Verluste aus Liebhaberei

Verluste aus Liebhaberei

Interessantes Verfahren anhängig


Erzielen Sie aus einer Tätigkeit dauerhaft Verluste, ohne gegenzusteuern? Dann wird dies als „Liebhaberei“ bezeichnet. Der Staat geht davon aus, dass Sie die Verluste in Kauf nehmen, weil private Motive das geschäftliche Interesse überlagern.

Steuerliche Folge der Liebhaberei

Folglich werden die Verluste entweder von Beginn an oder ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr anerkannt. Es kann sich um Verluste aus einem echten Hobby handeln. Aber auch zum Beispiel um Verluste aus einer Nebentätigkeit oder der Vermietung einer Ferienwohnung.

Die Finanzverwaltung beobachtet das Geschehen eine Weile und erlässt die Steuerbescheide zunächst vorläufig. Stellt sich nach einigen Jahren heraus, dass Ihre Tätigkeit tatsächlich keine Gewinne abwirft und Sie auch nichts unternehmen, um die Situation zu verbessern? Dann streicht das Finanzamt Ihre Verluste rückwirkend.

Gegen negative Steuerbescheide setzen sich die Betroffenen üblicherweise zu Wehr. Sie versuchen, gegenüber dem Finanzamt in irgendeiner Weise glaubhaft zu machen, dass bei Ihnen doch eine Gewinnerzielungsabsicht vorliegt. Mitunter kann aber auch das steuerliche Verfahrensrecht weiterhelfen.

Interessantes Verfahren anhängig

Aktuell ist beim Bundesfinanzhof unter dem Aktenzeichen VIII R 12/17 ein interessantes Verfahren anhängig. Die Steuerzahlerin konnte bereits in der Vorinstanz gewinnen. Es ging um eine Diplom-Designerin, deren Verlust für das Jahr 2001 das Finanzamt zunächst vorläufig anerkannt hatte. In den Erläuterungen zum Steuerbescheid führte das Finanzamt aus: „Der Bescheid ergeht vorläufig hinsichtlich der Einkünfte aus selbstständiger Arbeit, weil zur Zeit die Gewinnerzielungsabsicht nicht abschließend beurteilt werden kann.“

Einige Jahre später wurde der Steuerbescheid in einem anderen Punkt geändert. Auch dieser Bescheid erging vorläufig. In dem Erläuterungsteil fehlte jedoch ein expliziter Hinweis darauf, dass sich die Vorläufigkeit weiterhin auf die Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit beziehen sollte. Erneut einige Zeit später wollte das Finanzamt den Verlust für das Jahr 2001 endgültig streichen, verlor diesbezüglich aber den Rechtsstreit vor dem Finanzgericht.

Begründung der Finanzrichter

Es gäbe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Änderungsbescheid weiterhin in Bezug auf die Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit vorläufig sein sollte – so die Finanzrichter. Damit bleibe der – zunächst vorläufig berücksichtige – Verlust endgültig steuermindernd bestehen. Eine spätere Änderung des Steuerbescheides für das Jahr 2001 scheide in diesem Punkt aus.

Die Klägerin konnte mithilfe des Verfahrensrechts einen schönen Etappensieg für sich verbuchen. Es bleibt aber abzuwarten, wie der BFH entscheiden wird. Die Revision ist unter anderem zugelassen worden, weil das FG Münster in seinem Urteil (4 K 511/11 E) angenommen hat, dass ein im ursprünglichen Steuerbescheid gesetzter Vorläufigkeitsvermerk selbst dann weiterhin Gültigkeit hat, wenn er in einem nachfolgenden Änderungsbescheid nicht ausdrücklich wiederholt wird.

2 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    Jürgen Felix Holland

    Frage: wie lange darf man denn Verluste machen. Der Plan nach drei Jahren nach Gewerbe-Neugründung ins Plus zu kommen ist leider fehlgeschlagen und wird noch ein bis zwei Jahre auf sich warten lassen. Die Verluste werden aber kontinuierlich kleiner. Ist dies möglich?

  2. 2
    Erven

    Wenn es aufwärts geht, sieht es auch das Finanzamt… Dann gibt es ja auch Gewinn..
    Die andrer Frage ist, Gewerbe angemeldet, weil man für ein Taschengeld auch nicht Schwarzarbeiten darf. Verluste habe ich nicht, aber Neuanschaffung und Privatentnahmen

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