Hochwasser: Kosten von der Steuer absetzen

Hochwasser: Kosten von der Steuer absetzen

Holen Sie den Fiskus mit ins Boot


Land unter – nicht nur in Bayern. Durch die Unwetter der vergangenen Wochen herrscht Ausnahmezustand in vielen Städten und Gemeinden. Ein winziger Trost in der aktuellen Notlage: Es gibt steuerliche Hilfsmaßnahmen.

Sofortmaßnahmen der Steuerverwaltung

Noch laufen die Aufräumarbeiten, schon werden die nächsten Unwetterwarnungen ausgesprochen. Doch eine positive Nachricht gibt es: Die Finanzämter haben nun diverse finanzielle Entlastungen und Verfahrenserleichterungen beschlossen.

Diese Sofortmaßnahmen sollen den unmittelbar von der Flutkatastrophe Betroffenen Steuererleichterung verschaffen. Wir haben die wichtigsten steuerlichen Hilfen für Sie zusammengefasst.

Hochwasserkosten bei der Steuer absetzen

Die Kosten, die in Ihrer Wohnung oder Haus durch das Hochwasser entstanden sind, können Sie in der Steuererklärung das Jahres 2016 geltend machen – und zwar als außergewöhnliche Belastung. Jedoch aufgepasst: Beim Schadenseintritt an sich entsteht Ihnen an sich noch keine steuerliche Entlastung – erst wenn Sie den Schaden beseitigen!

Zu den abzugsfähigen Kosten zählen:

  • Reparaturen
  • Räumungskosten
  • Neukauf von Hausrat, Möbel und Kleidung
Die Schäden müssen unmittelbar durch das Hochwasser entstanden sein.

Die Gesamtsumme der Kosten tragen Sie im Mantelbogen auf Seite 3 in Zeile 67 ein.

Hochwasserkosten und andere außergewöhnliche Belastungen wirken sich erst dann aus, wenn sie die so genannte zumutbare Eigenbelastung übersteigen. Dies ist ein gesetzlich zumutbarer Eigenanteil, der abhängt von Ihrem Einkommen, Familienstand und Zahl Ihrer Kinder. Erst Kosten oberhalb dieser Grenze wirken sich steuermindernd aus.

Stellen Sie einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung

Stellen Sie schon jetzt einen Lohnsteuerermäßigungsantrag. Damit sichern Sie sich schon jetzt mehr Netto auf dem Konto! Sie erhalten Sie einen Freibetrag auf Ihrer Lohnsteuerkarte. Dieser gilt für die Anwendungen, die als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig sind.

Hier können Sie den Antrag herunterladen: Antrag auf Lohnsteuerermäßigung 

 

Achtung

Die nachfolgenden Regelungen gelten nur für Bayern! Diese wurden mit Schreiben vom 03. Juni 2016 bekanntgegeben. Wann und ob solche Vereinfachungen auch für andere Bundesländer beschlossen werden, ist aktuell noch nicht bekannt.

Lassen Sie Steuern stunden

Sind Sie unmittelbar vom Hochwasser betroffen und haben Sie fällige Steuern beim Fiskus? Oder werden Steuerzahlungen in nächster Zeit fällig? Dann zögern Sie nicht und schicken dem Finanzamt einen Antrag auf Stundung. Ihnen wird ohne strenge Anforderungen eine Frist bis zum 30.September dieses Jahres gewährt.

Wir haben ein Musterschreiben für Sie vorbereitet: Antrag auf zinslose Stundung

Mindern Sie Ihre Vorauszahlungen

Zahlen Sie Einkommensteuer- oder Körperschaftsteuer-Vorauszahlungen? Dann senden Sie Ihrem zuständigen Finanzamt einen Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen.

Wir haben ein Musterschreiben für Sie vorbereitet: Antrag auf Heransetzung der Vorauszahlungen

Verzögern Sie Vollstreckungsmaßnahmen

Sind Sie als Vollstreckungsschuldner unmittelbar und nicht unerheblich vom Hochwasser betroffen? Das Finanzamt sieht hier bis zum 30.09.2016 von Vollstreckungsmaßnahmen ab.

Auch werden Ihnen Säumniszuschläge, die von Ende Mai 2016 bis Ende September entstanden sind, erlassen. Nehmen Sie dafür umgehend mit Ihrer zuständigen Vollstreckungsstelle Kontakt auf.

Buchführungsunterlagen verloren?

Hat das Hochwasser Ihre geschäftlichen Unterlagen vernichtet? Hier gibt das Finanzministerium bekannt, dass Ihnen dadurch keine nachteiligen Folgen entstehen dürfen.

Steuerfreie Hilfe vom Arbeitgeber

Arbeitgeber können betroffenen Mitarbeitern unter die Arme greifen: Mit einer steuerfreien Unterstützung bis zu einem Betrag von 600 Euro. Wird diese Summe überschritten, muss ein besonderer Notfall vorliegen. Dieser ist aber bei den Unwetter-Betroffenen in jedem Falle gegeben.

Wird ein Kredit beim Arbeitgeber aufgenommen, bleiben die Zinsvorteile steuerfrei. Voraussetzung hierbei: Das Darlehen übersteigt die Schadenshöhe nicht.

Bilden Sie Sonderabschreibungen

Für Selbstständige, Gewerbetreibende und Land- und Forstwirte gibt es zudem noch folgende Erleichterungen: Wurde ein Betriebsgebäude ganz oder teilweise zerstört, so können Sie die Kosten für den Wiederaufbau gesondert abschreiben. Die Abschreibung beträgt im Jahr der Fertigstellung sowie der beiden folgenden Wirtschaftsjahre bis zu insgesamt 30 Prozent der Kosten.

Auch Vermieter können die Regelung für ihre beschädigte Immobilie in Anspruch nehmen.

Auch für vernichtete oder verlorengegangene bewegliche Gegenstände des Anlagevermögens gibt es Sonderabschreibungen. Für das Jahr der Anschaffung oder Herstellung und die beiden darauf folgenden Jahre können Sie bis zu 50 Prozent abschreiben. Voraussetzung hierbei ist allerdings, dass die die Gegenstände bis zum 31.12.2019 angeschafft werden müssen.

Weitere Infos zu den Hilfsmaßnahmen lesen Sie hier.

Unwetter und Hochwasser: Der Staat hilft beim Aufräumen

Weitere Infos, wie der Staat Ihnen beim finanziellen Aufräumen nach dem Hochwasser hilft, sehen Sie hier.

 

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