Düsseldorfer Tabelle

Was Sie über Unterhaltszahlungen wissen müssen


Unterhalt für die Kinder? Hier kommt die Düsseldorfer Tabelle ins Spiel. Sie hilft bei der Frage nach der Höhe von Unterhaltszahlungen. Aber wie genau ist die Tabelle zu lesen? In diesem Beitrag erfahren Sie alles über Kindesunterhalt und welche Rolle die Düsseldorfer Tabelle dabei spielt.

Düsseldorfer Tabelle: Diese Beträge gelten in 2020

Die Düsseldorfer Tabelle ist mittlerweile ein fester Begriff, wenn es um Unterhaltsfragen geht. Sie wurde 1962 vom Oberlandesgericht Düsseldorf eingeführt und hat so ihren Namen bekommen. Doch die Welt hat sich seit 1962 verändert und deshalb muss auch die Unterhaltstabelle jährlich angepasst werden – so auch für dieses Jahr: Ab dem 1. Januar 2020 gelten neue Werte für den Unterhaltsbedarf.

Hier finden Sie die aktuelle Version der Düsseldorfer Tabelle

Einem Gesetz ist die Düsseldorfer Tabelle allerdings nicht gleichzusetzen. Die Beträge, die Sie in der Tabelle finden, gelten als reine Richt- bzw. Orientierungswerte für Unterhaltspflichtige. Aber auch Gerichte urteilen bei Unterhaltsfragen oft auf Grundlage der Düsseldorfer Tabelle.

Für wen gilt die Düsseldorfer Tabelle?

Die Düsseldorfer Tabelle gibt vor allem Informationen über die Höhe von Unterhaltszahlungen für Kinder. Aber auch Ehegatten oder Verwandte können einander zum Unterhalt verpflichtet sein. Auch in diesen Fällen gibt ein Blick in die Unterhaltstabelle Aufschluss. Unser Beitrag konzentriert sich allerdings auf den Kindesunterhalt.

Düsseldorfer Tabelle Infografik

Infografik: Was ist die Düsseldorfer Tabelle?

Was bedeutet Kindesunterhalt?

Grundsätzlich sind die Eltern gegenüber ihren Kindern zum Unterhalt verpflichtet. Unterhalt bedeutet, dass Sie das Kind mit allem Notwendigen versorgen. Lebt die Familie zusammen, stellt sich die Frage nach Unterhaltszahlungen der Eltern an die Kinder nicht. Denn beide Eltern kommen bereits für den Lebensunterhalt des Kindes in Form von Kost und Logis auf.

Barunterhalt vs. Naturalunterhalt

Anders ist es aber, wenn die Eltern getrennt leben. Dann muss plötzlich ein Elternteil allein für Nahrung, Unterkunft, Gesundheit etc. aufkommen. Deshalb besteht in Deutschland auch nach einer Trennung oder Scheidung weiterhin Unterhaltspflicht für beide Elternteile.

Allerdings wird nun in Naturalunterhalt und Barunterhalt unterschieden. Der Elternteil, bei dem das Kind lebt, kommt seiner Unterhaltsverpflichtung durch die Leistung von Naturalunterhalt nach. Also durch das Einkaufen von Essen, Kleidung, Schulsachen etc. Hier gibt es keine Bestimmungen über den Geldwert dieser Leistungen. Es wird erwartet, dass der Elternteil ausreichend für das Kind sorgt.

Der andere Elternteil hingegen muss seinen Beitrag zum Unterhalt des Kindes durch Geldzahlungen leisten. Das nennt man Barunterhalt. Und hier kommt auch die Düsseldorfer Tabelle ins Spiel, denn hier ist die Höhe der Zahlungen festgelegt.

Spielt das Alter der Kinder eine Rolle?

Ein Anspruch auf Unterhaltszahlungen besteht grundsätzlich für minderjährige Kinder. Aber auch erwachsene Kinder können diesen Anspruch gegenüber ihren Eltern noch haben. Und zwar dann, wenn sich das Kind noch in der Erstausbildung befindet und noch nicht verheiratet ist. Denn sobald das Kind verheiratet ist, ist der Ehegatte zum Unterhalt verpflichtet. Die Unterhaltspflicht entfällt dann für die Eltern.

Der Anspruch auf Unterhalt gilt nicht nur für eheliche Kinder. Er besteht gleichermaßen auch für eigene nichteheliche oder Adoptivkinder. Für Pflegekinder hingegen besteht keine Unterhaltspflicht.

An wen wird der Unterhalt gezahlt?

Bis das Kind volljährig ist, bekommt der Elternteil, bei dem das Kind lebt, die Unterhaltszahlungen. Der Unterhalt muss in der Regel bereits am Monatsanfang vorausgezahlt werden. Den Unterhaltsanspruch hat allerdings allein das Kind – lediglich die Zahlung geht an den jeweiligen Elternteil.

Sobald das Kind allerdings über 18 Jahre alt ist, wird der Unterhalt direkt an das Kind gezahlt. Lebt das Kind nach Volljährigkeit noch bei einem Elternteil, hat dieser trotzdem keinen Anspruch mehr auf die Zahlungen. Allerdings kann er vom Kind eine finanzielle Beteiligung im Haushalt verlangen. Das nennt man Kostgeld.

Wie hoch sind die Unterhaltszahlungen?

Verbleiben nach einer Trennung oder Scheidung gemeinsame Kinder bei Ihnen, ist Ihr Ex-Partner zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet. Andersherum ist es, wenn die Kinder bei Ihrem Ex-Partner leben – dann leisten Sie die Unterhaltszahlungen. Aber wonach genau richtet sich die Höhe?

Die Höhe der Verpflichtung richtet sich zum einen nach dem Unterhaltsbedarf, den ein jedes Kind hat. Das nennt man auch Mindestunterhalt. Der Unterhaltsbedarf hängt zunächst von dem Alter des Kindes ab, aber auch von individuellen Umständen.

Zum anderen spielt aber auch die finanzielle Situation des Unterhaltspflichtigen eine entscheidende Rolle. Denn diesem steht ein Selbstbehalt zu, um den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Man nennt das auch Existenzminimum oder Eigenbedarf.

Was ist der Eigenbedarf?

Je nachdem, wie hoch das Einkommen des Unterhaltspflichtigen ist, schlagen Unterhaltszahlungen finanziell ganz schön zu Buche. Deshalb muss gewährleistet werden, dass dem Unterhaltspflichtigen immer noch genug von seinem Gehalt bleibt, um selbst alle notwendigen Kosten zu decken. Dabei wird in einen notwendigen und einen angemessenen Eigenbedarf unterschieden.

Als notwendigen Eigenbedarf bezeichnet man das Existenzminimum eines Unterhaltspflichtigen mit noch nicht volljährigen Kindern. Nach Abzug der Unterhaltszahlungen muss ihm mindestens noch dieser Betrag zur Verfügung stehen. Sind die Kinder bereits volljährig, kann auf den höheren angemessenen Eigenbedarf zurückgegriffen werden. Denn hier wird davon ausgegangen, dass die Kinder weitestgehend selbst im Stande sind, sich zu versorgen.

Notwendiger Eigenbedarf für Unterhaltszahler*
Bei Erwerbstätigkeit mit schulpflichtigen Kindern U21: 1.160 Euro / Monat
Keine Erwerbstätigkeit: 960 Euro / Monat
Darin enthalten: 430 Euro für Warmmiete

Angemessener Eigenbedarf für Unterhaltszahler
Insbesondere bei volljährigen Kindern: 1.400 Euro / Monat
Darin enthalten: 550 Euro für Warmmiete

So lesen Sie die Düsseldorfer Tabelle

Um herauszufinden, wie hoch die monatliche Unterhaltszahlung ist, müssen Sie zunächst den Aufbau der Tabelle kennen. Sie unterteilt sich in vier Spalten*.

Düsseldorfer Tabelle Kindesunterhalt Beispiel

So lesen Sie die Düsseldorfer Tabelle

Was ist das Nettoeinkommen?

Die Unterhaltshöhe richtet sich nach der finanziellen Situation desjenigen, der zum Unterhalt verpflichtet ist. Je mehr Einkommen ihm zur Verfügung steht, desto mehr Unterhalt kann von ihm verlangt werden. Deshalb richtet sich die Tabelle hier nach dem monatlichen Nettoeinkommen.

Um berufsbedingte Aufwendungen des Unterhaltspflichtigen zu berücksichtigen, müssen pauschal 5 Prozent vom Nettoeinkommen abgezogen werden. Das Ergebnis nennt sich dann „Bereinigtes Nettoeinkommen“. Pro Monat müssen mindestens 50 Euro berücksichtigt werden, maximal allerdings 150 Euro.*

Auch höhere Beträge können das Nettoeinkommen mindern. Ist das der Fall, müssen diese höheren Kosten nachgewiesen werden.

Beispiel
Sie haben ein monatliches Nettoeinkommen von 2.400 Euro.
5 % – Abschlag: -120 Euro
Bereinigtes Nettoeinkommen: 2.280 Euro
-> Damit verwenden Sie die zweite Zeile in der Düsseldorfer Tabelle.

Altersstufen der Kinder

Natürlich spielt auch das Alter der Kinder eine entscheidende Rolle bei der Frage, in welcher Höhe der Unterhaltsbedarf gedeckt werden muss. Die Düsseldorfer Tabelle unterscheidet hier in vier Altersstufen:

0-5 Jahre
6-11 Jahre
12-17 Jahre
18 + Jahre

Wofür steht der Prozentsatz?

In der vorletzten Spalte sehen Sie einen Prozentsatz. Der drückt die Steigerung des Unterhaltsbetrags aus. Und zwar immer im Vergleich zum Mindestunterhalt. Der Mindestunterhalt ist der Betrag, den Sie in der ersten Zeile – also der niedrigsten Einkommensklasse – lesen.

Beispiel
Der Unterhaltsbetrag der zweiten Stufe beträgt also 105 Prozent des Mindestunterhalts usw.

Was ist der Bedarfskontrollbetrag?

In der letzten Spalte stehen Werte zum Bedarfskontrollbetrag. Der Bedarfskontrollbetrag scheint dem Eigenbedarf sehr ähnlich zu sein, darf aber nicht mit ihm verwechselt werden. Denn der Bedarfskontrollbetrag dient lediglich der Überprüfung, ob die Unterhaltszahlung verhältnismäßig ist.

Falls nach Abzug des Unterhalts vom Nettoeinkommen weniger übrig bleibt, als der Bedarfskontrollbetrag, kommt die nächstniedrigere Einkommensstufe zur Anwendung.

Beispiel
Ihr bereinigtes Nettoeinkommen beträgt wie im obigen Beispiel 2.280 Euro. Sie haben zwei Kinder im Alter von 14 und 16 Jahren.

Unterhaltsbetrag: 2 x 522 Euro = 1.044 Euro
Nettoeinkommen: nach Abzug des Unterhalts = 1.236 Euro
Bedarfskontrollbetrag: 1.400 Euro > 1.236 Euro
Ergebnis: Die nächstniedrige Zeile kommt zur Anwendung
Unterhaltsbetrag: 2 x 497 Euro = 994 Euro

Welche Rolle spielt die Anzahl der Kinder in der Düsseldorfer Tabelle?

Beim Lesen der Düsseldorfer Tabelle ist es wichtig zu bedenken, dass den Werten in der Tabelle eine Basisrechnung zugrunde liegt. Die Werte werden pro Kind so angegeben, wie sie für einen Haushalt mit zwei Kindern angemessen wären.

Bei Familien mit mehreren Kindern muss der Unterhaltspflichtige insgesamt höhere Beträge zahlen. Deshalb kann es angemessen sein, eine niedrige Einkommensklasse zur Berechnung des Unterhaltsbedarfs pro Kind zu betrachten. Umgekehrt ist es, wenn für nur ein Kind Unterhalt gezahlt werden muss. Hier kann ein Zuschlag dadurch erfolgen, dass der Unterhaltsanspruch anhand einer höheren Einkommensklasse ermittelt wird.

Das Kindergeld wird angerechnet

Der Betrag, den Sie aus der Düsseldorfer Tabelle entnehmen, ist noch nicht der endgültige Unterhalt, der geleistet werden muss. Denn der Unterhaltsanspruch ist um das Kindergeld zu korrigieren.

Anspruch auf Kindergeld haben nämlich immer beide Elternteile. Ausgezahlt wird es jedoch nur einem Elternteil und zwar meistens dem, bei dem das Kind tatsächlich lebt. Allerdings hat auch der andere Elternteil Anspruch auf die Leistung. Deshalb darf der unterhaltspflichtige Elternteil die Höhe seines Kindergeldanspruchs von der Unterhaltsverpflichtung abziehen. Der Betrag nach Anrechnung des Kindergeldes nennt sich Zahlbetrag.

Anzahl KinderKindergeld
1. Kind204 Euro
2. Kind204 Euro
3. Kind210 Euro
ab dem 4. Kind235 Euro

Eine Tabelle der tatsächlichen Zahlbeträge für das erste und zweite Kind finden Sie ebenfalls in der Düsseldorfer Tabelle*.

Düsseldorfer Tabelle Zahlbeträge

Düsseldorfer Tabelle Zahlbeträge

Unterhalt auch für volljährige Kinder?

Beim Unterhaltsanspruch gegenüber erwachsenen Kindern, gibt es zwei wesentliche Unterschiede zu beachten.

Ist Ihr Kind bereits volljährig und es besteht dennoch weiterhin ein Kindergeldanspruch, so steht das Kindergeld nun nicht mehr den Eltern zu, sondern dem Kind. Das bedeutet, dass vom Unterhaltsanspruch nicht nur der halbe Kindergeldanspruch abzuziehen ist. Vielmehr wird der gesamte Anspruch, den das Kind auf Kindergeld hat, vom Unterhalt abgezogen.

Zum anderen wird zur Ermittlung des Unterhaltsanspruchs nicht mehr nur das Nettoeinkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils betrachtet. Bei Volljährigkeit berechnet sich der Unterhaltsanspruch nach dem Nettoeinkommen beider Elternteile. Denn es gilt: Für volljährige Kinder sind beide Elternteile zum Barunterhalt verpflichtet.

Ein Unterhaltsanspruch von volljährigen Kindern besteht nur, wenn sich diese noch in der Erstausbildung bzw. im Erststudium befinden.

Unterhalt für Kinder im Studium

Der Gesamtunterhaltsbedarf von studierenden Kindern ist in der Düsseldorfer Tabelle in einem gesonderten Absatz festgehalten. Er beträgt insgesamt 860 Euro. Darin sind bereits 375 Euro für die Warmmiete enthalten.

Studiengebühren oder Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sind hingegen noch nicht berücksichtigt. Diese können aber durch Mehr- oder Sonderbedarf mit einbezogen werden.

Das Gleiche gilt auch für Kinder, die zwar nicht studieren, aber bereits einen eigenen Haushalt führen.

Unterhalt für Kinder in der Ausbildung

Kinder, die sich in einer Berufsausbildung befinden, haben in der Regel noch Anspruch auf Kindergeld. Gleichzeitig verdienen sie aber oft schon eigenes Geld. Die Ausbildungsvergütung wird auf den Unterhaltsbedarf angerechnet. Allerdings wird der anzurechnende Betrag vorher um 100 Euro* pauschal gekürzt. Damit sollen die zusätzlichen Kosten der Ausbildung berücksichtigt werden.

Mehr Unterhalt in besonderen Situationen

Mit dem Unterhalt, der in der Düsseldorfer Tabelle angegeben ist, sollen die Kosten für den Lebensunterhalt des Kindes abgedeckt werden. Allerdings können individuelle Aufwendungen den Unterhaltsbetrag zusätzlich erhöhen. Man nennt das auch Mehrbedarf oder Sonderbedarf.

Mehrbedarf

Aufwendungen, die als Mehrbedarf beim Unterhaltsanspruch berücksichtigt werden, sind z. B. Kosten für Versicherungsbeiträge, hohe Kindergarten-Beiträge oder Kosten für eine spezielle Therapie bzw. Heilbehandlung. Einen Mehrbedarf stellen grundsätzlich Aufwendungen dar, die über einen längeren Zeitraum bestehen.

Sonderbedarf

Außergewöhnliche Aufwendungen, die hingegen nur einmalig vorkommen, fallen unter den Sonderbedarf. Hierzu zählen zum Beispiel Kosten für einmalige Operationen oder einen Umzug.

In diesen Fällen muss kein Unterhalt gezahlt werden

In manchen Fällen muss aber auch bei Scheidung oder Trennung der Eltern kein Elternteil einen Barunterhalt leisten.

Wechselmodell

Ist der Naturalunterhalt sowieso gleichmäßig auf beide Elternteile verteilt, muss keiner von beiden zusätzliche Unterhaltszahlungen leisten. Das ist im Wechselmodell der Fall: Hier einigen sich die Eltern darauf, dass das Kind im Jahr abwechselnd beim Vater oder der Mutter lebt. Dabei sorgen die Eltern gleichermaßen für Naturalunterhalt.

Hohes Einkommen

Hat der Elternteil, bei dem das Kind lebt, im Vergleich zum anderen Elternteil ein besonders hohes Einkommen? Dann muss der andere Elternteil in der Regel auch keinen Kindesunterhalt mehr zahlen. Das ist dann der Fall, wenn das Einkommen des einen Elternteils mindestens drei Mal so hoch ist wie das Einkommen des anderen.

Verheiratetes Kind

Ist Ihr volljähriges Kind bereits verheiratet, so entfällt die Unterhaltspflicht für die Eltern. Die Unterhaltsverpflichtung geht mit Heirat auf den Ehepartner über.

Eigenes Einkommen des Kindes

Hat Ihr Kind bereits ein eigenes Einkommen, wird das auf den Unterhaltsanspruch angerechnet. Ist das Einkommen des Kindes hoch genug, um für sich selbst zu sorgen, entfällt die Unterhaltsverpflichtung womöglich ganz.

Was passiert, wenn das Einkommen nicht zum Unterhalt reicht?

Kann der Unterhaltspflichtige den Unterhalt nicht aus eigenen Mitteln zahlen, springt der Staat ein: mit dem Unterhaltsvorschuss. Dieser kann beim örtlichen Jugendamt schriftlich beantragt werden.

AlterMonatlicher Unterhaltsvorschuss ab dem 01.01.2020
0-5 Jahrebis zu 165 Euro
6-11 Jahrebis zu 220 Euro
12-17 Jahrebis zu 293 Euro

Was ist aber, wenn Unterhalt für mehrere Kinder zu zahlen ist – die finanziellen Mittel des Unterhaltspflichtigen aber nicht für alle Kinder ausreichen? Welchem Kind steht dann vorrangig der Unterhalt zu?

In diesem Fall wird zunächst berechnet, wie viel Unterhalt der Elternteil tatsächlich zahlen könnte. Das heißt, vom Einkommen wird der Eigenbedarf abgezogen. Ist der verbleibende Betrag niedriger, als der zu zahlende Unterhalt, nennt man das Mangelfall. Der verbleibende Betrag wird dann im Verhältnis zum Zahlbetrag auf die Kinder aufgeteilt.

Beispiel
Ihr bereinigtes Nettoeinkommen 2020 beträgt 1.350 Euro / Monat. Sie sind drei Kindern im Alter von 5, 7 und 10 Jahren zum Unterhalt verpflichtet.

Notwendiger Eigenbedarf: 1.160 Euro
Nettoeinkommen nach Abzug Eigenbedarf: 1.350 Euro – 1.160 Euro = 190 Euro
Monatliche Unterhaltsbeträge laut Düsseldorfer Tabelle:
Kind 5 Jahre: 369 Euro – 105 Euro (Halbes Kindergeld 3. Kind) = 264 Euro
Kind 7 Jahre: 424 Euro – 102 Euro (Halbes Kindergeld 2. Kind) = 322 Euro
Kind 10 Jahre: 242 Euro – 102 Euro (Halbes Kindergeld 1. Kind) = 322 Euro
Zahlbeträge Insgesamt: 906 Euro > 190 Euro
-> 190 Euro müssen auf die drei Kinder verteilt werden
Kind 5 Jahre: 262 Euro / 906 Euro x 190 Euro = 54,94 Euro
Kind 7 Jahre: 322 Euro / 906 Euro x 190 Euro = 67,52 Euro
Kind 10 Jahre: 322 Euro / 906 Euro x 190 Euro = 67,52 Euro

Was gilt für den Kindesunterhalt aus steuerlicher Sicht?

Stellt sich abschließend noch die Frage, ob Unterhaltszahlungen bei der Steuer eine Rolle spielen? Denn schließlich fließen ja Geldbeträge vom Unterhaltspflichtigen an die Unterhaltsberechtigten.

Grundsätzlich gilt: Kein Abzug

Um herauszufinden, wie Unterhaltszahlungen steuerlich behandelt werden, muss unterschieden werden, an wen die Zahlungen fließen. So gelten für den Ehegattenunterhalt, Unterhalt an Verwandte und den Kindesunterhalt unterschiedliche Regeln. Zahlungen für den Kindesunterhalt können Sie in der Regel steuerlich nicht absetzen. Umgekehrt muss der Erhalt der Zahlung auch nicht versteuert werden.

Ausnahme: Volljährige Kinder

Unterhaltszahlungen für Kinder sind steuerlich grundsätzlich nicht abzugsfähig. Das liegt daran, dass den Eltern in der Regel Kindergeld bzw. der Kinderfreibetrag zusteht. Nur in Ausnahmefällen – wenn kein Elternteil Anspruch auf Kindergeld bzw. den Kinderfreibetrag hat – ist die Unterhaltszahlung steuerlich absetzbar. Diese Ausnahme kommt vor, wenn ein volljähriges Kind bei Ihnen im Haushalt lebt, für das Sie kein Kindergeld mehr bekommen.

Sind die Leistungen steuerlich abzugsfähig, tragen Sie sie als außergewöhnliche Belastungen ein. Allerdings gilt hier ein Höchstbetrag von 9.408 Euro* im Jahr. Ein eigenes Einkommen des Kindes wird ab einer Höhe von 624 Euro im Jahr mit den Zahlungen verrechnet.*

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