Ihrer Steuererklärung mitteilen. Die EÜR stellt aber nur eine Art Erleichterung zur komplexeren steuerlichen Gewinnermittlung dar: Die Bilanzierung, auch doppelte Buchführung genannt. Deswegen darf nicht jeder seinen Gewinn mit der Einnahmenüberschussrechnung ermitteln. Vielmehr müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Die Regeln dafür sind in § 4 Abs. 3 Einkommensteuergesetz festgehalten. Deswegen nennt man die EÜR auch „4/3-Rechnung“.

Bilanz oder EÜR – Was ist der Unterschied?

In der Bilanz werden alle Vermögenswerte eines Unternehmens abgebildet. Das können Waren, Maschinen, Konto-Salden oder Forderungen sein. Ebenso muss sie aber auch alle Verbindlichkeiten und das Eigenkapital enthalten.

Der Gewinn wird über eine Gewinn- und Verlustrechnung, kurz GuV, ermittelt. Um alle Werte korrekt festzustellen, ist die Buchführung notwendig. Die Regeln hierfür sind im Handelsgesetzbuch festgehalten.

Denn: Die Bilanz nach Handelsrecht ist eigentlich gar nicht für das Finanzamt gedacht. Sie soll vor allem Gläubigern (z. B. Banken oder Investoren) die wirtschaftliche Lage des Unternehmens offenbaren. Da die Vorschriften im Handelsgesetz eher zur vorsichtigen Bewertung aufrufen. Deshalb wird der Gewinn etwas niedriger abgebildet, als er tatsächlich ist. Ergänzend gibt es  steuerliche Sonderregeln, die im Einkommensteuergesetz stehen. Steuerlich soll der Gewinn nämlich nicht zu niedrig ausgewiesen werden. Dadurch würden nämlich auch zu wenig Steuern gezahlt werden.

Bei der Bilanzierung wird der Gewinn so ermittelt, dass das Wirtschaftsjahr bestmöglich abgebildet wird: Das heißt, dass Erlöse und Aufwendungen unabhängig vom Zahlungszeitpunkt in dem Jahr berücksichtig werden, in das sie wirtschaftlich gehören. Das passiert durch die Ermittlung von Forderungen und Verbindlichkeiten.

Wie die Einnahmenüberschussrechnung funktioniert, steckt schon im Namen: Es wird der Überschuss der (Betriebs)Einnahmen über die (Betriebs)Ausgaben festgestellt. Dafür müssen alle Einnahmen und Ausgaben des Jahres miteinander verrechnet werden. Am Ende steht dann der Gewinn.

Betriebseinnahmen – Betriebsausgaben = Gewinn

Verbindlichkeiten oder Forderungen gibt es bei der EÜR nicht. Hier steht nicht die zeitraum-gerechte Zuordnung im Vordergrund. Vielmehr wird geschaut, welche Zahlungen im Jahr geflossen sind. Das nennt sich Zufluss-Abfluss-Prinzip. Die Einnahmenüberschussrechnung wird immer für ein Jahr erstellt, also für den Zeitraum vom 1.1. bis 31.12. eines Jahres. Eine EÜR von beispielsweise dem 1.6.-31.5. ist deshalb nicht möglich. Bei Land- und Forstwirten ist ausnahmsweise auch ein abweichender Zeitraum erlaubt.

Klingt eigentlich einfach, oder? Trotzdem gibt es ein paar Regeln zu beachten.

Einnahmenüberschussrechnung Infografik

Einnahmenüberschussrechnung -- Alles auf einen Blick

Einnahmenüberschussrechnung: Wer darf sie anwenden?

Wie Sie selbstständig als Gewerbetreibender, Land- und Forstwirt oder Freiberufler Ihren Gewinn ermitteln, kommt ganz darauf an…

…welchem Beruf Sie nachgehen

Glück haben Sie, wenn Sie freiberuflich arbeiten. Dann können Sie immer die EÜR anwenden.

Anders sieht es aus, wenn Sie ein Gewerbe oder einen landwirtschaftlichen Betrieb haben oder eine Handelsgesellschaft betreiben (OHG, KG, GmbH, AG oder Mischformen). Dann sind Sie grundsätzlich erstmal zur Buchführung und damit zur Bilanzierung verpflichtet.

Als Buchführung wird die geordnete Aufzeichnung aller Vorgänge in einem Unternehmen bezeichnet. Dabei werden alle Erlöse, Kosten, Anschaffungen, Forderungen oder Darlehen in sogenannte Konten untergliedert. Die Buchführung bildet die Basis für die Gewinnermittlung in der Gewinn- und Verlustrechnung. Aus der Buchführung kann dann eine Bilanz erstellt werden, die das Vermögen und die Verbindlichkeiten eines Unternehmens enthält. Die Regeln für die Buchhaltung sind im Handelsgesetzbuch festgehalten.

…wie hoch Ihre Gewinne sind

Sie sind Gewerbetreibender oder Land- und Forstwirt? Eine Chance auf die EÜR haben Sie noch: Und zwar, wenn Sie Kleingewerbetreibender sind. Das sind Sie dann, wenn Ihr Betrieb bestimmte Umsatz- und Gewinngrenzen nicht überschreitet.  Sie können die EÜR anwenden, wenn Ihr Jahresgewinn nicht über 60.000 Euro* liegt. Zusätzlich darf Ihr Jahresumsatz nicht mehr als 600.000 Euro betragen. Haben Sie einen landwirtschaftlichen Betrieb, gilt dieselbe Gewinngrenze. Zusätzlich darf der Wert Ihrer Nutzflächen nicht höher als 25.000 Euro* sein.

Was passiert, wenn die Grenzen überschritten werden?Sobald Sie die Umsatz- oder Gewinngrenze überschritten haben, gibt es Post vom Finanzamt. Hierin werden Sie aufgefordert, für das nächste Jahr eine Bilanz abzugeben. Damit müssen Sie die Gewinnermittlungsart wechseln.

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EÜR – Ein Muss?

Die Einnahmenüberschussrechnung soll eine Erleichterung darstellen. Sie sind aber nicht verpflichtet, davon Gebrauch zu machen. Ihnen steht es genauso frei, Ihren Gewinn durch die Bilanzierung zu ermitteln.

Muss die EÜR beantragt werden?

Für die Abgabe der EÜR muss kein besonderer Antrag gestellt werden. Sie müssen lediglich die entsprechende Anlage der Steuererklärung ausfüllen. Damit teilen Sie dem Finanzamt automatisch Ihre Entscheidung mit. Haben Sie für ein Jahr Ihre Wahl getroffen und die Steuererklärung eingereicht, gibt es allerdings kein Zurück mehr.

Was sind EÜR-Betriebsausgaben?

Der Begriff lässt es schon erahnen: Betriebsausgaben sind Kosten, die Sie für Ihr Gewerbe, Ihren land- und forstwirtschaftlichen Betrieb oder Ihre freiberufliche Tätigkeit haben. Das bedeutet, dass private Ausgaben in der Einnahmenüberschussrechnung nichts zu suchen haben. Es dürfen nur die Kosten angeben werden, die Sie tatsächlich für Ihren Betrieb hatten. Die folgende Aufzählung beinhaltet einen Überblick über die wichtigsten Betriebsausgaben.

Wareneinkauf

Waren- oder Rohstoffeinkäufe sind Betriebsausgaben. Dazu gehört alles, was Sie unmittelbar für Ihre Tätigkeit brauchen. Zum Beispiel Pinsel für einen Maler oder Mehl für einen Konditor.

Dienstleistungen

Auch die Kosten für die Dienstleistung eines anderen Unternehmens sind Betriebsausgaben. Typischerweise sind das z. B. Telefon- und Internetkosten, Beratungsleistungen, Reparaturen etc.

Löhne und Gehälter

Das Geld, das Sie Ihren Mitarbeitern bezahlen, mindert auch als Betriebsausgabe Ihren Gewinn.

Miete

Eventuell mieten Sie sich für Ihren Betrieb extra ein Büro oder einen Lagerraum an. Die Miete hierfür ist als Betriebsausgabe ansetzbar.

Ausstattung

Auch die Ausstattung, die über den Waren- oder Rohstoffeinkauf hinaus geht, ist eine Betriebsausgabe. Das können z. B. Büromaterialien, Einrichtungsgegenstände, Berufskleidung etc. sein.

Absetzung für Abnutzung

Für manche Wirtschaftsgüter dürfen Sie die Anschaffungskosten nicht komplett in der EÜR angeben. Die Betriebsausgaben werden im Rahmen der Absetzung für Abnutzung (AfA) über die Jahre der Nutzung verteilt. Lesen Sie hierzu unseren Beitrag zur AfA.

KFZ- Kosten

Die Kosten für Ihren Firmenwagen können Sie vollständig als Betriebsausgaben angeben. Dazu zählen auch Leasingraten oder die AfA, falls Sie das Fahrzeug gekauft haben. Wichtig dafür ist aber, dass Sie das Auto dem Betriebsvermögen zuordnen. Das können Sie, wenn Sie es zu mehr als 10 Prozent betrieblich nutzen.

Achtung bei privater NutzungWenn Sie das Auto nicht ausschließlich betrieblich nutzen, müssen Sie im Gegenzug immer auch eine private KFZ-Nutzung als Betriebseinnahme angeben. Mehr dazu erfahren Sie im Abschnitt Betriebseinnahmen.

Umsatzsteuer

Beim Kauf von Waren, Dienstleistungen und Wirtschaftsgütern, zahlen Sie Umsatzsteuer. Wenn Sie aber selbst umsatzsteuerpflichtige Einnahmen haben, dürfen Sie die gezahlte Umsatzsteuer als Betriebsausgabe angeben. Das gilt für die Umsatzsteuer-Beträge, die Sie an andere Unternehmen zahlen. Aber auch für die, die Sie an das Finanzamt entrichten.

Betriebsausgaben, die nicht in die EÜR kommen

Es gibt aber auch Zahlungen, die zwar an sich zum Betrieb gehören, aber grundsätzlich keine Betriebsausgaben darstellen. Dazu gehören z. B.

  • Tilgungen
  • Forderungsverluste
  • Private Entnahmen

Nicht abzugsfähige Betriebsausgaben

Es gibt aber auch Kosten, die zwar prinzipiell betrieblich veranlasst sind. Trotzdem sagt der Gesetzgeber aber, dass sie nicht steuerlich abgezogen werden dürfen – oder nur teilweise. Die nicht abzugsfähigen Betriebsausgaben sind:

Bewirtungskosten

Eine Besonderheit gilt, wenn Sie Geschäftsfreunde zum Essen einladen. Die Kosten hierfür dürfen Sie zu 70 Prozent als Betriebsausgaben angeben.

Gewerbesteuer

Wenn Sie Gewerbesteuer zahlen, dann ist das natürlich ein betrieblicher Anlass. Trotzdem darf die Gewerbesteuer nicht Ihren Gewinn mindern. Dafür wird Ihnen die Gewerbesteuer aber bei der Einkommensteuer angerechnet. So wird sichergestellt, dass Sie Ihren Gewinn nicht doppelt versteuern müssen.

Geschenke

Geschenke, die teurer als 35 Euro waren, dürfen Sie in bestimmten Fällen nicht als Betriebsausgaben angeben. Der Abzug scheidet nämlich dann aus, wenn Sie Personen beschenken, die nicht Ihre Arbeitnehmer sind. Das können zum Beispiel Geschäftsfreunde oder Kunden sein.

Gästehäuser

Wenn Sie außerhalb Ihres Betriebsortes ein Gästehaus betreiben, dann kann der Ausgabenabzug abgelehnt werden. Und zwar dann, wenn Sie dort Gäste unterbringen, die nicht Ihre Arbeitnehmer sind. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine Vermietung, die steuerlich gesondert zu betrachten ist.

Kosten für: Jagd, Fischerei, Segel- und Motorjachten

…im Rahmen von Betriebsveranstaltungen oder Ausflügen mit Geschäftsfreunden? Das zählt als Luxus-Kosten. Deshalb sind die Aufwendungen dafür ebenfalls nicht als Betriebsausgaben abzugsfähig. Auch damit einhergehende Bewirtungskosten sind nicht abziehbar.

Häusliches Arbeitszimmer

Haben Sie neben Ihrem Büro am Geschäftsort auch Zuhause ein Arbeitszimmer? Dann dürfen Sie die anteiligen Kosten für Miete, Gebäude-AfA, Strom, Wasser, etc. nicht steuerlich absetzen. Steht Ihnen allerdings kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, dann dürfen Sie die Kosten bis zu 1.250 Euro* ansetzen. Dieser Höchstbetrag gilt auch, wenn Sie das Arbeitszimmer für ein nebenberufliches Gewerbe nutzen. Die vollen Kosten dürfen Sie absetzen, wenn Ihr häusliches Arbeitszimmer den Mittelpunkt Ihres Haupt-Geschäfts bildet.

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Was sind Betriebseinnahmen?

Betriebseinnahmen können alle Zahlungen sein, die Sie im Jahr erhalten haben. Wichtig sind aber nur die Einnahmen, die Ihrem Gewerbe, Ihrer Land- und Forstwirtschaft oder Ihrer Freiberufler-Tätigkeit zuzuordnen sind. Dabei geht es aber nicht nur um Geldbeträge: Auch geldwerte Einnahmen zählen dazu. Eine geldwerte Einnahme ist z. B., wenn Ihr Kunde nicht mit Geld bezahlt, sondern Ihnen Ware im Tausch anbietet. Einnahmen aus einem anderen Beruf zählen nicht dazu. Diese müssen Sie in der Einkommensteuererklärung separat angeben.

BeispielSie sind freiberuflich als Autor tätig. Gleichzeitig sind Sie aber auch in der Verwaltung eines Unternehmens angestellt. Zur Ermittlung des Gewinns für Ihre Autorentätigkeit sind nur die Einnahmen aus der Tätigkeit als Autor wichtig. Das Gehalt, das Ihnen Ihr Chef zahlt, gehört nicht in die EÜR.

In diesem Abschnitt listen wir Ihnen die wichtigsten Betriebseinnahmen für die Einnahmenüberschussrechnung auf.

Einnahmen aus dem laufenden Geschäftsbetrieb

Den größten Teil der Betriebseinnahmen stellen die Einnahmen aus dem laufenden Geschäftsbetrieb dar: Also alles, was Ihre Kunden zahlen, um Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung zu erhalten.

Einnahmen aus dem Verkauf von Wirtschaftsgütern

Auch wenn es nicht Teil Ihres Geschäftsmodells ist: Das Geld, das Sie für den Verkauf von Betriebsausstattung erhalten, ist eine Betriebseinnahme. Zum Beispiel wenn Sie als Ingenieur Ihren alten Schreibtisch verkaufen.

Private Nutzung des Firmenwagens

Zahlen Sie dafür, Ihren Firmenwagen auch privat zu nutzen? Wahrscheinlich nicht. Hierbei handelt es sich um eine fiktive Einnahme. Die Kosten für den Firmenwagen dürfen Sie nämlich als Betriebsausgabe voll von der Steuer absetzen. Allerdings nutzen Sie den Wagen eventuell nicht ausschließlich betrieblich – sondern auch privat. Deswegen müssen die Betriebsausgaben korrigiert werden. Das passiert, indem man einen Wert für die private Nutzung ermittelt. Dieser wird dann als Einnahme angegeben.

Ermittlung der privaten KFZ-NutzungDer Wert, mit denen Ihre private KFZ-Nutzung als Betriebseinnahme angesetzt wird, kann unterschiedlich ermittelt werden.
Eine Möglichkeit ist das Fahrtenbuch: Hier zeichnen Sie alle betrieblichen und privaten Fahrten direkt auf. So kann am Jahresende einfach der Anteil der Privatnutzung ermittelt werden.
Die zweite Möglichkeit ist die 1-Prozent-Regelegung: Hier wird pauschal von einem privaten Nutzungsvorteil i. H. v. 1 Prozent des Bruttolistenpreises des Autos ausgegangen.

Umsatzsteuer

Haben Sie umsatzsteuerpflichtige Einnahmen? Dann zahlt der Kunde auf den Preis der Ware auch noch die Umsatzsteuer. Die Umsatzsteuer zählt dabei auch als Einnahme. Das Gleiche gilt, wenn Ihnen das Finanzamt Umsatzsteuer erstattet.

Keine Betriebseinnahmen sind:

  • Private Einlagen
  • Forderungen
  • Darlehensauszahlung

Zufluss-Abfluss-Prinzip: Das Timing zählt

Der Gewinn, der mit der Einnahmenüberschussrechnung ermittelt wird, bezieht sich immer auf ein Geschäftsjähr. Bei einem laufenden Betrieb müssen also alle Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben vom 1.1. bis zum 31.12. betrachtet werden. Dabei gilt das Zufluss-Abfluss-Prinzip. Das heißt: Wichtig sind nur die Zahlungen, die tatsächlich im Jahr geflossen sind. Und zwar egal, in welches Jahr sie wirtschaftlich gehören.

BeispielEin Kunde begleicht seine Rechnung vom 10.12.2019 erst am 31.01.2020. Wirtschaftlich betrachtet gehört die Zahlung ins Jahr 2019. Hier hat sie bei der EÜR 2020 aber keine Auswirkung. Die Rechnung wurde erst 2020 beglichen. Deswegen wird die Einnahme erst bei der EÜR 2020 berücksichtigt.

Das Prinzip ist einfach. Es wäre aber nicht das Steuerrecht, wenn es nicht auch hier ein paar Ausnahmen gäbe.

10-Tage-Regel

In manchen Fällen wird vom Zufluss-Abfluss-Prinzip abgewichen. Unter anderem bei wiederkehrenden Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben. Das sind beispielsweise Miete, Stromabschläge etc. Diese Einnahmen bzw. Ausgaben werden in einem Zeitraum von jeweils 10 Tagen vor und nach dem 31.12. dem Jahr zugeordnet, in das sie wirtschaftlich gehören. Voraussetzung ist aber, dass die Zahlung innerhalb dieser 20 Tage auch fällig war.

10-Tage-Regel Infografik

10-Tage-Regel auf einen Blick

Ab wann ist eine Zahlung regelmäßig? Ganz egal ist, ob die Beträge wöchentlich, monatlich, vierteljährlich oder nur einmal im Jahr gezahlt werden. Auch die Höhe der einzelnen Zahlungen muss nicht immer konstant sein. Allein auf die Regelmäßigkeit kommt es an.

Beispiel 1Die Dezember-Miete für Ihr Büro ist am 31.12.2019 fällig. Sie zahlen aber erst am 03.01.2020. Nach dem strengen Zufluss-Abfluss-Prinzip müsste die Zahlung im Jahr 2020 berücksichtigt werden. Aber: hier greift die 10-Tage-Regel: Die Fälligkeit war innerhalb der letzten zehn Tage im Jahr 2019. Die Zahlung erfolgte innerhalb der ersten zehn Tage im Jahr 2020. Damit muss die Zahlung in dem Jahr berücksichtigt werden, in das sie tatsächlich gehört: 2019.

Beispiel 2Gleicher Fall wie bei Beispiel 1. Nur, dass die Dezember-Miete am 01.12.2019 fällig war. Jetzt liegt zwar die Zahlung immer noch innerhalb des 10-Tage-Zeitraums. Die Fälligkeit war allerdings schon lange vorher. Deswegen kommt die 10-Tage-Regel nicht zur Anwendung. Die Zahlung muss im Jahr 2020 berücksichtigt werden.

Besonderheit: Umsatzsteuervorauszahlung

Eine kleine Ausnahme gibt es bei der 10-Tage-Regel. Und zwar bei Umsatzsteuervorauszahlungen. Diese sind bei monatlichen Vorauszahlungen immer am 10. Tag des Folgemonats fällig, wenn keine Fristverlängerung vorliegt. Grundsätzlich gilt auch hier: Zahlung und Fälligkeit müssen innerhalb der 10 Tage vor und nach dem 31.12. liegen. Haben Sie dem Finanzamt aber eine Einzugsermächtigung erteilt, darf die Zahlung auch außerhalb der 10 Tage liegen. Das Finanzamt hätte nämlich die Möglichkeit gehabt, den Betrag rechtzeitig von Ihrem Konto abzubuchen.

Absetzung für Abnutzung

Sie wissen schon, dass die AfA auf Wirtschaftsgüter eine Betriebsausgabe ist. Gleichzeitig wird aber auch bei der AfA das Zufluss-Abfluss-Prinzip durchbrochen. Hier werden nämlich Ausgaben über mehrere Jahre verteilt, obwohl sie nur zu einem Zeitpunkt tatsächlich geflossen sind.

Aufzeichnungspflicht bei der EÜR?

Wenn Sie Ihren Gewinn mit der Einnahmenüberschussrechnung ermitteln, sind Sie nicht zur Buchführung verpflichtet. Aber wie müssen Einnahmen und Ausgaben dann dokumentiert werden?

Grundsätzlich: Keine besondere Aufzeichnungspflicht

Eine bestimmte Form zur Aufzeichnung ist bei der Einnahmenüberschussrechnung gesetzlich nicht vorgeschrieben. Trotzdem sollten Sie Ihre geschäftlichen Vorgänge so dokumentieren, dass Sie vollständig und richtig sind. Das geht am besten mit Belegen: Und zwar sowohl für die Umsätze als auch für die Ausgaben. Im Zweifel möchte das Finanzamt nämlich nachvollziehen können, wie Sie Ihren Gewinn ermittelt haben. Wenn es feststellt, dass Zahlungen oder Belege fehlen, kann das Finanzamt auf Ihren Gewinn hinzuschätzen. Dadurch kann eine Steuernachzahlung auf Sie zukommen. Allerdings gibt es besondere Fälle, die Sie speziell dokumentieren müssen.

Für bestimmte Betriebseinnahmen und -ausgaben müssen Sie allerdings spezielle Aufzeichnungen vorlegen können:

Aufzeichnung von Wareneingang und Warenausgang

Beim Handel mit Waren müssen Sie den Warenein- und -ausgang dokumentieren.

Beim Wareneingang sind folgende Informationen erforderlich:

  • Datum des Wareneingangs oder Rechnungsdatum
  • Name und Anschrift des Lieferanten
  • Bezeichnung der Ware
  • Kaufpreis
  • Hinweis auf den Beleg (z. B. Rechnungsnummer)

Beim Verkauf von Ware an andere Unternehmer, die die Ware ebenfalls betrieblich nutzen, müssen Sie zudem folgende Informationen dokumentieren:

  • Datum des Verkaufs oder Rechnungsdatum
  • Name und Anschrift des Abnehmers
  • Bezeichnung der Ware
  • Verkaufspreis
  • Hinweis auf den Beleg (z. B. Rechnungsnummer)

Aufzeichnung der Erlöse nach Umsatzsteuer

In Deutschland gibt es verschiedene Umsatzsteuersätze. Am häufigsten ist die 19-prozentige und 7-prozentige Umsatzsteuer. Haben Sie Einnahmen beider Steuersätze, müssen die Umsätze getrennt aufgezeichnet werden. Sie müssen zwar bei der EÜR grundsätzlich kein Kassenbuch führen. Trotzdem müssen Sie Ihre Einnahmen vollständig dokumentieren. Eine bloße handschriftliche Liste reicht dabei nicht aus. Sie haben folgende Möglichkeiten:

  • Jede Einnahme einzeln aufzeichnen
  • Tagessummen aufzeichnen und Kassenstreifen (Z-Bon) aufbewahren: Dazu müssen Anfangs- und Endbestand der Kasse aufgezeichnet werden.
  • Tägliche Kassenberichte anfertigen: Auch hier müssen Anfangs- und Endbestand der Kasse aufgezeichnet werden. Außerdem müssen alle Einnahmen- und Ausgaben im Kassenbericht enthalten sein.

Zur ordnungsgemäßen Kassenbuchführung hat die OFD Karlsruhe einige Informationen zusammengefasst.

Aufzeichnung abnutzbarer Wirtschaftsgüter

Maschinen, Ausstattung, Gebäude: Hierzu zählen alle Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungskosten im Rahmen der AfA über mehrere Jahre verteilt werden. Sie müssen in einem Anlage- bzw. Abschreibungsverzeichnis dokumentiert werden. So kann das Finanzamt nachvollziehen, welche Betriebsausgaben Sie wie lange angeben.  Das Anlageverzeichnis wird als Anlage AVEÜR mit der EÜR an das Finanzamt übermittelt. Die Anlage AVEÜR wird automatisch ausgefüllt, sobald Sie abnutzbare Wirtschaftsgüter im EÜR-Formular angeben.

Aufzeichnung nicht abzugsfähiger Betriebsausgaben

Ausgaben, die Sie für Ihren Betrieb hatten, sind nicht immer auch steuerlich abzugsfähig. Diese haben Sie bereits unter dem Punkt Betriebsausgaben kennengelernt: Es handelt sich um nicht abzugsfähige Betriebsausgaben. Diese müssen Sie ebenfalls gesondert dokumentieren.

Welche Form muss die Einnahmenüberschussrechnung haben?

Einnahmen abzüglich Ausgaben: Genügt hier nicht eine einfache Rechnung? Leider nein. Ab dem Jahr 2017 dürfen Sie Ihre Einnahmenüberschussrechnung nicht mehr formlos beim Finanzamt abgeben. Stattdessen müssen Sie im Formular nur Anlage EÜR der Einkommensteuererklärung ausfüllen. Die Anlage können Sie in einem Rutsch mit Ihrer Einkommensteuererklärung abgeben. Aber es ist auch möglich, das Formular separat beim Finanzamt abzugeben. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn für Ihren Betrieb ein anderes Finanzamt zuständig ist als für Sie privat.

Wohnsitz- und BetriebsfinanzamtWelches Finanzamt für Ihre Einkommensteuer zuständig ist, hängt davon ab, wo Sie wohnen. Man spricht auch vom Wohnsitzfinanzamt. Anders sieht es bei Ihrem Betrieb aus: Hier ist das Finanzamt zuständig, in dessen Bezirk sich der Betrieb befindet. Mann nennt das auch Betriebsfinanzamt. Sind Wohnsitz- und Betriebsfinanzamt identisch, geben Sie die Anlage EÜR einfach zusammen mit Ihrer Einkommensteuererklärung ab. Was, wenn es sich um verschiedene Finanzämter handelt? Dann müssen Sie die Anlage EÜR in der gesonderten Feststellungserklärung beim Betriebsfinanzamt abgeben.

Kann ich zur Bilanzierung wechseln?

Einmal EÜR – immer EÜR? Haben Sie sich einmal für die Einnahmenüberschussrechnung entschieden, heißt das nicht, dass Sie Ihr Leben lang daran gebunden sind. Sie dürfen auch zur Bilanzierung wechseln (und umgekehrt). Folgende Gründe können einen solchen Wechsel veranlassen:

  • Verpflichtender Wechsel zur Buchführung, z. B weil Sie die Gewinngrenze überschreiten
  • Betriebsaufgabe oder -Veräußerung
  • Sie sind Land- und Forstwirt und möchten den Gewinn in Zukunft durch Schätzung ermitteln
  • Freiwilliger Wechsel zur Buchführung bzw. Bilanzierung

Was müssen Sie tun: Der Übergangsgewinn

Die Grundsätze der Gewinnermittlung zwischen Bilanzierung und Einnahmenüberschussrechnung sind verschieden. Deswegen muss beim Wechsel von EÜR auf Bilanz ein Übergangsgewinn berechnet werden. Das stellt sicher, dass alle gewinnwirksamen Kosten und Erlöse auch wirklich berücksichtigt werden. Man korrigiert den Gewinn der EÜR. Und zwar werden die Geschäftsvorfälle des Jahres einzeln überprüft: Wie wirkt sich der Posten bei der Bilanzierung aus? Wie hat er sich bei der EÜR ausgewirkt? Es muss sichergestellt sein, dass sich Erträge und Aufwände weder doppelt noch überhaupt auf den Gewinn auswirken.

BeispielEin Kunde kauft 2019 bei Ihnen ein Produkt für 2.000 Euro, aber bezahlt die Rechnung erst im Jahr 2020. Für 2020 möchten Sie aber von der EÜR auf die Bilanzierung wechseln. Im Jahr 2019 (EÜR) wirkt sich der Kauf des Kunden auf Ihren Gewinn gar nicht aus, da der Kunde nicht gezahlt hat (Zufluss-Abfluss-Prinzip). Bei der Bilanzierung hätte man den Erlös allerdings schon berücksichtig. Dazu wäre eine Verbindlichkeit gebildet worden. Die Zahlung im Jahr 2020 ist mit der Bilanzierung dann nicht mehr gewinnwirksam, sondern gleicht nur die Verbindlichkeit aus. So würde weder in 2019 (EÜR) noch 2020 (Bilanzierung) der Erlös auftauchen. Deswegen erfolgt bei der Berechnung des Übergangsgewinns eine Korrektur des EÜR-Gewinns i. H. v. 2.000 Euro.

Einnahemüberschussrechnung ganz einfach mit WISO steuer:Web

Genug vom lästigen Formulare-Ausfüllen? Dann probieren Sie doch einfach steuer:Web aus! Hier tragen Sie einfach alle Einnahmen und Ausgaben in die entsprechenden Felder Ihrer Steuererklärung ein. Das Beste: Sie werden dabei von der Steuer-Hilfe unterstützt. Am Ende übermittelt steuer:Web die Anlage EÜR ans Finanzamt -- ganz automatisch.

Daten erfassen > Themen hinzufügen > Weitere Einkunftsarten > Selbstständige, Betriebe und Unternehmen >

Hier wählen Sie Ihre Einkunftsart aus und legen den entsprechenden Betrieb an.

Anschließend beginnen Sie mit der EÜR, indem Sie Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben erfassen.

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