Antrag auf Realsplitting bei Geschiedenen

Antrag auf Realsplitting bei Geschiedenen

Auch für frühere Jahre möglich?


Unterhaltszahlungen an den Ex-Partner mindern Ihre Steuer. Doch manchmal macht dieser dem Steuervorteil einen Strich durch die Rechnung – und lässt sich Zeit mit der Zustimmung. Was dann?

Zustimmung für den Abzug erforderlich

Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder getrennt lebenden Ehepartner können Ihre Steuer als Sonderausgaben mindern- bis zum Höchstbetrag von 13.805 Euro. Dazu ist zwingend Zustimmung des Unterhaltsempfängers erforderlich. Denn dieser muss im Gegenzug den gleichen Betrag als „sonstige Einkünfte“ versteuern.

Um den Steuerabzug zu erhalten, muss der Unterhaltszahler jedes Jahr aufs Neue die „Anlage U“ zur Steuererklärung ausfüllen und abgeben. Die Zustimmung des Unterhaltsempfängers hingegen gilt bis auf Widerruf und muss nicht jährlich neu eingeholt werden.

Wenn ein Partner sich quer stellt

Da die Kommunikation zwischen Ex-Partnern oftmals alles andere als einfach ist, braucht die Zustimmung mitunter sehr viel Zeit. So kommt es vor, dass der Unterhaltsempfänger seine Zustimmung lange und beharrlich verweigert und diese erst erteilt, nachdem der Steuerbescheid des betreffenden Jahres bereits bestandskräftig geworden ist.

Antrag trotzdem möglich

In diesem Fall kann der Unterhaltszahler für ein früheres Jahr den Antrag auf Realsplitting trotzdem stellen und hierzu die „Anlage U“ einreichen. Auch wird ein bestandskräftiger Steuerbescheid wegen eines rückwirkenden Ereignisses geändert.

Eine entsprechende Änderung des Steuerbescheids erfolgt ebenfalls beim Unterhaltsempfänger (Urteil des Bundesfinanzhofs, Aktenzeichen X R 8/84).

Keine Änderung nach Bestandskraft

Nun hat der Bundesfinanzhof in Ergänzung dieses Urteils entschieden, dass ein bestandskräftiger Steuerbescheid nachträglich nicht mehr geändert werden darf, wenn die Zustimmung des Unterhaltsempfängers bereits bei Bestandskraft des Steuerbescheids vorlag (insbesondere wegen der Dauerwirkung der Zustimmung), doch der Unterhaltszahler hat die Abgabe der „Anlage U“ nur vergessen hat.

Eine Berücksichtigung des Realsplittings ist dann nicht mehr möglich. Denn hier hat es allein der Unterhaltszahler in der Hand, den Antrag rechtzeitig zu stellen (Aktenzeichen X R 33/12).

Hinweis

Der Sonderausgabenabzug für ein früheres Jahr ist nur dann möglich, wenn Sie in diesem Jahr auch tatsächlich Unterhalt gezahlt haben.

Falls Sie den Unterhalt nur geschuldet, aber nicht gezahlt haben, ist eine Berücksichtigung des Realsplittings wegen des Zu- und Abflussprinzips nicht möglich (Urteil des BFH, Aktenzeichen III R 23/98).

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