Nahrungsergänzungsmittel

Auf Rezept: Jetzt endlich absetzbar


Kann ich Nahrungsergänzungsmittel von der Steuer absetzen? Kosten für eine medizinische Diätkost waren bisher leider nicht als außergewöhnliche Belastungen absetzbar. Doch nun kommt neuer Wind in die Rechtsprechung rund um Nahrungsergänzung.

Ergänzung bei Stoffwechselstörung

Manche Menschen müssen wegen einer chronischen Stoffwechselstörung Vitamine und andere Mikronährstoffe zusätzlich zur Nahrung einnehmen.

Solche Nahrungsergänzungsmittel beheben den Mangelzustand aufgrund der Erkrankung – oftmals anstelle von Medikamenten und Arzneien. Im Allgemeinen werden auch diese Präparate von einem Arzt verordnet.

Bisher konnten Nahrungsergänzungsmittel nicht abgesetzt werden

Doch der Fiskus lehnte die steuerliche Anerkennung der Kosten bisher ab. Und zwar auch dann, wenn die Vitalstoffe nicht nur neben, sondern anstelle von Medikamenten zur Linderung der Krankheit benötigt werden.

Das Abzugsverbot galt selbst dann, wenn die Diät-Lebensmittel mit einer Krankheit im Zusammenhang standen, die Notwendigkeit durch ärztliche Verordnung nachgewiesen wurde und die Diätkost eine medikamentöse Behandlung ersetzte.

Wann kann ich Nahrungsergänzungsmittel absetzen?

Nun hat der Bundesfinanzhof eine erfreuliche wichtige Änderung der bisherigen BFH-Rechtsprechung eingeleitet: Sind die Nahrungsergänzungsmittel wegen einer Krankheit erforderlich? Und wurden sie deshalb ärztlich verordnet? Dann stellen sie Arzneimittel i.S. des Arzneimittelgesetz da – und eben keine Lebensmittel mehr.

Folge: Sie können die Ausgaben als Krankheitskosten im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen absetzen. Dies gilt selbst dann, wenn sie diese während einer Diät eingenommen haben (Aktenzeichen VI R 89/13).

Wie trage ich das in die Steuererklärung ein?

Die Kosten für Nahrungsergänzungsmittel werden als „außergewöhnliche Belastungen“ anerkannt. Tragen Sie den Gesamtbetrag aller Kosten im Mantelbogen in Zeile 67 ein.

Noch einfach geht es mit WISO Steuer:

Nahrungsergänzungsmittel Steuer absetzen Formular

Nahrungsergänzungsmittel von der Steuer absetzen

Nahrungsergänzung ist nicht gleich Arzneimittel

Doch der Fiskus macht es einem wie immer nicht leicht. Es wird unterschieden zwischen

  • Nahrungsergänzungsmittel i.S. der Nahrungsergänzungsmittelverordnung= Lebensmittel, die im Rahmen einer Diät eingenommen werden.
  • Arzneimittel i.S. des Gesetzes, deren Medikation einer Krankheit geschuldet und deshalb ärztlich verordnet wurden.

Arzneimittel unterliegen nicht dem Abzugsverbot für Diätverpflegung. Sie sind keine Lebensmittel und zählen nicht zur Diätverpflegung, auch wenn sie während einer Diät eingenommen werden. Ausgaben dafür sind vielmehr als Krankheitskosten zu berücksichtigen, wenn ihre Einnahme einer Krankheit geschuldet und die medizinische Indikation der Medikation durch ärztliche Verordnung nachgewiesen ist. Der Umstand, dass der Betroffene wegen dieser Krankheit zugleich eine Diät halten muss, steht dem nicht entgegen.

Ein Teil ist selbst zu tragen

Krankheitskosten wirken sich erst dann aus, wenn sie die sogenannte “zumutbare Eigenbelastung” übersteigen. Dies ist ein gesetzlich zumutbarer Eigenanteil, der abhängt von Ihrem Einkommen, Familienstand und Zahl Ihrer Kinder. Erst Kosten über dieser Grenze wirken sich steuermindernd aus.

Steuerberatung?

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4 Kommentare

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  1. 1
    kikita

    WOW! verstehe ich es richtig, dass man auch als selbständiger, wenn man nahrungsergänzungsmittel aufgrund einer chron. erkrankung vom arzt verordnet bekommet, diese von den einnahmen in der überschussrechnung als ausgaben abziehen kann? das wäre genial….! danke, falls sie jemand auskennt, wie das in eine eine überschussrechnung bei selbständigkeit einzurechnen ist…!!

    • 2
      Jochen Breunig

      Guten Tag Kikita,

      leider darf ich Sie aus rechtlichen Gründen steuerlich nicht beraten. Grundsätzlich lässt das Finanzamt keinen Abzug von Nahrungsergänzungsmitteln zu, da es sich um Kosten der privaten Lebensführung handelt. Ein Abzug bei der Einnahmenüberschussrechnung ist mangels betrieblicher Veranlassung daher leider nicht möglich.

      Nur wenn Nahrungsergänzungsmittel nicht als Lebensmittel sondern als Arzneimittel eingestuft sind, ist das Finanzamt kulanter. Dann kommt ein Ansatz als außergewöhnliche Belastungen in Frage, wenn sie ärztlich verordnet und selbst zu zahlen sind. Programmseitig werden Sie bei den „weiteren Ausgaben“ hierbei unter „Krankheitskosten und andere Besonderheiten“ und dort in der Zeile „Arzt/ Therapeut/ Krankenhaus/ Arznei-, Heil- und Hilfsmittel“ unterstützt.

      Vielen Dank und Grüße
      Jochen Breunig
      Tax Specialist bei steuernsparen

  2. 3
    Sandra Müller

    Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Prima, dass Nahrungsergänzungsmittel auf Rezept jetzt endlich absetzbar sind. Meine Tante muss eine strenge Diätkost zu sich nehmen. Da wir die Nahrungsergänzungsmittel online kaufen, werde ich den Händler einmal nach einer Sammelrechnung für das Finanzamt fragen.

  3. 4
    Sabina Thierer

    Super! Wie sieht das bei der Einnahme von Antioxidantien aus. Hatte im November 2014 Brustkrebs und nehme kein Tamoxifen ein. Um das Rezidivrisiko zu senken, nehme ich OPC und Vitamin C ein. Wenn mein Arzt mir dies verschreiben würde, könnte ich das dann steuerlich absetzen?

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