Fachschulbesuch nach Berufstätigkeit

Fachschulbesuch nach Berufstätigkeit

Erhalten die Eltern Kindergeld?


Ein gerader Lebenslauf- heutzutage eine Seltenheit. Denn bei den schier unzähligen Möglichkeiten im Berufsleben probieren sich viele erst mal aus, bevor sie sich für einen Beruf entscheiden. Doch vor allem beim Kindergeld ist eine rote Linie in der Berufsausbildung erforderlich.

Erste Ausbildung oder Zweitausbildung?

Eine zweite Ausbildung ohne die Erfahrung aus der vorherigen Berufstätigkeit ist oftmals nicht möglich. Doch: ist dann der zweite Ausbildungsabschnitt noch Teil einer einheitlichen mehraktigen Erstausbildung – und somit positiv fürs Kindergeld? Oder stellt dieser bereits eine -steuerrechtlich schädliche- Zweitausbildung dar?

Weiterbildung: Erfahrungen aus vorheriger Tätigkeit wichtig

Nun hat das Finanzgericht Münster in zwei Urteilen wie folgt entschieden: Ist für den weiteren Berufsabschluss eine einschlägige Berufstätigkeit mit der damit verbundenen berufspraktischen Erfahrungen erforderlich? Dann stellt diese Ausbildung eine Weiterbildung und damit eine zweite Berufsausbildung dar.

Die erforderliche Berufstätigkeit führt zu einem Einschnitt, der den notwendigen engen Zusammenhang zwischen den beiden Ausbildungen entfallen lässt (Aktenzeichen 1 K 3050/16 Kg und 1 K 2410/16 Kg).

Voraussetzungen für die einheitliche Ausbildung

Für eine einheitliche mehraktige Ausbildung ist erforderlich, dass sich der erste Abschluss als integrativer Bestandteil eines einheitlichen Ausbildungsgangs darstellt. Somit kommt es darauf an, ob die Ausbildungsabschnitte in einem engen sachlichen (z.B. dieselbe Berufssparte, derselbe fachliche Bereich) und zeitlichen Zusammenhang durchgeführt werden.

Setzt der zweite Ausbildungsabschnitt eine Berufstätigkeit voraus und das Kind nimmt vor Beginn der zweiten Ausbildung eine entsprechende Berufstätigkeit auf, die nicht nur der zeitlichen Überbrückung bis zum Beginn der nächsten Ausbildung dient? Dann liegt mangels engem Zusammenhang keine einheitliche Erstausbildung mehr vor (Urteil des Bundesfinanzhofs, Aktenzeichen III R 14/15).

Der entschiedene Fall

Die Tochter hat eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten abgeschlossen. Danach arbeitet sie Vollzeit in diesem Beruf. Gleichzeitig besucht sie in Teilzeit die Fachschule für Wirtschaft, um den Abschluss „staatlich geprüfte Betriebswirtin“ zu erlangen und Bilanzbuchhalterin zu werden.

Voraussetzung für die Teilnahme an der Abschlussprüfung ist u.a. eine praktische Berufstätigkeit im Ausbildungsberuf von mindestens einem Jahr. Dieses berufspraktische Jahr kann während der Fachschulausbildung abgeleistet werden.

Folgen für das Kindergeld

Während des Besuchs der Fachschule (Zweitausbildung) haben die Eltern nur dann Anspruch auf Kindergeld oder auf die steuerlichen Freibeträge, wenn das Kind keine Erwerbstätigkeit ausübt. Oder es arbeitet maximal 20 Wochenstunden, ohne dass es auf die Höhe des Verdienstes ankommt. Da diese Grenze aber bei einer nebenher ausgeübten Vollzeitbeschäftigung überschritten ist, entfällt der Anspruch auf Kindergeld. Ein Minijob (Verdienst bis 450 Euro) oder eine Aushilfstätigkeit (längstens 3 Monate oder 70 Arbeitstage) wären unschädlich.

Wird vor dem Fachschulbesuch bzw. Studium keine oder eine Berufstätigkeit allenfalls zur Überbrückung ausgeübt? Dann kann das Studium noch als integraler Bestandteil einer einheitlichen Erstausbildung gelten (so genannte mehraktige Ausbildung). In diesem Fall wird das Kindergeld ohne weitere Bedingung gewährt. Also auch bei einer Erwerbstätigkeit von mehr als 20 Wochenstunden während des Studiums. Die Höhe des Verdienstes ist ohne Bedeutung.

Kindergeld oder Kinderfreibetrag?

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