Abfindungen

Wann werden sie ermäßigt besteuert?


Bei Verlust des Arbeitsplatzes sind finanzielle Engpässe zu überbrücken. Da ist es wichtig, dass von der Abfindung möglichst viel im Geldbeutel bleibt. Teilweise werden diese Zahlungen begünstigt besteuert. Doch wann profitiert man davon?

Progression

Mit steigendem Einkommen steigt auch der persönliche Steuersatz. Dieser schwankt  zwischen 14 Prozent für Personen, die nur etwas mehr als den Grundfreibetrag jährlich zur Verfügung haben, und 43 Prozent für Gutverdiener. 45 Prozent Steuern vom Einkommen muss bezahlen, wer zu den Spitzenverdienern zählt.

Zahlt der Arbeitgeber bei Kündigung Abfindungen, steigt in diesem Jahr das zu versteuernde Einkommen gegenüber den Vorjahren. Folge: Ein höherer Steuersatz für alle Einkünfte in diesem einen Jahr.

Ermäßigte Besteuerung

Dies würde zu einer erheblichen Mehrbelastung durch Steuern führen. Dabei fließt dieses Geld für die Arbeit die man über Jahre bei dem Arbeitgeber geleistet hat. Wäre es auf die Zeit der Anstellung gleichmäßig verteilt worden, wären diese Einnahmen bei weitem nicht so sehr mit Steuern belastet gewesen. Deshalb gibt es die Regelung der ermäßigten Versteuerung, wenn es durch die Entschädigung am Ende des Arbeitsverhältnisses zu einer Zusammenballung der Einkünfte kommt.

Zusammenballung von Einkünften

Eine Zusammenballung der Einkünfte und damit die Voraussetzung für eine ermäßigte Besteuerung liegt vor, wenn der Steuerpflichtige in dem Veranlagungszeitraum der Entschädigung insgesamt mehr erhält , als er bei ungestörter Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses erhalten hätte.

Es werden die Einnahmen des Steuerpflichtigen, die er im Jahr der Entschädigung tatsächlich erhält einer Soll-Größe gegenübergestellt. In dieser Soll-Größe werden die Einnahmen errechnet, die der Steuerpflichtige erhalten hätte, wenn sein Arbeitsverhältnis ungestört fortgeführt worden wäre. Sind die Einnahmen einschließlich Entschädigung höher als die Soll-Größe, ist die Voraussetzung für die ermäßigte Besteuerung erfüllt und die sogenannte Fünftel-Regelung kann zu einer geringeren Steuerlast führen

Richterliche Entscheidung

Die Richter des Finanzgerichts Sachsen hatten nun zu entscheiden, ob Arbeitslosengeld zu den tatsächlichen Einnahmen gezählt wird. Arbeitslosengeld erhöht die steuerliche Last, da es zwar steuerfrei ist, aber dem Progressionsvorbehalt unterliegt. Das heißt, dass die Zahlung von Arbeitslosengeld den persönlichen Steuersatz erhöht. Deshalb waren die Richter des Finanzgerichts der Auffassung, dass zu den Einnahmen neben der Entschädigung und den anderen Einkünften auch das Arbeitslosengeld gehört.

Hinweis

Gegen dieses Urteil wurde Revision eingelegt. Wie die Richter des Bundesfinanzhofs entscheiden bleibt abzuwarten. Falls dieser Fall auf Ihren eigenen zutrifft und Ihnen die ermäßigte Besteuerung nicht gewährt wurde, sollten Sie Einspruch einlegen. Beantragen Sie Verfahrensruhe, und verweisen Sie auf das Verfahren beim Bundesfinanzhof unter dem Aktenzeichen IX R 14/13.

Steuerberatung?

Einzelfragen zu Ihrer Steuererklärung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch über Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne für zukünftige Beiträge auf.

Auch wenn die kostenlosen und frei zugänglichen Inhalte dieser Webseite mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt wurden, übernehmen wir keine Gewähr für deren Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität. Der Aufruf dieser Inhalte begründet mangels Rechtsbindungswillens unsererseits keinerlei Vertragsverhältnis. Außer im Falle von Vorsatz übernehmen wir keine Haftung für etwaige aus der Verwendung der Inhalte resultierende Schäden.

Übrigens: In unserer Steuer-Software finden Sie eine ausführliche Hilfe und Tipps zu allen Themen rund um Ihre Steuererklärung.

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

Kommentar hinterlassen