Heimfahrt von der Zweitwohnung

Auch ohne tatsächliche Kosten absetzbar


Ausgaben aufgrund einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung können Sie als Werbungskosten bei der Steuer geltend machen. Zu diesen Aufwendungen gehören insbesondere die Unterkunftskosten sowie die Kosten für eine Heimfahrt pro Woche. Die Heimfahrten können Sie mit der Entfernungspauschale von 30 Cent je Entfernungskilometer absetzen.

Kostenansatz auch ohne Ausgaben?

Doch was gilt, wenn für die Heimfahrten tatsächlich gar keine oder nur geringe Ausgaben anfallen? Beispielsweise weil Sie

  • Mitfahrer einer Fahrgemeinschaft sind,
  • eine günstige Mitfahrgelegenheit nutzen,
  • von Verwandten abgeholt werden,
  • kostenlos mitgenommen werden,
  • per Anhalter reisen oder
  • vom Arbeitgeber Freifahrten erhalten.

Ginge es nach der Finanzverwaltung, würde diese die Heimfahrten ohne Kosten nicht anerkennen (Urteil des Finanzgericht Sachsen-Anhalt, Aktenzeichen 1 K 1228/09).

Pendlerpauschale auch ohne Kosten absetzbar

Zum Glück für die Pendler sehen dies die Richter vom Bundesfinanzhof nicht so. Nach einem aktuellen Urteil sind die wöchentlichen Heimfahrten stets mit der Entfernungspauschale abziehbar, auch wenn dafür keine Kosten entstehen.

Dies sei zwar eine systemwidrige Begünstigung, doch durch umwelt- und verkehrspolitische Lenkungszwecke sowie aus Gründen der Steuervereinfachung gerechtfertigt. Es handele sich hier um eine verkehrsmittel- und aufwandsunabhängige Entfernungspauschale (Aktenzeichen VI R 29/12).

Die Richter stellen klar, dass die Entfernungspauschale unabhängig davon gilt, ob die Familienheimfahrten zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem eigenen Pkw oder öffentlichen Verkehrsmitteln durchgeführt werden und ob dem Steuerpflichtigen überhaupt Kosten für diese Wege entstanden sind. “Deshalb ist die Entfernungspauschale für Familienheimfahrten beispielsweise auch dann zu gewähren, wenn der Arbeitnehmer (kostenfrei) von Verwandten abgeholt wird oder als Mitfahrer einer Fahrgemeinschaft keine Aufwendungen hat.”

Hinweis

 Dieses Urteil ist kein Freifahrtschein, nun generell eine Heimfahrt pro Woche geltend zu machen. Das Finanzamt erkennt nur Fahrten an, die Sie auch wirklich durchgeführt haben. Auch wenn tatsächliche Kosten keine Rolle spielen, so müssen doch steuerfreie Reisekostenvergütungen des Arbeitgebers sowie vom Arbeitgeber gewährte Freifahrten auf die Entfernungspauschale angerechnet werden. Wöchentliche Heimfahrten mit dem Firmenwagen können Sie nicht absetzen, dafür muss aber auch kein Geldwerter Vorteil versteuert werden.

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4 Kommentare

Kommentar hinterlassen
  1. 1
    Gerard Bo

    Ist es richtig, dass bei Freifahrten (oder dem vom AG erstatteten Bahnticket) die in Ansatz zu bringende km Pauschale für Familienheimfahrten um den Wert dieser Freifahrten bzw. Ticket Erstattungen zu mindern ist?

    • 2
      buhl-Redaktion

      Lieber Leser,

      Erstattungen des Arbeitgebers bei Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung sind steuerfrei. Sie müssen allerdings von den Werbungskosten abgezogen werden. Zahlt der Arbeitgeber zusätzlich zum Arbeitslohn ein Jobticket, um damit von der Wohnung zur Arbeit zu gelangen, ist dies auch steuerfrei seit 2019. Aber auch dieser Betrag muss von der Entfernungspauschale abgezogen werden.

      Viele Grüße
      Ihre buhl-Redaktion

  2. 4
    Ralf-Rüdiger Rößner

    super gemacht. Ich hätte irrtümlich jedes Jahr die 3 monatige Tagespauschale Mehraufwendung/Tag angegeben, was im Steuerprogramm für mich noch nicht ersichtlich war.

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