Bogen rund

Arbeitszimmer beim Handelsvertreter

Unbegrenzt abzugsfähig


Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer sind in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzbar. Vorausgesetzt, der Raum bildet den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung.

Qualitativer Mittelpunkt maßgeblich

Maßgebend dafür ist, dass der qualitative Schwerpunkt der Gesamttätigkeit im häuslichen Büro liegt. Dies ist der Fall, wenn dort die wesentlichen und prägenden Tätigkeiten verrichtet werden. Der “Mittelpunkt” bestimmt sich also nach dem inhaltlichen Schwerpunkt (Urteil des Bundesfinanzhofs, Aktenzeichen VI R 104/01).

Mehr erfahren Sie in unserem Artikel: Arbeitszimmer absetzen

Grundsätzlich: Nur beschränkter Abzug

Bei typischen Handelsvertretern und Außendienstmitarbeitern liegt der qualitative Schwerpunkt der Gesamttätigkeit meist nicht im Arbeitszimmer, sondern außerhalb im Geschäftsbezirk. Die Außendiensttätigkeit ist prägend für das Berufsbild. Die im Arbeitszimmer ausgeübte Tätigkeit prägt nicht den Beruf, sondern hat nur eine unterstützende Funktion.

Dies hat der Bundesfinanzhof in zahlreichen Urteilen so entschieden (z.B. Aktenzeichen VI R 82/01). Deswegen kann diese Berufsgruppe im Regelfall die Arbeitszimmerkosten nur bis zu 1.250 Euro absetzen, weil für die Büroarbeiten “kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht”.

Positives Urteil

Nun gab es eine Wende: Das Finanzgericht Münster sah bei einem Handelsvertreter das häusliche Arbeitszimmer als “Mittelpunkt”. Folge: Der Abzug der Arbeitszimmerkosten in unbegrenzter Höhe. Hier sahen die Richter ausnahmsweise nicht die Reisetätigkeit als betrieblichen Mittelpunkt, sondern die im Arbeitszimmer ausgeübte Tätigkeit.

Unbegrenzter Abzug dank umfassender Tätigkeit

Die Tätigkeit des Handelsvertreters ging über die klassische Außendiensttätigkeit hinaus: Er erstellte für jeden einzelnen Kunden Preis- und Sortimentslisten, Monatsübersichten und 26-Wochen-Analysen.

Hierzu musste er ständig den Überblick über das Bestellverhalten und das Sortiment der Kunden behalten, um das Sortiment und die jeweiligen Preise entsprechend den Wünschen der Kunden anzupassen. Diese umfassende Aufgabe wurde im täglichen Geschäft und nicht bei den seltenen Kundenbesuchen bewältigt (Aktenzeichen 5 K 980/12 E).

“Unternehmerische Schaltstelle”

Nach Auffassung der Richter hatten die im Arbeitszimmer ausgeübten Arbeiten nicht lediglich dienenden Charakter, sondern waren für die berufliche Tätigkeit prägend. Hier fanden im Arbeitszimmer nicht nur flankierende, organisatorische Tätigkeiten statt, wie Reiseplanungen oder Erstellung von Abrechnungen.

Vielmehr handelte es sich um die “unternehmerische Schaltstelle” des Betriebes. Der im Arbeitszimmer ausgübten Tätigkeit kam in qualitativer Hinsicht ein größeres Gewicht zu als der Präsenz beim Kunden vor Ort.

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