Bogen rund

Schuldzinsen von der Steuer absetzen

So sparen Sie Steuern mit Ihrem Kredit


Ob Immobilien, Autos oder andere teure Anschaffungen – manchmal geht es eben nicht ohne ein Darlehen. Doch leider bekommt man das Geld nicht einfach so. Es fallen zusätzlich noch Zinsen und manchmal auch weitere Gebühren an. Diese Mehrkosten nennt man auch Schuldzinsen. Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie durch diese Schuldzinsen aber immerhin Steuern sparen. Wir zeigen Ihnen, wie das geht!

Kurz & knapp

  • Schuldzinsen muss jeder zahlen, der ein Darlehen aufnimmt
  • Unter bestimmten Voraussetzungen können Schuldzinsen Werbungskosten sein, Tilgungen können allerdings nicht abgesetzt werden
  • Selbstständige und Unternehmer können Schuldzinsen als Betriebsausgaben absetzen

Was sind Schuldzinsen?

Als Schuldzinsen bezeichnet mal alle (Neben-)Kosten, die bei einem Darlehen anfallen. Alle Kredit-Nebenkosten müssen im Darlehensvertrag festgehalten sein und werden gebündelt in einem Jahreszins dargestellt: dem Effektivzins. Man kann die Schuldzinsen mit dem Effektivzins gleichsetzen. Der Effektivzins setzt sich also zusammen aus dem Nominalzins sowie anfallenden Kredit-Nebenkosten. Dazu zählen beispielsweise Bereitstellungsgebühren oder Restschuldversicherungen.

Info Glühbirne KontogebührenSeit 2014 dürfen Banken keine Bearbeitungs- und Kontogebühren für Darlehen verlangen. Das gilt übrigens auch für den Bausparvertrag.

Kann ich Schuldzinsen als Werbungskosten absetzen?

Finanzieren Sie eine private Anschaffung durch einen Kredit, ist das in der Regel leider reines Privatvergnügen. Denn diese sogenannten Kosten der privaten Lebensführung finden nur in bestimmten Ausnahmefällen Platz in der Steuererklärung, wie etwa bei Krankheitskosten oder haushaltsnahe Dienstleistungen. Das bedeutet leider auch, dass dann auch Schuldzinsen in der Regel keinen Steuervorteil bringen.

Anders sieht es aus, wenn der Kredit in direktem Zusammenhang mit Ihren Einnahmen steht. Denn in diesem Fall können Sie Schuldzinsen als Werbungskosten in Ihrer Steuererklärung eintragen. Doch auch hier geht das nicht immer:

Beispiel

Stefan hat sich privat ein neues Auto gekauft und finanziert es über eine bestimmte Dauer. Da er das Auto vor allem dazu nutzt, um zur Arbeit zu fahren, sieht er darin auch einen Zusammenhang zu seinen Einnahmen. Kann er die Schuldzinsen also von der Steuer absetzen?

 Ergebnis: Leider nein. Es besteht zwar tatsächlich ein Zusammenhang zu seinen Einkünften. In diesem Fall sind aber die Kosten für die Anfahrt zur Arbeit, einschließlich der Schuldzinsen, mit der Pendlerpauschale abgegolten. Stefan kann also keine zusätzlichen Ausgaben absetzen.

 Aber: Wäre Stefan selbstständig, könnte er die Schuldzinsen anteilig für die beruflichen Fahrten absetzen. Dafür müsste er ein Fahrtenbuch führen und alle privaten und beruflichen Fahrten dokumentieren.

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Kann ich als Vermieter Schuldzinsen absetzen?

Der häufigste Fall, in dem Privatpersonen Schuldzinsen absetzen können, ist beim Immobilienkredit für vermietete Objekte. Denn sobald Sie Mieteinnahmen erzielen, können Sie sämtliche Kosten dafür als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Aber es gilt: Die Tilgung selbst gehört leider nicht dazu.

Wichtig ist, dass zwischen den Schuldzinsen und Ihrem Mietobjekt ein eindeutiger wirtschaftlicher Zusammenhang besteht. Es muss also klar sein, dass das Darlehen tatsächlich für die vermietete Immobilie aufgenommen wurde.

Vermieter können Schuldzinsen absetzen, wenn Sie ein Darlehen aufgenommen haben für:

  • den Kauf oder Bau eines Mietobjekts
  • die Instandhaltung eines Mietobjekts
  • Modernisierungsarbeiten eines Mietobjektes

Was gilt bei einer gemischten Nutzung?

Wie bereits erwähnt, können Sie Schuldzinsen nur von der Steuer absetzen, wenn sie in direktem Zusammenhang mit Ihren Einnahmen stehen. Sie haben eine Immobilie, die teilweise vermietet und teilweise von Ihnen selbst bewohnt wird? Dann müssen Sie die Kosten aufteilen – und zwar in einen privaten und einen vermieteten Anteil.

Beispiel

Stefanie kauft ein 2-Familien-Haus. Eine Doppelhaushälfte möchte sie selbst beziehen, die andere Hälfte soll vermietet werden. Die Immobilie finanziert sie durch ein Immobilien-Darlehen.

 Ergebnis: Da der Anteil der vermieteten Fläche 50 Prozent beträgt, kann Stefanie nur 50 Prozent der Schuldzinsen als Werbungskosten absetzen.
 Unser Tipp: Sie bringen Eigenkapital ein? Dann sollten Sie besonders darauf achten, die Darlehen sorgfältig aufzuteilen. Denn geschickt zugeordnet, kann das Ihre Steuerersparnis deutlich erhöhen! Hierzu ein Beispiel:

Beispiel

Für den Kauf des 2-Familien-Hauses möchte Stefanie 50.000 Euro Eigenkapital einbringen. Der gesamte Kaufpreis beträgt 500.000 Euro. Stefanie entscheidet sich, 2 Darlehen aufzunehmen und teilt dabei wie folgt auf:

  1. Für die selbst bewohnte Doppelhaushälfte verwendet Stefanie ihr Eigenkapital und ein Darlehen in Höhe von 200.000 Euro.
  2. Für die 2. Doppelhaushälfte nimmt sie ein 2. Darlehen in Höhe von 250.000 Euro auf.
 Wichtig: Insgesamt führt Stefanie für jede Doppelhaushälfte ein separates Konto, sodass alle Einnahmen und Ausgaben eindeutig der jeweiligen Immobilie zugeordnet werden können.

 Ergebnis:  Da das Finanzamt so genau nachvollziehen kann, welche Kosten für die vermietete Immobilie anfallen, kann Stefanie die Schuldzinsen, die für den Kredit von 250.000 Euro anfallen, in voller Höhe absetzen.

Was gilt für Miteigentümer?

Teilen Sie sich das Eigentum an einer vermieteten Immobilie mit einer weiteren Person? Dann können Sie ebenfalls anfallende Schuldzinsen absetzen. Allerdings nur noch anteilig in der Höhe Ihres Miteigentumsanteils.

Beispiel

Stefan und seine beiden Geschwister erben gemeinsam eine Wohnung, die sie vermieten möchten. Die Wohnung gehört den dreien zu gleichen Teilen. Für die Renovierung nehmen sie ein Darlehen auf.

 Ergebnis:  Stefan kann Schuldzinsen in Höhe seines Miteigentumsanteils von 1/3 absetzen.

Miteigentum und Scheidung

Nicht selten entscheiden sich geschiedene Paare dazu, eigene Immobilien nicht länger gemeinsam zu besitzen. Die Folge: Entweder wird das Haus oder die Wohnung verkauft – oder ein Ex-Partner kauft die Anteile des anderen ab. Doch was gilt dann für den Steuervorteil? Das hat 2014 das Finanzgericht Hamburg entschieden (2 K 28/14):

Der Fall:

Das Ehepaar kaufte sich ein 2-Familien-Haus. Nach der Trennung wohnten beide Ex-Partner getrennt in jeweils einer der beiden Wohnungen. Nach einiger Zeit zog einer der beiden jedoch wieder aus und verkaufte dem anderen Partner seinen Anteil an der Immobilie. Dafür nahm dieser ein Darlehen auf.

Da die Wohnung nun vermietet wurde, ging der neue Alleineigentümer davon aus, dass die Schuldzinsen für das Darlehen in voller Höhe als Werbungskosten abgesetzt werden können. Das Finanzamt und das FG Hamburg sahen das jedoch anders.

Das Urteil:

Da das Haus mit beiden Wohnungen den Eheleuten schon jeweils zur Hälfte gehörte, gehörte dem Käufer auch schon die Hälfte der vermieten Wohnung. Also kann er nur Zinsen für die nun gekaufte andere Hälfte ansetzen. Mit dem zweiten Teil des Darlehens kaufte er sich sozusagen auch den 50-prozentigen Anteil der privat genutzten Wohnung. Die Folge: Der Kläger kann die Schuldzinsen also nur in der Höhe des erworbenen Miteigentumsanteils von 50 Prozent an der Mietwohnung absetzen.

Wie trage ich Schuldzinsen in WISO Steuer ein?

Darlehenszinsen von der Steuer absetzen? Mit WISO Steuer geht das kinderleicht. Alle Ausgaben für Ihre Mietwohnung tragen Sie einfach ein unter Thema hinzufügen > Weitere Einkunftsarten > Sparer und Vermieter. Dann nur noch mit dem Steuer-Versand papierlos abgeben – fertig!

Schuldzinsen WISO Steuer Screenshot

 

Quelle: BFH

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