Private Verkäufe über eBay & Co.

Wann muss ich Online-Flohmarkt-Verkäufe bei der Steuer angeben?


Mit Verkäufen über Plattformen wie eBay und Co. lassen sich hübsche Nebenverdienste erzielen. Doch die Verkäufe sind nicht unbedingt Privatvergnügen. Dass diese oftmals auch steuerliche Folgen haben, hat sich mittlerweile herumgesprochen.

Folgen bei der Einkommensteuer

So kann bei einem Verkauf bereits ein steuerlich relevantes privates Veräußerungsgeschäft vorliegen. Vorausgesetzt, es werden Gegenstände veräußert, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr betragen hat.

Wer hingegen sogar in umfangreichem Stil selbstständig und nachhaltig Verkäufe tätigt, erzielt sogar Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Zudem muss er die Absicht haben, Gewinn zu erzielen sowie sich am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr beteiligen.

Die Menge macht’s… Flohmarkteinnahmen versteuern

Verkaufen Sie in kurzen, regelmäßigen Abständen? Dann müssen Sie Steuern zahlen, aber erst ab etwa 40 Verkäufen im Monat. Denn dann sieht das Finanzamt darin ein dauerhaft ertragreiches und gewinnbringendes Geschäft – und die Steuerfalle schnappt zu.

Indizien für ein Gewerbe sind:

  • Regelmäßiger Handel
  • Hohe Umsätze
  • Verkauf von gleichartigen Sachen oder Neuware
  • Verlauf für dritte Personen
  • Aufwendig platzierte Angebote

Ob Sie auch wirklich einen Gewinn aus einem Geschäft erwirtschaften, ist hingegen egal. Wie so oft bei Rechtsfragen gilt auch hier: Pauschal lässt sich nicht urteilen, das muss immer im Einzelfall entschieden werden.

Welche Steuern muss ich beim Verkauf über ebay & Co. zahlen?

Wenn Sie den Online-Flohmarkt als Gewerbetreibender nutzen, müssen Sie drei unterschiedlichen Steuern zahlen:

Einkommensteuer

Auf jeden Euro, denn Sie an Gewinn aus Ihren Verkäufen erzielen, fällt Einkommensteuer an. Aber nur, wenn Ihr gesamtes Einkommen über 8.820 Euro liegt. Sind Sie Angestellter und verdienen  nebenbei gewerbsmäßig etwas dazu? Dann ist bei Ihnen ein Gewinn bis zu 410 Euro im Jahr steuerfrei. Höhere Nebeneinkünfte müssen Sie in der Steuererklärung angeben.

Umsatzsteuer

Übersteigen Ihre reinen Umsätze im letzten Jahr 17.500 Euro? Und werden Sie in diesem Jahr mehr als 50.000 Euro Umsatz verdienen? Dann wird Umsatzsteuer fällig.

Bei geringeren Umsätzen gilt: Wenn Sie keine Lust auf die Rechnerei bei der Umsatzsteuer haben, können Sie als sogenannter Kleinunternehmer von all dem befreit werden.

Gewerbesteuer

Haben Sie mehr als 24.500 Euro Gewinn im Jahr? Dann kommt noch Gewerbesteuer dazu, die Ihre örtliche Kommune verlangt.

Umsatzsteuerliche Würdigung

Neben der Einkommensteuer ist jedoch auch die Umsatzsteuer zu beachten. Denn der Verkauf einer Vielzahl von Gegenständen über eBay kann eine unternehmerische Tätigkeit sein. Und diese kann der Umsatzsteuer unterliegen. Dies entschied der Bundesfinanzhof bereits mit Urteil vom 26.04.2012 (Az: V R 2/11).

In diesem Zusammenhang ist eine nachhaltige Tätigkeit tatsächlich schon aufgrund einer Vielzahl von Verkäufen gegeben. Irrelevant ist hingegen, ob bereits beim Einkauf eine Wiederverkaufsabsicht bestanden hat.

Vielmehr liegt bei der laufenden Veräußerung von Gegenständen in erheblichem Umfang keine private Vermögensverwaltung vor, wenn der Verkäufer aktive Schritte zum Vertrieb der Gegenstände unternimmt, indem er sich ähnlicher Mittel bedient wie ein Händler.

Kleinunternehmer ausgenommen

Um im täglichen Alltag die Umsatzsteuer zu umgehen, kommt gegebenenfalls noch die Kleinunternehmerregelung in Betracht. So wird Umsatzsteuer nicht erhoben, wenn die Umsätze zuzüglich der darauf entfallenden Umsatzsteuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überstiegen haben und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich 50.000 Euro nicht übersteigen werden.

Um noch in den Genuss dieser Kleinunternehmerregelung zu gelangen gaben Eheleute in einem Streitfall vor dem Finanzgericht Baden-Württemberg an, dass die über eBay erzielten Umsätze nach den Eigentumsverhältnissen an den verkauften Gegenständen aufzuteilen seien.

So soll es im vorliegenden Fall drei Steuersubjekte gegeben haben:

  • den Inhaber des eBay-Nutzerkontos
  • seine Ehefrau und
  • eine GbR aus den Eheleuten.

Würde man nun die Verkäufe auf diese drei Steuersubjekte aufteilen, wären die Grenzen der Kleinunternehmerregelung nicht überschritten und die Umsatzsteuer könnte außen vor bleiben.

Frage des Vertragspartners

Mit Urteil vom 26.10.2017 (Az: 1 K 2431/17) erteilte das Finanzgericht Baden-Württemberg dieser Auffassung jedoch eine Absage. Die (nachvollziehbare) Begründung: Bei eBay stellt bereits das Einstellen in die Auktion ein bindendes Angebot dar, dass der Meistbietende durch sein Angebot annimmt.

Bei einem solchen Vertragsabschluss ist für die Frage, wer Vertragspartner des Meistbietenden ist, entscheidend, wie sich das Versteigerungsangebot auf der Internetseite im Einzelfall darstellt. Klar ist insoweit auch, dass der Vertragspartner auch der Leistungserbringer im umsatzsteuerrechtlichen Sinne ist.

Nickname entscheidet

Auf dieser Basis kommt das Gericht zu dem Schluss, dass wenn für die Internetauktion ausschließlich ein Benutzername (Nickname) verwendet wird, derjenige Vertragspartner ist, dem dieser anonyme Benutzername von dem Unternehmen eBay bei Eröffnung des Nutzerkontos zugewiesen wurde.

Somit sind Umsätze aus Verkäufen über eBay immer der Person zuzurechnen, unter deren Benutzernamen die Verkäufe ausgeführt worden sind. Diese Person ist der Unternehmer, weshalb im vorliegenden Fall die Eigentumsverhältnisse an den verkauften Gegenständen irrelevant waren und der Kläger aufgrund des Überschreitens der Kleinunternehmerregelung zur Umsatzsteuer herangezogen wurde.

Steuerberatung?

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6 Kommentare

Kommentar hinterlassen
  1. 1
    Danuta

    Allerdings ist die Finanzverwaltung hoffnungslos überlastet und wird vermutlich nur die ganz großen Fische aus dem Meer der Schwarzhändler herausfischen

  2. 2
    07

    Hat dabei schon mal einer an die Umsatzsteuer aus den Gebühren gedacht?
    Auch der Kleinunternehmer muss diese Steuer nach § 13b UStG abführen, ein Vorsteuerabzug nach § 15 UStG ist nicht gegeben!!

  3. 3
    Jürgen63

    Wenn man z.B. ein mobiles Navi nach einem 3/4 Jahr verkauft weil man nun im neuen Auto ein fest eingabautes Navi hat. Das mobile Navi für 150 € von versteuertem Geld gekauft hat und es nun für 80 € verkauft, muss man diese 80 € als Nebenverdienst versteuern?! Kann ich dann auch die 70 € + Verkaufsprovision + Versandkosten, als Verlust/Ausgaben in meine Steuererklärung einfließen lassen.

  4. 4
    Manne007

    Hallo Six, Die Antwort steht bereits am Anfang.
    “So kann bei einem Verkauf bereits ein steuerlich relevantes privates Veräußerungsgeschäft vorliegen. Vorausgesetzt, es werden Gegenstände veräußert, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr betragen hat.”
    Sie haben Ihre Briefmarken bestimmt schon länger.

  5. 5
    Peter

    Also ich als Laie würde sagen bei Ihrer “alten” Briefmarkensammlung greift wohl die Regel das diese sich wohl länger als 1 Jahr in Ihrem Besitz befand….. von daher Steuerfrei!?

  6. 6
    Six

    Dem ist nichts hizuzufügen, aber wie sieht es aus, wenn man seine alte Briefmarkensammlung auflöst und als einzelne Marken bei ebay einstellt? das geht schnell 100erde von Marken.

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