Witwenrente

Finanzielle Fragen nach dem Tod des Ehepartners


Verstirbt der Partner, bleibt oft nicht viel Zeit zur Trauer. Rechtliches muss geklärt, der Nachlass festgestellt und die Beerdigung geplant werden. Auch stellt sich für den hinterbliebenen Ehegatten die Frage, wie es finanziell weitergehen soll. Fällt ein Einkommen im Haushalt weg, wird es schwierig, den gewohnten Lebensstandard zu halten. Eine kleine finanzielle Stütze für den Todesfall bietet die Witwenrente. Erfahren Sie hier, in welchen Fällen Sie die Rente erhalten und in welcher Höhe.

Witwen- oder Witwerrente

Zwar ist im allgemeinen Sprachgebrauch das Wort „Witwenrente“ geläufig. Allerdings haben sowohl hinterbliebene Ehefrauen als auch Ehemänner gleichermaßen Anspruch auf Zahlung der Rente. Im weiteren Verlauf unseres Beitrags werden wir jedoch keine geschlechtsspezifische Unterscheidung vornehmen und deshalb allgemein die Bezeichnung „Witwenrente“ verwenden.

Allgemein handelt es sich hierbei um eine Hinterbliebenenrente. Andere Hinterbliebenenrenten sind z. B. die Erziehungsrente und die Waisenrente. In diesem Artikel beschränken wir uns allerdings darauf, Ihnen alles über die Witwenrente zu erklären.

Welche Voraussetzungen gelten?

Anspruch auf Witwenrente besteht, wenn der Ehepartner verstirbt. Daraus lässt sich die Grundvoraussetzung für die Zahlung der Rente ableiten: und zwar, dass Sie bis zum Tod des Ehegatten verheiratet bzw. in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft waren. Darüber hinaus gelten jedoch weitere Bedingungen.

Mindestens 1 Jahr verheiratet

Für den Anspruch auf Zahlung der Rente müssen Sie mit Ihrem Partner zum Todeszeitpunkt mindestens 1 Jahr verheiratet oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gewesen sein.

Ausnahme
Ist Ihr Partner aufgrund besonderer Umstände (z. B. durch einen Unfall) ums Leben gekommen, besteht der Anspruch auch, wenn Sie noch kein volles Jahr verheiratet waren.

Mindestversicherungszeit

Damit Sie im Todesfall Witwenrente gezahlt bekommen, muss Ihr verstorbener Partner die Mindestversicherungszeit (Wartezeit) der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllt haben. Als Mindestversicherungszeit werden die Monate bezeichnet, in denen Beiträge zur Rentenversicherung geleistet wurden. Bei Arbeitnehmern geschieht das z. B. durch den Einbehalt und die Abführung der Versicherungsbeiträge durch den Arbeitgeber. Um die Mindestversicherungszeit zu erfüllen, müssen diese Beiträge insgesamt für mindestens 5 Jahre bezahlt worden sein.

Ausnahme
Die Mindestversicherungszeit muss nicht erfüllt sein, wenn Ihr Partner durch einen Arbeitsunfall ums Leben gekommen ist. Sie entfällt ebenso, wenn Ihr Partner zum Todeszeitpunkt bereits eine Rente bezogen hat.

Keine Wiederverheiratung

Haben Sie nach dem Tod Ihres Partners erneut geheiratet, wird in diesem Fall grundsätzlich keine Hinterbliebenenrente gezahlt. Allerdings können Sie eine Rentenabfindung beantragen.

Wann wird die Witwenrente gezahlt?

Wann Ihnen die Witwenrente tatsächlich ausgezahlt wird, hängt davon ab, ob Ihr verstorbener Ehepartner bereits Rentner war. Hat er vor seinem Tod eine Rente bezogen, erhalten Sie die Zahlung erst in dem Monat, der auf das Sterbedatum folgt. Das ist deshalb so, weil für den Sterbemonat noch die Rente Ihres verstorbenen Partners bezahlt wird (z. B. Altersrente).

Anders ist es, wenn Ihr Ehepartner bis zu seinem Tod noch keine Rente bezogen hat. In diesem Fall erhalten Sie die Witwenrente bereits ab dem Todestag.

Was bedeutet Rentensplitting?

Nach dem Tod Ihres Partners haben Sie die Wahl, sich für das Rentensplitting zu entscheiden. Rentensplitting bedeutet, dass Ihr eigener Rentenanspruch mit dem Ihres verstorbenen Partners zusammengerechnet wird. Von diesem Gesamtrentenanspruch steht Ihnen dann die Hälfte zu. Das lohnt sich für Sie vor allem dann, wenn Ihr Partner eine höhere Rente erhalten hat als Sie.

Entscheiden Sie sich allerdings nach dem Todesfall für das Rentensplitting, haben Sie keinen Anspruch mehr auf die Zahlung der Witwenrente.

Wie hoch ist die Witwenrente?

Die wichtigste Frage nach der Klärung der Voraussetzungen lautet: Wie hoch fällt die Zahlung aus? Hierbei ist zwischen der kleinen und der großen Witwenrente zu unterscheiden.

Kleine Witwenrente

Anspruch auf die kleine Witwenrente haben Sie, wenn Sie noch jung sind und es wahrscheinlich ist, dass Sie nach einer gewissen Übergangszeit eigenständig für Ihren Lebensunterhalt sorgen können.  Sie erhalten die Rente, wenn Sie

  • jünger als 47 Jahre alt sind
  • nicht erwerbsgemindert sind
  • kein Kind erziehen

Die kleine Witwenrente beträgt 25% der Rente, die Ihr verstorbener Partner zum Todeszeitpunkt erhalten hat. Hat er bislang keine Rente erhalten, so ist von der Rente auszugehen, die er erhalten hätte, wenn er zum Todeszeitpunkt in Rente gegangen wäre.

Die kleine Witwenrente wird längstens 2 Jahre gezahlt.

Ausnahme: Zeitlich unbegrenzte Zahlung
Zeitlich unbegrenzt erhalten Sie die kleine Witwenrente allerdings dann, wenn Sie bereits vor dem 1. Januar 2002 geheiratet haben und Sie oder Ihr Partner vor dem 2. Januar 1962 geboren wurden.

Große Witwenrente

Im Umkehrschluss steht Ihnen die große Witwenrente zu, wenn Sie

  • mindestens 47 Jahre alt sind oder
  • erwerbsgemindert sind oder
  • ein minderjähriges Kind erziehen oder
  • unabhängig vom Alter ein behindertes Kind erziehen, das nicht für sich selbst sorgen kann.
Bis zum Jahr 2028 erhöht sich das Mindestalter für die große Witwenrente schrittweise auf 47. Das bedeutet, dass Sie aktuell auch schon früher die große Witwenrente erhalten können. Für einen Todesfall in 2020 gilt beispielsweise ein Mindestalter von 45 Jahren und 9 Monaten.

Die große Witwenrente beträgt 55% der Rente, die Ihr verstorbener Partner zum Todeszeitpunkt erhalten hat bzw. hätte.

Ausnahme: 60%
Haben Sie bereits vor 2002 geheiratet oder sind Sie oder Ihr verstorbener Partner vor dem 2. Januar 1962 geboren, gilt für Sie die alte Rechtslage. Das bedeutet, dass die Rente 60% (anstatt 55%) beträgt.

Rentenhöhe im „Sterbevierteljahr“

Eine besondere Regelung in Bezug auf die Rentenhöhe gilt im Sterbevierteljahr. Als Sterbevierteljahr bezeichnet man die auf den Sterbemonat folgenden 3 Monate. In diesem Zeitraum ist die Witwenrente genauso hoch wie der Rentenanspruch des Verstorbenen. Ihr eigenes Einkommen wird noch nicht angerechnet.

Eigenes Einkommen wird angerechnet

Verdienen Sie als Witwe bzw. Witwer ein eigenes Einkommen und können damit Ihren Lebensunterhalt bestreiten, mindert sich Ihr Anspruch auf Witwenrente. Ein Teil Ihres eigenen Einkommens wird auf den Rentenanspruch angerechnet. Grundsätzlich können 40 % Ihrer Nettoeinkünfte auf die Rente angerechnet werden. Die Nettoeinkünfte selbst ermittelt die Rentenversicherung durch einen pauschalen Abzug von Ihren Bruttoeinkünften. Der pauschale Abzug beträgt in Abhängigkeit von der jeweiligen Einkommensart bis zu 40%.

Anzurechnendes EinkommenPauschaler Abzug in %
Lohn/Gehalt aus Arbeitnehmertätigkeit, Vorruhenstandsgeld oder Überbrückungsgeld40
Entgelt aus geringfügiger versicherungsfreier Beschäftigungkein Abzug
Selbstständige Tätigkeit39,8
Lohn/Gehalt bei Rentnern (Altersrente)30,5
Beamtenbezüge27,5
Einnahmen aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung oder privaten Veräußerungsgeschäften25

Zusätzlich gilt monatlich ein Freibetrag, in dessen Höhe (das 26,4-fache des aktuellen Rentenwerts) ein Teil Ihres Einkommens von der Anrechnung verschont bleibt. Aktuell ergeben sich hier für Ost- und Westdeutschland folgende Werte:

ZeitraumOst (monatlich)West (monatlich)
Juli 2019 bis Juni 2020841,90 Euro872,52 Euro
Juli 2020 bis Juni 2021877,27 Euro902,62 Euro

Zählen neben Ihnen auch Kinder, die Anspruch auf Waisenrente haben, zu den Hinterblieben, erhöht sich der Freibetrag um folgende Werte:

ZeitraumOst (monatlich)West (monatlich)
Juli 2019 bis Juni 2020178,58 Euro185,08 Euro
Juli 2020 bis Juni 2021186,09 Euro191,46 Euro
Beispiel
Sie haben Anspruch auf die große Witwenrente. Der Rentenanspruch Ihres verstorbenen Partners zum Todeszeitpunkt beträgt 1.000 Euro / Monat. Zusätzlich haben Sie ein eigenes monatliches Bruttogehalt von 2.833 Euro. Kinder, mit Anspruch auf Waisenrente haben Sie nicht. Sie leben in Westdeutschland.

Der Monatliche Anspruch beträgt vor Anrechnung des eigenen Einkommens 55% von 1.000 Euro = 550 Euro

Hierauf wird ggf. das eigene Einkommen angerechnet:

1. Berechnung Nettoeinkommen (bei Arbeitsentgelt erfolgt ein pauschaler Abzug mit 40%)
2.833 Euro – 40 % = 1.700 Euro
2. Abzüglich Freibetrag (West) = 872,52 Euro
1.700 Euro – 872,52 Euro = 827,48 Euro
3. Hiervon werden auf die Witwenrente 40% angerechnet
827,48 Euro x 40% = 330,99 Euro

Auf die Witwenrente werden vom eigenen Einkommen also 330,99 Euro angerechnet: Verbleibender monatlicher Rentenanspruch 550 Euro – 330,99 Euro = 219,01 Euro

Was passiert, wenn Sie erneut heiraten?

Heiraten Sie nach dem Tod Ihres Partners erneut, haben Sie grundsätzlich keinen Anspruch mehr auf die Witwenrente. Die Rentenzahlung endet dann mit dem Monat, in dem Sie heiraten. Allerdings können Sie eine Rentenabfindung beantragen. Damit sind Sie für die neue Ehe etwas finanziell abgesichert.

Die Rentenabfindung ist steuerfrei.

Für den Antrag müssen Sie der Deutschen Rentenversicherung die Versicherungsnummer Ihres verstorbenen Partners mitteilen. Außerdem müssen Sie die neue Eheurkunde vorlegen.

Die Rentenabfindung bei der großen Witwenrente erhalten Sie grundsätzlich in Höhe von 2 Jahresbeträgen. Bei der Kleinen wird Ihnen lediglich der noch nicht verbrauchte Restbetrag bis zum Ende des zweijährigen Bezugszeitraums ausbezahlt.

Keine Rentenabfindung
Beziehen Sie nach dem Tod Ihres vorletzten Partners eine Rente oder Erziehungsrente, scheidet die Zahlung der Rentenabfindung aus.

Was ist die Wiederauflebensrente?

Die Wiederauflebensrente ist weitgehend unbekannt. Sie kommt dann ins Spiel, wenn Ihr Partner aus zweiter Ehe verstirbt. In diesem Fall ist es unter Umständen möglich, dass Sie die Witwenrente aus Ihrer ersten Ehe wieder erhalten – diese also wiederauflebt. Und zwar, obwohl der Anspruch darauf eigentlich mit Ihrer erneuten Heirat erloschen ist.

Für Zahlung der Wiederauflebensrente müssen Sie innerhalb von 12 Monaten nach dem Tod Ihres zweiten Ehepartners einen Antrag stellen. Die Rente erhalten Sie – bei erfolgreichem Antrag – ab dem Monat nach dem Tod Ihres Partners. Stellen Sie den Antrag später, wird die Rente erst ab dem Antragsmonat bezahlt.

Die Wiederauflebensrente wird um eventuelle Unterhalts- oder Versorgungsansprüche aus Ihrer zweiten Rente gekürzt. So kann es auch sein, dass sie gar nicht gezahlt wird, weil sie auf 0 Euro gekürzt wurde. Besteuert wird die Wiederauflebensrente mit dem Ertragserteil.

Die Wiederauflebensrente wird nur so lange gezahlt, wie Sie nach der zweiten Ehe unverheiratet bleiben. Bei einer dritten Heirat entfällt der Anspruch. Eine Rentenabfindung ist nach der Wiederauflebensrente nicht möglich.

Erhalten Sie die Witwenrente auch, wenn Sie geschieden sind?

Grundsätzlich: Nein. Allerdings gibt es Fälle, in denen Sie ausnahmsweise auch nach dem Tod eines Ex-Partners Anspruch auf Witwenrente haben. Hierfür müssen alle der folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Ihre Ehe wurde vor dem 1. Juli 1977 geschieden,
  • Sie haben nach der Scheidung bis zum Tod Ihres Ex-Partners nicht erneut geheiratet,
  • Sie haben im Jahr vor dem Tod Ihres Ex-Partners von ihm Unterhaltszahlungen erhalten oder zumindest einen Anspruch darauf,
  • Ihr Ex-Partner hat bis zu seinem Tod die Mindestversicherungszeit von 5 Jahren erfüllt oder hat bereits eine Rente bezogen oder ist durch einen Arbeitsunfall ums Leben gekommen.

Ist die Witwenrente steuerpflichtig?

Ja, die Witwenrente ist steuerpflichtig. Die gute Nachricht lautet allerdings: Sie ist – wie die gesetzliche Altersrente – nur mit dem Besteuerungsanteil steuerpflichtig. D. h. ein gewisser Teil der Rente bleibt für Sie bis 2039 steuerfrei. Wie hoch der steuerfreie Teil der Rente ist, hängt davon ab, in welchem Jahr Sie die Witwenrente erstmalig bezogen haben. Der Rentenfreibetrag wird durch regelmäßige Rentenerhöhungen – wie bei der Altersrente – nicht neu berechnet. D. h. jede Rentenerhöhung ist voll steuerpflichtig.

Jahr des RentenbeginnsBesteuerungsanteil in %Jahr des RentenbeginnsBesteuerungsanteil in %
Bis 200550202383
200652202484
200754202585
200856202686
200958202787
201060202888
201162202989
201264203090
201366203191
201468203292
201570203393
201672203494
201774203595
201876203696
201978203797
202080203898
202181203999
2022822040100

Im Umkehrschluss stellt sich die Frage, ob das angerechnete eigene Einkommen den Rentenfreibetrag kürzt.

Hierzu hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass der Rentenfreibetrag neu berechnet werden muss, wenn sich die Witwenrente aufgrund der Einkommensanrechnung ändert (BFH v. 17.11.2015 Az: X R 53/13).

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3 Kommentare

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  1. 1
    Reinhard Keilich

    Mit Ihrer Information habe ich die Witwenrente gut verstanden. Sie ist übersichtlich und verständlich geschrieben. Viel besser als in der Homepage der Rentenversicherung. Danke dafür.
    Unklar ist mir bei der “kleinen” Witwenrente was dann ist, wenn noch kleine Kinder erzogen werden.

    • 2
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      vielen Dank für Ihr positives Feedback!
      Für den Fall, dass eine hinterbliebene Person noch ein minderjähriges oder behindertes Kind großzieht, tritt anstelle der kleinen Witwenrente die große Witwenrente. Gleiches gilt, wenn die hinterbliebene Person erwerbsgemindert oder älter als 47 Jahre alt ist.
      Genauer nachlesen können Sie das unter der Überschrift: “Wie hoch ist die Witwenrente?

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann von Steuern-Sparen

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