Fremdsprachen sind in vielen Jobs ein Muss, aber auch im alltäglichen Zusammenleben unerlässlich. Wer eine neue Sprache lernen will oder einfach nur seine Kenntnisse auffrischt, besucht dafür meist einen Sprachkurs. Wir zeigen, wie Sie das Finanzamt an den Ausgaben beteiligen.

Kosten als Werbungskosten absetzbar?

Sie wollten schon immer mal Spanisch lernen? Und das auf Kosten des Finanzamtes? So einfach geht das leider nicht. Denn meist streicht das Finanzamt den Ansatz von Grundkursen oder Kursen in gängigeren Sprachen aus der Steuererklärung. Denn dann liegen Kosten der privaten Lebensführung vor.

Anders sieht die Sache aus, wenn Sie Grundkenntnisse in der Fremdsprache für Ihren Beruf benötigen: Dann können Sie die Kosten als Werbungskosten in der Steuererklärung absetzen. Voraussetzung hierfür ist, dass die neu erlernte Sprache im Beruf notwendig ist, Sie aber noch keinerlei Kenntnisse haben. Gleiches gilt, wenn Gespräche und Besprechungen in der Firma oder mit Kunden in einer Fremdsprache geführt werden.

Doch Vorsicht: Werden im Kurs allgemeine Themen wie Geographie oder Geschichte besprochen, sind die Kosten dafür steuerlich nicht abzugsfähig! Keine Probleme bei der Anerkennung gibt es hingegen bei Kursen für spezielle Berufssprachen wie Wirtschaftsenglisch oder technisches Französisch. Kosten hierfür erkennt das Finanzamt meist ohne Nachfragen an.

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Welche Ausgaben können Sie in der Steuererklärung absetzen?

Bei beruflicher Veranlassung sind die Ausgaben für den Sprachkurs als Werbungskosten in der Steuererklärung absetzbar. Dann mindern folgende Kosten Ihre Steuer:

  • Kursgebühren
  • Ausgaben für Lehrbücher
  • Prüfungsgebühren
  • Fahrtkosten
  • Kosten für Unterkunft
  • Verpflegungskosten

Hat Ihr Arbeitgeber Ihnen einen Teil der Kosten erstattet? Dann müssen Sie dies von den getragenen Ausgaben abziehen.

Sprachkurs im Ausland

Auch ein Sprachkurs im Ausland ist steuerlich abzugsfähig. Hierfür muss jedoch ein konkreter Zusammenhang mit Ihrer Berufstätigkeit bestehen. Die allgemeine Tatsache, dass Fremdsprachen generell im Berufsleben förderlich sind, reicht hierzu nicht aus. Das Finanzamt prüft bei Auslandssprachkursen verstärkt, ob im Vordergrund Erholung und touristische Aspekte liegen. Meiden Sie daher Sprachkurse, die während der Ferienzeit in beliebten Reisezielen veranstaltet werden.

Auch müssen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung in einem angemessenen Aufwand zu den Kursgebühren stehen. Die Auswahl einer sehr teuren und entspannten Beförderung (z.B. Schiffsreise) spricht meist für private Interessen. Gleiches gilt, wenn Ihr Ehepartner oder Ihre Kinder mitreisen.

Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem Arbeitgeber eine umfassende Bescheinigung ausstellen, um die Kosten in der Steuererklärung absetzen zu können. Halten Sie für Nachfragen des Finanzamtes auch Reiseunterlagen wie das Kursprogramm bereit, um den beruflichen Zusammenhang nachweisen zu können.

Wenn die Kosten aufgeteilt werden müssen

Entscheidet das Finanzamt, dass Sie den Kurs sowohl aus privaten als auch beruflichen Gründen angetreten haben, müssen die Reisekosten zeitanteilig aufgeteilt werden. Hierbei werden mindestens 10 Prozent als private Kosten angenommen.

Kann mangels Aufzeichnungen nicht mehr festgestellt werden, wie die zeitliche Aufteilung Ihres Sprachurlaubs tatsächlich war, kann das Finanzamt den privaten Anteil sogar auf 50 Prozent schätzen.

Daher nehmen Sie sich etwas Zeit und dokumentieren Sie vor Ort genau, wann und wie lange Sie an welchen Kursen und kursbedingten Expeditionen teilgenommen haben. Vermerken Sie auch, wie viel Zeit Sie für Ihr privates Vergnügen zur Verfügung hatten.

Deutschkurs

Ausländische Arbeitnehmer können Ausgaben für Deutschkurse, die beruflich veranlasst sind, als Fortbildungskosten bei den Werbungskosten in der Steuererklärung abziehen. Voraussetzung ist, dass der Teilnehmer seine Ausgaben durch geeignete Unterlagen wie Arbeitgeberbescheinigung etc. nachweist.

Integrationskurs

Der allgemeine Integrationskurs besteht aus einem Sprach- und einem Orientierungskurs. Pro Unterrichtsstunde – insgesamt 660 – zahlt jeder Teilnehmer 1,95 Euro aus eigener Tasche. Den Rest übernimmt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Die Kosten dafür – insgesamt 1.287 Euro– können in der Steuererklärung nur dann als außergewöhnliche Belastungen angesetzt werden, wenn die Teilnahme an dem Kurs verpflichtend ist. Dies ist der Fall, wenn sich der Teilnehmer nicht auf einfache Art in der deutschen Sprache mündlich verständigen kann oder er von der Ausländerbehörde zur Teilnahme am Kurs aufgefordert wurde. Bei einer freiwilligen Teilnahme können die Kosten nicht abgesetzt werden.

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Zusätzliche Deutschkurse

Da die Teilnahme an zusätzlichen Deutschkursen freiwillig geschieht, sind auch hier die Kosten nicht absetzbar. Auch wenn der Teilnehmer den Kurs besucht, da er für einen angestrebten Ausbildungsplatz ausreichende Deutschkenntnisse benötigt, ist dies nicht steuermindernd. Hierbei handelt es sich um Kosten der Lebensführung – denn auch bei in Deutschland lebenden Ausländern spielen für den Erwerb der deutschen Sprache auch private Gesichtspunkte eine nicht untergeordnete Rolle.

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