Kindergeld für Azubis

Kindergeld für Azubis

Bewerbung bei Vollzeitbeschäftigung


Gute Nachrichten für Eltern von Azubis: Kindergeld kann jetzt bereits während der Bewerbungsphase aus einer Vollzeitbeschäftigung heraus beantragt werden.

Kindergeld für Azubis

Azubis werden bis zum 25. Lebensjahr steuerlich als Kind berücksichtigt. Folge: Die Eltern erhalten Kindergeld und können darüber hinaus die steuerlichen Freibeträge geltend machen. Noch besser: Ausbildungswillige Kinder werden bereits ab dem Zeitpunkt berücksichtigt, in dem sie sich um einen Ausbildungsplatz bewerben. Auch wenn es nur Absagen hagelt oder es eine Zusage erst zu einem späteren Zeitpunkt gibt.

Bereits während Bewerbungs-Phase

Nun hat der Bundesfinanzhof klar entschieden: Ein Kind, das sich um einen Ausbildungsplatz bewirbt, ist auch dann steuerlich zu berücksichtigen ist, wenn es diese Bemühungen aus einer Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung heraus unternimmt. Berücksichtigt wird das Kind als „Kind in Wartezeit“. (Aktenzeichen VI III R 9/12).

Bis 2011 bedeutet das Urteil, dass die Einkünfte aus der Vollzeitbeschäftigung bei der Einkommensprüfung einzubeziehen waren. Und da diese doch eher hoch waren, wurde meist der maßgebliche Einkommensgrenzbetrag von 8.004 Euro (2010-2011) überschritten. Folge: Es bestand kein Anspruch auf Kindergeld. Da freute sich der Fiskus.

Ab 2012 ist die Einkommensprüfung bei volljährigen Kindern weggefallen. Da jetzt die Höhe der Einkünfte aus der Vollzeitbeschäftigung keine Rolle mehr spielt, besteht nun für die Eltern immer ein Anspruch auf Kindergeld und auf die Steuerfreibeträge. Jetzt freuen sich die Eltern.

Ersthafte Bemühungen nachweisen

Die Bemühungen um einen Ausbildungsplatz müssen „ernsthaft“ sein. Das Kind muss dies durch geeignete Unterlagen dokumentieren. Dies können zum Beispiel sein:

  • schriftliche Bewerbungen
  • Ablehnungsschreiben
  • Bescheinigung über die Registrierung als Bewerber für einen Ausbildungsplatz
  • Bescheinigung für eine Bildungsmaßnahme bei der Agentur für Arbeit
  • Zusage für den späteren Ausbildungsbeginn

Das Kind wird auch dann berücksichtigt, wenn ihm ein Ausbildungsplatz bereits zugesagt wurde – es diesen aber aus schul-, studien- oder betriebsorganisatorischen Gründen erst zu einem späteren Zeitpunkt antreten kann. In dieser Zeit kann das Kind beliebig viel verdienen, ohne den Kindergeldanspruch zu gefährden.

Wie bei Kindern in Berufsausbildung gilt auch für Kinder in der Wartezeit: Die Finanzämter prüfen nicht mehr, welche Einkünfte das Kind in welcher Höhe erzielt hat, sondern ob es eine erste Berufsausbildung bzw. ein Erststudium bereits abgeschlossen hat oder nicht. Nur im Fall der Zweitausbildung wird dann weiter geprüft, ob und in welchem Umfang nebenbei eine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird. In diesem Fall wäre nur eine Erwerbstätigkeit von bis zu 20 Wochenstunden unschädlich, ohne dass es dabei auf die Höhe des Verdienstes ankommt.

Gehalt egal

Der Wegfall der Einkommensprüfung ab 2012 bringt eine außerordentliche Vergünstigung für Kinder in Wartezeit, die sich um einen Ausbildungsplatz beworben haben: Das Kind kann also nach dem allgemeinbildenden Schulabschluss (z. B. Hauptschule, Abitur) – nachdem die Bewerbungen abgeschickt sind – soviel arbeiten und verdienen, wie es will. Die Eltern bekommen auf jeden Fall das Kindergeld oder die Steuerfreibeträge. Der Bundesrat hatte in einer Stellungnahme zum „Steuervereinfachungsgesetz 2011“ auf diese enorme Bevorzugung von Kindern in Wartezeit hingewiesen und hätte sie gerne ausgeschaltet. Da dies aber wieder mit einer Verkomplizierung verbunden gewesen wäre, hat die Bundesregierung das Gesetz ohne Änderung beschließen lassen (Drucksache des Bundestages, 17/5125, S. 63).

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