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Vermögenswirksame Leistungen

Sparen mit Extra-Geld vom Chef


Mit zusätzlichen Zahlungen vom Arbeitgeber können sich Arbeitnehmer ein finanzielles Polster aufbauen. Doch viele nutzen diese Sparmöglichkeit nicht und verschenken damit Geld. Warum Sie nicht auf vermögenswirksame Leistungen verzichten sollten und was Sie für die Steuer wissen müssen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

In 5 Schritten zu vermögenswirksamen Leistungen

Anspruch prüfen

Arbeitnehmer, Azubis, Beamte, Richter, Soldaten können VL erhalten – gesetzlicher Anspruch aber besteht nicht. To do: Im Tarifvertrag nachschauen, ob und in welcher Höhe VL festgelegt sind oder Arbeitgeber fragen. 

Sparform wählen
Auf welche Anlageform der Arbeitgeber einzahlen soll, entscheidet der Antragsteller. To do: Vor- und Nachteile unbedingt prüfen – eventuell gibt es die Arbeitnehmer-Sparzulage oder Wohnungsbauprämie zusätzlich. 
Förderung sichern
Wer förderberechtigt ist, kann die Arbeitnehmer-Sparzulage bekommen. Achtung: Bei einigen Anlageformen entfällt diese Möglichkeit. To do: Antrag beim Finanzamt in der Steuererklärung stellen. 
Selbst einzahlen oder aufstocken: Arbeitgeber informieren
Wer keine VL vom Arbeitgeber erhält oder nur einen kleinen Teil, kann entweder komplett selbst einzahlen oder aufstocken. To do: Arbeitgeber mitteilen, welchen Betrag er vom Gehalt abzuführen soll. 
Vermögen ansparen
Der VL-Vertrag läuft mindestens 7 Jahre. Je nach Anlage kommen auch Zinsen und Kursgewinne in den Topf.

Die wichtigsten Infos im Video

Was sind vermögenswirksame Leistungen?

Vermögenswirksame Leistungen (abgekürzt: VL) sind regelmäßige Sonderzahlungen, die Sie von Ihrem Arbeitgeber zusätzlich zum Arbeitslohn erhalten. Diese leistet er entweder freiwillig oder aufgrund einer Regelung in Arbeitsverträgen, Betriebsvereinbarungen, Tarifverträgen oder Festsetzungen nach dem Heimarbeitsgesetz. Dabei überweist Ihr Arbeitgeber den Bonus nicht zusammen mit Ihrem Lohn bzw. Gehalt, sondern zahlt monatlich auf eine Sparanlage Ihrer Wahl ein. Mögliche Sparformen können sein:

  • der Bausparvertrag,
  • die Tilgung eines Baukredits oder
  • die Fonds- oder Banksparpläne.

Wer hat Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen?

Grundsätzlich besteht kein rechtlicher Anspruch auf eine vermögenswirksame Leistung. Der Arbeitgeber ist nur dann zur Zahlung verpflichtet, wenn es eine Regelung im Tarif- oder Arbeitsvertrag gibt. In der Regel können Angestellte, Arbeiter, Auszubildende, Beamte, Soldaten und Richter vermögenswirksame Leistungen erhalten. Das gilt auch für Teilzeitbeschäftigte, ihnen werden vermögenswirksame Leistungen zumeist jedoch zeitanteilig gezahlt. Selbstständige, Freiberufler und Rentner können dagegen den Bonus nicht erhalten.

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Wie viel bekomme ich von meinem Arbeitgeber?

Ob und wie viel Sie bekommen, hängt von Ihrem Arbeitgeber, Beruf bzw. Branche ab. Die Höchstgrenze der Förderung durch Ihren Arbeitgeber beträgt jedoch 480 Euro pro Jahr, bzw. 40 Euro im Monat.

Die vermögenswirksamen Leistungen zielen vor allem darauf ab, Geringverdiener beim Vermögensaufbau zu unterstützen. Diese Möglichkeit sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Denn selbst wenn monatlich nur kleinere Beträge eingezahlt werden, können sich zum Ende der Laufzeit einige Tausend Euro ansparen – und das ganz ohne Aufwand für den Arbeitnehmer.

Antrag auf vermögenswirksame Leistungen

Sind vermögenswirksame Leistungen in ihrem Vertrag nicht geregelt, sollten Sie dennoch nicht sofort aufgeben: Erkundigen Sie sich beim Betriebsrat bzw. bei der Personalabteilung, ob die Leistung nicht doch ausgezahlt wird oder sprechen Sie Ihren Arbeitgeber direkt an.

Wird Ihnen die vermögenswirksame Leistung bestätigt, müssten Sie sich nur noch bei Ihrem Anlageinstitut – also zum Beispiel Bank oder Bausparkasse – über mögliche Anlageformen beraten lassen. Ihre Bank händigt Ihnen dann ein Formular aus, das Sie ihrem Arbeitgeber vorlegen müssen – und das war’s auch schon!

Wie lange ist die Laufzeit?

Auf das Ersparte können Sie nicht jederzeit zugreifen. Denn Sinn und Zweck ist es, über einen längeren Zeitraum Geld anzusparen. Deswegen beträgt die Mindestlaufzeit eines VL-Vertrags 7 Jahre. Davon zahlt der Arbeitgeber 6 Jahre lang ein, im 7. Jahr muss das Geld ruhen. Nach Ablauf der Frist können Sie entscheiden, ob Sie die Anlage auflösen oder selbst weiter einzahlen möchten.

Arbeitgeberwechel innerhalb der Laufzeit: 3 Möglichkeiten

Im Idealfall passiert nichts. Wenn Ihr bisheriger und zukünftiger Arbeitgeber eine vermögenswirksame Leistung zahlt, kann der Vertrag in der Regel problemlos übernommen werden. Doch was ist, wenn der neue Arbeitgeber keine vermögenswirksame Leistung gewährt? Dann haben Sie folgende Möglichkeiten:

 Sie zahlen selbst in das Spardepot ein 

Auch wenn Ihr neuer Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet ist, vermögenswirksame Leistung zu erbringen, muss er Ihren freiwilligen Anteil dennoch umleiten. Dieser wird dann von Ihrem Lohn abgezogen und durch den Arbeitgeber auf das Spardepot eingezahlt.

 Sie lassen den Vertrag ruhen 

Wenn Sie nicht aus privater Tasche einzahlen möchten, können Sie den Vertrag auch stilllegen lassen. Der Vorteil dabei ist, dass Sie die staatlichen Förderungen nicht verlieren. Allerdings können Sie auch erst nach Ablauf der 7 Jahre auf das Ersparte zugreifen.

 Sie kündigen den Vertrag vorzeitig 

Auch wenn es möglich ist, den Vertrag vor Ablauf der Frist zu kündigen, ist es nicht empfehlenswert. Denn in diesem Fall verlieren Sie die gesamte Arbeitnehmer-Sparzulage durch den Staat. Nur wenn Sie nach Vertragsschluss Ihren Job verlieren und mindestens 1 Jahr arbeitslos sind oder in die Selbstständigkeit wechseln, bleibt Ihnen der staatliche Zuschuss trotz vorzeitiger Kündigung erhalten.

VL-Sparen: So können Sie anlegen

Sie können selbst entscheiden, auf welche Anlageform der Arbeitgeber einzahlen soll. Dabei haben Sie folgende 4 Möglichkeiten:

Vermögenswirksame Leistungen Übersicht Infografik

Der Bausparvertrag

Diese Anlageform eignet sich besonders, wenn Sie den Kauf einer Immobilie planen. Dann ist es auch möglich, die staatlich bezuschusste Wohnungsbauprämie zu erhalten, die Sie bei Ihrer Bausparkasse beantragen können. Die Guthabenverzinsung ist hier zwar nicht sehr hoch, allerdings kann das anschließende Bauspardarlehen im Fall eines Immobilienkauf durchaus lohnenswert sein.

Aber auch wenn Sie bereits eine Immobilie besitzen, kann sich der Bausparvertrag lohnen. Planen Sie zum Beispiel einen größeren Umbau oder eine Renovierung bauen Sie durch diese Anlage Kapital auf.

Info GlühbirneSind sie bei Vertragsschluss jünger als 25 Jahre, kann der Bausparvertrag besonders attraktiv für Sie sein. Denn nach Ablauf der 7 Jahre Laufzeit können Sie über die Wohnungsbauprämie frei verfügen: Sie erhalten die Förderung auch dann, wenn Ihre geplante Investition nicht im Zusammenhang mit einer Immobilie steht.

Der Banksparplan

Der Banksparplan eignet sich am besten, wenn Sie einfach nur Geld ansparen möchten, welches nicht in eine Immobilie investiert werden soll. Der Vorteil dieser Anlageform: Sie ist sehr sicher und hat meist eine höhere Rendite. Allerdings bekommen Sie in diesem Fall keine staatlichen Zuschüsse, wie die Arbeitnehmer-Sparzulage.

Info GlühbirneZwar können Sie ohne die staatliche Förderung weniger ansparen, es gibt jedoch auch keine Sperrfrist von 7 Jahren. Dennoch kann es sich lohnen, bis zum Laufzeitende zu warten: Bei vielen Banken winkt dann eine Bonuszahlung auf das Sparguthaben.

Das Fondssparen

Das Fondssparen ist ebenfalls für diejenigen interessant, die nicht explizit für einen Immobilienerwerb sparen. Im Vergleich zum Banksparplan, hat das Fondssparen eine höhere Rendite, ist jedoch auch deutlich risikoreicher. Denn hier wird in Aktienfonds investiert, deren Rendite im Vorfeld nur schwer einzuschätzen ist.

Info GlühbirneAuch hier ist eine staatliche Förderung möglich. Die Einkommensgrenze liegt in diesem Fall bei 20.000 Euro (Singles) bzw. 40.000 Euro (Paare).

Die Baufinanzierung

Wenn Sie bereits einen Kredit für den Kauf eines Eigenheims aufgenommen haben, bietet es sich an, die VL für die Finanzierung des Kredites zu verwenden. Ihr Arbeitgeber zahlt den monatlichen Betrag dann einfach auf Ihr Darlehenskonto ein.

Info GlühbirneSie sollten sich hier im Vorfeld informieren, ob Ihre Bank die zusätzlichen Zahlungen durch Ihren Arbeitgeber auch akzeptiert.

Kann ich aus eigener Tasche aufstocken?

Auf jeden Fall. Sie können beispielsweise auf den maximalen Förderbetrag von 40 Euro pro Monat aufstocken, falls Ihr Abreitgeber weniger oder gar nicht zahlt. Sie können aber auch einen beliebigen anderen Betrag festlegen, der von Ihrem Arbeitgeber von Ihrem Lohn abgezogen und auf die Sparanlage eingezahlt wird.

Die vermögenswirksame Leistung als Altersvorsorge

Sie haben auch die Möglichkeit, anstelle einer klassischen Anlageform, das Geld in Ihre betriebliche Altersvorsoge zu investieren. Das rentiert sich vor allem dann, wenn Sie aufgrund eines zu hohen Einkommens in jedem Fall keine staatliche Förderung erhalten können.

Info GlühbirneBeachten Sie jedoch, dass Sie in diesem Fall erst auf das Geld zugreifen können, wenn Sie tatsächlich in Rente gehen und nicht nach 7 Jahren, wie bei den klassischen Anlageformen. Der Vorteil ist hingegen, dass die gezahlten VL-Beträge steuer- und sozialversicherungsfrei sind. Hierdurch mindert sich Ihr Nettoeinkommen also nicht. Die Beiträge hierzu werden dann allerdings mit den Auszahlungen im Rentenalter fällig.

Staatliche Förderung: Auch der Staat spart mit

Arbeitnehmer-Sparzulage

Nicht nur der Arbeitgeber hilft beim Vermögensaufbau, auch der Staat greift Arbeitnehmern unter die Arme: mit der Arbeitnehmer-Sparzulage. Sie wird als steuer- und sozialabgabenfreier Zuschuss vom Finanzamt auf vermögenswirksame Leistungen gezahlt.

Allerdings gibt es dafür folgende Bedingungen:

  • Die vermögenswirksame Leistung zahlt der Arbeitgeber – zahlen Sie privat auf ein Sparkonto ein, wird das leider nicht zusätzlich gefördert.
  • Die Höhe des zu versteuernden Einkommens liegt unter einer bestimmten Grenze – abhängig von der Anlageform. Wie hoch Ihr zu versteuerndes Einkommen ist, verrät Ihnen Ihr Steuerbescheid.

AnlageformMaximales zu versteuerndes Einkommen
(Singles/Paare)
Höhe der Arbeitnehmersparzulage
Bausparvertrag17.900 Euro / 35.800 Euro9 % auf maximal 470 Euro
höchstens 43 Euro p.a.
Tilgung eines Baukredits 17.900 Euro / 35.800 Euro9 % auf maximal 470 Euro
höchstens43 Euro p.a.
Fondssparpläne20.000 Euro / 40.000 Euro20 % auf maximal 400 Euro
höchstens80 Euro p.a.
Banksparplankeine

Info Icon GrafikArbeitnehmer-Sparzulage beantragen

Den Antrag auf die Arbeitnehmer-Sparzulage stellen Sie bei Ihrem zuständigen Finanzamt: zusammen mit Ihrer alljährlichen Steuererklärung. Die Sparzulage können Sie noch bis zu 4 Jahre nachträglich beantragen: Für 2021 haben Sie also bis zum 31.12.2025 Zeit.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Betrag Anlage VL.

Wohnbauprämie

Neben der Arbeitnehmer-Sparzulage haben Bausparer eine weitere Fördermöglichkeit: die Wohnungsbauprämie. Diese gibt es für Beiträge zu einem Bausparvertrag, die keine vermögenswirksamen Leistungen des Arbeitgebers sind. Anspruch darauf hat, wer das 16. Lebensjahr vollendet hat und einen Bausparvertrag mit mindestens 50 Euro im Jahr bespart.

Die Höhe der Wohnungsbauprämie beträgt 9 Prozent der förderungsfähigen Aufwendungen, maximal jedoch 9 Prozent von 512 Euro bei Alleinstehenden und 9 Prozent von 1.024 Euro bei Paaren.

Auch hierfür gibt es die Bedingung:

  • Ihr zu versteuerndes Einkommen im Sparjahr liegt unter 25.600 Euro bei Alleinstehenden bzw. 51.200 Euro bei Paaren.

Info Icon GrafikWohnungsbauprämie beantragen

Den Antrag auf Wohnungsbauprämie stellen Sie bei Ihrer Bausparkasse, und zwar: spätestens bis zum 31.12. des übernächsten Jahres. Für 2021 können Sie also die Wohnungsbauprämie bis zum 31.12.2023 beantragen.

So profitieren Sie doppelt

Sie können sowohl die Arbeitnehmer-Sparzulage als auch die Wohnungsbauprämie für ein und denselben Bausparvertrag erhalten. Einzige Bedingung: Vermögenswirksame Leistungen, die schon mit der Arbeitnehmer-Sparzulage gefördert werden, können nicht noch zusätzlich mittels Wohnungsbauprämie gefördert werden.

Liegen die Beträge, die in Ihren Bausparvertrag eingezahlt werden, über dem Förderhöchstbetrag von 470 Euro, können die übersteigenden Beträge mit der Wohnungsbauprämie gefördert werden –sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.

Achtung: Werden Beiträge für einen Bausparvertrag in einem Sparjahr nach Riester (Sonderausgabenabzug, Zulagen) gefördert, erhalten Sie in diesem Sparjahr für diesen Vertrag keine Wohnungsbauprämie mehr.

Ist die vermögenswirksame Leistung steuerpflichtig?

 Die Besteuerung der VL während der Sparphase: 

Die VL durch Ihren Arbeitgeber ist voll steuer- und sozialabgabenpflichtig. Dabei zahlt Ihr Arbeitgeber den vollen Betrag auf Ihr Sparkonto ein, die dafür anfallenden Steuern und Sozialabgaben werden in Ihrer Lohnabrechnung abgezogen. Damit fällt Ihr Nettoeinkommen etwas geringer aus. Ausnahme: VL als Altersvorsorge. Hier wird fallen Steuern erst bei der Auszahlung der Rente an.

 Die Besteuerung der VL bei Auszahlung: 

Zinsen oder Kursgewinne etwa sind Kapitalerträge und damit steuerpflichtig. Aktuell wird dafür eine Abgeltungssteuer von 25 Prozent fällig.

 Keine Besteuerung: 

Anders hingegen ist es bei der Arbeitnehmer-Sparzulage. Auf diese staatliche Förderung müssen Sie keine Steuern und Sozialabgaben zahlen.

 

Unser Tipp für Ihre Steuererklärung: WISO Steuer

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