Kinder im Internat

Kinder im Internat

Wann gibt’s den Steuervorteil für Unterbringungskosten?


Kosten für die Internatsunterbringung eines gesunden Kindes zwecks Schulausbildung sind steuerlich nicht absetzbar. Denn die Kosten stellen typische Ausbildungskosten dar, die mit dem Kindergeld oder Kinderfreibetrag abgegolten sind.

Bisherige Ausnahme: Aufenthalt wegen Krankheit

Nicht abzugsfähig sind die Internatskosten auch dann, wenn die Internatsunterbringung aus sozialen, psychologischen oder pädagogischen Gründen erfolgt. Etwa weil das Kind schwer erziehbar oder lernbehindert ist oder die Eltern sich nicht um das Kind kümmern können.

Ist jedoch ein Internatsaufenthalt durch eine Krankheit oder Behinderung verursacht, können die Internatskosten als außergewöhnliche Belastung abziehbar sein. Wichtig hierbei ist, dass die Heilbehandlung im Vordergrund steht. Der Schulbesuch darf nur anlässlich dieser Heilbehandlung gleichsam nebenbei und nachrangig erfolgen.

Ist dies der Fall, stellen die Internatskosten unmittelbare Krankheitskosten dar. Sie sind in vollem Umfang – unter Anrechnung der zumutbaren Belastung – als außergewöhnliche Belastung absetzbar.

Nach neustem Urteil: Betreuungskosten

Nun hat das Finanzgericht Thüringen eine neue Tür geöffnet: Internatskosten – mit Ausnahme der Verpflegungskosten – stellen Kinderbetreuungskosten dar. Somit sind sie zu zwei Drittel, höchstens 4.000 Euro, im Rahmen der Sonderausgaben abzugsfähig (Aktenzeichen 2 K 95/15).

Der entschiedene Fall

Die elfjährige Tochter besuchte eine Ganztagsschule. Während der Schulwochen war das Kind in dem der Schule angegliederten Internat untergebracht. Die Betreuung der im Internat wohnenden Schüler erfolgt auf der Grundlage eines mit der Schule abgestimmten Konzepts zur ganzheitlichen Erziehung und Betreuung. Nach der Erziehungsvereinbarung hat das Internat neben Unterbringung und Verpflegung auch für Erziehung, gesundheitliche Betreuung und Freizeitgestaltung Sorge zu tragen. Die Internatskosten betragen 2.435 Euro, wovon 1.035 Euro auf die Unterkunft und 1.400 Euro auf die Verpflegung entfallen.

Das Finanzamt wollte die Unterkunftskosten nicht anerkennen- die Verpflegungskosten schon gar nicht. Begründung: es stand „nicht die persönliche und behütende Fürsorge für das Kind im Vordergrund, sodass die Internatskosten nicht zu den förderfähigen Betreuungsdienstleistungen zählten.“

Begründung der Finanzrichter

Wenn das Finanzamt meint, dass nur die behütende oder beaufsichtigende Betreuung begünstigt sei und die persönliche Fürsorge für das Kind im Vordergrund stehen müsse, so habe der Bundesfinanzhof diese enge Sicht bereits verworfen (Aktenzeichen III R 29/11).

Vielmehr sei der vom Gesetz nicht definierte Begriff der Kinderbetreuung gemäß der BFH-Rechtsprechung weit zu fassen. Neben der behütenden und beaufsichtigenden Betreuung im Sinne eines Schutzes vor Gefahren, Verletzungen und Schäden umfasst er grundsätzlich auch die Personensorge. Weiter erstreckt er sich auch auf Elemente der Pflege und Erziehung, also die Sorge für das geistige, seelische und körperliche Wohl des Kindes, mithin die pädagogisch sinnvolle Beaufsichtigung.

Bunte Vielfalt an Betreuungsangeboten

Die Betreuungsangebote können grundsätzlich in unterschiedlichen Formen erfolgen: Betreuung außer Haus, in Kindergärten, Tageseinrichtungen, Kinderheimen, Kinderkrippen sowie bei Tagesmüttern, Wochenmüttern und in Ganztagspflegestellen, aber auch durch Kinderpfleger, Erzieher und Hilfen im Haushalt sowie bei der Beaufsichtigung von häuslichen Schulaufgaben.

Es ist daher nicht ersichtlich, wieso die Unterbringung in einem „Kinderheim“ begünstigt sein soll, die Unterbringung in einem „Internat“ jedoch nicht.

Hinweis

Steuervorteil für Schulgeld: Besucht Ihr Kind eine kostenpflichtige Schule, dann können Sie bis zu 30 Prozent des Schulgeldes, maximal 5.000 Euro im Jahr als Sonderausgaben absetzen. Hierbei ist egal, aus welchen Grund Ihr Nachwuchs in der privaten oder kirchlichen Bildungseinrichtung ist.

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