Was ist die vermögenswirksame Leistung?

Alles rund um die Sonderzahlung des Arbeitgebers


Die vermögenswirksame Leistung ermöglicht vielen Arbeitnehmern etwas Geld anzusparen. Aus Unwissenheit bleibt sie jedoch oft ungenutzt. Um das zu verhindern, haben wir in diesem Beitrag alles Wichtige für Sie zusammengefasst.

Das Wichtigste in Kürze

Vermögenswirksame Leistungen (abgekürzt: VL) erhalten Sie von Ihrem Arbeitgeber zusätzlich zum Arbeitslohn. Ihr Arbeitgeber überweist sie nicht mit Ihrem Lohn bzw. Gehalt, sondern zahlt monatlich auf eine Sparanlage Ihrer Wahl ein. Mögliche Sparformen können der Bausparvertrag, Tilgung eines Baukredits und Fonds- oder Banksparpläne sein.

Die Höhe richtet sich nach den Regelungen in Arbeitsverträgen, Betriebsvereinbarungen, Tarifverträgen oder Festsetzungen nach dem Heimarbeitsgesetz.
Für Beamte, Richter, Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit werden die vermögenswirksamen Leistungen aufgrund eines Gesetzes erbracht.

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Auch der Staat spart mit

Wenn Sie von Ihrem Arbeitgeber eine VL erhalten, haben wir eine gute Nachricht: In diesem Fall kann auch der Fiskus etwas mit drauflegen! Dabei handelt es sich um die Arbeitnehmersparzulage. Allerdings ist die Zulage an einige Bedingungen geknüpft. Erste Voraussetzung ist, dass es sich tatsächlich um die Zahlung von vermögenswirksamer Leistung durch den Arbeitgeber handelt. Zahlen Sie privat auf ein Sparkonto ein, wird das leider nicht zusätzlich gefördert.

Die zweite Bedingung ist die Höhe des zu versteuernden Einkommens. Das darf eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Wo genau diese Grenze liegt und wie hoch die Sparzulage ausfällt, hängt von der Anlageform ab. Wie hoch ihr zu versteuerndes Einkommen ist, finden Sie in Ihrem Steuerbescheid. Beantragen können Sie die Arbeitnehmersparzulage bei Ihrem zuständigen Finanzamt. Für Banksparpläne ist leider keine stattliche Förderung vorgesehen.

AnlageformMaximales zu versteuerndes Einkommen
(Singles/Paare)
Höhe der Arbeitnehmersparzulage
Bausparvertrag17.900 Euro / 35.800 Euro9 % auf maximal 470 Euro
höchstens 43 Euro p.a.
Tilgung eines Baukredits 17.900 Euro / 35.800 Euro9 % auf maximal 470 Euro
höchstens43 Euro p.a.
Fondssparpläne20.000 Euro / 40.000 Euro20 % auf maximal 400 Euro
höchstens80 Euro p.a.
Banksparplankeine

Habe ich Anspruch und wie kann ich die vermögenswirksame Leistung beantragen?

Grundsätzlich besteht kein rechtlicher Anspruch auf eine vermögenswirksame Leistung. Der Arbeitgeber ist nur dann zur Zahlung verpflichtet, wenn es eine Regelung im Tarif- oder Arbeitsvertrag gibt.

Ist das bei Ihnen nicht der Fall, sollten Sie dennoch nicht sofort aufgeben: Erkundigen Sie sich trotzdem bei Ihrem Betriebsrat oder Ihrer Personalabteilung, ob die Leistung nicht doch ausgezahlt wird oder sprechen Sie Ihren Arbeitgeber direkt an. Wird Ihnen die vermögenswirksame Leistung bestätigt, müssten Sie nur noch zu Ihrer Bank gehen und sich über mögliche Anlageformen beraten lassen. Ihre Bank händigt Ihnen dann auch ein Formular aus, das Sie ihrem Arbeitgeber vorlegen müssen – und das war’s auch schon!

Wie viel bekomme ich von meinem Arbeitgeber?

Ob und wie viel Sie bekommen, hängt, wie oben beschrieben, letztlich von Ihrem Arbeitgeber ab. Aber auch Ihr Beruf, bzw. die Branche, in der Sie tätig sind, haben Einfluss auf die Höhe. Die Höchstgrenze der Förderung durch Ihren Arbeitgeber VL beträgt jedoch 480 Euro pro Jahr, was einer monatlichen Zahlung von 40 Euro entspricht. Vor allem Bankangestellte können Sich über diesen Höchstwert freuen. Die folgende Tabelle gibt Ihnen eine erste Orientierung zu den branchenabhängigen Beträgen:

Architekten/Ingenieure 16,36 Euro
Bankgewerbe40,00 Euro
Baugewerbe23,52 Euro
Chemische Industrie40, 00 Euro
Deutsche Bahn AG13,33 Euro
Einzelhandel6,65 Euro bis 13,33 Euro
Öffentlicher Dienst6,65 Euro
Versicherung13,33 Euro bis 40 Euro

Geringverdiener

Hauptziel der vermögenswirksamen Leistung ist es, vor allem Geringverdienern die Möglichkeit zu geben, etwas Geld anzusparen. Denn bei einem niedrigen Einkommen bleibt am Monatsende oft nichts mehr übrig, was man zu Seite schaffen könnte. Deshalb sollten sich vor allem diejenigen mit einem geringen Einkommen vermögenswirksame Leistungen nicht entgehen lassen. Denn selbst wenn monatlich nur kleinere Beträge eingezahlt werden, können sich zum Ende der Laufzeit einige Tausend Euro ansparen – und das ganz ohne Aufwand für den Arbeitnehmer.

Kann ich jederzeit auf das Ersparte zugreifen?

Leider nein. Denn Sinn und Zweck ist es, über einen längeren Zeitraum Geld anzusparen. Deswegen beträgt die Mindestlaufzeit eines VL-Vertrags sieben Jahre. Davon zahlt der Arbeitgeber sechs Jahre lang ein, im siebten Jahr muss das Geld ruhen. Nach Ablauf der Frist können Sie entscheiden, ob Sie die Anlage auflösen oder selbst weiter einzahlen möchten.

Was passiert, wenn ich innerhalb der Laufzeit meinen Arbeitgeber wechsle?

Im Idealfall passiert nichts. Wenn Ihr bisheriger und zukünftiger Arbeitgeber eine vermögenswirksame Leistung zahlt, kann der Vertrag in der Regel problemlos übernommen werden. Doch was ist, wenn der neue Arbeitgeber keine vermögenswirksame Leistung gewährt? Dann haben Sie folgende drei Möglichkeiten:

Sie zahlen selbst in das Spardepot ein

Auch wenn Ihr neuer Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet ist, vermögenswirksame Leistung zu erbringen, muss er Ihren freiwilligen Anteil dennoch umleiten. Dieser wird dann von Ihrem Lohn abgezogen und durch den Arbeitgeber auf das Spardepot eingezahlt.

Sie lassen den Vertrag ruhen

Wenn Sie nicht aus privater Tasche einzahlen möchten, können Sie den Vertrag auch stilllegen lassen. Der Vorteil dabei ist, dass Sie die staatlichen Förderungen nicht verlieren. Allerdings können Sie auch erst nach Ablauf der sieben Jahr auf das Ersparte zugreifen.

Sie kündigen den Vertrag vorzeitig

Auch wenn es möglich ist, den Vertrag vor Ablauf der Frist zu kündigen, ist es nicht empfehlenswert. Denn in diesem Fall verlieren Sie die gesamte Arbeitnehmersparzulage durch den Staat. Nur wenn Sie nach Vertragsschluss Ihren Job verlieren und mindestens ein Jahr arbeitslos sind oder in die Selbstständigkeit wechseln, bleibt Ihnen der staatliche Zuschuss trotz vorzeitiger Kündigung erhalten.

VL-Sparen: So können Sie anlegen

Wie bereits erwähnt, können Sie selbst entscheiden, auf welche Anlageform der Arbeitgeber einzahlen soll. Dabei haben Sie folgende vier Möglichkeiten:

Vermögenswirksame Leistungen Infografik

Vermögenswirksame Leistungen auf einen Blick

Der Bausparvertrag

Diese Anlageform eignet sich besonders, wenn Sie den Kauf einer Immobilie planen. In diesem Zusammenhang ist es auch möglich, die staatlich bezuschusste Wohnungsbauprämie zu erhalten, die Sie bei Ihrer Bausparkasse beantragen können. Die Guthabenverzinsung ist hier zwar nicht sehr hoch, allerdings kann das anschließende Bauspardarlehen im Fall eines Immobilienkauf durchaus lohnenswert sein. Aber auch wenn Sie bereits im Besitz einer Immobilie sind, kann sich der Bausparvertrag lohnen. Planen Sie zum Beispiel einen größeren Umbau oder eine Renovierung bauen Sie durch diese Anlage Kapital auf.
Wenn Sie beim Vertragsschluss jünger sind als 25 Jahre sind, kann der Bausparvertrag besonders attraktiv für Sie sein. In diesem Fall können Sie nach Ablauf der sieben Jahre Laufzeit über die Wohnungsbauprämie frei verfügen: Sie erhalten die Förderung auch dann, wenn Ihre geplante Investition gar nicht im Zusammenhang mit einer Immobilie steht.

Der Banksparplan

Der Banksparplan eignet sich am besten, wenn Sie einfach nur Geld ansparen möchten, das Sie nicht in eine Immobilie investieren möchten. Ein Vorteil dieser Anlageform ist, dass sie sehr sicher ist und meist eine höhere Rendite hat. Allerdings bekommen Sie in diesem Fall keine staatlichen Zuschüsse, wie die Arbeitnehmersparzulage. So können Sie zwar weniger ansparen, ohne staatliche Förderung gibt es jedoch auch keine Sperrfrist von sieben Jahren. Es kann sich trotzdem lohnen, bis zum Laufzeitende zu warten: Bei vielen Banken winkt dann eine Bonuszahlung auf das Sparguthaben.

Das Fondssparen

Das Fondssparen ist ebenfalls für diejenigen interessant, die nicht explizit für einen Immobilienerwerb sparen. Im Gegensatz zum Banksparplan, hat das Fondssparen eine höhere Rendite, ist dagegen jedoch auch deutlich risikoreicher. Denn hier wird in Aktienfonds investiert, deren Rendite im Vorfeld nur schwer einzuschätzen ist. Ein weiterer Unterschied zum Banksparplan: auch hier ist eine staatliche Förderung möglich ist. Die Einkommensgrenze liegt in diesem Fall bei 20.000 Euro (Singles) bzw. 40.000 Euro (Paare).

Die Baufinanzierung

Wenn Sie bereits einen Kredit für den Kauf eines Eigenheims aufgenommen haben, bietet es sich an, die VL für die Finanzierung des Kredites zu verwenden. Ihr Arbeitgeber zahlt den monatlichen Betrag dann einfach auf Ihr Darlehenskonto ein. Hier sollten Sie sich jedoch im Vorfeld informieren, ob Ihre Bank die zusätzlichen Zahlungen durch Ihren Arbeitgeber auch akzeptiert.

Kann ich aus eigener Tasche aufstocken?

Auf jeden Fall. Sie können beispielsweise auf den maximalen Förderbetrag von 40 Euro pro Monat aufstocken, falls Ihr Abreitgeber weniger oder gar nicht zahlt. Sie können aber auch einen beliebigen anderen Betrag festlegen, der von Ihrem Arbeitgeber von Ihrem Lohn abgezogen und auf die Sparanlage eingezahlt wird.

Die vermögenswirksame Leistung als Altersvorsorge

Sie haben auch die Möglichkeit, anstelle einer klassischen Anlageform, das Geld in Ihre betriebliche Altersvorsoge zu investieren. Das rentiert sich vor allem dann, wenn Sie aufgrund eines zu hohen Einkommens in jedem Fall keine staatliche Förderung erhalten können. Beachten Sie jedoch, dass Sie in diesem Fall erst auf das Geld zugreifen können, wenn Sie tatsächlich in Rente gehen und nicht nach sieben Jahren, wie bei den klassischen Anlageformen. Der Vorteil ist hingegen, dass die gezahlten VL-Beträge steuer- und sozialversicherungsfrei sind. Hierdurch mindert sich Ihr Nettoeinkommen also nicht. Die Beiträge hierzu werden dann allerdings mit den Auszahlungen im Rentenalter fällig.

Ist die vermögenswirksame Leistung steuerpflichtig?

Die VL durch Ihren Arbeitgeber ist voll steuer- und sozialabgabenpflichtig. Dabei zahlt Ihr Arbeitgeber den vollen Betrag auf Ihr Sparkonto ein, die dafür anfallenden Steuern und Sozialabgaben werden in Ihrer Lohnabrechnung abgezogen. Damit fällt Ihr Nettoeinkommen etwas geringer aus. Anders hingegen ist es bei der Arbeitnehmersparzulage. Auf diese staatliche Förderung müssen Sie keine Steuern und Sozialabgaben zahlen.

 

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