Arbeitszimmer: erforderlich oder nicht?

Arbeitszimmer: erforderlich oder nicht?

Welche Voraussetzungen gibt es?


Ausgaben für ein Arbeitszimmer landen in vielen Steuererklärungen. Doch oftmals lehnt das Finanzamt den Kostenabzug ab. Begründung: Der Raum sei nicht „erforderlich“ oder „notwendig“. Wann ist der steuerliche Abzug erlaubt?

Muss der Raum „erforderlich“ sein?

Ist das Kriterium der „Erforderlichkeit“ für die steuerliche Absetzbarkeit des Arbeitszimmers tatsächlich von Bedeutung? Jedenfalls ergibt sich die Bedingung nicht aus dem Gesetz. Sie wurde erst im Jahre 1996 vom BFH eingeführt. „Den im Gesetz getroffenen Regelungen liegt die gesetzgeberische Überlegung zugrunde, dass Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur dann steuerlich abziehbar sein sollen, wenn ein solches für die Erwerbstätigkeit erforderlich ist“ (Aktenzeichen VI R 47/96).

Finanzrichter und Finanzbehörden einig: kein Abzug

Das Finanzamt schließt sich dieser Meinung an. Es lehnt den Werbungskostenabzug ab, wenn das Arbeitszimmer nach Art und Umfang der Tätigkeit nicht erforderlich ist. Auch das Finanzgericht Nürnberg ist dieser Auffassung: Ein Arbeitszimmer sei für die Verwaltung einer kleinen Photovoltaikanlage nicht absetzbar, weil es dafür nicht erforderlich ist (Aktenzeichen 3 K 308/11).

Ebenfalls wird es nicht für die Verwaltung von zwei Mietwohnungen anerkannt, weil es dafür nicht erforderlich ist (Aktenzeichen 5 K 1251/12). Auch das Finanzgericht Hessen hält einen häuslichen Arbeitsplatz für die Verwaltung von zwei Eigentumswohnungen nicht für erforderlich oder notwendig (Aktenzeichen 13 K 1005/00).

Plötzliche Kehrtwende des Bundesfinanzhofes

Doch aktuell hat der Bundesfinanzhof nochmals genau ins Gesetz geschaut und kommt zu einem verblüffenden Ergebnis. Es kommt beim häuslichen Arbeitszimmer gar nicht auf die „Erforderlichkeit“ an! Denn diese ergebe sich gar nicht aus dem Gesetz und sei auch kein Merkmal für die Abzugsfähigkeit des Arbeitszimmers (Aktenzeichen IX R 52/14). Aha!

Im Gesetz sei die Absetzbarkeit auf zwei Fallgruppen begrenzt: kein anderer Arbeitsplatz und Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung. Diesen Fallgruppen liegt die gesetzgeberische Überlegung zugrunde, dass die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer in diesen Fällen erforderlich sind. „Ein zusätzliches ungeschriebenes Tatbestandsmerkmal der Erforderlichkeit für die beiden Fälle, in denen die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer überhaupt nur abzugsfähig sind, folgt daher weder aus dem Gesetzeswortlaut noch aus der Gesetzesbegründung“.

Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein

Bei geringer Nutzung des Arbeitszimmers für eine Verwaltungstätigkeit hat der BFH jetzt folgende Regeln vorgegeben. Diese gelten zum Beispiel bei Verwaltung von einigen Mietwohnungen, von Kapitalvermögen oder einer Photovoltaikanlage.

  •  Zunächst ist zu prüfen, in welchem Umfang das Arbeitszimmer zur Erzielung von Einkünften genutzt wird und ob eine schädliche private (Mit-)Nutzung vorliegt.
  • Wird der Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich zur Erzielung von steuerpflichtigen Einnahmen genutzt und sind die privaten Tätigkeiten (z.B. Verwaltung des Eigenheims, Erledigung privater Korrespondenz, Aufbewahrung privater Unterlagen) im Verhältnis zur steuerrelevanten Nutzung des Arbeitszimmers als untergeordnet einzustufen, ist das Arbeitszimmer steuerlich anzuerkennen.
  • Entfällt jedoch ein nicht unerheblicher Anteil der Nutzung des Arbeitszimmers auf private Tätigkeiten, wird das Arbeitszimmer steuerlich nicht anerkannt (gemäß BFH-Urteil, Aktenzeichen GrS 1/14).

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