Internatsbesuch aus gesundheitlichen Gründen

Internatsbesuch aus gesundheitlichen Gründen

Als Kinderbetreuungskosten absetzbar


Besucht Ihr Kind aufgrund Krankheit oder Behinderung ein Internat, können Sie die Unterbringungskosten in Ihrer Steuererklärung absetzen.

Ausgaben grundsätzlich nicht steuermindernd

Besucht ein gesundes Kind ein Internat, sind die Kosten für die Unterbringung nicht von der Steuer absetzbar. Denn diese Ausgaben sind für den Fiskus typische Ausbildungskosten, die mit dem Kindergeld oder dem Kinder- und BEA-Freibetrag abgegolten sind.

Nicht abzugsfähig sind die Internatskosten auch dann, wenn die Internatsunterbringung aus sozialen, psychologischen oder pädagogischen Gründen erfolgt. Etwa weil das Kind schwer erziehbar oder lernbehindert ist oder die Eltern sich nicht um das Kind kümmern können.

Gesundheitliche Gründe für den Internatsbesuch

Ist der Grund für den Aufenthalt im Internat jedoch eine Krankheit oder eine Behinderung? Dann können die Internatskosten als außergewöhnliche Belastungen abziehbar sein. Hierbei ist es wichtig, dass die Heilbehandlung im Vordergrund steht. Auch darf der Schulbesuch nur anlässlich dieser Heilbehandlung erfolgen. Trifft dies zu, sind die Internatskosten unmittelbare Krankheitskosten.

Folglich sind sie in vollem Umfang – unter Anrechnung der zumutbaren Belastung – als außergewöhnliche Belastung absetzbar. Die Kosten mindern dann zu zwei Dritteln, höchstens 4.000 Euro im Jahr, die Steuer.

Positives Urteil aus Thüringen

Bereits im Jahre 2016 hat Finanzgericht Thüringen entschieden, dass Internatskosten – mit Ausnahme der Verpflegungskosten – Kinderbetreuungskosten sind (Aktenzeichen 2 K 95/15). Nun zeigt sich aktuell auch der Fiskus dieser neuen Idee aufgeschlossen und weist sogar ausdrücklich auf das steuerzahlerfreundliche Urteil des Finanzgerichts Thüringen hin: „Aufwendungen für die Unterbringung in einem Internat sind als Kinderbetreuungskosten abziehbar.

Ausgaben für Unterricht, die Vermittlung besonderer Fähigkeiten sowie sportliche und andere Freizeitbetätigungen sind hingegen vom Sonderausgabenabzug ausgeschlossen. Ggf. ist eine Aufteilung der Aufwendungen vorzunehmen“ (Kurzinfo ESt 25/2017).

Begriff der Kinderbetreuung reicht weit

Nach Auffassung des Finanzgerichts Thüringen, auf das der Fiskus hinweist, ist der vom Gesetz nicht definierte Begriff der Kinderbetreuung weit zu fassen. Neben der behütenden und beaufsichtigenden Betreuung im Sinne eines Schutzes vor Gefahren, Verletzungen und Schäden umfasst er grundsätzlich auch die Personensorge.

Auch erstreckt er sich auch auf Elemente der Pflege und Erziehung, also die Sorge für das geistige, seelische und körperliche Wohl des Kindes, mithin die pädagogisch sinnvolle Beaufsichtigung.

Die Betreuungsangebote können in unterschiedlichen Formen erfolgen:

  • Betreuung außer Haus
  • in Kindergärten
  • in Tageseinrichtungen
  • in Kinderheimen
  • in Kinderkrippen
  • bei Tagesmüttern
  • bei Wochenmüttern
  • in Ganztagspflegestellen
  • durch Kinderpfleger
  • durch Erzieher
  • durch Hilfen im Haushalt
  • bei der Beaufsichtigung von häuslichen Schulaufgaben.

Es sei nicht ersichtlich, wieso die Unterbringung in einem „Kinderheim“ begünstigt sein soll, die Unterbringung in einem „Internat“ jedoch nicht.

Was Sie jetzt tun sollten

Ihr Kind besucht aus gesundheitlichen Gründen ein Internat? Und das Finanzamt hat Ihnen eben diese Kosten aus Ihrer Steuererklärung gestrichen? Legen Sie binnen vier Wochen Einspruch gegen den Steuerbescheid ein und verweisen Sie auf das Urteil des Finanzgerichtes Thüringen mit dem Aktenzeichen 2 K 95/15 sowie die Kurzinfo ESt 25/2017.

Welche Kosten rund um die Kinderbetreuung Sie noch absetzen können

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